Viel Unruhe gab es über die Länderspielpause, sodass die sportlichen Gegebenheiten teilweise in den Hintergrund geraten. Nun geht es morgen aber weiter und es kommt diesmal keine Überraschungsmannschaft, sondern ein “underachiever” nach München, bei dem ebenfalls der Baum brennt. Aber auf dem Papier haben die Saarländer eine sehr starke Mannschaft, die ihre Qualität in der laufenden Spielzeit schon öfter aufblitzen ließ als unsere Löwen. Es ist also Vorsicht geboten bei dem nächsten Gegner in der Giesinger Kälte, welcher da ist: Der 1. Fußball-Club Saarbrücken e.V.!

Aktuelles – Die Ausgangssituation

Noch schaut es recht gut aus in der Hauptstadt des Saarlandes. Aktuell liegt der FCS mit 20 Punkten auf Platz 10 des Tableaus.  Das bedeutet bei einer Bilanz von 5-5-4 und einem Torverhältnis von 23:21 sechs Punkte auf den Relegations- und vier auf einen Abstiegsplatz. Sorge macht bei Saarbrücken aber insbesondere die aktuelle Formkurve. Nach einer Serie von vier Siegen Ende August/September, spielte man danach dreimal Remis, ehe es drei Niederlagen am Stück setzte.

Das 1:1 gegen Havelse vor der Länderspielpause war auch nicht als Befreiungsschlag geeignet, es wurde wieder mal eine Führung hergeschenkt. Aus diesem Grund ist auch Trainer Alois Schwartz, der im letzten Jahr schon den Auftrag Aufstieg nicht erfüllen konnte, stark angezählt. Viele Beobachter rechneten schon vor der Unterbrechung mit seiner Ablöse, die bei einem negativen Ergebnis in München sehr wahrscheinlich erfolgen würde. Zumindest im Länderpokal konnte man überzeugen und gegen den SV Bliesmengen-Bolchen (Saarland-Liga, 6.) mit 9:0 gewinnen.

Kader & Transfers

Nach dem verpassten Aufstieg in der Relegation hätte in Saarbrücken der große Ausverkauf starten können. Dies fand aber nicht statt, sondern man 10 Spieler ziehen und ersetzte diese mehr als adäquat. Auf dem Papier haben die Saarländer eine Bombenmannschaft beieinander, die locker um den Aufstieg mitspielen sollte. Kennen wir ja… Wie bei en Löwen kommen aber auch beim FCS ein paar Verletzungsprobleme zum Tragen.

Größter Verkauf des Sommers war der Wechsel von Jacopo Sardo (20, ZM) nach Monza in die Serie B. Die Italiener legten für das Talent ganze 350 000€ auf den Tisch. Mittelfeldmann Julian Günter-Schmidt (30) zog es nach vielen Jahren im Westen ins Erzgebirge in den Schacht. Weiters wurden drei Akteure in die Vereinslosigkeit entlassen und zwei Leihen liefen aus. Stefan Feiertag (23, MS) zog es über Blau-Weiß Linz zu Wieczysta (2. Liga Polen) und Florian Krüger (26, MS) kehrte erst nach Beerschot zurück, spielt aber nun in Duisburg.

Verstärkt hat man sich auf allen Positionen. Für die Defensive kamen Robin Bormuth (29, IV) vom KSC und Niko Bretschneider (25, LV) aus Cottbus. Im sehr starken Mittelfeld wirbeln nun Abdoulayse Kamera (20, Portsmouth) und Kaan Caliskaner (25) der etwas später vom Arbeitsmarkt geholt wurde. Im Sturm spielen auf den Außen nun Florian Pick (29, RA, Münster, hätte ich mir für 1860 gewünscht) und Rodney Elongo-Yombo (24, LA, BVB II) dem Gegner Knoten in die Beine und dürfen im Zentrum mit Dominic Baumann (30, Sandhausen) einen weiteren Sturmtank bedienen.

Sonst wurde der Großteil des starken Stamms gehalten. Im Tor hat man mit Philip Menzel einen starken Rückhalt, während vorne Kai Brüsker wieder verlässlich seine Leistung bringt. Im Mittelfeld fehlen seit Saisonbeginn Patrick Sontheimer und Sebastian Vasiliadis verletzt, mit Tim Civeja und Elijah Kran hat Trainer Schwartz aber Top Leute in der Hinterhand.

