“WIR ARBEITEN FUSSBALL” ist das offizielle Motto des Vereins, der am Samstag auf Giesings Höhen gastieren wird. Mal sehen, wie sehr sich dies auch aufs Spiel übertragen wird. Nach dem Arbeitssieg in Ulm heißt es für die Löwen nun die Heimserie unter Markus Kauczinski fortzusetzen und weitere wichtige Punkte vor der Winterpause einzusammeln. Punkte sind eigentlich fix eingeplant gegen den Aufsteiger aus Unterfranken, der zwar nicht drittligatauglich wirkt, aber gegen den Löwen-Schreck Hoffenheim II siegen konnte. Lassen wir uns überraschen, wenn ein Altbekannter aus der Regionalligasaison wieder im GWS aufschlägt, der 1. Fussball-Club Schweinfurt 1905, Verein für Leibesübungen e.V.!

Aktuelles – Die Ausgangssituation

Schlecht schaut es aus für die Schnüdel, aber das war eigentlich nicht anders zu erwarten. Zusammen mit Havelse bilden sie ein Duo, dass sportlich nicht in den Profifußball gehört. So steht der FCS mit 6 Punkten auf dem 20. Tabellenplatz und hat schon 13 Punkte Abstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Die verheerende Bilanz lautet bisher 2-0-14, was einen Sieg mehr als der Vorletzte bedeutet, aber interessanterweise auch noch kein Unentschieden. Das Torverhältnis von 13:40 zeigt die Kräfteverhältnisse eindrücklich, stellt man doch sowohl die schwächste Offensive als auch Defensive der Liga.

Einer der beiden Siege wurde im November errungen, als man zuhause die favorisierten Hoffenheimer mit 2:1 besiegte. Davor und danach setzte es aber nur Niederlagen, zuletzt ein 2:3 gegen Mannheim und ein 0:2 in Rostock. Ein Fan der 05er zu sein ist aktuell echt ein schwieriges Schicksal, blieben die Schweinfurter doch im August und Oktober komplett ohne Punktgewinn. Die ersten Zähler wurden übrigens am 5. Spieltag bei einem 2:3 Auswärtssieg in Ingolstadt eingefahren. Trainer Victor Kleinhenz sitzt aber fest im Sattel, wäre der Klassenerhalt doch eine riesige Überraschung.

Kader & Transfers

Bei Aufsteigern bleibt es oft bei wenigen Veränderungen, da die Helden der Vorsaison die Geschichte weiter schreiben sollen. So blieb es auch in Schweinfurt bei einer moderaten Wechselperiode, die bei 11 Abgängen 13 Zugänge umfasste.

Die Abgänge gingen ausnahmslos in untere Ligen, teilweise sogar in die Landes- und Verbandsligen. Linksaußen Patrick Hofmann (33) wechselte zum Rivalen an den Würzburger Dallenberg und blieb in der Regionalliga Bayern. Bei Tom Feulner (27, ZM) und Max Wolf (26, IV) steht Abstand zum Fußball an, beide legen eine Karrierepause ein.

Auf der Zugangsseite geht es etwas prominenter zu, wobei hier trotzdem die meisten Spieler aus der Regionalliga nach Schweinfurt kamen. Die bekanntesten Namen sind Johannes Geis (31, DM, Unterhaching), Manuel Wintzheimer (26, MS, Nürnberg) und Erik Shuranov (MS, 23, Haifa). Für alle drei bedeutete das eine Heimkehr ins Fränkische, wobei nur Wintzheimer in der Jugend für den FCS die Schuhe schnürte. Mit Torwart Toni Stahl (25) kam einer weiterer Mann mit Drittligaerfahrung in die Kugellagerstadt, der das ständige Hinter-sich-Greifen ja noch aus Hannover gewöhnt ist.

Vom Bestandskader kennt man als Löwe sicherlich noch den mittlerweile 35-jährigen Kristian Böhnlein, der mit den Löwen den Toto-Pokal gewann und vielleicht Offensivmann Michael Dellinger (32), der jahrelang für Aubstadt auflief und Teil der Mannschaft war, die den TSV 1860 vor einigen Jahren aus dem Pokal warf.

