Wer die sportliche Situation beim TSV beschissen findet, sollte einmal einen Blick ins nahe Ulm wagen. Dort brennt auf sportlicher Ebene wirklich der Baum und man steht als Absteiger wieder auf einem Abstiegsplatz. Nach einem “Hilferuf” der Mannschaft wurden Trainer und Sportdirektor beurlaubt und mit Pavel Dotchev ist nun der dritte Übungsleiter in dieser Saison am Ruder. Wir werden morgen also auf einen getroffenen Hund treffen, der hoffentlich nur bellt und unter neuer Führung nicht auch beißt. Nachdem man sich zuletzt gegen vermeintlich schwächere Gegner extrem schwer tat ist vollste Konzentration gefragt, wenn die Löwen an die Donau reisen. Dort wartet der SSV Ulm 1846 Fußball e. V.!
Aktuelles – Die Ausgangssituation
Aktuell sieht es düster aus an der Donau. Die Spatzen stehen mit 13 Punkten auf Platz 18 er Tabelle und weisen eine Bilanz von 4-1-10 mit einem Torverhältnis von 20:35 auf. Damit haben die Ulmer sowohl die zweitmeisten Niederlagen, als auch die zweitmeisten Tore der Liga kassiert. Die Offensive ist mit 20 Treffern eher in Ordnung, der siebte Rostock hat z.B. nur vier Tore mehr erzielt.
Die Formkurve zeigt auch seit längerem steil bergab. Der letzte Sieg – gegen den abgeschlagenen Letzten aus Schweinfurt – führt vom 1. Oktober her. Danach verlor man sechs Ligaspiele in Folge, unter anderem 5:0 gegen Rostock und Verl, sowie empfindliche Pleiten gegen die Abstiegskonkurrenz aus Ingolstadt und Havelse. Interessanterweise remisierte man zwischendurch in einem Test gegen den Bundesligisten aus Augsburg. Morgen könnte aber der viel zitierte Trainereffekt zum Tragen kommen und die Ulmer unberechenbar machen.
Kader & Transfers
Nach dem Abstieg aus der zweiten Bundesliga kam es in Ulm zu einem großen Umbruch. 17 Abgänge stehen 20 Zugängen gegenüber. Die Transfers spülten auch Geld in die Kasse, 1,05 Mio. € nahmen die Spatzen im Sommer ein.
Ablöse kassierte man für fünf Wechsel ins Unterhaus. Mit 400 000€ die höchste Summe bezahlte Münster für Oliver Batista Meier (24, OM), darauf folgt der Club aus Nürnberg mit 300 000€ für Mittelstürmer Samir Telalovic (25). Felix Higl (28), ebenfalls Mittelstürmer, war dem Kleeblatt aus Fürth wiederum 150 000 wert. Jeweils 100 000€ gab es für zwei Innenverteidiger. Philipp Strompf (27) zog es nach Bochum, während Niklas Kolbe (28) nun für die Berliner Hertha aufläuft. Mit Niklas Castelle (22, MS) sind die Löwen schon auf einen weiteren Abgang getroffen, die Leihe nach Aachen läuft durchaus erfolgreich.
Ersatz wurde nur ohne Ablöse geholt und dabei auch eher in der jüngeren Kategorie gesucht. Die zwei Ausnahmen sind die 28-jährigen Stürmer Dominik Martinovic (Essen, aktuell verletzt) und Andre Becker (Bielefeld). Im Tor stand gegen Rostock der 19-jährige Max Schmitt der von den roten Amateuren ausgeliehen ist, nachdem Stammkeeper Ortega ausgefallen war. Für die Defensive verpflichtete man Jonas David (25, IV, verletzt) von der WSG Tirol und Luis Görlich (25, RV) von Bryne aus dem norwegischen Oberhaus. Aktuelle Toptorschütze (4 Treffer) ist Elias Löder (25, OM) der aus Jena gekommen war.
Als Reaktion auf die aktuelle Misere legte man vor einigen Tagen nochmal nach und holte Mirnes Pepic (29, ZM) aus der Vereinslosigkeit. Der gebürtige Montenegriner spielte zuletzt in Aue auch schon unter Neu-Trainer Dotchev.