Löwenpower: Richard Neudecker, Kasim Rabihic spielte 1,5 Saisonen für die Sechzig Amateure

Vereinsgeschichte

Geschichte

Gegründet wurden die Blau-Schwarzen am 18. April 1903 als Fußballabteilung “SpVgg Malstatt” im TV 1876 Malstatt. Nach mehreren Umbenennungen hießen sie bis kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs FV 03 Saarbrücken. Schon als FC Saarbrücken spielten die Saarländer zwischen 1948 und 51 im französischen Ligensystem. Nach der Rückkehr ist der Verein durchaus erfolgreich, wird 1952 Vizemeister, nimmt am inoffiziellen Weltpokal in Brasilien teil und spielt im Europapokal. In diese Zeit, 1953, fällt auch der Umzug in das Ludwigsparkstadion, dessen Nachfolger bis heute Heimstätte des Clubs ist.

Im weiteren Verlauf ist der FC Saarbrücken sowohl Gründungsmitglied der Bundesliga, als auch der 2. Bundesliga. Nach vielen Jahren in den oberen drei Spielklassen stieg der Verein 2007 in die Oberliga ab und war an seinem Tiefpunkt angekommen. Erst 2009 kehrte man in den Profifußball zurück. Nach einem weiteren Absturz in die Regionalliga erfolgte 2020 die Rückkehr in die 3.Liga. An der längeren Phase im Amateurfußball sind unsere Löwen ja auch nicht gänzlich unbeteiligt. Seit der Rückkehr in Liga 3 zeigte man eigentlich durchwegs starke Leistungen und beendete die Spielzeiten immer in den Top 7. In der vergangenen Saison gelang dann fasst er Aufstieg, man musste sich in der Relegation aber Eintracht Braunschweig denkbar knapp geschlagen geben.

Eine besondere Beziehung haben die Saarländer in der jüngeren Vergangenheit zum DFB Pokal. 2020 standen sie als erster Viertligist im Halbfinale des Bewerbs und auch in der  Ausgabe 2023 sorgte die Mannschaft für Furore, als sie mehrere Bundesligisten ausschaltete und abermals die vorletzte Runde erreichte.

Verein

Alles in allem sind im Verein rund 12 000 Mitglieder organisiert. Neben dem Profifußball gibt es beim FC Saarbrücken auch eine Amateurabteilung, eine AH-Sparte, Frauenfußball und als einzigen anderen Sport eine Handballabteilung. Die Fußball-Frauenmannschaft gehörte 16 Jahre der Frauenbundesliga an und spielt mittlerweile in der Regionalliga Süd-West. Anders als beim TSV ist der Profifußball im FCS nicht in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert und wird von einem Präsidium geführt, das Teil des Vereinsvorstands ist. Es wird vom Aufsichtsrat eingesetzt und nicht von den Mitgliedern gewählt, die wiederum den Rest des Vorstandes und den Aufsichtsrat wählen.

Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 11.10.2025 war eine tiefgreifende Satzungsänderung beschlossen worden, welche die Führungsstruktur des Vereins ohne eine Ausgliederung professionalisiert, und das Präsidium entmachtet. Präsident ist seit gut 25 Jahren Hartmut Ostermann, dem auch der Hauptsponsor des FCS Victor’s Hotels gehört. Außerdem wird ein Leitbild inklusive zuständiger Kommission eingesetzt. Diese Änderung wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen (alle Infos gibt es in einem Videobeitrag des SR). Aufgrund prozeduraler Bedenken bezüglich der Vertretungsverantwortung im Übergangszeitraum hat das Amtsgericht die Eintragung der Änderung jedoch erstmal verweigert.

Angestoßen wurde die Satzungsänderung von der Kampagne ZUKUNFT BLAU-SCHWARZ des Förderkreis Virage Est. Alle Details zur Kampagne inklusive Begründungen zu den Anträgen findet ihr hier.

