Seit der Verletzung von Jesper Verlaat im September vergangenen Jahres führt Thore Jacobsen die Löwen als Kapitän aufs Feld und gehört zu den Stabilisatoren im Zentrum. Der 28-Jährige ist unter Trainer Markus Kauczinski eine absolute Stammkraft bei den Sechzgern. Im Gespräch mit sechzger.de-Redaktionsleiter Thomas Spiesl unterhielt sich Jacobsen über das Team, die aktuelle Verletztenmisere, und was ihm am TSV 1860 München besonders gefällt.
“Es ist schon eine andere Hausnummer hier in München”
Seit November spielst Du im Zentrum mit Philipp Maier, in Euren sieben gemeinsamen Spielen holten die Löwen 13 Punkte und spielten zwei Mal zu null. Was schätzt Du an Deinem Neben-Mann besonders und warum funktioniert es mit Euch beiden also Duo bislang so gut?
„Philipp schätze ich sehr, man weiß immer, was man von ihm bekommt. Er ist ein sehr abgebrühter Spieler und weiß ganz genau, worauf es in der 3. Liga ankommt. Das hat sich eingegroovt in den letzten Spielen, dass wir ein gutes Team geworden sind. Er ist für mich immer anspielbar, hilft mir und macht seinen Job sehr, sehr zuverlässig.“
Du bist damals aus der 2. Liga von der SV Elversberg zu den Löwen gewechselt. Was hat Dich damals zu dem Wechsel bewegt? Eigentlich sollte man doch meinen, dass man sich als Profi und Stammspieler für den Aufstieg belohnen möchte, statt zurück in die 3. Liga zu wechseln.
„Das habe ich schon öfter gehört (lacht). Für mich persönlich war es kein Schritt zurück, wenn man die Größe und die Reichweite der Vereine vergleicht. Es ist schon eine andere Hausnummer hier in München. Wenn man die Ligazugehörigkeit sieht, kann man es natürlich schon erstmal so sehen, dass es ein Schritt zurück ist. Aber ich denke, dass wir alle hier sind, mit dem Traum mit dem TSV 1860 eine Liga höher zu spielen. Und dieser Gedanke war damals ausschlaggebend für den Wechsel.“
“Der Verein ist mir schnell ans Herz gewachsen”
Für Dich ist es bereits die zweite Saison bei 1860, Du hast die Mannschaft zuletzt als Kapitän aufs Feld geführt. Was bedeutet Dir der Club und was macht die Löwen so besonders?
„Der Verein ist mir relativ schnell ans Herz gewachsen. Man hat einfach gemerkt, durch die Leute, die ich hier privat kennengelernt habe, was der Verein in der Stadt für eine Strahlkraft hat. Wenn man sich auf das Ganze einlässt und den Verein ein bisschen besser versteht, kann man auch ganz schnell merken, was den Verein ausmacht und was die Fans und die Spieler hier so fasziniert.“
Wie ist es für Dich in so einer Mannschaft mit so vielen starken Charakteren und erfahrenen Spielern der Kapitän zu sein? Wie hältst Du das Team zusammen auf und neben dem Platz, sprich was ist Dein Führungsstil?
„Ja das stimmt, wir haben viele gestandene Spieler, die natürlich alle ihre Meinung vertreten. Deswegen können wir uns extrem gut untereinander austauschen und auch mal angeregt diskutieren. Was ich gut finde, dass eine gewisse Dynamik in der Mannschaft ist. Ich glaube, da muss man gar nicht so viel eingreifen. Einfach laufen lassen, es sei denn, dass es Übermaße annimmt und man merkt, dass wir auf und neben dem Platz nur noch am Diskutieren sind. Mein Motto ist eigentlich laufen lassen, es sei denn es ist etwas Auffälliges über mehrere Tage, dann wird es natürlich angesprochen.“
“Wir sind enger zusammengerückt”
Die Löwen haben in dieser Saison massives Verletzungspech. Sportlich ist das sicherlich eine Schwächung, aber man hat von außen das Gefühl, dass die Mannschaft dadurch enger zusammengerückt ist. Stimmt das oder täuscht diese Wahrnehmung?
