Ein Duell von mindestens Drittligaformat steht morgen an, wenn die Löwen an die österreichische Grenze reisen. Der Gegner aus der Chemiehochburg an der Salzach hat ebenfalls schon einmal höher gespielt und ein – für die Größe der Stadt – riesiges Stadion. Das wird wahrscheinlich ausverkauft sein und gegenüber dem Gästeblock wird endlich einmal wieder eine anderer aktiver Fanblock Aufstellung nehmen. Für Sechzig geht es in die einwohnerstärkste Ortschaft im Landkreis Altötting zum Sportverein Wacker Burghausen e.V. !

Aktuelles – Die Ausgangssituation

Nachdem es an diesem Spieltag auch die Paarungen 1. gegen 2., 5. gegen 6. und 4. gegen 7. gibt, ist unsere Partie sportlich gesehen kein Topspiel. Als aktuell 8. sind die Burghausener aber natürlich nicht zu unterschätzen. Eine Bilanz von 4-2-4 ergibt 14 Punkte, wobei man besonders offensiv überzeugt und mit 24 Treffern den besten Angriff der Liga stellt. Mit 18 Gegentreffern ist man hinten aber eher am unteren Ende der Regionalliga zu finden. Viel geht aber auch auf die spektakuläre 4:5-Heimniederlage gegen die DJK Vilzing.

Im September hat Wacker wieder etwas in die Spur gefunden, siegte letzte Woche mit 5:2 gegen Augsburg II. Davor remisierte man gegen Memmingen und konnte gegen Bayreuth drei Punkte einsacken. Nur gegen Aufsteiger Landsberg musste man sich knapp mit 1:2 geschlagen geben. Auch der Saisonstart war gut gelaufen, weshalb der besonders hinten raus schwache August für die nicht wirklich zufriedenstellende Tabellenposition verantwortlich ist. Nur ein Punkt in der Liga und vier Pflichtspielniederlagen in Folge sprechen eine deutliche Sprache.

Kader & Transfers

Bekanntester Neuzugang ist Trainer Matthias Ostrzolek (36), der vorher als Spielertrainer für Schwaben Augsburg aktiv war. Er ersetzte den mit den Rahmenbedingungen unzufriedenen Lars Bender, der nun hoffentlich inmitten besserer Infrastruktur am Nordrand Münchens ein möglichst spaßbefreites Dasein fristet.

Auch auf Spielerseite war Burghausen im Sommer sehr aktiv, 14 Abgänge und 15 Zugänge klingen nach Umbruch. Hier bedienten die Oberbayern sich bei zweiten Mannschaften und in der Regionalliga. Ein Duo – darunter der pfeilschnelle Stürmer Marc Sodji (23) – kam von Chemie Leipzig. Weiters zog man sechs Spieler aus der eigenen U19 hoch, der Nachwuchs ist bei Wacker traditionell stark. Darunter der 19-jährige Offensivmann Moritz Leitner, der schon vier Tore erzielt hat und wegen dessen (ausgebliebener) Vertragsverlängerung ein Konflikt innerhalb des Klubs entbrannte.

Abgänge gab es vor allem in die 4. und 5. Leistungsstufe. Der manchen vielleicht aus Türkgücü-Zeiten bekannte Alexander Sorge (33, IV) spielt nun mit Ex-Löwe Maxi Wolfram gemeinsam bei den Offenbacher Kickers. Im sehr jungen Kader des SVW – Jannis Turtschan ist mit 24 der Routinier in der Verteidigung – gibt es nur zwei echte Stützen. Die liefern dafür weiter ab. Kapitän Felix Bachschmid (30) ist der einzige Feldspieler über 25 und führt aktuell mit sieben Treffern in acht Einsätzen die Torschützenliste der Liga an. Im Tor ist seit über fünf Jahren der Linzer Markus Schöller (31) gesetzt. Außerdem gesetzt ist Ex-Löwe und Eigengewächs Moritz Bangerter (21, ZM), der bisher in allen Partien eingesetzt wurde.

Vereinsgeschichte

Der Sportverein Wacker Burghausen wurde am 13. November 1930 gegründet. Ausgangspunkt war die Ansiedlung der Wacker Chemie in der Stadt, für deren Beschäftigte der Verein zunächst als Breitensportverein gedacht war. Zu den ersten Sportarten gehörten Fußball, Leicht- und Schwerathletik, Ringen und Schießen. In den ersten Jahren entwickelte sich der Verein schnell, bevor der Spielbetrieb während des Zweiten Weltkriegs 1943 eingestellt werden musste. Nach dem Krieg gelang der Wiederaufbau, und die Fußballmannschaft arbeitete sich über die Amateurklassen bis 1965 in die Landesliga vor.

Eine entscheidende Entwicklung begann in den 1990er-Jahren. 1993 stieg Wacker in die Bayernliga auf, 1995 folgte der Sprung in die Regionalliga. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich der Verein vom Amateur- zum Profiklub: 2002 gelang unter Trainer Rudi Bommer erstmals der Aufstieg in die 2. Bundesliga, wo sich Wacker mehrere Jahre halten konnte. Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga 2007 spielte der Verein zunächst in der Regionalliga und anschließend in der 3. Liga.

2014 stieg Wacker in die viertklassige Regionalliga Bayern ab. Trotz zwischenzeitlicher Erfolge – unter anderem der Vizemeisterschaft 2015/16 – fehlten die Voraussetzungen für eine Rückkehr in den Profifußball. 2017 beendete der Verein aus finanziellen Gründen erst einmal den Profibetrieb und führt den Fußball seitdem als Amateurbetrieb fort. Mit dem Anteilsverkauf 2024 möchte man nun bis zum 100-jährigen Bestehen im Jahre 2030 wieder zurück in die 3. Liga.

