Tim Walter kehrt am Samstag als Trainer von Holstein Kiel an seine ehemalige Wirkungsstätte zurück. In der Saison 2017/18 trainierte der 50-Jährige den FC Bayern II, seine Motivation gegen den TSV 1860 dürfte also entsprechend hoch sein. Wie dem auch sei: Walter macht keinen Hehl daraus, dass er sein Team in der Favoritenrolle sieht und von einem Sieg seiner Truppe ausgeht.

Déjà-vu für den Trainer

In der Pressekonferenz vor dem Pokalspiel am Samstag erinnerte Walter daran, dass er Duelle mit dem TSV 1860 nicht nur mit Derbycharakter kennt:

“Es ist schon witzig und so schließt sich der Kreis. Mein erstes Pokalspiel im Profibereich war damals auch gegen die Löwen und jetzt bin ich zurück hier in Kiel und es sind wieder die Löwen – das ist schon irgendwie auch Schicksal. Aber wir freuen uns drauf, das sind zwei traditionsreiche Vereine (…) und das ist, denke ich doch, ein schönes Spiel. Klar ist die Situation beim Gegner jetzt ein bisschen verfahren (…), aber wir freuen uns drauf. Wir fliegen nach München, um eine Runde weiter zu kommen.”

Tim Walter nimmt Favoritenrolle der Störche an

Die Unruhe beim TSV 1860 in den vergangenen Monaten sieht Walter nicht als Indiz für die Leistungsfähigkeit der Mannschaft.

“Ich glaube, der Fußball schreibt seine eigenen Geschichten. Von daher denke ich nicht, dass das mit den Spielern auch was macht. Es ist eher eine Geschichte außerhalb des Sports, muss man schon so sagen.”

Dass er sein Team in der Favoritenrolle sieht, ist für den Trainer der Störche klar:

“Da müssen wir ja gar nicht groß drumherumreden. Wir spielen höher von der Ligazugehörigkeit, also sind wir Favorit. Es wäre vermessen, wenn Sechzig das von sich behaupten würde. Trotzdem muss jedes Spiel erstmal gespielt werden. (…) Trotzdem fahren wir da hin und wollen gewinnen.”

Verzichten müssen die Kieler im Grünwalder Stadion auf die Verteidiger Lasse Rosenboom, Frederik Roslyng und Sebastian Schonlau sowie die angeschlagenen Offensivkräfte Giorgi Kvilitaia und Andu Kelati. Die beiden Neuzugänge Noah Madsen und Gyan de Regt hingegen werden im Kader stehen. Auf der Torhüterposition wird Eigengewächs Lio Rothenhagen sein Profidebüt feiern. Der 19-Jährige bekommt im Pokal von seinem Trainer das Vertrauen ausgesprochen.

lio rothenhagen holstein kiel
Die Kieler Nummer 2 Lio Rothenhagen wird sein Profidebüt feiern

“1860 ist keine Laufkundschaft”

Auf die leichte Schulter möchte Walter das Duell mit dem Regionalligisten nicht nehmen und betont:

“Wir spielen gegen einen Klassentieferen. Dass wir das Spiel dominieren wollen, ist klar. Aber natürlich ist 1860 keine Laufkundschaft. Die bringen ja auch elf Spieler auf den Platz und jedes Spiel ist einfach schwer. Du musst es von Anfang an so angehen, dass es eine totale Konsequenz in Deinen Aktionen gibt. Genau das fordere ich von meinen Spielern. (…) Dementsprechend haben die Jungs auch trainiert und das werden wir auch in den kommenden Tagen so machen.”

Die Vorfreude auf das Duell an der Grünwalder Straße ist beim Coach der Störche auf jeden Fall schon vorhanden:

“Ich liebe den Pokal. Es ist ein Do or Die-Wettbewerb, wir wollen so weit kommen wie es geht. Das ist unser Anspruch.”

“Absolutes Highlight der Saison”

Patrick Nawe Holstein Kiel
Vereinshistoriker Patrick Nawe

Auch Patrick Nawe ist schon richtig heiß auf das Duell am Samstag. Das Spiel im Grünwalder Stadion wird sein vierzigstes DFB-Pokal-Spiel mit Holstein am Stück sein. Dass dieses ausgerechnet in Giesing stattfinden wird, freut den Vereinshistoriker der Kieler ganz besonders:

“Aufgrund der Tradition, des gemeinsamen einfachen Meistertitels und der Kultstätte an der Grünwalder Straße ist dieses Spiel für uns, für die Kieler Störche und die Fans, ein absolutes Highlight der Saison. Wir kommen mit 1500 Fans, das komplette Gästekontingent ist in Kiel verkauft worden. Das freut uns enorm und ich glaube, das wird eine gigantische Stimmung bei einem der kultigsten Fußballvereine Deutschlands.”

Dass Nawe einen Narren an den Löwen gefressen hat, hört man nicht nur anhand dieser Zeilen, sondern auch im persönlichen Gespräch. Ein äußerst angenehmer Zeitgenosse, von dem Ihr nach der Partie noch eine Geschichte werdet lesen können…

Sämtliche Bilder: Nawe/Holstein Kiel

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