Die Löwen haben einen Lauf und wollen einen versöhnlichen Jahresabschluss schaffen. Nach einigen Nachzüglern kommt nun aber wieder einmal mal eine aktuelle Topmannschaft ins Grünwalder Stadion. Trotz einer ellenlangen Verletztenliste heißt es für den TSV punkten, denn die Euphorie ist zurück und ein Punktverlust würde wahrscheinlich schon wieder als Enttäuschung gesehen werden. Außerdem hat man nach dem bescheidenen Jahresabschluss 2024 gegen die kleinen Ostwestfalen etwas gutzumachen. Solche Probleme hat unser nächster Gegner nicht, denn zwischen Bielefeld und Gütersloh geht es weitaus ruhiger zu. Nach Giesing kommt der Sportclub Verl von 1924 e.V.!

Aktuelles – Die Ausgangssituation

Wer allgemein etwas über den SC Verl wissen möchte, sollte sich unbedingt sowohl den Talk #188 als auch unsere aktuelle Ausgabe anhören. Letzte Saison hatten wir den ehemaligen Verler Präsidenten zu Gast, ohne den es den Verein in der heutigen Form nicht geben würde. Am Montag gab sich dann ab der Stundenmarke der aktuelle Sportvorstand Zlatko Janjic die Ehre und berichtete über die sportliche Vision des SCV.

In Ostwestfalen ist nämlich aktuell eitel Sonnenschein. Mit 32 Punkten – und damit 3 Punkten Abstand auf den Spitzenreiter – steht man aktuell auf dem Relegationsplatz. Dies ergibt sich aus einer Bilanz von 8-8-2 und einem Torverhältnis von 42:26. Das bedeutet die wenigsten Niederlagen und meisten Unentschieden der Liga, gepaart mit der stärksten Offensive in Liga 3. Die Defensive ist auf einem ähnlichen Niveau wie die des TSV (27 Gegentore, und damit weniger als Spitzenreiter Cottbus), vorne produzierte man aber bis hier hin satte 13 Tore mehr. Dass die beiden Vereine trotzdem nur zwei Punkte trennen und wir den SCV am Samstag überholen können, ist bemerkenswert.

Dies könnte sogar gelingen, denn die Ostwestfalen sind für ihre Verhältnisse fast schon außer Form. Zuletzt reichte es gegen Essen und Havelse nur zu Unentschieden. Davor erfolgten zwei Siege gegen Osnabrück und Köln sowie Unentschieden gegen Aue und Rostock. Die letzte Niederlage rührt von Ende September her, als man in Regensburg den Kürzeren zog. Die andere Mannschaft, die den SC Verl biegen konnte, waren die Zebras aus Duisburg, welche im August als einzige Mannschaft drei Punkte aus der Sportclub-Arena mitnahmen. Wenn wir diese Verler in ersatzgeschwächter Form schlagen sollten, wäre das ein ordentliches Ausrufezeichen, dass der Löwe wieder richtig zurück ist!

Kader & Transfers

Jeweils 13 Zu- und Abgänge gäbe es bei den Verlern im vergangenen Sommer. Die Ostwestfalen sind einer der wenigen Drittligisten mit einer negativen Transferbilanz. Diese entstand durch die feste Verpflichtung von Stammkeeper Philipp Schulze (22), der nach ausgelaufener Leihe für 200 000€ aus Wolfsburg gehalten wurde. Einnahmen wurden im Transferfenster keine erzielt.

Neben einigen Leihenden und dem Karriereende von Vereinslegende Daniel Miliz (32, IV) gab es zwei Varianten für Abgänge. Entweder waren sie zu höherem berufen und gingen in Liga 2 (oder zu einem höher eingeschätzten Drittligaklub) wie Lars Lokotsch (29, MS, Münster) und Tom Baack (26, DM, Nürnberg) oder es hat für den Profibereich nicht gereicht und es ging in die Regionalligen. Hier ist zum Beispiel Mateo Bionic (21, MS) zu nennen, der mittlerweile für Eintracht Trier aufläuft.

Ersetzt wurden diese Spieler durch neue Leihen bzw. Rückkehrer und einige Verpflichtungen überwiegend aus den Regionalligen. Geliehen wurde u.a. Alessio Besio (21) aus Freiburg, der als einziger Stürmer bisher in jeder Partie zum Einsatz kam. Von Unterhaching holte man Mittelfeldmotor Dennis Waldner (24) und aus dem Unterhaus wurde mit Martin Ens (23) eine neue Stütze für die Innenverteidigung aus Paderborn verpflichtet.

Treffsicherster Stürmer ist der 28-jährige Jonas Arweiler, aber auch in diesem Jahr geht nichts ohne Berkan Taz. Der 26-Jährige scheint in Verl wirklich seine Mitte gefunden zu haben und trumpft mit bisher 17 Scorerpunkten auf! Im defensiveren Bereich halten die beiden Ottos, Yari und Fynn, den Laden zusammen.

