Die Stimmung ist gut in München Giesing. Man ist ungeschlagen, auch im Toto-Pokal weitergekommen und konnte mit Marvin Rittmüller einen letzten hochkarätigen Neuzugang präsentieren. Nun gilt es nach der schon zweiten Pause in der Liga die Serie zu verlängern, um mit den Überraschungsteams an der Tabellenspitze Schritt zu halten. Auf dem Papier scheint dies eine leichte Aufgabe zu sein, denn es kommt einer der “kleinen” Aufsteiger ins Grünwalder Stadion. Die Löwen erwarten den Turn- und Sportverein Havelse 1912 e. V.!

Aktuelles – Die Ausgangssituation

Zusammen mit Schweinfurt 05 von Vielen als Fixabsteiger gehandelt, stehen die Niedersachsen aktuell auch mit zwei Zählern im Tabellenkeller auf Platz 19. Mit einem Torverhältnis von 2:5 und einer Bilanz von 0-2-2 ist der Saisonstart eher bescheiden gelaufen, obwohl natürlich zu diesem frühen Zeitpunkt noch nichts verloren ist und man nur einen Punkt von den Nicht-Abstiegsplätzen entfernt liegt. Die Formkurve zeigt aber deutlich abwärts. Nachdem man gegen die momentan top-platzierten Hoffenheimer und den Aufstiegsfavoriten aus Essen zu Beginn noch jeweils punkten konnte, gingen die letzten beiden Partien gegen die vermeintlich Schwächeren Konkurrenten aus Aue und Osnabrück verloren.

Auch die Vorbereitung verlief eher suboptimal. Zwar konnte man Hertha BSC beim 3:2 im Juli noch halbwegs Paroli bieten, kassierte danach gegen Bielfeld und Paderborn II (!) jeweils sieben Tore (1:7; 2:7). Wenigstens im Länderpokal ist man standesgemäß in die dritte Runde eingezogen, obwohl man schon gegen zwei Regionalligisten antreten musste.

Kader & Transfers

Besonders für einen Aufsteiger gab es im Kader der Havelser im vergangenen Transferfenster wenig Bewegung und man ist mit einem Gesamtmarktwert von 2,68 Mio. Euro mit Abstand Schlusslicht der dritten Liga. So stehen sich jeweils 7 Zu- und Abgänge gegenüber. Auf der Abgangsseite scheint es keine wichtigen Transfers gegeben zu habe, alle Spieler wechselten mindestens zwei Ligen tiefer oder wurden in die Vereinslosigkeit entlassen.

Bekannteste Neuzugänge sind der auf Schalke ausgebildete Nassim Boujellab (26, ZM, 30 BL-Spiele) der von Arminia Bielfeld kam und Ex-Löwe Belkahia (26, IV). Letzterer wurde erst kürzlich verpflichtet, nachdem sein Vertrag in Bielfeld nicht verlängert worden war. Außerdem holte man zwei Spieler aus Lübeck (aber von verschiedenen Vereinen) und lieh John Posselt (21, MS) von Paderborn II, sowie Arlind Rexhepi (22, LA) aus Mannheim aus.

Trainer der Niedersachsen ist Samir Ferchichi. Der 40-jährige war in seiner Trainerkarriere bisher nur in Havelse tätig und ist seit September 2022 im Amt. Eine nennenswerte Spielerkarriere hat der in Minden geborene A-Lizenz-Inhaber nicht vorzuweisen. Insgesamt finden sich im Kader viele Spieler aus der Region um Hannover, von denen einige schon in der Jugend für den TSV Havelse gespielt haben.

Löwenpower: Semi Belkahia

Vereinsgeschichte

Gegründet wurde der jetzige TSV am 5. August 1912 als FC Pelikan Havelse, da das erste Spielgerät der Gründer von der gleichnamigen Marke Pelikan stammte. Dieser Verein wurde im Jahre 1923 aus wirtschaftlicher Not zwischenzeitlich aufgelöst, aber zehn Jahre späte erneut als TV Havelse wieder gegründet und einige Jahre später in TSV Havelse umbenannt. Dieser Club spielte bis zum Ende des zweiten Weltkriegs lediglich auf Kreiseben eine Rolle. 1947 erfolgte eine temporäre Umbenennung in TSV Havelse-Marienwerder, da man so noch im Kreis Hannover auf höherem Niveau mitspielen konnte.

