Die Zeit drängt bei den Löwen, das kann niemand bestreiten. Trotzdem ist es im e.V.-Umfeld außerordentlich ruhig und die Zeit wird lieber zum konzentrierten Arbeiten, als für öffentliche Äußerungen genutzt. Auch von Seiten des Insolvenzverwalters Dr. Max Liebig hört man nichts. Hasan Ismaik orakelt derweil nur noch wirr in den sozialen Medien zu den Themen Transparenz und Liebe. Wenn die Skandal-Nachrichten also nicht zu einem kommen, muss man die Krise selbst herbei schreiben, dachte sich da wohl die BILD und titelte heute: “1860 München vor dem Kollaps!” Was an der Argumentation des Springer-Blattes dran ist, lest ihr im Folgenden.

Maßlose Übertreibungen und Fatalismus

“Rollt bei 1860 München bald gar kein Ball mehr? Die Zeit läuft den Löwen davon – und die Lage wird von Tag zu Tag dramatischer!” behauptet Kristina Ellwanger.

Mit der Zeit hat sie durchaus Recht, Raum für Trödeleien gibt es aktuell keinen. Man ist in der gegenwärtigen Situation aber auch auf viele externe Parteien (Stadt, Sponsoren, Insolvenzverwalter, etc.) angewiesen, wodurch gewisse Prozesse einfach ihre Zeit brauchen. Von der Dramatik der Lage bekommt man in Giesing gar nicht so viel mit wie in der BILD-Redaktion am Isartor. Der erste Punkt ist außerdem maßlos übertrieben. Die e.V.-Mannschaften und das NLZ laufen unabhängig von der Profimannschaft über den Verein weiter und tragen sich aus anderen Quellen.

Angst vor Hasan und seinen Anwälten?

“Das Problem: Das Spielrecht liegt derzeit beim Verein, genauer gesagt bei der neu gegründeten Fußballbetriebsgesellschaft. Dort wurden bislang aber keine Spielerverträge abgeschlossen. Zu groß ist die Unsicherheit über die rechtliche Situation und mögliche Schritte von Investor Hasan Ismaik (48).”

Für die zahlungsunfähige KGaA mag das tatsächlich ein Problem sein. Wenn aber der Insolvenzverwalter eine Aussendung zum Verkauf neuer Dauerkarten absegnet, ist es sehr wahrscheinlich, dass selbst er die Zukunft des Profispielbetriebs nicht in der alten Gesellschaft sieht. Ob in der neuen GmbH noch keine Verträge abgeschlossen wurden, ist nicht bekannt. Öffentlich vermeldet wurde in Sachen sportliches Personal in der Tat noch nichts. Die Begründung für diesen Umstand ist eine mögliche, aber keinesfalls die naheliegendste für diesen Umstand.

Vielmehr müssen gewisse Vorkehrungen getroffen werden, damit man guten Gewissens Verträge abschließen kann und die Spieler kommen wollen. Die Grundlage hierfür ist das Stadion, worüber die Gespräche mit der Stadt in den letzten Zügen sind. Wenn man die Spielstätte gesichert hat, kann man die Finanzierung fixieren. Das bedeutet Sponsorenverträge (die Werbung im Stadion ist nunmal die interessanteste) und Dauerkartenverkauf. Mit einem Austragungsort für die Spiele und einer gesicherten Finanzierung kann man dann Spieler verpflichten. Kein Spieler wird sich verdingen, bevor diese Umstände geklärt sind. Wenn der erste Dominostein gefallen ist, werden die anderen rasch folgen…

Als würde gerade keine Mannschaft trainieren…

“Deshalb arbeitet die Vereinsführung um Präsident Gernot Mang (56) fieberhaft an Übergangslösungen. Es wird geprüft, Spieler und Infrastruktur der KGaA gegen eine Lizenzgebühr anzumieten. Selbst Bereiche wie das Ticketing könnten nur über solche Mietmodelle genutzt werden. Das große Problem: Eine Einigung ist bislang nicht in Sicht.”