Löwenpower: Marco Mannhardt (2017-23, U16 bis Amas)

Vereinsgeschichte

Gegründet wurde der SC Verl am 6. September 1924. Vier Jahre später stieg man in die 1. Kreisklasse auf. 1931 folgte der erste Titel, der Gau-Pokalsieg im Kreis Wiedenbrück. im nächsten Jahr stieg der SC in die 2. Bezirksklasse auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand man sich auf Kreisebene wieder, mit einem kurzen Abstecher in die Bezirksklasse.

Erfolge konnte Verl ab 1960 verzeichnen, nachdem man den Nachwuchs stärker ausgebaut hatte. In diesem Jahr erreichte der Club wieder die Bezirksklasse, worauf zehn Jahre später der Aufstieg in die Landesliga Westfalen (4. Liga) folgte. Kurz davor war der Unternehmer Wolfgang Beckhoff als Präsident und Sponsor in den Verein eingestiegen. Damit wehte ein neuer Wind in Ostwestfalen, man etablierte sich in der Landesliga und zeigte ansprechende Leistungen. Die Firmen “Beckhoff – New Automation Technology” und “Elektro Beckhoff” sind heute noch Hauptsponsoren.  Im Zuge der Schaffung der Oberliga stieg man systembedingt in die Verbandsliga auf. In der Saison 1979/80 nahm der Verein dann das erste Mal am DFB-Pokal teil. Im Jahr 1985 war es nach konstant starken Platzierungen endlich so weit und der SC stieg als Meister in die Oberliga Westfalen, also in die dritte Leistungsstufe, auf.

Auch hier hatte man keine Anpassungsschwierigkeiten, geriet aber in der verflixten zweiten Saison in Abstiegsnöte. Danach kehrte aber der Erfolg zurück, 90/91 wurde man Meister und nahm an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga teil. Die Chance konnte aber nicht genutzt werden und Verl wurde Vierter. In der folgenden Spielzeit gewannen die Schwarz-Weißen zum ersten Mal den Westfalenpokal. 1992/93 wurde man Vizemeister und qualifizierte sich für die deutsche Amateurmeisterschaft. Um 1994 die neue Regionalliga zu erreichen, verstärkte sich der Club und war schließlich auch erfolgreich.

So trat man in der neuen dritten Spielklasse an und wurde direkt Zweiter. In den folgenden Jahren konnte man die Klasse halten und 1999 zum zweiten Mal den Landespokal gewinnen. Auch für die zweigleisige Regionalliga qualifizierte Verl sich, musste aber 2003 nach 17 Jahren in Liga 3 wieder in die Oberliga absteigen. Der direkte Wiederaufstieg misslang, die Rückkehr konnte aber nach einigen knappen Entscheidungen zuvor in der Saison 2006/07 errungen werden. Zusätzlich gewann man wieder den Westfalenpokal.

Den Umstieg in die neue, eingleisige dritte Liga wurde in der Aufstiegssaison verpasst und Verl musste in der Regionalliga verbleiben. In dieser Zeit verlor man auch zweimal im DFB-Pokal gegen unsere Löwen. Auch im Wettskandal 2009 war der SC verwickelt, die betroffenen Spieler wurden hinausgeworfen. Man schwamm folgend in der Regionalliga mit und verpflichtete 2017 Guerino Capretti als neuen Trainer. Nun kehrte der Erfolg langsam zurück und man erreichte 19/20 zum ersten Mal das 1/8-Finale des DFB-Pokals. In der wegen Corona abgebrochenen Saison, durfte Verl, da Rödinghausen nicht aufsteigen wollte, als Zweiter an den Relegationspartien gegen Lok Leipzig teilnehmen. Die Chance wurde genutzt, man stieg zum ersten Mal in die 3. Liga auf und war im Profifußball angekommen.

Seitdem ist der SC Verl fester Bestandteil von Liga 3 und professionalisiert seine Bedingungen. Vor fast zwei Jahren wurde hinter den Kulissen das Zepter weitergereicht. Der bisherige Architekt des Erfolgs der letzte Jahrzehnte, Raimund Bertels, übergab an den bisherigen sportlichen Leiter Sebastian Lange. Dessen gute Arbeit weckte jedoch Begehrlichkeiten, Lange ist nun für den SC Paderborn in der 2. Bundesliga tätig. Seine Rolle übernahm Ex-Spieler Zlatko Janjic, der davor schon als Scout bei den Ostwestfalen tätig war. Wieder ein Eigengewächs also – typisch Verl.

