Lang bevor die Bundesliga gegründet wurde, war der Fußball in Deutschland in zahlreiche regionale Spielklassen aufgeteilt und die Deutsche Meisterschaft wurde in einer Endrunde im KO-Modus ausgespielt. Der SV 1860 (zu der Zeit nicht “TSV”) trat damals in der Bezirksliga Bayern (Gruppe Südbayern) an und musste dem ungeschlagenen FC Bayern den Vortritt lassen. Dennoch landeten die Blauen am Ende der Spielzeit vor den Roten und spielten um die Deutsche Meisterschaft.

Starke Punktrunde der Löwen

Neun Siege und fünf Niederlagen sammelten die Löwen in der Südbayern-Gruppe der Bezirksliga Bayern. Keine Chance gegen den übermächtigen FC Bayern, aber immerhin Platz 2 vor dem punktgleichen SSV Schwaben Augsburg. Doch damit war das Aus noch nicht besiegelt. Ganz im Gegenteil: Jetzt ging es für den SV 1860 im Kampf um die Deutsche Meisterschaft erst so richtig los. Es folgte die “Runde der 2. und 3.” (Abt. Südost) und dort liefen die Löwen zu Höchstform auf. 13 Siege und nur eine Niederlage (ein 1:5 beim 1. FC Nürnberg) in 14 Partien sprachen eine deutliche Sprache. Als Rundensieger durfte 1860 an der Qualifikation zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft teilnehmen.

1860 bezwingt Phönix Ludwigshafen

Dort wurde den Löwen Phönix Ludwigshafen als Gegner zugelost – ein harter Brocken! 20.000 Zuschauer besuchten die Partie in Mannheim, die 1860 zu beherrschen schien. 3:1 führte Sechzig zur Pause und gar bis zur 75. Minute. Dann kamen die Pfälzer auf und glichen innerhalb von fünf Minuten zum 3:3 aus. So stand es auch nach 90 und gar 120 Minuten – ein Wiederholungsspiel musste her.

Dort setzte sich der SV 1860 mit 2:1 durch und zog in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft aus.

1860 auf dem Weg zur Meisterschaft?

In der Vorrunde gastierte der Meidericher SV im Heinrich-Zisch-Stadion und hatte beim 1:4 keine Chance. Zweimal Huber, Thalmeier und Oeldenberger schossen die Zebras zurück an die Wedau.

Viertelfinale gegen Sepp Herberger

Im Viertelfinale traf des SV 1860 im Stadion am Riederwald (Frankfurt) auf Tennis Borussia Berlin. Trainer der Hauptstädter war damals ein gewisser Sepp Herberger, doch die Löwen waren nicht gewillt, sich auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft stoppen zu lassen. Entsprechend konzentriert ging Sechzig zu Werk Otto Oeldenberger schoss 1860 in der 32. Minute ins Halbfinale.

Die Aufstellung des SV 1860

Trainer Max Breunig setzte am 25.05.1931 im Viertelfinale gegen Tennis Borussia Berlin auf folgende Elf:

Riemke – Schäfer, Wendl – Stock, Pledl, Eiberle – Stiglbauer, Lachner, Huber, Oeldenberger, Thalmeier

Tor:
Oeldenberger (31.)

Sieg im Halfinale gegen Holstein Kiel

Auch im Halbfinale war Oeldenberger wieder zur Stelle und traf für die Löwen. Zuvor hatte Pledl den SV 1860 in Duisburg gegen Holstein Kiel in Führung gebracht. Mit dem 2:0 über die Störche zog die Mannschaft von Max Breunig ins Finale um die Deutsche Meisterschaft ein.

Fragwürdige Entscheidungen gegen 1860

Im Finale gegen Hertha BSC war der SV 1860 die bessere Mannschaft, doch das Schiedsrichtergespann hatte etwas gegen den Titelgewinn der Löwen und bevorzugte die Hauptstädter so offensichtlich, dass selbst die Presse dies öffentlich anprangerte. 50.000 Zuschauer in Köln waren ebenso erschüttert wie die Mannschaft des SV 1860, als ihr zwei glasklare Elfmeter verwehrt wurden. Auf der anderen Seite erzielte die Hertha zwei Abseitstore, die jedoch gewertet wurden und so reichten die Tore Oeldenberger und Lachner nicht zur Meisterschaft für 1860. Mit dem unter äußerst fragwürdigen Bedingungen zustande gekommenen 3:2-Sieg feierte stattdessen Hertha BSC den Titel. Die Löwen waren jedoch die erste Mannschaft aus München, die das Endspiel erreicht hatte.

Nähere Informationen zum Endspiel findet Ihr u.a. auch im Löwenblick #1 der Abteilung Vereinsgeschichte, in dem Ihr auch ein Postermotiv dieser Partie findet. Die historischen Daten sind wieder dem Löwen Kompendium von Thorsten Ruinys entnommen. Kauftipp!

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