Der Stachel sitzt bei vielen Löwenfans noch immer tief. Die unerwartet klare Derbyniederlage steckt noch in den Knochen. Die Mannschaft darf sich natürlich nicht zu viel mit der Vergangenheit beschäftigen, wenn sie heute im Altmühltal auf Wiedergutmachung aus ist. Die Löwen reisen in die Nähe von Ingolstadt, zur sehr viel kleineren Nachbarin, die aber in einigen Belangen bedeutsamer als die Audi-Stadt ist. Sechzig fährt in eine kleine Universitätsstadt, die vom Katholizismus durchzogen ist. Der dort ansässige Gegner ist der Verein für Bewegungsspiele Eichstätt e. V. 1920 !

Aktuelles – Die Ausgangssituation

Die Eichstätter stehen mit 21 Punkten auf Platz neun der Tabelle, wobei die davor gereihten FCA II und Vilzing nur das bessere Torverhältnis aufweisen (aber auch ein Spiel weniger). Mit einer Bilanz von 6-3-6 ist die Überraschungsmannschaft der letzten Spielzeit nach einem frühen Trainerwechsel nun gut in der Saison angekommen. Bemerkenswert ist diese Platzierung aufgrund der mit 18 Toren schwachen Offensive, die von einer mittelmäßigen Defensive (22 Gegentreffer) unterstützt wird. Besonders daheim ist der VfB aus der Universitätsstadt eine Bank und führt mit 15 Punkten diese Tabelle vor den Löwen an.

Trotzdem sollten die Löwen sich nicht sorgen, denn der VfB befindet sich gerade in einer kleinen Formkrise. Die letzten drei Matches gingen gegen – zugegebenermaßen auch starke – Gegner verloren. Dass die Mannen aus dem Altmühltal aber auch gegen gute Mannschaften liefern können, zeigen Punktgewinne gegen Unterhaching, Burghausen und Schweinfurt.

Kader & Transfers

Stars gibt es in Eichstätt keine, auch transfertechnisch scheint man an der Altmühl etwas kleiner zu denken. Jeweils 10 Zu- und Abgänge registrierte man im Sommer. Von den Zugängen kam niemand aus der Regionalliga, alle Spieler kickten zuvor in der Bayern- oder Landesliga. Auch kommen alle aus der (erweiterten) Region, circa eine Autostunde rund um Eichstätt. Bei den Abgängen schafften zwei Spieler sogar den Klassenerhalt, eventuell sogar einen Sprung nach oben. Rechtsaußen Alexander Bausch (23) wechselte nach Haching und Lorenz Rachinger (20, LV) läuft aktuell für Fürth II auf. Mit fünf Toren ist Aurel Kuqanaj (21) Toptorjäger der Oberbayern, unser Redakteur Stefan stellt ihn euch vor: VfB Eichstätt: Aurel Kuqanaj – erst vertragslos, jetzt Top-Scorer.

Mit einem Altersschnitt von fast 26 Jahren sind die Grün-Weißen eine der ältesten Truppen der Liga, die nun von Markus Mattes betreut wird, nachdem Steffen Israel nach zwei Niederlagen frühzeitig gehen musste. Wirklich neu ist der 51-Jährige in Eichstätt allerdings nicht, stand er schließlich zwischen Januar 2015 und Mai 2023 unter anderem in 168 Regionalliga-Spielen an der Seitenlinie.

Vereinsgeschichte

Der VfB Eichstätt wurde am 1. August 1920 von rund 90 jungen Mitgliedern des örtlichen Turnvereins gegründet, nachdem dieser die Einrichtung einer Fußballabteilung abgelehnt hatte. In den ersten Jahren entwickelte sich der Verein schnell und nahm ab der Saison 1923/24 am regulären Spielbetrieb teil. Trotz Unterbrechungen durch die Altmühlregulierung und den Zweiten Weltkrieg gelang es dem VfB, sich sportlich weiterzuentwickeln. In den folgenden Jahrzehnten entstanden verschiedene Abteilungen, darunter Faustball, Tischtennis, Tennis, Handball, Fechten und Judo. In den 1950er-Jahren erreichte der VfB mit zehn Sportsparten und 466 Mitgliedern einen Höhepunkt seiner Vereinsgeschichte.