Der Sportclub vereint ca. 1 400 Mitglieder in seiner Fußballabteilung, welche aus ca. 30 Mannschaften im Spielbetrieb besteht. Neben Herren und Jugendfußball gibt es auch eine Frauensparte mit einer Nachwuchsabteilung. Der Profibetrieb ist nicht ausgegliedert und wird zusammen mit dem Breitensport unter einem Dach geführt. Zwei Herren-Amateurmannschaft (3. & 4.) spielen in der Kreisliga C. Senioren Ü32 gibt es sowohl als Leistungs- als sich als Freizeitvariante. Bei letzterer sind leider Spieler mit Trikots der Seitenstraße auf dem Mannschaftsbild – das muss doch nicht sein!

Fanszene

Wie zu erwarten ist die Fanszene des SC Verl überschaubar. Am bekanntesten dürften die Ultras der Curia Verl sein. Daneben gibt es noch sieben weitere offizielle Fanclubs. Die Curia, sowie Neunzehn24, Verler Wölfe 86 und die Jäger-Meister-Chicas Verl wurden erst in den 2020ern gegründet. Seit dem letzten Besuch in München sind mit VERLfolger (mit über 100 Mitgliedern größter Fanclub), dem Tanzania-SCV-Fanclub und der Ölbachcrew Heimwärts drei weitere hinzugekommen.

VERLfolger ist ein internationaler Fanclub mit Sitz in Schwabach und Büro in Hamburg, die Website ist sehr professionell gestaltet und wirkt wie ein Marketingprodukt. Absolutes Urgestein ist aber Der harte Kern, mit dem Slogan “Bauernpower since 1999”. Letztere sind zur aktiven Szene zu rechnen, wie auch noch die Casuals Verl. Mal sehen, wie lange es dauert, bis es zu mühsam ist, alle Vereinigungen aufzuzählen.

Weitere Banner mit Aufschriften wie “SEK SUFF” und “Sextouristen”, die manchmal gesichtet werden können, sind wahrscheinlich den genannten Gruppen zuzuordnen.

Über Freund- und Feindschaften ist mir nichts bekannt. Bei einem Verein dieser Größe sind diese aber normalerweise nicht sehr ausgeprägt. Rivalität gibt es ob der räumlichen Nähe wahrscheinlich zu Gütersloh und Bielefeld.

Trivia – Unnützes Wissen

  • Der bekannte Trainer Roger Schmidt ist als Spieler eine Legende beim SC Verl.
  • Jedes Team abseits der Profis hat einen eigenen Namenssponsor.
  • Ihr Heimspiel in der Relegation zur 3. Liga musste Verl aufgrund eines Corona-Ausbruchs bei der Firma Tönnies in Bielefeld austragen.
  • Die beiden Spieler mit dem Nachnamen Otto sind nicht verwandt.

Der 19. Spieltag im Überblick

Freitag 19:00 Uhr FC Energie CottbusSSV Jahn Regensburg
Samstag 14:00 Uhr SV Waldhof Mannheim 07 – FC Ingolstadt 04
14:00 Uhr FC Erzgebirge Aue – 1. FC Schweinfurt 05
14:00 Uhr VfL 1899 Osnabrück – VfB Stuttgart 1893 II
14:00 Uhr FC Hansa Rostock – 1. FC Saarbrücken
14:00 Uhr Rot-Weiss Essen – SSV Ulm 1846 Fußball
16:30 Uhr TSV 1860 München – SC Verl von 1924
Sonntag 13:30 Uhr TSV Havelse 1912 – Aachener TSV Alemannia 
16:30 Uhr TSG 1899 Hoffenheim II – SV Wehen Wiesbaden
19:30 Uhr FC Viktoria Köln 1904 – MSV 02 Duisburg

 

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Vorstopper

Und wöchentlich grüßt der Vorstopper den Peter und bedankt sich für die Informationen. Den Janjic fand ich ja schon irgendwie Strange im Talk, aber top, dass ihr den mit rein nehmen konntet.

Jan Schrader

Inwiefern meinst du das? Ich fand ihn super und seine Aussagen total interessant.

Vorstopper

Auf mich hat er schon ein bisschen Psycho gewirkt. Aber das ist mein persönlicher Eindruck.

Lexi

Wie immer interessant, auch wenn Verl jetzt nicht die spannendste Fanszene hergibt.

Möchtet ihr so einen Beitrag in der Winterpause über unseren Verein und vor allem unserer aktiven Fanszene veröffentlichen?
Gibt ja auch immer neue Entwicklungen: Mal sieht man die Fahne der Chaoten, mal nicht; Fahne der Panzerknacker ist mir länger nicht aufgefallen; vor wenigen Jahren wurde die MünchnerLöwen Fahne (nach längerer Pause) kommentarlos mit der Fahne WESTKURVE ersetzt; usw…

Gäbe sicher was zu erzählen und zumindest ich fände es interessant!