Bis 2011 gab es auch noch eine Tischtennisabteilung, die seit 2009 in der Bundesliga spielt, nun aber ein eigenständiger Verein ist. Der 1. FC Saarbrücken-Tischtennis hat ein sehr ähnliches Wappen und wurde 2020 zum ersten Mal deutscher Meister. Die bekanntesten Spieler sind der aktuelle Nationalspieler und Weltranglisten-19. Patrick Franziska, sowie seit der aktuellen Saison der chinesische Superstar Fan Zhendong.

Fanszene

Nach eigenen Angaben verfügt der FCS über 109 offizielle Fanclubs (TSV 1860: 266). Die aktive Fanszene steht bei Heimspielen im Osten, auf der Virage Est, wo sie besonders in der letztjährigen DFB-Pokal-Saison für Furore sorgte. Die Tribüne als sozialer Verband der supportwilligen FCS-Fans feierte am 06. September diesen Jahres sein 20-jähriges Jubiläum mit einem großen Fest für alle Anhänger der Blau-Schwarzen. Zur Unterstützung der Kurve gibt es einen Förderkreis Virage Est. Die bekanntesten Ultragruppen sind die Hauptgruppe Boys SB, die Clique Canaille, die Nordsaarjugend und die Droogs. In der gesamten Szene der Saarländer ist eine große Frankophilie vorherrschend, welche sich nicht zuletzt im selbstgewählten Tribünennamen ausdrückt.

In diesem Rahmen besteht seit über 25 Jahren eine Freundschaft zur AS Nancy und auch mit der Salzburger Austria, sowie dem Taranto FC aus Italien ist man freundschaftlich verbunden. Die größte Rivalität gibt es mit dem 1. FC Kaiserslautern, weiters ist auch die Abneigung in Richtung Homburg, Mannheim und Trier groß. Mangels einer ernstzunehmenden Anzahl an Fans, spielt die SV Elversberg hier keine Rolle.

Eine spannende Konstellation ergibt sich durch die Freundschaft der FCK-Fans mit der “Horda Frenetik 1997” des FC Metz, da Nancy und Metz sich ebenfalls in großer Antipathie gegenüberstehen. Zudem haben auch die Ultras von Eintracht Trier eine langjährige Freundschaft mit der “Gruppa” des FC Metz, dem anderen Teil der gespaltenen Metzer Fanszene.

Der Anhang der Saarländer darf durchaus als reisefreudig bezeichnet werden. Der FCS brachte in der laufenden Saison bisher durchschnittlich rund 1300 Fans in die Auswärtsblöcke der dritten Liga mit. Dies bedeutete Platz 7 in der Auswärtsfahrertabelle.

Trivia – Unnützes Wissen

  • Der höchste Bundesliga-Sieg der Saarländer ist ein 6:1 gegen die Seitenstraßler am 16.04.1977.
  • Der FCS ist nicht nur elfmaliger Sieger des Saarlandpokals, sondern konnte 1950 sogar den internationalen Saarlandpokal für sich entscheiden.
  • In Saarbrücken gibt es einen eigenen Stadtdialekt, das Saarbrigga Platt.

Der 15. Spieltag im Überblick

Freitag 4:1 TSG 1899 Hoffenheim II – MSV 02 Duisburg
Samstag 14:00 Uhr SV Waldhof Mannheim 07SV Wehen Wiesbaden
14:00 Uhr FC Viktoria Köln 1904 – SC Verl 1924
14:00 Uhr FC Hansa Rostock1. FC Schweinfurt 05
14:00 Uhr Aachener TSV Alemannia – SSV Jahn Regensburg
14:00 Uhr TSV Havelse 1912 – SSV Ulm 1846 Fußball
16:30 Uhr VfL 1899 Osnabrück – FC Ingolstadt 04
Sonntag 13:30 Uhr TSV 1860 München – 1. FC Saarbrücken 
16:30 Uhr FC Erzgebirge Aue – VfB Stuttgart 1893 II 
19:30 Uhr Rot-Weiss Essen – FC Energie Cottbus

 

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Auswaertsloewe

Spitze, vielen Dank!
Wäre übrigens auch als Hörformat richtig cool 🙂

Franz

Wie immer ein Top-Artikel zur Gegnervorstellung. Kl. Korrektur: “die” SV Elversberg statt “der”; heißt “Spielvereinigung” nicht “Sportverein”.