Löwenpower: Kristian Böhnlein, Thomas Meißner (U17/U19 2006-10), TWT Norbert Kleider (1979-82),

Vereinsgeschichte

Der 1. Fussball-Club Schweinfurt 1905, Verein für Leibesübungen e. V.wurde am 5. Mai 1905 gegründet. Vereinsname und -wappen wurden seit dieser Zeit nicht verändert. Wappen Schweinfurt Nach einer Anfangszeit im bürgerlichen Milieu und kurzzeitigem Zusammenschluss mit dem TG 1848 Schweinfurt entwickelt man sich mit dem Umzug in den Norden-Westen der Stadt immer mehr zum Arbeiterverein. Durch die starke Unterstützung der Großindustrie in der “Welthauptstadt der Kugellager” entwickelte man sich zu einer klassischen Kraft im fränkischen Fußball.

Zu Beginn konnte man sich schnell im nordbayrischen Fußball etablieren und teilweise in der höchsten Regionalklasse mitspielen. Nach dem ersten Weltkrieg war man Stammgast in der Kreisliga und konnte 1931 endlich den Aufstieg in die Bezirksliga, die damals höchste Spielklasse erreichen. Durch gute Leistungen qualifizierte man sich 1933 für die neue Gauliga Bayern.

1936 wurde das bis heute bespielte Sachs-Stadion inklusive weitläufiger Trainingsanlagen eröffnet, das den Krieg unbeschadet überlebte. 38/39 gewann man mit den Weltklassespielern Kupfer und Kitzinger auf den Außen das ersten Mal die bayerische Meisterschaft, einen Erfolg, den man 41/42 wiederholen konnte. In der Endrunde zur deutschen Meisterschaft kam man aber nie besonders weit.

Nach den Kriegen

Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde man Teil der neuen Oberliga Süd der amerikanischen Besatzungszone und war eine der wenigen Mannschaften, die in allen 18 Spielzeiten Teil der Liga waren. Mit Einführung der Bundesliga wurde man in die Regionalliga Süd eingruppiert in der man sich zuerst schwer tat. Im Jahre 1966 errang man dann die erste Meisterschaft, scheiterte aber in den Aufstiegsspielen. 1974 war man nach anhaltend guten Leistungen Gründungsmitglied der neuen 2. Bundesliga.

Finanziell war diese neue Spielklasse aber eine Nummer zu groß für den FCS und so mussten die Schnüdel 1976 das erste Mal nach 55 Jahren einen sportlichen Abstieg hinnehmen. Angekommen in der Bayernliga hieß es erstmal konsolidieren und das schien finanziell, aber auch sportlich geschafft. Aus dem Nichts stieg man aber nach einer Top- Saison 1981/82 in der folgenden Spielzeit in die Landesliga ab. Es folgte eine Fahrstuhlfahrt, ehe man 1986 wieder Landesligameister wurde und Werner Lorant als Spieler und dann auch Trainer verpflichtete.

1989 wurde man unter Lorant Vizemeister in der Bayernliga. In der Folgesaison führte Lorant die Spieler auf den Zenit ihres Leistungsvermögens. Aus der Bezirksliga war vom FC Eibelstadt der junge Bernhard Winkler hinzugekommen. Das Team übernahm von Beginn an die Tabellenführung und errang nach einem dramatischen Finale im letzten Saisonspiel vor offiziell 32.000 Zuschauern im Grünwalder Stadion beim Tabellen-Zweiten 1860 München, der einen Sieg zum Titel benötigte, mit einem umkämpften 3:3 die Meisterschaft. Die Schnüdel steigen damit wieder in die 2. Bundesliga auf.

Doch auch der zweite Anlauf in der (nun eingleisigen) 2. Bundesliga ging schief. Nach vielen schmerzhaften Abgängen, u.a. Lorant, und wegen fehlenden Strukturen war man im Profifußball nicht konkurrenzfähig und stieg chancenlos ab. In der Folge verpasste man die Qualifikation für die neue Regionalliga und musste 1994 den Gang in die vierte Leistungsstufe hinnehmen. Es dauerte anschließend etwas, bis man sich wieder gefangen hatte. Mit neuem Personal gelang dann 1998 der Wiederaufstieg in die Regionalliga. Zur Jahrtausendwende überlebte man die nächste Ligenreform und blieb in der dritten Spielklasse.