Das der erste Satz stimmt, das hoffen wahrscheinlich alle Löwenfans. Woher man bei Springer weiß, dass die Gespräche bisher schlecht laufen, wissen wir nicht. Dass der Insolvenzverwalter – der in diesem Fall maßgebliche Ansprechpartner – erst einer Ankündigung zum Dauerkartenverkauf zustimmt, danach aber die neue Gesellschaft blockiert, scheint nicht besonders wahrscheinlich. Nach sechzger.de-Informationen soll es vor allem um den Trainingsplatz 1 gehen. Alle anderen Bereiche kann der e.V. aktuell schon nach der alten Vertragslage nutzen.

Am Ticketing sollte es in jedem Fall nicht scheitern. Ein funktionierendes Eintrittskarten-System lässt sich nach Aussage von fachkundigen Personen recht schnell und einfach auf die Beine stellen. Wenn man Löwenfans nach Dingen fragt, die sie von der KGaA in die neue Gesellschaft mitnehmen wollen, wird der Ticketshop sicher nicht oben auf der Liste stehen.

Im weiteren Artikel wird neben diesem Absatz auch noch danach gefragt, mit welchem Team man denn antreten wolle. Hierzu sollte man wissen: Aktuell trainiert eine Mannschaft aus talentierten jungen Spielern unter Profibedingungen und Anleitung eines äußerst fähigen Trainerstabes. Selbst wenn man die neuen Verträge einen Tag vor Pokal-Start unterzeichnen würde, wäre das Team startbereit.

Sechzig ist mehr als der Profifußball

“Die Uhr tickt. Und bei 1860 geht es längst nicht mehr nur um den Saisonstart – sondern um die Zukunft des gesamten Vereins.”

Im abschließenden, unheilvollen Satz wird wieder einmal der Profifußball mit dem gesamten Verein gleichgesetzt. Dem ist natürlich nicht so. Der Profifußball beim TSV 1860 bleibt genau aus dem Grund ausgegliedert, damit er dem Restverein nicht gefährlich werden kann. Selbst wenn ein Saisonstart nicht zustande kommen sollte, gilt wirklich, was oft am Zaun vor der Westkurve zu lesen ist:

Egal wer kommt, egal wer geht, weil Sechzig alle überlebt!

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21 Comments
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Ebnather

Na merkts es langsam? So toll is das alles nicht mit der Befreiung.

DieblaueWand

Vor dem Versenken in die “4” war es auch auffallend ruhig.Hoffentlich ist das nicht doch ein böses Omen.

Panzerknacker

Ich bin mir leider nicht sicher aber wurde nicht angekündigt dass der Ticketverkauf bis zum Wochenende anlaufen sollte? Ich werde direkt zuschlagen 🦁💙

Veit-Gero

Man kann jeden Einwurf des Boulevard zurückweisen und so tun als sei alles in trockenen Tüchern bzw. einer Lösung nahe.
Doch das ist Wunschdenken!
Die Finanzierung der Saison für die 4. Liga ist keineswegs gesichert.
Wie hoch wird die Stadionmiete sein?
Wo sind die Sponsoren?
Wer ist der Hauptsponsor auf dem Trikot?
Was ist mit den bereits verkauften Dauerkarten?
Welches Budget wird es geben?
Welche Mannschaft wird auflaufen?
Mit welchem Logo auf der Brust wird man antreten können/dürfen?

Allein die Akquise nach Sponsoren nimmt viel Zeit in Anspruch.
Kontakte, Termine, Verhandlungen; erst am Ende fließt Geld, wenn überhaupt.
Da hilft dann kein Eisen Karl, Bettys Backstube, Metzgerei Knöchl oder der Brennholzverleih Giasing.

Die Uhr tickt und wir alle warten auf Lösungen oder Ergebnisse.

Simbacher

Es trainiert zwar eine Mannschaft, aber ist die auch regionalligatauglich. Meiner Meinung nach, bedarf es schon einiger Verstärkungen.

Allgaeuloewe

Der schöne Schlusssatz stimmt schon. Aber mir tun die Jungs leid, die Woche für Woche ran müssen/dürfen. Sich eine Niederlage nach der anderen abholen und zum Gespött der RL werden. Ein Start in der Bayernliga wäre dem Niveau angemessener gewesen.