Löwenpower: Jonathan Maier (Jugend bis 2012), Dennis Dressel
Vereinsgeschichte
Der Schwimm- und Sportverein Ulm 1846, dem der heutige Verein SSV Ulm 1846 Fußball e. V. bis 2009 als Fußballabteilung angehörte, entstand am 5. Mai 1970 durch Fusion der beiden Vereine TSG Ulm 1846 und 1. SSV Ulm 1928. Mit über 8300 Mitgliedern entstand der damals größte Sportverein Deutschlands.
In der Saison 1978/79 gelang nach zuvor anhaltend guten Leistungen in der 1. Amateur zum ersten Mal im Zuge einer Umstrukturierung der Aufstieg aus der Oberliga in die 2. Bundesliga. In den 80er Jahren pendelte man dann zwischen zweiter und dritter Spielklasse. Zu Beginn der 90er fand man sich in der Oberliga wieder und wurde nach dem Scheitern in der Aufstiegsrunde 94/95 Teil der neuen Regionalliga Süd. 1998 gelang dann unter Trainer Ralf Rangnick der Aufstieg ins Unterhaus mit einem darauffolgenden Durchmarsch in die Bundesliga. Der Höhenflug dauerte aber nur kurz an und man musste postwendend – im Zuge einer extremen Schwächephase zum Saisonende – den Weg zurück in Liga 2 antreten.
Nach der Jahrtausendwende
Nach dem Abstieg wurde man in die Regionalliga durchgereicht, wo dann – ähnlich wie den Löwen 2017 – die Lizenz nicht erteilt wurde, weshalb man in die Viertklassigkeit abrutschte. Damit nicht genug, denn aufgrund einer Insolvenz musste man auch aus der Oberliga absteigen. Fortan trat die zweite Mannschaft, als “Erste” in der Verbandsliga an. Im DFB-Pokal durfte man übrigens trotzdem antreten und kam sogar in die zweite Runde. Es gelang außerdem er sofortige Aufstieg in die Oberliga, aus der man sich zum Ende der 2000er heraus kämpfen konnte, und ab 2008/09 wieder in der Regionalliga Süd (3) angekommen war.
Nach dem Aufstieg wurde Markus Gisdol als Trainer verpflichtet und man plante den weiteren Weg nach oben. Dann wurde aber im Sommer 2008 die Geschäftsstelle von der Staatsanwaltschaft durchsucht, da ein Verdacht auf Sozialversicherungsbetrug und Steuerhinterziehung bestand. Es wurden viele Verfahren eröffnet, der Spielbetrieb war aber erst einmal nicht betroffen. Nach einer ruhigen Saison, verlies Gisdol den Klub wieder und der uns wohl bekannte Manfred Paula übernahm für acht Spiele eher er ersetzt wurde.
Ausgliederung mit Folgen
2009 wurde dann die Fußballabteilung aus dem Hauptverein herausgelöst und der der SSV Ulm 1846 Fußball e. V. gegründet. Die finanzielle Lage im Hintergrund hatte sich aber im Zuge der Ausgliederung nicht gebessert und der Verein musste Ende 2010 bereits Insolvenz anmelden. Mit Beginn des Verfahrens 2011 stand der nächste Zwangsabstieg in die Oberliga fest. Im Zuge des Insolvenzplans kam es praktisch zu einem Schuldenschnitt.
Unter einem radikalen Sparkurs und dem Ulmer Urgestein Paul Sauter als Trainer und Präsident in Personalunion gelang direkt 2012 der Aufstieg in die Regionalliga Südwest (4). Der Sparkurs wurde aber nicht lange durchgehalten. im Mai 2014 drückten wieder 420 000€ Schulden und der Verein war zum dritten Mal insolvent. Die Spielzeit wurde außer Konkurrent zu Ende gebracht und man ging wieder in die Oberliga.
Der Aufstieg in die Viertklassigkeit gelang dann zur Saison 2016/17 in dessen Folge man sich auf diesem Level etablieren konnte. Nach über 22 Jahren im Amateurbereich gelang in der Spielzeit 22/23 der Aufstieg in Liga 3. Darauf folge der Durchmarsch in die 2. Bundesliga, der nur von kurzer Dauer war. Nach alter Ulmer Tradition ist die direkte Rückkehr in die Regionalliga gar nicht so unwahrscheinlich. Chaos gab es auch vor Beginn der Saison, als auf der Mitgliederversammlung zuerst eine Satzungsänderung blockiert wurde, ohne die keine Lizenz erteilt worden wäre.