Die Fußballabteilung bewegte sich meist in mittleren Amateurkreisen. Nach ersten Meisterschaften und Aufstiegen folgte ab Mitte der 1980er-Jahre ein deutlicher sportlicher Rückgang, der 1991 im Abstieg in die unterste Spielklasse gipfelte. Unter Spielertrainer Franz Schreiner begann 1998 der Wiederaufstieg, der den Verein innerhalb weniger Jahre zurück in die Kreisliga führte. 2006 gelang der Aufstieg in die Bezirksoberliga und 2009 in die Landesliga. 2012 erreichte der VfB die Bayernliga, bevor er 2017 als Meister der Bayernliga Nord erstmals in die Regionalliga Bayern aufstieg. Dort etablierte sich die Mannschaft überraschend erfolgreich und erreichte in der Saison 2018/19 sogar den zweiten Tabellenplatz. Mit dem Gewinn der Bayerischen Amateurmeisterschaft 2019 qualifizierte sich der VfB erstmals für den DFB-Pokal.

Nach fünf aufeinander folgenden Spielzeiten in der Regionalliga Bayern musste Eichstätt 2023 nach einer Niederlage in der Abstiegsrelegation gegen den FC Memmingen in die Bayernliga zurückkehren. Dort verpasste die Mannschaft 2024 zunächst knapp den Wiederaufstieg, sicherte sich jedoch in der Saison 2024/25 die Meisterschaft der Bayernliga Nord und damit die Rückkehr in die Regionalliga Bayern.

Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, kann das mithilfe eines Podcasts zum 100-jährigen Jubiläums tun: Podcast-Link

Das Stadion

Der VfB Eichstätt trägt seine Heimspiele seit der Vereinsgründung 1920 auf dem Sportplatz aus, auf dem heute der HIRSCH-Sportpark steht, benannt nach dem in Eichstätt ansässigen Maschinenbau-Unternehmen Hirsch. Ursprünglich als einfacher Fußballplatz auf einer Wiese angelegt, wurde der Platz nach dem Zweiten Weltkrieg erneuert und 1946 feierlich wiedereröffnet. 1968 kamen eine Flutlicht- und Lautsprecheranlage hinzu. Das Stadion wurde mehrfach umgebaut, um die Anforderungen des BFV für den Spielbetrieb in der Regionalliga zu erfüllen.

vfb eichstätt
Die Haupttribüne im Eichstätter Sportpark.

Das Stadiongrundstück befindet sich im Besitz des Vereins und bietet bei Ligaspielen Platz für 2.090 Zuschauer. Größere Anpassungen erfolgten insbesondere vor der Saison 2017/18 und erneut vor der Saison 2025/26. Beim Umbau 2025 wurden insbesondere der Gästebereich auf einen Tribünenabschnitt verlegt und durch einen Zaun vom übrigen Stadion getrennt. Außerdem wurden der Fangzaun hinter einem Tor erneuert, durchgehende Banden angebracht und die Spielfeldumrandung erhöht. Für Fernsehübertragungen wurde zusätzlich ein provisorischer Fernsehturm errichtet.

Trivia – Unnützes Wissen

  • Mit 1130 Mitgliedern ist der Verein nach der Sektion Eichstätt-Neuburg des Deutschen Alpenvereins der zweitgrößte Verein Eichstätts.
  • Eichstätt ist eine Große Kreisstadt sowie der Verwaltungssitz des Naturparks Altmühltal, außerdem Bischofssitz des Bistums Eichstätt und Hauptsitz der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.
  • Überregionale Bedeutung hat die Lithographie-Werkstatt der Stadt Eichstätt.
  • Der Ortsneckname ist „Sausackschleifer“. Der Sage nach wollten die Eichstätter einen neuen Bischof mit einem Sausack vor dem Stadttor begrüßen. Dieser war allerdings so groß, dass er nicht durch das Tor durchpasste. Deswegen griffen die Eichstätter zu Schleifsteinen und bearbeiteten den Sausack, bis er die entsprechende Größe hatte. Eine andere Version berichtet, dass der Sausack so groß war, dass er nicht auf das Tablett passte.
  • 1785 schlug bei Breitenfurt in der Nähe von Eichstätt ein rund drei Kilogramm schwerer Steinmeteorit vom Typ H5 ein. Er wurde unter dem offiziellen Namen Eichstädt registriert.

Der 16. Spieltag im Überblick

Freitag 3:3 Buchbach – Burghausen
2:1 Schweinfurt – Landsberg
0:2 Eltersdorf – Memmingen
Samstag 2:1 Augsburg II – Illertissen
14:00 Uhr Seitenstraße 1b – DJK Vilzing
2:1 Haching – Ansbach
0:2 Fürth II – Schwaben Augsburg
1:1 Nürnberg II – Aubstadt 
Sonntag 14:00 Uhr VfB Eichstätt – TSV 1860 München
Spielfrei Bayreuth

 

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