Jahrtausendwende und Insolvenz

Im ersten Jahr in der zweigleisigen Regionalliga war man unerwartet erfolgreich und konnte am Saisonende den dritten Aufstieg ins Unterhaus vermelden. Nach guten Leistungen in der Hinrunde konnte man das Niveau nicht halte und stieg als Vorletzter abermals ab. Fast wäre man dann 2002 weiter durchgereicht worden, konnte aber knapp die Liga halten. Dies sollte aber ein Vorbote für schlimmere Entwicklungen sein. Es häuften sich Berichte um Probleme und Unregelmäßigkeiten, nur durch Privatgeld des Präsidenten konnte man die Klasse halten.

Im Sommer 2004 war damit aber Schluss und dem FC Schweinfurt wurde die Lizenz verweigert und man musste in die Bayernliga (4) absteigen. Der Verein rutschte in die Insolvenz und die Zurückstufung in die unterste Spielklasse konnte nur mit Mühe verhindert werden. Den Zwangsabstieg in die Landesliga gab es natürlich trotzdem. Es folgte ein reges Auf-und-Ab. 2010 steig man über die Relegation wieder in die Bayernliga auf und etablierte sich zunächst im Mittelfeld. 2011/12 verpasste der Klub trotz Aufstiegsziels die Qualifikation für die neue Regionalliga Bayern und musste in die Bayernliga Nord. Ein Jahr später gelang aber der Meistertitel inkl. Aufstieg in die Regionalliga. Trotz dieses Erfolgs verlor der Verein anschließend vorübergehend seine Stellung als führender Fußballverein Mainfrankens an die Würzburger Kickers.

In den ersten Jahren hatte man Schwierigkeiten die Klasse zu halten, konnte sich aber mittelfristig etablieren. Ab 2016/17 inklusive der Ausgliederung der Profis wurde der Aufstieg in Liga 3 als Ziel ausgegeben. Dieser sollte erstmal nicht gelingen, dafür wurde man mehrmals Landespokalsieger. Nachdem die Aufstiegsambitionen eigentlich schon wieder begraben waren, holte man in der Pandemiesaison den Meistertitel. In der Relegation musste man sich aber dem TSV Havelse geschlagen geben.

Danach wurde offiziell zur Saison 23/24 die Rückkehr zu einem Amateurspielbetrieb verkündet, der nun direkt im Aufstieg mündete…

Verein

Der FCS vereinte vor gut 5 Jahren rund 1600 Fans unter den schwarz-rot-grünen Farben. Mittlerweile dürfte die Zahl aber deutlich gestiegen sein. Neben den Fußballern gibt es noch die Abteilungen Traditionsmannschaft, Gymnastik und Leichtathletik. Auch Frauenfußball wird gespielt und zwar von der U6 bis zu den Damen.

Seit 2008 ist Markus Wolf, mit seinem Unternehmen Wolf Möbel, Hauptsponsor des Traditionsklubs. 2010 wurde er Präsident und 2016 zudem Geschäftsführer des Vereins. Er bewahrte ihn mehrmals vor dem Gang zum Insolvenzgericht und konsolidierte ihn finanziell. Seit der 2016 erfolgten Ausgliederung der ersten Mannschaft in die 1. FC Schweinfurt 05 Fußball GmbH gehören ihm 50-1 Anteile an der Fußballfirma. Durch das Präsidentenamt im e.V. ist die 50+1 Regel in Schweinfurt aber auch eher theoretisch als praktisch erfüllt.