Verein

Wacker vereint rund 5.300 Mitglieder unter dem weiß-schwarzen W. Neben dem Fußball bietet der Verein 24 weitere Abteilungen und Sportarten an: Amateurfunk, Badminton, Basketball, Cricket, Eisschützen, Faustball, Fechten, Handball, Jugendclub, Kegeln, Kindersportschule, Leichtathletik, Paddeln, Radsport, Ringen, Schießen, Schwimmen, Segeln, Ski, Tennis, Tischtennis, VitaSport, Volleyball und Windsurfen. Die Ringer sind aktuell amtierender deutscher Mannschaftsmeister und treten heute um 19:30 Uhr daheim gegen Erzgebirge Aue an. Die Fußballer gliederte man zum Schutz der Gemeinnützigkeit im Jahre 2006 in die Wacker Burghausen Fußball GmbH aus, von der seit 2024 24,9% der Rothwinkler Vermögensverwaltungs GmbH gehören. Im Zuge dieses Verkaufs setzte sich Wacker das Ziel, bis 2030 wieder in Liga 3 zu spielen.

Fanszene

In Burghausen gibt es in der Westkurve hinter dem Tor eine gewachsene aktive Fanszene, was in einer Stadt mit nur knapp 20.000 Einwohnern wirklich bemerkenswert ist. Die bekannteste Ultrasgruppe waren Ultras Black Side 2003 (UBS). Die erste auch in Niederbayern aktive Ultragruppe hat aber ihre Aktivitäten 2019 eingestellt. Hinter der 1930 Fahne stehen aber noch immer einige Ex-UBS Leute, eine Auflösung der alten Gruppe ist nie erfolgt. Eine weitere Gruppierung war In den Grüben die 2019 ihre aktive Zeit beendete. Aktuell ist die 2023 gegründete Gruppe Testardos (testardo bedeutet auf Italienisch „stur“ oder „hartnäckig“ bzw. „Dickkopf“) die führende Kraft in der Burghauser Fanszene. Daneben sind noch Grupo Somossa (2002), Black Devilz und Burginferno Burghausen Teil der aktiven Szene.

Westkurve Burghausen im Jahre 2017.

Eine Freundschaft pflegt man seit Langem zu The Unity, der führenden Gruppe bei Borussia Dortmund. Kontakte bestehen außerdem zu Saarbrücken, Darmstadt, Salzburg und Udine. Hauptfeind ist Jahn Regensburg, dies ist aus Wacker-Sicht auch das einzige Derby. Sonst ist auch Haching nicht besonders gerne gesehen.

Pyro und Spruchband beim Toto-Pokal Duell 2021

Das Stadion

Seine Spiele trägt Burghausen in der Wacker-Arena aus, die aktuell den Namen flatbuy-Stadion an der Liebigstraße trägt. Das 2001 eröffnete Stadion verfügt über eine Kapazität von 10.000 Plätzen (3.049 Sitz-, 6.951 Stehplätze), die aber aktuell aufgrund von Bauarbeiten am angrenzenden Hallenbad auf 9.000 reduziert ist. Die kleine Gegengerade wird deshalb Badseite genannt. Das Stadion verfügt zwar über eine Laufbahn, die Hintertortribünen aus Stahlrohrkonstruktionen stehen aber trotzdem fast direkt am Spielfeld.

Die Haupttribüne des Stadions an der Liebigstraße

Das Stadion wurde 1952 als Stadion an der Liebigstraße eröffnet. Nach umfangreichen Renovierungsmaßnahmen im Jahr 2002 trug es von 2002 bis 2025 den Namen Wacker-Arena. Seit der erneuten Umbenennung im November 2025 heißt das Stadion offiziell flatbuy-Stadion an der Liebigstraße. Nach erneutem Ausbau hatte das Stadion in der Saison 2006/07 eine Kapazität von 12.200 Plätzen, die nach den Abstiegen seither immer wieder angepasst wird.

Trivia – Unnützes Wissen

  • Auf einem Höhenzug über der Altstadt erstreckt sich die Burg zu Burghausen, die mit 1051 Metern die längste Burganlage der Welt ist.
  • Bekannt ist Burghausen außerdem für seine internationale Jazzwoche mit Konzerten in der ganzen Stadt.
  • Im Sommer ist der Wöhrsee unterhalb der Burg ein sehr empfehlenswertes Ausflugsziel.
  • Die Hammerschmiede in Burghausen ist die älteste noch betriebene Hammerschmiede Europas.
  • Die Vereinsgründung fand in der Werkskantine der Wacker-Fabrik statt.

Der 11. Spieltag im Überblick

Freitag 18:30 Uhr Seitenstraße 1b – Schwaben Augsburg
19:00 Uhr Eltersdorf – Bayreuth
19:00 Uhr Fürth II – Nürnberg II
19:00 Uhr Memmingen – Buchbach
Samstag 14:00 Uhr Augsburg II – Aubstadt
14:00 Uhr Vilzing – Illertissen
14:00 Uhr Haching – Eichstätt
14:00 Uhr Landsberg – Ansbach
14:45 Uhr Burghausen – TSV 1860 München
Spielfrei Schweinfurt

 

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Kraiburger

Wie genau sieht denn ein Sport in der Abteilung “Amateurfunk” aus?