„Das stimmt, es ist wirklich extrem dieses Jahr. Gerade als wir dachten, dass sich das Lazarett wieder lichtet, kamen neue Verletzungen dazu und einige, die länger verletzt waren, haben einen Rückschlag erlitten. Aber es stimmt absolut, dass wir enger zusammengerückt sind. Jeder merkt, das war kein „Bla bla“ vor der Saison, dass jeder wichtig werden wird in der langen Saison. Deswegen glaube ich spürt jeder die Verantwortung, dass er jetzt abliefern muss. Das tut uns allen gut, dass wir alle wissen, dass wir wichtig fürs Team sind.“
Was ist aus Deiner Sicht in dieser Saison noch drin? Und falls es nicht klappt: Wagst Du in der nächsten Saison nochmal einen Anlauf mit dem Löwen? Der Vertrag läuft ja aus…
„Ich möchte mich erstmal zurückhalten. Wenn wir jetzt zwei Spiele gewinnen, spricht das Umfeld vom Aufstieg. Wenn wir ein, zwei Spiele negativ gestalten, sagen wieder alle, wir sollen bloß aufpassen, dass wir nicht absteigen. Wir als Mannschaft schauen von Spiel zu Spiel. Auch wenn sich das nach einer Floskel anhört, ist das momentan die beste Vorgehensweise für uns. Vertraglich kann ich mich noch nicht äußern, da die Gespräche erst anstehen. Aber ich kann sagen, dass ich mich sehr wohl fühle in München und ich die Wertschätzung auch spüre.“
Jacobsen über die Erwartungshaltung bei 1860
Welchen Einfluss auf die Mannschaft hat die Erwartungshaltung im Umfeld des TSV 1860? Vor der Saison war die Euphorie riesig, zwischendurch herrschte nahezu Untergangsstimmung. Lässt man sowas als Spieler an sich ran?
„Das hat auf jeden Fall Einfluss auf einen, auch wenn man sagt, man geht nicht so emotional an die Sache heran und möchte nicht so viel lesen. Hin und wieder kriegt man einfach Sachen von Freunden geschickt, ob es per WhatsApp oder in den sozialen Medien ist. Selbst wenn man sich darauf nicht so einlässt, wird in der Kabine natürlich auch viel geredet und man schnappt das unterbewusst auf. Wenn man ein, zwei Jahre Erfahrung in einem Traditionsverein hat, dann kann man das Ganze ein bisschen besser einschätzen und neutraler damit umgehen.“
“Ich bin ein offener Charakter”
Du warst in der Jugend im NLZ des HSV aktiv, dann aber auch einige Jahre für Werder am Ball. Für welchen der beiden Nord-Vereine im Norden schlägt Dein Fußballherz?
„Da muss ich ganz klar mit HSV antworten, weil ich dort die ganze Jugend durchlaufen habe von der U12 bis zur U19. Ich bin in der Stadt mehr oder weniger aufgewachsen. Mein erster richtiger Stadionbesuch war auch beim HSV.“
In der Öffentlichkeit wirkst du eher zurückhaltend und ruhig, bist aber Vize-Kapitän. Bist du innerhalb der Mannschaft und in der Kabine ein anderer Charakter?
„Das kann ich gut verstehen, dass die Leute denken, dass ich eher zurückhaltend bin. Ich denke, wenn man die Jungs aus der Mannschaft, meine Familie oder Freunde fragt, die wissen, dass ich auch ganz anders sein kann, viel Spaß habe und ein offener Charakter bin. Ich bin eine Person, die ein bisschen braucht, um mit anderen Leuten warm zu werden. Deshalb wirke ich vielleicht am Anfang etwas zurückhaltend und ruhig.“
Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Samstag!











Ich mag den ja von seiner Spielweise her schon sehr gerne. Auch im Interview kommt er sympathisch rüber. Würde mich freuen, wenn er bei 1860 bliebe.