Giesinger Gedanken: Euphorie und Demut – Teil II

Die Giesinger Gedanken von Tobias vor wenigen Tagen haben mir gut gefallen. So gut, dass ich jetzt dreisterweise den Titel kapere und die – inoffzielle – Fortsetzung schreibe.

Weil es einfach zu gut passt.

Gemischte Gefühle – Teil II

Selbst die erste Überschrift im Text kann ich problemlos übernehmen: Gemischte Gefühle. Zum einen bin ich euphorisch, weil ein äußerst netter Löwenfan aus der Region unseres Gegners uns kurzfristig noch zwei Karten zukommen lässt. Und uns noch dazu auf einen Milchhof nach Vilzing einlädt zur Brotzeit. Da kommt Freude auf.

Auch die Fahrt über die zum Teil schon herbstlich anmutenden Landschaften wäre grundsätzlich schön. Das Auto kurvt durch herrliche Straßen. Ich habe meine Mutter neben mir – die uns schon nach Mannheim, Meppen und Wien kutschiert hat.

Dreißig Jahre später fahren wir immer noch gemeinsam. Zeit, dafür dankbar zu sein. Auch, wenn wir Fahrer- und Beifahrerposition inzwischen gewechselt haben.

Leider geht es nicht mehr zu einem internationalen Spiel. Oder zum entscheidenden Spiel zur Rückkehr in die erste Bundesliga. Sondern zu einem Ligaspiel in Liga vier in den Bayerischen Wald.

Auf die Gefahr hin, wie ein verbitterter, alter grauhaariger Mann zu klingen: Es macht mir nur begrenzt Spaß. Ich feiere die neue Freiheit der Löwen und natürlich weiß ich, dass sie nicht der Grund dafür ist, dass wir erneut über die Dörfer tingeln. Ganz im Gegenteil.

Gleichzeitig ist da die Angst, viele Jahre über die Dörfer fahren zu müssen, so wie es in den Achtzigern der Fall war. Nach dem ersten schwarzen Freitag ging es postwendend nach oben.

Haben wir erneut so viel Glück? Gerade in den eventuellen Relegationsspielen? Die eine ganze Saison kaputt machen können, so wie früher schon in der Bayernliga die Aufstiegsspiele? Fragen über Fragen. Die in meinem Kopf bohren, obwohl ich doch eigentlich den Moment genießen sollte.

Doch zurück zu den schönen Gedanken:

Wir kommen in Vilzing an und bekommen eine hervorragende Brotzeit und befinden uns in bester Gesellschaft. Dafür noch einmal vielen Dank. Es kommen noch mehr Bekannte und es geht ins Stadion.

Vor wenigen Wochen war ich erst in Aubstadt – mit ähnlichen Gefühlen. Die Fahrt in ein kleines Dorf. Allerdings mit mächtigen Geldgebern, einem großen Netzwerk und hervorragender Arbeit die dort geleistet wird. Ansonsten würden solche Dörfer nicht in der vierten Liga spielen.

Wir treffen viele alte, nette Gesichter. Die Gastgeber spielen vor dem Anpfiff „Mit Leib und Seele“. Freundliche Stimmung. Etwas, wie bei einem Vorbereitungsspiel. Die gute Laune überwiegt. Nach wenigen Minuten führen die Löwen 1:0. Alles ist super.

Nach der Pause schießt Vilzing den Ausgleich. Zeit, demütig zu werden? Aber nicht doch. Wir dürften ein sensationelles Tor bewundern und irgendwie hab ich nie das Gefühl, dass wir dieses Spiel nicht gewinnen (können). Ein herrlicher Fußball-Abend. Oder?

Zeit, demütig zu werden?

Vermutlich ist es an der Zeit, demütig zu werden. Das lehrt uns ausgerechnet ein Ex-Löwe, der mit der letzten Aktion des Spieles den Ausgleich schießt.

Der Treffer ist wie ein Stich ins Herz. Nicht, weil wir ein Spiel nicht gewonnen haben. Sondern weil völlig klar ist, was bösartige Menschen daraus machen werden.

Da ertappe ich mich dabei, wie ich mir über Menschen die es eigentlich nicht wert sind, den Kopf zerbreche. Versuche zu verstehen, wie man zum Anti-Löwen werden und dem eigenen Verein möglichst schlechtes wünschen kann. Nur, um Recht zu haben.

Zum Glück sind die Löwenfans die ich persönlich kenne durch die Bank anders. Und in der großen Mehrheit.

Womit wir wieder zum Text vom Tobi springen können. Auch wenn wir diesmal nicht verloren haben. Sondern es sich nur so anfühlt.

Alles was er unter den letzten vier Überschriften geschrieben hat, wäre auch ein würdiger Schluß für diesen Text. Darum verlinke ich ihn hier nochmal. Und nehme das als Schluss.

Schönen Sonntag allen Löwen.


