Es ist – neben der Einführung des VAR zur Saison 2017/18 in der ersten und zwei Jahre später in der zweiten Bundesliga – wohl eines der umstrittensten Themen im deutschen Fußball in den letzten zehn Jahren. Die Ligenstruktur am Übergang zwischen Profigeschäft und Amateurfußball, also zwischen 3. Liga und Regionalliga. Der Ärger betrifft vor allem die Aufstiegsfrage aus den vierten Ligen in die Drittklassigkeit, bei der aktuell stets einer (von fünf) Regionalliga-Meistern auf der Strecke bleibt. Nachdem sich in den letzten Jahren sehr viele, insgesamt bis zuletzt 54 Vereine der Initiative Aufstiegsreform 2025 angeschlossen hatten (im September auch der TSV 1860), kam Bewegung in die Sache und der DFB gündete eine AG Regionalliga-Reform. Und diese hat, wie der DFB am gestrigen Montag vermeldete, nun ihre Arbeit aufgenommen.

Aktuelle Aufstiegsregelung in die 3. Liga seit 18/19

Derzeit gibt es in Deutschland fünf Regionalligen (Nord, Nordost, West, Südwest und Bayern), aber jeden Sommer nur vier freie Plätze in der 3. Liga. Diesem Problem bei der Aufstiegsfrage aus der Regionalliga begegnet man seit der Saison 2018/19 mit einem  Verfahren, bei dem die Meister der Nord-, der Nordost- und der bayerischen Staffel jeweils rollierend einen sicheren Aufsteiger stellen und die beiden verbliebenen Meister in zwei Relegationsspielen den vierten Platz für die Folgesaison in der 3. Liga ausspielen. Die Meister aus dem Westen und Südwesten steigen stets automatisch auf. So bleibt wenigstens nur ein einziger Regionalligameister pro Saison auf der Strecke.

Bis Sommer 2018 (die Löwenfans erinnern sich noch zu gut an den Aufstiegskrimi gegen Saarbrücken) hatte der Südwesten zwei Vertreter in die Relegation geschickt, sodass aus drei Relegationspartien drei Aufsteiger resultierten und bis zu drei Meister nicht aufsteigen durften. Die aktuelle Lösung, für die die 3. Liga jedoch einen vierten Absteiger akzeptieren musste, war eine Übergangslösung als Kompromiss. Der viele nicht zufrieden stellte.

Arbeitsgruppe Regionalliga Reform legt los

Der Arbeitsgruppe, die nun eine neue Lösung entwickeln soll, welche aber nur einen Entscheidungsvorschlag darstellen wird, über den dann die zuständigen Beschlussgremien entscheiden, gehören 13 Vereins- und Verbandsvertreter aus den fünf Regionalligen sowie der DFB-Geschäftsführer Spielbetrieb, Manuel Hartmann und der DFL-Direktor Spielbetrieb & Fans, Ansgar Schwenken an. Ihren Vorsitz hat der 73jährige Grünen-Politiker Michael Vesper inne, der bis Ende 2017 Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) war. Das erste Treffen, dem laut eines Berichts des mdr schon zahlreiche sondierende Vorgespräche vorangegangen waren, fand am Montag Nachmittag in digitaler Form statt und diente zunächst einem Austausch über die gewünschten Rahmenbediungen und die grundsätzlichen Erwartungshaltungen der Beteiligten. Die Fußballfans in Deutschland, so viel steht fest, erwarten eine Menge von dieser AG.

Zweigleisige vierte Profiliga als favorisierte Lösung

Wie aus dem Umfeld der Arbeitsgruppe zu hören ist, werden der Einführung einer zweigleisigen vierten Profiliga, wie sie zum Beispiel von Steffen Schneekloth, seines Zeichens Präsident des Zweitligisten Holstein Kiel und DFB-Vizepräsident, unterstützt wird, aktuell die meisten Realisierungschancen eingeräumt. Die schwierige Zusammenlegung und Verkleinerung der aktuell fünf auf vier Regionalligen unterhalb der 3. Liga, die in der Diskussion unter Fußballfans in den letzten Jahren so gerne als “ganz einfach” bezeichnet wurde, in Wahrheit aber seit jeher das quasi unlösbare Kernproblem der ganzen Thematik darstellt, wäre damit vom Tisch. Die fünf Regionalligen könnten als fünfte Ligenebene weiter bestehen. Und auch alle Ligen darunter würden genauso weiter spielen, wie aktuell.

Reform von Regionalliga zu neuer vierter Liga

Zur Einführung dieser vierten Liga würden dann wohl die jeweils besten acht Teams der Regionalligen der vorherigen Saison, also insgesamt 40 Vereine, nach regionaler Zugehörigkeit in zwei Staffeln (Nord und Süd) zu je 20 Teams aufgeteilt. Zu dieser einfach klingenden Lösung bleiben aber Fragen:

Finden sich in den fünf Regionalligen überhaupt genügend Vereine, die diesen Weg mitgehen können und wollen? Auf den Aufstieg in die 3. Liga hätten in den letzten Jahren jeweils Spitzenteams – speziell aus den Regionalligen Bayern und Nord – von vornherein verzichtet. Wie stellt sich das Thema bei einer zweigleisigen vierten Liga dar?

Und was passiert mit den bei den Fans so unbeliebten zweiten Mannschaften? Stand heute würden sich sechs Zweitvertretungen (vier aus dem Westen und je eine aus dem Südwesten und Bayern) direkt für die neue vierte Liga qualifizieren. Das tatsächliche Potenzial dieser Mannschaften in den Regionalligen ist aber viel größer. Derzeit tummeln sich (rechnet man den VfB Stuttgart und die TSG Hoffenheim aus der 3. Liga mit) 19 zweite Mannschaften von Profivereinen in den beiden höchsten Ligen, denen sie angehören können. In den Oberligen wartet nochmal ein ganzer Schwung solcher U-Teams (u.a. ja auch unsere Amas als Tabellenführer der Bayernliga Süd). Im Extremfall wäre also rund die Hälfte der neuen zweigleisigen Profiligen mit Zweitvertretungen besetzt. In der Nordstaffel wohl deutlich mehr, als im Süden. Ist das dann die Lösung, die allen gefällt?

Nächstes Treffen Ende November

Schon allein die zwei hier aufgeworfenen Fragen zeigen: Die AG Regionalliga Reform hat eine schwierige Aufgabe vor sich. Die nächsten Treffen auf dem Weg zu Lösungen, mit denen dann alle leben können, sollen Ende November und Mitte Januar stattfinden. Dann in persönlicher Präsenz am DFB-Campus in Frankfurt. Wir auf sechzger.de werden das Thema natürlich weiter verfolgen und Euch über die Entwicklungen informieren. Gleichwohl wir weiterhin optimistisch sind, dass für unsere Profis das Geschehen unterhalb der 3. Liga in den kommenden Jahren nicht allzu relevant sein wird.

5 2 votes
Artikelbewertung
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
3 Comments
Newest
Oldest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
BruckLoewe

Um eine Überflutung von Zweitmannschaften in der neuen Vierten Liga zu vermeiden,sollte dann auch gleich eine eigene Liga für diese Zweitteams geschaffen werden.
Mit 19 zweite Mannschaften wäre das schon jetz möglich.
Angesetzt auf Höhe der Höhe der neuen 4.Liga oder der Regionalligen könnte man dann auch eine Art Deutsche Amateurmeisterschaft mit Meister der Regionalligen und Platz 1 u 2 aus den beiden Viertligastaffel und dem Meister der U-Liga,dazu evtl für den “Amateurmeister” ein Startplatz im DFB-Pokal.