Am Wochenende hat Dennis Dressel wieder mal gezeigt, warum jeder Löwe stolz auf die hervorragende Arbeit im „die Bayerische Junglöwen“ NLZ sein kann. Aber auch unser Nachwuchsleistungszentrum hat aktuell unter den Bedingungen des Lockdowns zu leiden. Über die genauen Auswirkungen und die damit verbundenen Herausforderungen führte unsere Redaktion ein Interview mit Manfred Paula, dem Leiter des NLZ.

 

Sechzger.de: Servus Herr Paula. Zunächst schon mal vielen Dank, dass Sie sich in diesen hektischen Wochen die Zeit für ein Interview mit uns nehmen. Bevor wir zum Fokus, nämlich den Auswirkungen des erneuten Lockdowns für das NLZ „die Bayerische Junglöwen“, kommen, haben wir noch ein paar kurze generelle Fragen. Wie sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf im NLZ zufrieden?

Manfred Paula: Wir sind nach einer guten Sommervorbereitung – u. a. mit den von den Uf60 wieder unterstützten Trainingslagern in Viechtach – mit nahezu allen Teams des NLZ´s gut bis sehr gut in die neue Saison gestartet (bzw. haben in der U21 die Saison 19/20 erfolgreich fortgeführt). Besonders erfreulich ist natürlich, dass die U17 als Aufsteiger in der B-Junioren Bundesliga zusammen mit Augsburg an der Tabellenspitze steht. Aber auch die Mannschaften im Grundlagen- und Aufbaubereich haben bisher sehr erfolgreich agiert.

 

Sechzger.de:  Sind Sie optimistisch, dass die A-Jugend den Wiederaufstieg in die Bundesliga schafft?

Manfred Paula: Wir haben den Aufstieg der U19 natürlich im Fokus. Nach den bisherigen Spielen kann man hier auch optimistisch bleiben, allerdings muss man anerkennen, dass wir mit den Teams aus Rosenheim, Unterhaching und auch Deisenhofen natürlich Konkurrenten um den Aufstieg haben, die jeweils eine hohe Qualität im Kader und entsprechende Ambitionen haben. Im Endeffekt geht es in der U19 aber auch darum, jedes Jahr den ein oder anderen Spieler an den Profikader zu übergeben und das ist uns in den letzten Jahren auch aus der Bayernliga heraus sehr gut gelungen, da wir grundsätzlich eine hohe Ausbildungsqualität gewährleisten können.

 

Sechzger.de:  Sind Sie generell mit der Durchlässigkeit nach oben zufrieden?

Manfred Paula: Ja, bin ich. Das Löwen-NLZ „die Bayerische Junglöwen“ haben im bundesweiten Vergleich seit vielen Jahren immer wieder mit die meisten Spieler an den Profikader herangeführt, die dann Ihren Weg als Profispieler gemacht haben. Diese enorme Durchlässigkeit steht und fällt mit der Kommunikation und Interaktion zwischen den sportlich Verantwortlichen im NLZ und dem Profibereich – dies funktioniert bei uns ausgezeichnet.

 

Sechzger.de:  Jetzt aber zum eigentlichen Thema. Welche grundsätzlichen Auswirkungen hat der neuerliche Lockdown auf das NLZ?

Manfred Paula: Im Endeffekt haben wir eine ähnliche Situation wie im Frühjahr, etwas abgefedert durch die Möglichkeit, mit den Spielern individuell arbeiten zu können und die Tatsache, dass wir das Thema „Online-Training“ für die einzelnen Jahrgänge während des ersten Lockdown-Zyklus bereit komplett durchdekliniert und umgesetzt haben. Jetzt können wir auf diese Erfahrungswerte zurückgreifen.

 

Sechzger.de:  Die jungen Spieler haben ja auch Verträge. Gibt es da keine Möglichkeit, diese als „Profis“ zu behandeln und wenigstens in der Gruppe trainieren zu lassen?

Manfred Paula: Hierzu stehen wir im Austausch mit den Behörden.

