So sieht man sich wieder! Schneller als gedacht müssen die Löwenfans wieder nach Schweinfurt. Seit dem Saisonausklang in Unterfranken sind gefühlt Jahre vergangen. Mannschaft wie Strukturen des TSV 1860 hat so git wie nichts mehr mit dem Konstrukt zu tun, dass vor einigen Monaten in die Kugellagerstadt reiste. Die Vorfreude ist groß, hoffentlich ist der Wettergott gnädig und lässt die Sonne auf den unüberdachten Gästeblick scheinen. Wo die Mannschaft wirklich steht, ist aufgrund einiger Last-Minute Neuzugänge schwer einzuschätzen. Lassen wir uns überraschen, der Neustart beginnt gegen den 1. Fussball-Club Schweinfurt 1905, Verein für Leibesübungen e.V.!

Aktuelles – Die Ausgangssituation

Sportlich ist noch nicht viel passiert, woraus sich eine echte Formkurve ablesen kann. Es treffen aber Ernüchterung auf Euphorie. In Schweinfurt ist man nach der 1:5 Klatsche im Auftaktspiel in Aubstadt sehr bescheiden in die Saison gestartet. Außerdem fallen die Leistungsträger Böhnlein und möglicherweise Dellinger aus. Auf was für eine Mannschaft die auf einer Euphoriewelle schwimmenden Löwen heute treffen wird – Niedergeschlagen oder auf Revanche aus – lässt sich nicht sagen. Klar ist nur, dass man beim FC Schweinfurt 05 in dieser Saison nach dem Ausflug in den Profifußball nun wieder kleiner Brötchen backen muss.

Kader & Transfers

In Schweinfurt gab es nach dem Abstieg einen großen Umbruch im Kader. 18 Neuzugänge stehen 21 Abgängen gegenüber. Neben ausgelaufenen Leihgeschäften, stechen besonders Erik Shuranov, Johannes Geis und Manuel Wintzheimer hervor, die letztes Jahr noch als Stars geholt wurden und nun in die Vereinslosigkeit entlassen wurden. In der Regionalliga Bayern verblieben ist nur Verteidiger Joshua Endres, der nun für Aubstadt aufläuft.

Die Neuverpflichtungen waren allesamt ablösefrei und kommen meist aus der Region. Allein fünf Spieler wurden aus Aubstadt geholt. Bis auf eine Leihe aus Hoffenheim – Leonard Krasniqi – kamen alle Spieler aus der Regionalliga oder drunter. Auch aus dem Jugendbereich wurden ein paar Akteure verpflichtet, aus der eigenen Jugend wurde nur Torwart Jan Morshäuser hochgezogen.

Löwenpower: Kristian Böhnlein (verletzt), TWT Norbert Kleider (1979-82),

Vereinsgeschichte

Der 1. Fussball-Club Schweinfurt 1905, Verein für Leibesübungen e. V.wurde am 5. Mai 1905 gegründet. Vereinsname und -wappen wurden seit dieser Zeit nicht verändert. Wappen Schweinfurt Nach einer Anfangszeit im bürgerlichen Milieu und kurzzeitigem Zusammenschluss mit dem TG 1848 Schweinfurt entwickelt man sich mit dem Umzug in den Norden-Westen der Stadt immer mehr zum Arbeiterverein. Durch die starke Unterstützung der Großindustrie in der “Welthauptstadt der Kugellager” entwickelte man sich zu einer klassischen Kraft im fränkischen Fußball.

Zu Beginn konnte man sich schnell im nordbayrischen Fußball etablieren und teilweise in der höchsten Regionalklasse mitspielen. Nach dem ersten Weltkrieg war man Stammgast in der Kreisliga und konnte 1931 endlich den Aufstieg in die Bezirksliga, die damals höchste Spielklasse erreichen. Durch gute Leistungen qualifizierte man sich 1933 für die neue Gauliga Bayern.

1936 wurde das bis heute bespielte Sachs-Stadion inklusive weitläufiger Trainingsanlagen eröffnet, das den Krieg unbeschadet überlebte. 38/39 gewann man mit den Weltklassespielern Kupfer und Kitzinger auf den Außen das ersten Mal die bayerische Meisterschaft, einen Erfolg, den man 41/42 wiederholen konnte. In der Endrunde zur deutschen Meisterschaft kam man aber nie besonders weit.