Fanszene

Auch in Schweinfurt gibt es eine kleine Ultrasszene die sich bei Heimspielen auf der Gegengerade platziert. Nach dem Rückzug der ersten ultraorientierten Gruppe Kaputte Moite 1998 aus der aktiven Arbeit, sind nun die Green Boyz mit ihrer Jugendgruppe FCS Jugend führend und blicken auf ein über 10-jähriges Bestehen zurück. Besonders Letzteren inklusive der sportlichen Fraktion um jung – sportlich – motiviert (JSM) werden starke Verbindungen ins rechtsextreme Lager nachgesagt. Besondere Wellen schlug vor einigen Jahren ein Vorfall bei dem Daten eines Journalisten von Zollbeamten an rechte Schweinfurt Hooligans weitergegeben wurden.

Weitere Gruppen der aktiven Fanszene sind die Mainbrigade, T.B.F. (Terrorblock Fridritt), die Bambule Crew und die Working Class Kids. Insbesondere die letzten beiden sind wohl klar dem Ultraslager zuzurechnen. Zusammen sieht man sich als Vertreter der Kugellagerstadt, was auch eine Zeit lang namensgebend für einen Förderkreis war. Ob dieser noch existiert, ist mir nicht bekannt, die Website wird in jedem Fall nicht mehr gepflegt. Die KM98 ist zwar von außen her gesehen inaktiv, die Personen sollen aber noch Teil der Szene und im Stadion präsent sein.

Freundschaften pflegt man zu den Fans des Würzburger FV mit der Ultragruppe Laternos82. Der große Feind ist der andere Verein aus Würzburg, die Kickers. Dies wird auch bei jedem Spiel durch eine FCK FWK Zaunfahne zum Ausdruck gebracht.

Trivia – Unnützes Wissen

  • Tormanntrainer Norbert Kleider ist seit 1985 in der Doppelfunktion als Trainer und Busfahrer der Schnüdel tätig und außerdem der älteste (74) auf seiner Position im deutschen Profifußball.
  • In der Ewigen Tabelle der Oberliga Süd liegt der FC 05 auf dem achten von insgesamt 33 Plätzen, vor dem TSV 1860 München

Der 17. Spieltag im Überblick

Freitag 19:00 Uhr Rot-Weiss Essen – VfB Stuttgart 1893 II 
Samstag 14:00 Uhr VfL 1899 Osnabrück – SV Wehen Wiesbaden
14:00 Uhr FC Viktoria Köln 1904 – SSV Ulm 1846 Fußball
14:00 Uhr FC Energie CottbusMSV 02 Duisburg
14:00 Uhr TSV Havelse 1912 – SC Verl 1924
14:00 Uhr TSG 1899 Hoffenheim II – SSV Jahn Regensburg
16:30 Uhr TSV 1860 München – 1. FC Schweinfurt 05
Sonntag 13:30 Uhr SV Waldhof Mannheim 07 – 1. FC Saarbrücken 
16:30 Uhr FC Hansa Rostock – Aachener TSV Alemannia 
19:30 Uhr FC Erzgebirge Aue – FC Ingolstadt 04

 

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moosham_michA

ausgezeichnete arbeit des autors. hat viel mehr sterne und aufrufe verdient. dankeschön!

Vorstopper

Dankeschön Peter, freue mich jede Woche auf die ausführliche und informative Gegnervorstellung. Ich darf noch anmerken, dass damals bei dem unvergesslichen Spiel gegen die Schweinfurter wesentlich mehr als 32000 Zuschauer im Stadion waren. Es war unglaublich eng und der Bruder der Person der unseren Präsidenten nicht erkannte, hat eine tragische Rolle gespielt.

Panthera-Leo

Das waren noch Zeiten…
Aber Walters Schusskraft war schon brutal.

Last edited 1 Monat zuvor by Panthera-Leo
Vorstopper

Allerdings, trotzdem hat es halt wie so häufig schon damals nicht ganz gereicht. Der Hainer hat sich meiner Erinnerung nach, bei einem Tackling verletzt und obendrauf noch die rote Karte kassiert.

Magic

…und der Kneißl war bei einem Gegentor auf der Suche nach einer Kontaktlinse…irgendwie war’s früher bei Sechzig lustiger, vlt aber auch nur subj Empfindung…

Vorstopper

😂 das war mir entfallen. Mei waren halt andere Zeiten, Wettberg in Unterhose beim Interview ist heute auch nicht mehr denkbar.