Verein
Im Fußballverein wird, wie der Name schon sagt, nur Fußball angeboten. Es sind rund 4 500 Mitglieder Teil der Kicker, deren Profifußballes seit 2019 in eine GmbH & C. KGaA ausgegliedert sind. Die Geschäfte werden von einem Vorstand geführt, dessen Vertreter auch in der Firma die Führung innehat. Daneben kontrollieren in beiden Institutionen Aufsichtsräte die Arbeit.
Im Mutterverein, dem SSV ohne Fußball, sind rund 11 500 Leute organisiert, die Sport in 25 sparten treiben. Diese beinhalten unter anderem Aerobic, Badminton, Bahnengolf, Ballschule, Boule, Boxen. Cricket, Faustball, Fechten, Hockey, Leichtathletik, Muay Thai, Turnen und Skisport. Natürlich wird auch Schwimmen angeboten, weshalb der Verein sowohl über ein eigenes Hallenbad als auch ein vereinseigenes Freibad verfügt, das Mitgliedern kostenlos und zeitweise exklusiv zur Verfügung steht.
Fanszene
Die Fanszene der Spatzen steht im D-Block des Donaustadions, links von der Haupttribüne. Als Dachverband der aktiven Fans fungiert ein gleichnamiger Verein, der auch eine Website betreibt. Führende Kraft in der Ultraszene ist die Gruppe Broken Society Ultras mit ihrer Jugendgruppe Prodigys. Daneben gibt es noch Nebulosa Impero 2010 die in diesem Jahr schon das 15-jährige Bestehen gefeiert haben. Die Nachwuchsorganisation heißt hier Novus Ignis. Neben den Fahnen dieser Gruppen hängt oft noch die der Gruppe nero constante, welche zumindest ultranah sein müssen.
Die Ultras engagieren sich regelmäßig sozial und haben außerdem in Reaktion auf Vorkommnisse von sexueller Belästigung im Block eine Anlaufstelle für Betroffene Frauen ins Leben gerufen. Das SpatzenUfer ist über Telefon und email erreichbar und wird immer von einer “verlässlichen, weiblichen Person” besetzt.
Daneben gibt es – im Heimbereich, aber auch nur da – links neben den Ultras eine relativ große Hooliganszene. Diese versammelt sich hinter den Zaunfahnen der Hooligans Ulm, Donau Crew 08, Uniteds Ulm ’97 und des Donausturm. Dieser Teil der Szene gilt als stramm rechts und soll über viele Verbindungen ins rechtsextreme Milieu verfügen. Passend dazu hängt bei Auswärtsspielen oft eine Deutschlandfahne mit der Aufschrift “Ulm für Deutschland”. Daheim ist das nicht möglich, da das Zaunfahnen-Bild dort einheitlich in den Klubfarben gehalten wird.
Verbindungen
Von Seiten der Ultras gibt es Freundschaften zu den Ultras des ESV Kaufbeuren (Eishockey, Jokeria) und zu den Fans von Rot-Weiß Oberhausen. Letztere Verbindung wird auch von den Hooligans gepflegt. Diese haben außerdem (u.a. laut der recht alten Website der Donau Crew) Kontakte nach Augsburg (früher Bürgerwehr Augsburg), Nürnberg, Burgau (Eishockey) und anscheinend auch zur Ackerfraktion des TSV 1860.
Rivalitäten gibt es vor allem zum SSV Reutlingen und dem FC Heidenheim. Weiters versteht man sich mit den Stuttgarter Kickers und, freundschaftsbedingt, mit Duisburg nicht besonders gut. Offiziell gemeldet sind außerdem 13 Fanclubs wie z.B. die Spatzenfans Ehingen, La Familie oder die Bachtal Spatzen.
Das Stadion
Der SSV Ulm trägt seine Spiele im 1925 eröffneten Donaustadion aus, dass aktuell eine Kapazität von 17 400 Plätzen bietet, von denen 4236 überdachte Sitzplätze sind. Der Großteil der Zuschauenden, so auch die Fans in der Heimkurve, stehen unter freiem Himmel.