Nach den Kriegen

Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde man Teil der neuen Oberliga Süd der amerikanischen Besatzungszone und war eine der wenigen Mannschaften, die in allen 18 Spielzeiten Teil der Liga waren. Mit Einführung der Bundesliga wurde man in die Regionalliga Süd eingruppiert in der man sich zuerst schwer tat. Im Jahre 1966 errang man dann die erste Meisterschaft, scheiterte aber in den Aufstiegsspielen. 1974 war man nach anhaltend guten Leistungen Gründungsmitglied der neuen 2. Bundesliga.

Finanziell war diese neue Spielklasse aber eine Nummer zu groß für den FCS und so mussten die Schnüdel 1976 das erste Mal nach 55 Jahren einen sportlichen Abstieg hinnehmen. Angekommen in der Bayernliga hieß es erstmal konsolidieren und das schien finanziell, aber auch sportlich geschafft. Aus dem Nichts stieg man aber nach einer Top- Saison 1981/82 in der folgenden Spielzeit in die Landesliga ab. Es folgte eine Fahrstuhlfahrt, ehe man 1986 wieder Landesligameister wurde und Werner Lorant als Spieler und dann auch Trainer verpflichtete.

1989 wurde man unter Lorant Vizemeister in der Bayernliga. In der Folgesaison führte Lorant die Spieler auf den Zenit ihres Leistungsvermögens. Aus der Bezirksliga war vom FC Eibelstadt der junge Bernhard Winkler hinzugekommen. Das Team übernahm von Beginn an die Tabellenführung und errang nach einem dramatischen Finale im letzten Saisonspiel vor offiziell 32.000 Zuschauern im Grünwalder Stadion beim Tabellen-Zweiten 1860 München, der einen Sieg zum Titel benötigte, mit einem umkämpften 3:3 die Meisterschaft. Die Schnüdel steigen damit wieder in die 2. Bundesliga auf.

Doch auch der zweite Anlauf in der (nun eingleisigen) 2. Bundesliga ging schief. Nach vielen schmerzhaften Abgängen, u.a. Lorant, und wegen fehlenden Strukturen war man im Profifußball nicht konkurrenzfähig und stieg chancenlos ab. In der Folge verpasste man die Qualifikation für die neue Regionalliga und musste 1994 den Gang in die vierte Leistungsstufe hinnehmen. Es dauerte anschließend etwas, bis man sich wieder gefangen hatte. Mit neuem Personal gelang dann 1998 der Wiederaufstieg in die Regionalliga. Zur Jahrtausendwende überlebte man die nächste Ligenreform und blieb in der dritten Spielklasse.

Jahrtausendwende und Insolvenz

Im ersten Jahr in der zweigleisigen Regionalliga war man unerwartet erfolgreich und konnte am Saisonende den dritten Aufstieg ins Unterhaus vermelden. Nach guten Leistungen in der Hinrunde konnte man das Niveau nicht halte und stieg als Vorletzter abermals ab. Fast wäre man dann 2002 weiter durchgereicht worden, konnte aber knapp die Liga halten. Dies sollte aber ein Vorbote für schlimmere Entwicklungen sein. Es häuften sich Berichte um Probleme und Unregelmäßigkeiten, nur durch Privatgeld des Präsidenten konnte man die Klasse halten.

Im Sommer 2004 war damit aber Schluss und dem FC Schweinfurt wurde die Lizenz verweigert und man musste in die Bayernliga (4) absteigen. Der Verein rutschte in die Insolvenz und die Zurückstufung in die unterste Spielklasse konnte nur mit Mühe verhindert werden. Den Zwangsabstieg in die Landesliga gab es natürlich trotzdem. Es folgte ein reges Auf-und-Ab. 2010 steig man über die Relegation wieder in die Bayernliga auf und etablierte sich zunächst im Mittelfeld. 2011/12 verpasste der Klub trotz Aufstiegsziels die Qualifikation für die neue Regionalliga Bayern und musste in die Bayernliga Nord. Ein Jahr später gelang aber der Meistertitel inkl. Aufstieg in die Regionalliga. Trotz dieses Erfolgs verlor der Verein anschließend vorübergehend seine Stellung als führender Fußballverein Mainfrankens an die Würzburger Kickers.