 

Die Giesinger Gedanken erscheinen regelmäßig als Kommentar und sind die persönliche Meinung eines Mitglieds unserer Redaktion oder eines Gastautors. Sie spiegeln nicht grundsätzlich die Meinung der gesamten Redaktion wider.

5 2 votes
Artikelbewertung
Vorheriger ArtikelRegionalliga-Revue: Befreiungsschlag für Burghausen
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
3 Comments
Newest
Oldest Most Voted
Dennis M.

Erstmal muss ich sagen, dass diese Gedanken auch meine Innenwelt widerspiegeln.

Man muss aber kein alter grauhaariger verbitterter Mann sein, um daran keinen oder begrenzten Spaß zu finden. Jeder möchte seinen Verein glaube ich so hoch es nur geht sehen. Ich bin sehr nostalgisch auf die Zeit, in der 1860 international unterwegs war. Würde es sehr gerne nochmal erleben. Oder zumindest mal die ersten beiden Ligen. Ich bin aber dennoch dabei beim Neustart. Er ist unausweichlich.

Gleichzeitig ist aber auch in mir die Angst da, dass wir jahrelang eine Dörfer-Tour machen werden. Diese Angst sollte evtl in Vertrauen, Mut, Geschlossenheit und Zuversicht weichen, dann kann hier auch was Großartiges entstehen.

Was ich überhaupt nicht verstehe ist aber Folgendes: wie kann man seinem eigenen Verein Schlechtes wünschen? Wie kann es sein, dass ich wegen einem undurchsichtigen und unverlässlichen Ex-“Investor” dem eigenen Verein den Rücken kehre und ihm dann irgendwelche Gerichtsprozesse, Misserfolg oder was weiß ich wünsche? Sowas kann und will ich nicht verstehen. Solche Menschen sollen den Verein dann bitte in Ruhe lassen und den Weg jetzt dann eben nicht mitgehen. Was wir jetzt brauchen ist Zusammenhalt, Geschlossenheit und Unterstützung. Und eben die Hoffnung, dass jene Hoffnung mal nicht enttäuscht wird, sondern sich was entwickelt.

Ich bin da vielleicht auch selbst schuld, wenn ich mir Kommentare auf db24 durchlese. Aber ich falle langsam echt vom Glauben ab bei manchen Kommentaren. Vor allem sind 6 Spieltage gespielt und man bricht den Stab über die Mannschaft. Die Taktung war auch einfach unglücklich die letzten Spiele. Ja, der Start hätte besser laufen können. Aber es war eben ein Sommer, in dem viel passiert ist und die Saison ist noch lang, um in einen Flow zu kommen und durchzustarten. Zudem gibt’s nächste Saison einen direkten Aufsteiger.

Abschließen will ich mit einem Dankeschön an den VfB Stuttgart und an Werder Bremen für ihre Solidarisierung mit 1860. 60 war eben nicht “frei”, wie mancherorts proklamiert, das sehen andere Vereine auch so. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es mehr Leute beim VfB oder Werder gut mit 60 meinen als “Anhänger” vom selben Verein. Das macht mich fast am Nachdenklichsten von allem neben der allgemeinen Angst.

Last edited 45 Sekunden zuvor by Dennis M.
buschi

Auch ohne in Vilzing gewesen zu sein: Du sprichst mir mit diesen Gedanken aus der Seele, Stephan. Dieser innere Spagat zwischen Rationalität (wir müssen der Truppe Zeit geben) und nicht zu verleugnendem Anspruch auf richtige Grounds zerreißt mich auch ständig. Es ist halt wie es ist, das scheint unser Schicksal als Löwenfan zu sein. Und das alles möchte ich trotzdem nicht missen. Sechzig ist der geilste Club der Welt!

AEW

Uns muss bewusst sein. Das es kein leichter Weg sein wir, nur über Ruhe und Unterstützung. Können wir erfolgreich werden.

Bei dem möchte gern vielen Geld was uns zu Verfügung gestellt wurde und uns immer in Abhängigkeit getrieben hat. Kam bei mir immer das Gefühl misstrauen und falsches Sicherheit auf. Wir konnten uns immer Spieler holen. Wo durch wir immer zu Favoriten bestimmt oder verdammt war. Ein Druck den wir nie gewachsen waren. 

Das wir auch immer noch der Favorit sein werden steht dick auf den Papier.

Wir Fans müssen uns bewusst werden. Das wir viele kleine Erfolge brauchen und durch diese zur Stärke zurück finden. Als vom Traum des schnellen großen Erfolg.

Ziereis hat ein Wunderschönes Tor geschossen. Was natürlich richtig weh getan hat.

Aber wichtig ist das wir den nächsten kleinen Erfolg und arbeiten müssen und an diesen Erfreuen können. Nur dann kann es wieder besser werden.

Beste Löwen Grüße