In den 50er Jahren erreichte man zum ersten Mal die Bezirksebene und wenig später sogar die Aufstiegsrunde zur Oberliga. Hier scheiterte man jedoch und musste in der Folge aufgrund von Lizenzverstößen wieder absteigen. Nach weiteren rund 20 Jahren auf Kreisebene wurde unter der Führung von Obmann Wilhelm Langrehr eine erfolgreiche Ära eingeläutet. Diese führte bis in die drittklassige Oberliga Nord und 1984 sogar in den DFB-Pokal, wo man erst im Wiederholungsspiel dem VfL Bochum unterlag.

Erfolge ab 1990

Nach einer kurzen Schwächephase konnte man unter dem ehemaligen Spieler Volker Finke auf der Trainerbank den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feiern. Nachdem man 88/89 noch in der Relegation zur 2. Bundesliga scheiterte, konnte man die Sensation 1990 perfekt machen und erreichte das Unterhaus. Hier konnte man sich nach einem frühen Abschied von Trainer Finke (nach kurzer Pause nach Freiburg) aber nur eine Saison halten und musste direkt wieder den Gang in die Oberliga antreten. Immerhin für eine Spielzeit war man auf Augenhöhe mit dem großen Nachbarn aus Hannover gewesen.

Im Jahre 1992 klopfte man abermals am Tor der 2. Bundesliga an, musste sich in der Aufstiegsrunde aber unter anderen dem TSV 1860 München geschlagen geben. Dies sollte der für längere Zeit letzte Höhenflug gewesen sein und so musste man 2001 sogar in die fünfte Liga absteigen und wurde nach einem totalen Umbruch in der Mannschaft im Anschluss direkt in die Landesliga weitergereicht.

2005 kehrte man in die Niedersachsenliga zurück und etablierte sich dort, ehe 2009/10 der Aufstieg in die Regionalliga gelang. Hier konnte man sich nach anfänglichen Schwächen unter Trainer Neuling Andre Breitenreiter festsetzen, der wie Finke direkt vom Feld auf die Bank gewechselt war.

Das erste Mal in die dritte Liga konnte der TSV Havelse in der Corona-Saison 21/22 aufsteigen, musste aber postwendend wieder in die 4. Liga. Nach einigen Jahren gelang zur aktuellen Saison abermals der Sprung in den Profifußball. Dieser Schritt ist Teil der Mission Profifußballdie zur nächsten Saison eine Stadionausbau vorsieht und mittelfristig 2030 in die 2. Bundesliga führen soll.

Verein

Der Turn- und Sportverein Havelse 1912 e.V. trägt die Vereinsfarben Rot und Weiß. Er vereint ca. 900 Mitglieder in den Sparten Fußball, Tennis, Tischtennis, Turnen, Darts und E-Sports.

Trivia – Unnützes Wissen

  • Verteidiger Florian Riedel (35) ist Spieler und Sportdirektor in Personalunion.
  • Nationalstürmer Deniz Undav schaffte in Havelse den Sprung in den Herrenfußball.
  • Der einzige Funke einer Fanszene ist der Fanclub Havelser Jungs, die öfter Busse zu Auswärtsfahrten organisieren.
  • Erst 1959 wurden in Havelse die ersten Häuser an die Kanalisation angeschlossen.
  • Garbsen (Havelse ist ein Stadtteil, Vorort von Hannover) ist mit ca. 60 000 Einwohnern größer als Schweinfurt, Passau oder Straubing. Gleichzeitig ist eine Drittliga-Teilnahme des TSV Havelse in etwa so, wie wenn der SV Vötting-Weihenstephan (Teil von Freising) im Profifußball antreten würde.

Der 5. Spieltag im Überblick

Freitag 19:00 Uhr SSV Jahn Regensburg – Rot-Weiss Essen
Samstag 14:00 Uhr FC Ingolstadt 04 – 1. FC Schweinfurt 05
14:00 Uhr VfB Stuttgart II – 1. FC Saarbrücken
14:00 Uhr FC Erzgebirge Aue – FC Viktoria Köln 1904
14:00 Uhr MSV 02 Duisburg – SV Wehen Wiesbaden
14:00 Uhr TSG Hoffenheim II – SC Verl 1912
16:30 Uhr Aachener TSV Alemannia – SSV Ulm 1846 Fußball
Sonntag 13:30 Uhr VfL 1899 Osnabrück – FC Hansa Rostock
16:30 Uhr SV Waldhof Mannheim – FC Energie Cottbus
19:00 Uhr TSV 1860 München – TSV Havelse 1912

 

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