Das Fanprojekt München holt am heutigen  Donnerstag, 26. März 2026, den Autor Frank Willmann ins Bamboleo. Beginn ist um 18:60 Uhr. Im Mittelpunkt des Abends steht Willmanns neues Buch “Balkanblut”, in dem er Leben und Ende des serbischen Mafioso und Warlords Željko Ražnatović, genannt Arkan, nachzeichnet.

Lesung mit Frank Willmann ins Bamboleo

Willmann ist seit Jahren eine prägende Stimme, wenn es um Fußball, Osteuropa und die politischen und gesellschaftlichen Ränder des Sports geht. Mit Balkanblut widmet er sich einer Figur, an der sich beispielhaft zeigen lässt, wie sich organisierte Kriminalität, Geheimdienste, Nationalismus, Krieg und Fußballmilieus miteinander verschränken können. Im Interview mit der nd beschreibt Willmann Arkan als das „menschgewordene Böse” und als ein „Geschöpf des Verbrechens”. Genau darin liegt auch der Ansatz des Buches: nicht die trockene, klassische Biografie, sondern die schonungslose Erzählung eines Lebens, in dem Gewalt, Macht und Zerstörung alles überlagern.

Spannend ist dabei vor allem, dass Arkan eben nicht nur als einzelner Verbrecher erscheint. Willmann zeichnet nach, wie aus einem Bankräuber und Mafioso, der Kontakte zum jugoslawischen Geheimdienst hatte, in den Zerfallskriegen ein paramilitärischer Führer werden konnte. Seine „Tiger” waren in Kroatien und Bosnien berüchtigt, standen für Plünderung, Vertreibung, Mord und ethnische Säuberungen – und sie zeigen, wie fließend die Grenzen zwischen Staat, Unterwelt, Paramilitärs und nationalistischer Mobilisierung damals waren. Gerade auch die Verbindung zu Fußball-Hooligans von Roter Stern Belgrad macht das Thema für ein Publikum aus dem Fußballkontext besonders relevant.

Mehr als eine gewöhnliche Buchlesung

Und genau deshalb dürfte der Abend im Bamboleo weit mehr sein als eine gewöhnliche Buchlesung. In einer Zeit, in der der Nationalismus wieder tiefer in den Köpfen sitzt und gerade auf viele junge Männer erneut eine enorme Anziehungskraft ausübt, lohnt der Blick auf diese Geschichte ganz besonders. Im Fußball ist diese Gruppe überproportional vertreten, weshalb Fragen nach Männlichkeitsbildern, Feinddenken, Gewaltfantasien und kollektiver Identität auch im Umfeld der Kurve eine besondere Rolle spielen. Wer verstehen will, wie sich aus Gruppenloyalität, Machtinszenierung und nationalistischer Aufladung gefährliche Dynamiken entwickeln können, dürfte an diesem Abend einige wichtige Denkanstöße mitnehmen.

Interessant ist außerdem, dass Willmann im Interview mit der nd keinen Zweifel daran lässt, wie er Arkan bewertet. Eine „gute Seite” habe dieser nicht gehabt, in ihm hätten sich vielmehr alle bösen und zerstörerischen Eigenschaften gebündelt, die ein Mensch in sich tragen könne. Auch der Mythos, der Arkan in Teilen der Öffentlichkeit lange umwehte, wird damit klar zurückgewiesen. Willmann zeigt ihn nicht als schillernde Unterweltfigur, sondern als Produkt eines Systems aus Krieg, Verbrechen und nationalistischer Verrohung.

Balkanblut erzählt nicht nur das Leben eines Warlords, sondern wirft ein Schlaglicht auf die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen, die solche Figuren überhaupt hervorbringen. Das Fanprojekt München bietet mit der Lesung damit einen Rahmen, der über Literatur weit hinausgeht: zuhören, diskutieren, einordnen.

Wann und wo?

Donnerstag, 26.03.2026
Beginn: 19 Uhr
Ort: Bamboleo, Tegernseer Landstraße 96

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