Das Stadion war das erste seiner Art in Süddeutschland. 1925, bei der Einweihungsfeier im Rahmen des Landesturnfests, zählte man rund 40.000 Zuschauer. Dies war möglich, weil es zu dieser Zeit noch keine Gegentribüne gab und die Öffnung des hufeisenförmigen Stadions an eine anliegende Wiese grenzte, die von den Zuschauern mitgenutzt wurde. Während des Krieges wurde die Holztribüne zerstört.
1952 wurde die bis heute bestehende und überdachte Haupttribüne errichtet. Erste Änderungen erfolgten mit der stufenförmigen Erhöhung der Stehplätze. In den 1980er Jahren wurden die Sitzbänke auf der Haupttribüne durch Einzelplätze ersetzt und eine Flutlichtanlage errichtet. 1999 wurde eine neue Gegentribüne mit 3.000 überdachten Sitzplätzen errichtet, davon wurde ein separater Zuschauerblock mit 500 Sitzplätzen zum Nichtraucherblock deklariert. Diese Maßnahme war damals einzigartig und fand später weitere Nachahmer.
Nach der Jahrtausendwende
Als die Fußballer des SSV Ulm 1846 im Jahr 1999 wider Erwarten in die 1. Bundesliga aufstiegen, wurden Zusatztribünen angeschafft, die an drei verschiedenen Stellen hinter den Stehplatzrängen zum Einsatz kamen. Dadurch konnte die Zuschauerkapazität von ursprünglich 19.500 auf 23.000 ausgebaut werden. Der anschließende Abstieg machte weitere Umbaumaßnahmen unnötig, wie etwa einen Neubau der Haupttribüne und die Überdachung der Stehplätze.
Nach dem Aufstieg in die dritte Liga zur Saison 23/24 musste eine Rasenheizung installiert werden, weshalb die Ulmer erstmal nach Aalen auswichen. Nach dem weiteren Aufstieg ins Unterhaus wurde diese Heizung dann mit einer neuen Beregnungsanlage wirklich eingebaut. Außerdem wurden provisorische Maßnahmen für Presse und VIP-Gäste vorgenommen.
Im Frühjahr diesen Jahres wurde zum 100-jährigen Jubiläum eine umfassende Modernisierung durch Stadt und Verein beschlossen, wobei die Laufbahn erhalten bleibt. Die Fans feierten den Geburtstag ihrer Heimat mit einer Choreographie beim Heimspiel gegen Mannheim.
Trivia – Unnützes Wissen
- Seit der Fertigstellung eines neuen Turms der Sagrada Familia in Barcelona hat das Ulmer Münster nicht mehr den höchsten Kirchturm der Welt.
- Ulm hat die älteste Stadtverfassung und das älteste Stadttheater (gegründet 1641) in Deutschland.
- Albert Einstein wurde in Ulm geboren.
- In Ulm findet alle zwei Jahre der Landesposaunentag statt, an dessen Ende immer ein Zusammenspiel aller Teilnehmenden im größten Posaunenchor der Welt steht.
- Der SSV Ulm 1846 wurde in der Saison 01/02 als Fünftligist der niederklassigste Verein, der je im DFB–Pokal – noch dazu gegen einen Erstligisten (Nürnberg) – ein Spiel gewinnen konnte.
Der 16. Spieltag im Überblick
| Freitag | 19:00 Uhr | SV Wehen Wiesbaden – FC Erzgebirge Aue |
|---|---|---|
| Samstag | 14:00 Uhr | FC Ingolstadt 04 – TSG 1899 Hoffenheim II |
| 14:00 Uhr | 1. FC Saarbrücken – Rot-Weiss Essen | |
| 14:00 Uhr | SSV Ulm 1846 Fußball – TSV 1860 München | |
| 14:00 Uhr | FC Energie Cottbus – FC Viktoria Köln 1904 | |
| 14:00 Uhr | MSV 02 Duisburg – Aachener TSV Alemannia | |
| 16:30 Uhr | 1. FC Schweinfurt 05 – SV Waldhof Mannheim 07 | |
| Sonntag | 13:30 Uhr | SSV Jahn Regensburg – FC Hansa Rostock |
| 16:30 Uhr | SC Verl 1924 – VfL 1899 Osnabrück |
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| 19:30 Uhr | VfB Stuttgart 1893 II – TSV Havelse 1912 |










