Neun Spiele. Zehn Spieltage später.

Früher war jetzt langsam der Zeitpunkt, an dem ich angefangen habe zu rechnen.

Wie viele Punkte haben wir?

Wie weit sind wir vom Tabellenführer entfernt? Und wie weit vom Keller?

Wie viele Spieltage braucht es noch, bis der Trainer fliegt?

Aber vor allem:

Wie lange kann das eigentlich noch gut gehen?

Zehn Spieltage waren mehr als ein Zwischenstand. Sie waren die erste Bilanz für die (wieder-)kommenden Probleme. Die alljährlichen Zahlenspiele.

Und heute?

Heute rechne ich auch. Aber ich rechne anders.

In den beiden letzten Saisons waren es zum gleichen Zeitpunkt 12 beziehungsweise 13 Punkte. Aber seit dem Neustart mussten die Löwen in der Regionalliga noch nicht einmal als Verlierer vom Platz gehen – auch wenn es sich manchmal so angefühlt hat. Mit 17 Punkten grüßt man aus dem Verfolgerfeld.

Natürlich in einer anderen Liga. Natürlich ist das erst ein kleiner Ausschnitt der 36 zu absolvierenden Spiele. Und natürlich wäre es völlig falsch, daraus jetzt einen Anspruch abzuleiten.

Es geht (nicht) nur um die Zahlen

Heute beschäftigen mich nach zehn Spieltagen auch im Sportlichen andere Dinge mehr, als die Tabelle.

Spieler, deren Namen vor kurzem noch nicht viele Löwen kannten, stehen jetzt als Leistungsträger auf dem Platz. Dazu einen Kern aus Spielern, die viel Erfahrung und eine echte Verbindung zu Sechzig mitbringen.

Erfahrung trifft auf Jugend, Vergangenheit auf Zukunft.

Ich habe das Gefühl, dass sich diese Mannschaft von Spiel zu Spiel entwickelt. Schritt für Schritt holt man den Rückstand der kaum vorhandenen Vorbereitungszeit nach.

Aber das Wichtigste: Jeder, der auf dem Platz steht, gibt 100% für Sechzig. Und so wachsen die Zahlen und erzählen ihre Geschichte.

8000 Gründe

Ausverkauft.

Das war das Einzige, was Löwenfans sehen konnten, die mehr als eine Stunde nach Öffnung des neuen Online-Shops noch ein Löwentrikot ergattern wollten. 8000 Mal wurde das neue Jersey innerhalb von der ersten Stunde verkauft. Ein Trikot, das mehr ist als ein Stück Stoff, weil es für viele auch ein sichtbares Zeichen unseres Neustarts geworden ist.

Die Zahlen bestimmen doch wieder einmal die Löwenwelt. Denn sogar über 10.600 Löwen haben sich eine Dauerkarte für diese Saison gekauft – viele davon sogar zum zweiten Mal in diesem Sommer. Das alleine sind fast viermal so viele Zuschauer, wie der Zuschauerschnitt des letztjährigen Zuschauermeisters aus Würzburg bei seinen Heimspielen. Ganz abgesehen davon, dass man in der Liga bislang kein Heimspiel mit weniger als 15.000 Löwen zu sehen bekam.

Der eigentliche Unterschied

In den vergangenen Jahren gab es für mich nach zehn Spieltagen zwei Optionen:

  1. Es kriselt und ich warte auf den nächsten Streit, den nächsten Zerfall, die nächste Hiobsbotschaft.
  2. Es läuft ganz gut und ich traue der Ruhe nicht.

Ich war so sehr beschäftigt mit dem, was schlecht laufen könnte oder schon schlecht lief, dass ich vergessen hatte, wie es sich anfühlt, wenn man nicht ständig darauf wartet, was als Nächstes schief läuft. Es gab keinen Raum für Entwicklung.

Jetzt wächst plötzlich alles. Eine Mannschaft zusammen. Junge Spieler zu Leistungsträgern. Unser Stadion wieder auf 25.000 Plätze.

Und eine sportliche Entwicklung, bei der man nach zehn Spieltagen nicht darüber diskutieren muss, wann es endlich besser wird.

Elf Spieltage später

Vor elf Spieltagen habe ich mich noch gefragt, was dieser Sommer mit Sechzig machen würde.

Vor zehn Spieltagen habe ich mich noch gefragt, ob das gut gehen wird.

Heute frage ich mich, wie weit wir in den nächsten zehn kommen.

Und ganz plötzlich merkt man zehn Spieltage später, dass man längst nicht mehr dort steht, wo man angefangen hat.

 


 

Die Giesinger Gedanken erscheinen regelmäßig als Kommentar und stellen die persönliche Meinung eines Mitglieds unserer Redaktion oder eines Gastautors dar. Sie spiegeln nicht grundsätzlich die Meinung der gesamten Redaktion wider.

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4 Comments
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pacco60

Könnten wir es uns eigentlich leisten in dieser Saison aufzusteigen? Hat da irgendjemand Infos/ eine Meinung dazu? Fände es echt schlimm, die ganze Saison mitzufiebern, wenn wir dann am Ende gar nicht hoch wollen so wie Haching letztes Jahr.

wolf

Meine Meinung ist ja, und wenn es schließlich nur durch eine zusätzliche Spendenaktion erreicht wird.

Loewe Nobbi

Sehr guter Kommentar, hoffe bis Dez. Dass es weiter aufwärts geht. Evtl.recht platz 2 hinter Buchbach. Schade nur um die lange Winterpause von 10 Wochen, weiter so Löwen.

D.Pest

So richtig. Vollkommen neue Vorraussetzungen als die ganzen letzten Jahre unter Dubaiherrschaft. 
Ich frage mich auch, wie viel Anteil Alper am Verbleib von z. B. Fiedler, Erdogan oder Fassmann hatte. Den Jungs musste doch schon regelrecht schwindlig werden, wenn dass mit den Angeboten aus der Türkei bzw. 2. und 3. Liga auch nur annähernd richtig ist. 
Alper kennt die in- und auswendig- umgekehrt genauso. Bin mir fast sicher, der Kader würde anders aussehen, weniger Sechzig-DNA und damit noch unberechenbarer. Denke er war sicher auch ein ausschlaggebender Punkt für den Verbleib.
Allora, Alper ist ein ganz wichtiger Baustein in diesem Konstrukt. Hoffe er kriegt nach ganz viel Zeit..