Niederbayernloewe

Es wäre trotzdem schön, wenn sich das Präsidium hin und wieder äußern würde.

Auch wenn es natürlich eine sehr schwierige Lage ist, man könnte zumindest immer wieder vermelden woran man gerade arbeitet.

Finde es schon schade, dass man aktuell nur
spenden soll und Mitglied werden und neue Dauerkarten kaufen soll, man aber eigentlich nicht weiß wie es weiter geht oder woran generell gearbeitet wird.

Naja hoffe auf Besserung und endlich mal gute Nachrichten.

Einfach nur weil ich Sechzig Fan bin traue ich diesem ganzen Braten noch nicht wirklich…

SpeziSpezl

Sehr schöner Abschlusssatz

Stephan Tempel

Üblicherweise ist die Bild nicht sooooo schlecht informiert. Und dass eine Einigung zB beim Ticketing noch nicht erfolgt ist, kann man auch an dem Umstand sehen, dass von dem „bis zum Wochenende“ angekündigtem Dauerkartenverkauf am Freitag Abend noch nichts zu sehen ist.

Ich hab vollstes Vertrauen in die handelnden Personen. Aber es bleibt spannend. Vermutlich spannender als uns lieb ist.

Panzerknacker

100 Prozent Zustimmung

Auswaertsloewe

Ich habe gelesen, das das Insolvenzverfahren erst im September eröffnet werden soll (SZ). 
Stehen dann die armen Spieler mit Viertligavertrag bei der KGaA solange ohne Spielbetrieb in der Gegend herum, und die neue GmbH kann sie nicht unter Vertrag nehmen, ohne Ablöse zu zahlen? 

KarlHeinz

Das frage ich mich auch? Ausserdem wird keiner der Spieler solange warten.

chiela 60

60 Überlebt. Und wird stark sein. 💙

sechzger27

A bissal scheiss ich mich scho ein weil die Verträge für die Spieler liegen ja tatsächlich beim HI und nicht beim e.V. Und die BILD ist tatsächlich (leider) sehr gut vernetzt im Münchener Fußball – auch bei den Seitenstrasslern. Vielleicht hat ja HI oder sein Umfeld diese Info an die BILD gesteckt, nicht “seine Spieler” hergeben zu wollen um bewusst Unruhe zu stiften beim e.V. und seine Jünger anzuheizen. Letzte Patrone mäßig. Aber die könnte treffen. Die Verträge liegen bei ihm.

AckermeisterTSV

Aber aktuell hat dort der (vorläufige) Insolvenzverwalter das Sagen. Der wird in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen eine Lösung finden. Sobald dann endlich das Insolvenzverfahren eröffnet wird, wird es auch handfeste Meldungen geben. Bis dahin wird es eine Übergangslösung ala “Spieler und Strukturen werden von der neuen GmbH für einzelne Spiele ausgeliehen” o.ä. geben.

Last edited 50 Minuten zuvor by AckermeisterTSV
Steffen

Die Verträge liegen definitiv nicht beim HI, sondern beim IV, bzw. Paula

Benjisson

Ismaik hat keine Spieler unter Vertrag sondern die KgaA und dort hat Ismaik aufgrund der Insolvenz nichts mehr zu sagen. Und der Insolvenzverwalter muss wirtschaften….d.h Spieler verkaufen, Verträge auflösen wg Ausgaben, etc. Die neue Gesellschaft kann demnach Spieler kaufen, leihen, etc

swaltl

Warum sollte der Insolvenzverwalter der KGaA absegnen müssen dass die neue Gesellschaft neue Dauerkarten verkauft? 🤔

Joerg

Ja, den Passus verstehe ich auch nicht

Auswaertsloewe

Hat Peter gestern schon in einem Kommentar erläutert. Er meint, dass der eV ja auf ein gutes Miteinander mit dem Insolvenzverwalter angewiesen ist, daher ist dieser Schritt sicher mit ihm abgestimmt. 
Also keine juristisch notwendige Einflussnahme, aber eine taktisch sinnvolle Einbindung. 

sechzger27

Leider spekulativ alles und nicht belegbar.