In den ersten Jahren hatte man Schwierigkeiten die Klasse zu halten, konnte sich aber mittelfristig etablieren. Ab 2016/17 inklusive der Ausgliederung der Profis wurde der Aufstieg in Liga 3 als Ziel ausgegeben. Dieser sollte erstmal nicht gelingen, dafür wurde man mehrmals Landespokalsieger. Nachdem die Aufstiegsambitionen eigentlich schon wieder begraben waren, holte man in der Pandemiesaison den Meistertitel. In der Relegation musste man sich aber dem TSV Havelse geschlagen geben. Danach wurde offiziell zur Saison 23/24 die Rückkehr zu einem Amateurspielbetrieb verkündet, der direkt im Aufstieg mündete. In Liga 3 konnte man sich aber nicht behaupten und stieg als Stockletzter wieder ab. So sieht man sich wieder…

Verein

Der FCS vereinte vor gut 5 Jahren rund 1600 Fans unter den schwarz-rot-grünen Farben. Mittlerweile dürfte die Zahl aber deutlich gestiegen sein. Neben den Fußballern gibt es noch die Abteilungen Traditionsmannschaft, Gymnastik und Leichtathletik. Auch Frauenfußball wird gespielt und zwar von der U6 bis zu den Damen.

Seit 2008 ist Markus Wolf, mit seinem Unternehmen Wolf Möbel, Hauptsponsor des Traditionsklubs. 2010 wurde er Präsident und 2016 zudem Geschäftsführer des Vereins. Er bewahrte ihn mehrmals vor dem Gang zum Insolvenzgericht und konsolidierte ihn finanziell. Seit der 2016 erfolgten Ausgliederung der ersten Mannschaft in die 1. FC Schweinfurt 05 Fußball GmbH gehören ihm 50-1 Anteile an der Fußballfirma. Durch das Präsidentenamt im e.V. ist die 50+1 Regel in Schweinfurt aber auch eher theoretisch als praktisch erfüllt.

Fanszene

Auch in Schweinfurt gibt es eine kleine Ultrasszene die sich bei Heimspielen auf der Gegengerade platziert. Nach dem Rückzug der ersten ultraorientierten Gruppe Kaputte Moite 1998 aus der aktiven Arbeit, sind nun die Green Boyz mit ihrer Jugendgruppe FCS Jugend führend und blicken auf ein über 10-jähriges Bestehen zurück. Besonders Letzteren inklusive der sportlichen Fraktion um jung – sportlich – motiviert (JSM) werden starke Verbindungen ins rechtsextreme Lager nachgesagt. Besondere Wellen schlug vor einigen Jahren ein Vorfall bei dem Daten eines Journalisten von Zollbeamten an rechte Schweinfurt Hooligans weitergegeben wurden.

Weitere Gruppen der aktiven Fanszene sind die Mainbrigade, T.B.F. (Terrorblock Fridritt), die Bambule Crew und die Working Class Kids. Insbesondere die letzten beiden sind wohl klar dem Ultraslager zuzurechnen. Zusammen sieht man sich als Vertreter der Kugellagerstadt, was auch eine Zeit lang namensgebend für einen Förderkreis war. Ob dieser noch existiert, ist mir nicht bekannt, die Website wird in jedem Fall nicht mehr gepflegt. Die KM98 ist zwar von außen her gesehen inaktiv, die Personen sollen aber noch Teil der Szene und im Stadion präsent sein.

Freundschaften pflegt man zu den Fans des Würzburger FV mit der Ultragruppe Laternos82. Der große Feind ist der andere Verein aus Würzburg, die Kickers. Dies wird auch bei jedem Spiel durch eine FCK FWK Zaunfahne zum Ausdruck gebracht.

Das Stadion

Der FCS trägt seine Heimspiele in der Riedel Bau Arena im Sachs-Stadion aus. Auf ihrer Website heißt es zu dem Oldschool-Stadion:

“Das Sachs-Stadion in Schweinfurt wurde im Jahre 1936 als Willy-Sachs-Stadion seiner Bestimmung übergeben. Es war nach dem Stifter benannt, dem Industriellen Willy Sachs, dem damaligen Eigentümer der Fa. Fichtel & Sachs, und dient vorrangig dem 1. FC Schweinfurt 1905. Im Jahr 2021 wurde es auf Basis der veröffentlichten Informationen zum Leben und Wirken von Willy Sachs in der Zeit des Nationalsozialismus durch einen Stadtratsbeschluss in Sachs-Stadion umbenannt.