 

Sechzger.de:  Wie ist das bei der U21? Könnten die Spieler, die nicht auch Teil des Profikaders sind, gegebenenfalls bei Michi Köllner und den Profis mittrainieren?

Manfred Paula: Das ist schwierig, da zum einen diese Spieler in die komplexen Abläufe gemäß dem Hygiene-Konzept für die 3. Liga eingebunden werden müssten, und zum anderen, da ein größerer Teil unserer U21-Spieler tagsüber nicht regelmäßig an den Profi-Trainingseinheiten teilnehmen könnte  –  die U21 trainiert seit vergangener Saison nicht mehr im Profimodus und die Spieler gehen tagsüber zum Teil anderen Betätigungen nach.

 

Sechzger.de:  Was glauben Sie, wie und wann die Saison fortgeführt wird?

Manfred Paula: Dazu kann ich eigentlich nichts sagen, jede Aussage dazu wäre aus meiner Sicht mehr spekulativ als realitätsnah.

 

Sechzger.de:  Welche Auswirkungen hat der Ausfall von Mannschaftstraining und Spielen für die jungen Spieler? Ist der Ausfall überhaupt irgendwie zu kompensieren? Gibt es da spezielle Übungen?

Manfred Paula: Die Spieler verlieren natürlich schon Ausbildungs- und Entwicklungszeit. Es ist uns aber bisher nach meiner Einschätzung recht gut gelungen, die Entwicklung der Spieler durch neu aufgesetzte Trainings- und Organisationsformen auch unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen voranzubringen. Die inhaltlichen Schwerpunkte verlagern sich jedoch zwangsläufig ein Stück weit in Richtung Technik- und Athletiktraining.

 

Sechzger.de:  Glauben Sie, dass der Lockdown bundesweit alle Vereine bzw. NLZs gleichermaßen trifft oder gibt es Einrichtungen, die einen Lockdown besser verkraften können als andere?

Manfred Paula: Meiner Meinung nach sitzen wir hier alle im gleichen Boot und sind zusammen gleichermaßen betroffen. Ggf. hat das ein oder andere NLZ etwas bessere logistische Voraussetzungen, aber die grundsätzliche Problemstellung ist für alle nahezu dieselbe.

 

Sechzger.de:  Was bedeutet der Lockdown für das Scouting potentieller neuer Spieler? Kann man Spieler in jungen Jahren auch aufgrund länger zurückliegender Eindrücke verpflichten?

Manfred Paula: Im Bereich Talentsichtung sind wir in unserem Handlungsspielraum natürlich deutlich eingeschränkt. Da wir bei Sechzig in der Talentsichtung großen Wert legen auf eine fundierte und nachhaltige Sichtung und Bewertung potenzieller Neuzugänge, kann der Prozess in dieser Phase nur schleppend vorangetrieben werden. Grundsätzlich haben wir aber eine Basis an Sichtungsdaten, die es zumindest erlaubt, die ein oder andere Neuverpflichtung vorzubereiten.

 

Sechzger.de:  Welche finanziellen Auswirkungen hat der Lockdown für das NLZ? Einerseits fallen ja Reisekosten weg, andererseits besteht sicherlich ein wesentlich höherer organisatorischer Aufwand.

Manfred Paula: Das kann man eigentlich nicht wirklich spezifizieren. Erkennbar ist aber in jedem Fall, dass ein nicht unwesentlicher Teil unserer Arbeitszeit im NLZ auf das Managen des Trainings- und Spielbetriebs und der Ausbildung insgesamt unter den gegebenen Bedingungen verwendet werden muss. Dies trifft nicht nur auf die Lockdown-Phase zu, sondern galt auch schon für die zurückliegenden Monate.

 

Sechzger.de: Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview. Wir hoffen, dass der Lockdown möglichst schnell vorbei ist und alle im NLZ so schnell wie möglich wieder Fußball spielen können.

(Bildquelle: Anne Wild)

 

 

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