München ist seit Samstag offiziell Deutschlands Bewerberstadt für Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044. Die endgültige Entscheidung des IOC über den Austragungsort soll 2029 fallen. Das Grünwalder Stadion ist für den Fall des Zuschlags als Austragungsstätte für Rugby vorgesehen. Welche Bedeutung hat die Olympia-Bewerbung für den TSV 1860 München?
Modernisierungsprogramm für Münchens Sportinfrastruktur
Die bayerische Landeshauptstadt könnte bei einer möglichen Olympia-Austragung stark auf die vorhandene Infrastruktur von 1972 zurückgreifen. Gleichzeitig sind zahlreiche Sportstätten inzwischen veraltet und müssten modernisiert oder teilweise neu gebaut werden. Die Bewerbung Münchens beinhaltet deshalb auch ein großes Modernisierungsprogramm für Münchens Sportinfrastruktur.
Das ist für den TSV 1860 besonders interessant, weil das Grünwalder Stadion Teil dieses Sportstätten-Konzepts werden soll. Die Olympia-Bewerbung ist damit nicht nur eine abstrakte Stadtentwicklungsfrage, sondern berührt unmittelbar die seit Jahren offene Stadionfrage unserer Löwen.
Bereits die frühere Stadionplanung von 1860 sieht eine grundlegende Modernisierung des Stadions an der Grünwalder Straße vor: rund 27.000 Zuschauer, eine zeitgemäße Infrastruktur und Erstligatauglichkeit. Die Finanzierung und weitere politische sowie baurechtliche Fragen waren bislang allerdings wesentliche Hürden.
Was bedeutet die Olympia-Bewerbung für das Grünwalder Stadion?
Oberbürgermeister Dominik Krause bezeichnet die Olympia-Nominierung Münchens ausdrücklich als „Rückenwind“ für den Stadionausbau. Das Grünwalder Stadion ist im Münchner Olympia-Konzept als mögliche Wettkampfstätte für Rugby vorgesehen. Auch olympischer Fußball war zwischenzeitlich angedacht, stattdessen wird wohl in Nürnberg, Regensburg, Stuttgart und Karlsruhe gespielt. Gleichzeitig betont Krause, dass die Stadt das Stadion auch unabhängig von Olympia modernisieren möchte.
Damit entsteht eine interessante Konstellation: Das Stadion müsste nicht erst wegen Olympia (um-)gebaut werden. Aber Olympia könnte dazu beitragen, dass ohnehin gewünschte Investitionen politisch, finanziell und organisatorisch schneller vorankommen. Für 1860 ist also nicht entscheidend, ob im Sechzgerstadion irgendwann tatsächlich olympisches Rugby stattfindet. Vielmehr ist von Bedeutung, dass die Olympia-Bewerbung die Rahmenbedingungen für den Stadionumbau erheblich verändern könnte.
Sechzgerstadion als Teil eines größeren öffentlichen Projekts
Bisher war der Ausbau des Stadions in Giesing in erster Linie ein Projekt des TSV 1860; der Verein möchte eine größere, modernere und wirtschaftlich leistungsfähigere Spielstätte. Durch die Olympia-Bewerbung bekommt das Stadion nun zusätzlich eine Funktion im Sportstätten-Konzept der Stadt München. Krause betont ausdrücklich, dass das Grünwalder Stadion als Olympia-Wettkampfstätte vorgesehen sei.
Dies verändert die Argumentation gegenüber Stadt, Freistaat und Bund. Das Stadion wäre dann nicht ausschließlich eine Investition zugunsten des TSV 1860, sondern könnte Teil einer übergeordneten Münchner Sportinfrastruktur sein. Das ist vermutlich der wichtigste Hebel der Olympia-Bewerbung.
Finanzierung könnte realistischer werden
Die geplante Modernisierung bewegt sich in einer Größenordnung von über 100 Millionen Euro. Genau diese Summe war bislang eines der größten Probleme. Wie bereits auf der Mitgliederversammlung präsentiert, wird bei Münchens großer Liebe über eine mögliche Finanzierung zu jeweils einem Drittel durch Bund/Freistaat, Stadt und den TSV 1860 (über externe Investoren) nachgedacht. Konkrete Finanzierungsdetails sind allerdings noch offen.
Die Olympia-Bewerbung könnte hierbei zusätzliche öffentliche Fördermöglichkeiten eröffnen. So könnten zusätzliche Fördergelder von Bund und Land für das Stadionprojekt ermöglicht werden. Wichtig ist allerdings die Unterscheidung: Die Olympia-Nominierung bedeutet noch nicht, dass 1860 nun automatisch Geld für den Stadionumbau bekommt. Sie verbessert vielmehr die Voraussetzungen dafür, entsprechende Förderungen und Beteiligungen zu begründen.