Der neue Name verweist nicht nur auf die Firma und die Stadtgeschichte, er ist auch ein Dank an tausende Arbeiter und Angestellte von Sachs, die die Entwicklung des Unternehmens und damit auch der Stadt erst ermöglichten. Am Stadion wird zudem eine Tafel mit Erklärungen zur Biografie von Willy Sachs, dem 1896 geborenen Sohn von Ernst Sachs, angebracht.

Das Stadion wurde am 23. Juli 1936 unter großer Beteiligung nationalsozialistischer Propaganda und der Anwesenheit von exponierten Nationalsozialisten wie Himmler und Göring eingeweiht. Es handelt sich um ein Fußballstadion mit einer Leichtathletikbahn, das mit den hohen Bäumen, welche die Ränge umstehen, eine besonders heimelige Atmosphäre vermittelt. Um die Auflagen für die 2. Bundesliga zu erfüllen, wurde das Stadion im Sommer 2001 umfassend saniert. Die Stufen der Stehränge wurden erneuert und eine Flutlichtanlage wurde installiert. Zudem wurde ein abgetrennter Gästeblock mit separatem Eingang eingerichtet. Die Schweinfurter Industrie stiftete eine LED-Anzeige.

Das Fassungsvermögen des Stadions beträgt zurzeit rund 15.000 Plätze, darunter knapp 900 Sitzplätze auf der überdachten Haupttribüne. Nachdem im September 2014 auf den Stehrängen die für größere Zuschauermassen vorgeschriebenen Wellenbrecher errichtet wurden, kann dieses Fassungsvermögen auch wieder voll ausgenutzt werden. Neben den Sportveranstaltungen dient das Stadion gelegentlich auch musikalischen Großveranstaltungen.”

FC Schweinfurt 05 Sachs Stadion
Die Haupttribüne des Sachs-Stadions

Die Haupttribüne des Stadions wurde im Bauhausstil vom Architekten des Stuttgarter Hauptbahnhofs Paul Bonatz entworfen. Es ist eine der seltenen Vorkriegsanlagen, in denen bis heute keine größeren baulichen Eingriffe vorgenommen wurden. Neben dem Berliner Olympiastadion ist es die einzige, weiträumige Sportanlage aus den 1930er Jahren, die einschließlich aller Nebengebäude unter Denkmalschutz steht.

Wer noch mehr zur durchaus interessanten Geschichte des Fußballplatzes erfahren will, dem sei der entsprechende Wikipedia Artikel ans Herz gelegt. Hier werden sowohl weiter architektonische Highlights, als auch die vorgenommenen Umbaumaßnahmen in Zuge des Drittligaaufstiegs detailliert beschrieben.

Trivia – Unnützes Wissen

  • Tormanntrainer Norbert Kleider ist seit 1985 in der Doppelfunktion als Trainer und Busfahrer der Schnüdel tätig und außerdem der älteste (74) auf seiner Position im deutschen Profifußball.
  • In der Ewigen Tabelle der Oberliga Süd liegt der FC 05 auf dem achten von insgesamt 33 Plätzen, vor dem TSV 1860 München
  • Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina wurde 1653 in Schweinfurt gegründet.
  • Der Name leitet sich nicht von Schweinen ab, sondern vermutlich vom altdeutschen Wort swin für einen flachen, versandten Wasserlauf.

Der 2. Spieltag im Überblick

Freitag 1:2 1. FC Nürnberg II – SpVgg Unterhaching 
3:2 FC Augsburg II – TSV Landsberg
0:1 SC Eltersdorf – DJK Vilzing
2:0 SV Wacker Burghausen – Seitenstraße II
5:1 TSV Buchbach – VfB Eichstätt
2:0 FC Illertissen – TSV Schwaben Augsburg
Samstag 14:00 Uhr 1. FC Schweinfurt 05 – TSV 1860 München 
14:00 Uhr FC Memmingen – SpVgg Ansbach 
16:00 Uhr SpVgg Fürth II – SpVgg Bayreuth
Spielfrei TSV Aubstadt

 

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Veit-Gero

Absolut lesenswerter Artikel.
Umfassend und sehr informativ, da auch über den “Tellerrand” hinaus geblickt wird.
Einiges war neu für mich.
Danke dafür.