Zeitliche Planung könnte sich beschleunigen
Auch beim Verfahren selbst gibt es offenbar Bewegung, denn der TSV 1860 möchte bereits im Oktober den Bauvorbescheid beantragen. Walter Lechner, der Vorsitzende der Stadionkommission, erwartet durch die Olympia-Bewerbung einen „echten Beschleuniger“, unter anderem bei den bislang schwierigen Verhandlungen über den Erbpachtvertrag.
Dies ist für die Löwen selbstredend enorm relevant, denn selbst wenn das Stadionkonzept grundsätzlich politisch gewollt ist, muss eine ganze Reihe von Fragen geklärt werden:
- Baurecht
- Lärmschutz
- Erbpacht
- Finanzierung
- Rolle der Stadt
- Beteiligung von Freistaat und Bund
- Eigenanteil des TSV 1860
- Konkrete Anforderungen an eine mögliche Olympia-Wettkampfstätte
Die Olympia-Bewerbung erzeugt also einen zusätzlichen Zeit- und Handlungsdruck, diese Fragen zu lösen, was den Löwen durchaus zugute kommen könnte.
Für 1860 mehr als ein moderneres Stadion
Die wirtschaftliche Dimension des möglichen Stadionumbaus wäre für die Löwen nicht zu unterschätzen. Das geplante Stadion mit rund 27.000 Plätzen und zusätzlichen Business-/VIP-Bereichen würde dem Verein erheblich mehr Möglichkeiten eröffnen als das heutige Grünwalder Stadion. Die Machbarkeitsstudie sieht ausdrücklich eine erstligataugliche Arena mit entsprechenden kommerziellen Bereichen vor.
Neben höheren Zuschauereinnahmen, mehr Erlösen aus VIP- und Business-Bereichen, besseren Vermarktungsmöglichkeiten und einem Stadion, das auch für höherklassigen Fußball geeignet wäre, würde dies für den TSV 1860 in erster Linie bedeuten, dass man eine dauerhafte Perspektive am traditionellen Standort Giesing hätte.
Gerade der letzte Punkt ist für 1860 von besonderer Bedeutung. Das Stadion wäre nicht nur eine Infrastrukturmaßnahme, sondern würde die Frage beantworten, ob und unter welchen Bedingungen der TSV langfristig in seinem Stadtteil bleiben kann.
Es bleiben erhebliche Fragezeichen
„A gmahde Wiesn“ ist der Stadionausbau aber trotz der Olympia-Bewerbung Münchens natürlich noch lange nicht. Die dreistellige Millionensumme muss erst tatsächlich finanziert werden, in erster Linie ist der Eigenanteil der Löwen weiterhin ungeklärt. Inwiefern der TSV 1860 seine eigenen Mittel über Investoren, Sponsoren, Gönner oder die geplante Genossenschaft aufbringen kann, wird sich zeigen (müssen).
OB Dominik Krause stellt zwar Unterstützung in Aussicht, betont aber gleichzeitig, dass er Entscheidungen des Stadtrats und des Vereins nicht vorgreifen wolle. Das Stadion soll nach seiner Aussage ohnehin unabhängig von Olympia modernisiert werden.
Olympia selbst ist noch nicht vergeben
Zudem ist München zunächst nur Deutschlands Bewerberstadt, der internationale Bewerbungsprozess läuft erst an. Die IOC-Entscheidung soll 2029 fallen.
Sollte das Grünwalder tatsächlich Olympia-Wettkampfstätte werden, müssten bestimmte Anforderungen erfüllt werden. Welche konkreten zusätzlichen Maßnahmen daraus entstehen, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend festgelegt.
Titelbild: Powerhouse Company












Servus,
wie schön, dass es Menschen gibt, die sich solche Mühe machen. Eine sachliche Beschreibung auf der Basis aktueller Fakten. Damit haben wieder mal alle wirklich Interessierten die Möglichkeit, sich auf den neuesten Stand zu bringen und die eigene Meinung “aufzufrischen”. Diese Art der unaufgeregten Berichterstattung tut unserer Löwenfamilie gut und passt zur neuen Ausrichtung des Projekts Sechzig.
Ein Dankeschön deshalb an Stefan und ein Hoch auf Sechzger.de.
Löwengrüße von Epse🦁