Beim 2:2 der Münchner Löwen im Heimspiel gegen Alemannia Aachen gab es wieder zahlreiche strittige Szenen. Vor allem die Elfmeter-Situation nach neun Spielminuten gegen David Philipp wurde von den Fans nach dem Spiel heiß diskutiert. Nun klärt Schiedsrichter Experte Babak Rafati auf liga3-online.de auf. In Summe war es wieder einmal ein Festival der Schiedsrichter-Fehler. Auch wenn man die Schuld für die dürftige Leistung der Löwen sicherlich in Summe nicht den Unparteiischen geben kann, so war die Spielleitung vor allem in der Schlussphase doch sehr konfus
Klarer Elfmeter an Philipp
Nach neun Minuten wird David Philipp im Strafraum von Aachens Marius Wegmann am Sprunggelenk getroffen, dazu schreibt Rafati:
Philipp tickt den Ball im Strafraum kurz an und legt sich damit das Spielgerät vor. Sein Gegenspieler will auch zum Ball, verfehlt diesen aber, weil er einen kurzen Moment später da ist. Stattdessen tritt er Philipp am Fuß und bringt ihn zu Fall. Das ist ein Foulspiel, sodass es einen Elfmeter hätte geben müssen. Eine Fehlentscheidung, den fälligen Strafstoß nicht zu geben.
Kein zweiter Elfmeter für Aachen
Richtig lag der Schiedsrichter hingegen damit, den Gästen keinen zweiten Strafstoß zuzusprechen, wie Rafati erklärt:
Gindorf führt den Ball im Strafraum am Fuß, dabei kommt Gegenspieler Schifferl hinzu und touchiert leicht den Ball. Auch wenn es hierbei einen leichten Kontakt gegeben haben könnte, ist die Aktion sauber, sodass kein Foulspiel vorliegt. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben
Nur Gelb gegen Pseftis war richtig
Beim Elfmeter für 1860 kurz nach der Pause sieht Aachens Keeper Pseftis für sein Foul an Hobsch “nur” Gelb, was vielfach kritisiert wurde. Richtige Entscheidung, schreibt Rafati:
Nach einem Zuspiel auf Keeper Pseftis verspringt diesem der Ball vom Fuß zu Gegenspieler Hobsch. Dieser legt sich den Ball vor, dabei springt der Keeper in den Zweikampf, trifft nur Hobsch auf der Strafraumlinie in die Füße und bringt ihn zu Fall. Das ist ein Foulspiel, und es gibt richtigerweise einen Elfmeter. Zudem gibt es die gelbe Karte, auch wenn eine Notbremse vorliegt. Da die Aktion des Keepers aber im Kampf um den Ball passiert, liegt eine ballorientierte Aktion vor, sodass es beim Elfmeter lediglich eine gelbe Karte gibt. Somit eine richtige Entscheidung, auf Elfmeter und gelbe Karte gegen Keeper Pseftis zu entscheiden. Wäre das Vergehen im Strafraum und die Aktion des Keepers hingegen nicht ballorientiert, sondern gegnerorientiert, z.B. Halten am Trikot von hinten, dann wäre eine rote Karte vorgeschrieben. Wäre das Vergehen außerhalb des Strafraumes passiert, was einen Freistoß zur Folge hätte, wäre ebenso die rote Karte vorgeschrieben.
Kein falscher Einwurf vor dem Ausgleich
Ein mögliches Foul an Philipp und einen falschen Einwurf reklamierten die Löwen-Kicker vor dem Sonntagsschuss zum 2:2. Dazu schreibt Rafati:
Den Zweikampf zwischen Philipp und Wiebe weiterlaufen zu lassen, ist eine richtige Entscheidung. Das ist eher ein Zusammenprall als ein Foulspiel. Ein bisschen bleibt Philipp stehen, und dann läuft Wiebe gegen den Körper von Philipp, was man als sogenannten Unfall bezeichnen kann. Somit liegt eine richtige Entscheidung vor, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben.
Beim anschließenden Einwurf ist die Ausführung korrekt, da der einwerfende Spieler mit einem Teil jedes Fußes die Seitenlinie oder den Boden außerhalb der Seitenlinie berührt. Der Ball wird auch mit beiden Händen von hinten über den Kopf eingeworfen. Somit ist die Entstehung des Tores zum 2:2 korrekt, sodass eine richtige Entscheidung vorliegt, den anschließenden Treffer anzuerkennen.
Klares Foul an Haugen in der Schlussphase
In der Schlussphase war Masken-Mann Haugen auf den Weg zum Siegtreffer und Wegmann machte seinem Namen alle Ehre, in dem er Haugen in bester Eishockey-Manier wegmähte bzw. weggecheckt. Hier weiterzulaufen war ein weiterer Fehler, bestätigt Rafati:
Beim Laufduell zwischen Haugen und Wegmann ist der Angreifer zuerst am Ball und kann das Spielgerät mit dem Kopf vorlegen. Sein Gegenspieler Wegmann kommt etwas zu spät, orientiert sich nur noch am Gegenspieler und checkt ihn leicht weg, was bei diesem Tempo eine große Auswirkung hat, und bringt ihn zu Fall. Das ist ein klares Foulspiel, und somit hätte es einen Freistoß geben müssen. Eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen und das Vergehen nicht zu ahnden.
Eine gelbe Karte gegen Wegmann wäre folglich die persönliche Strafe, da der Angreifer nicht in zentraler Position ist und keinen direkten Zug zum Tor hat, vielmehr etwas auf die rechte Seite gerät. Ein weiterer Verteidiger hätte eingreifen können, sodass keine klare Torchance vorliegt, sondern lediglich ein guter Angriff unterbunden wird.
Foul an Dordan zurecht mit Gelb bestraft
Aachen forderte nach einem Foul des eingewechselten Dordan eine Rote Karte, zu Unrecht, wie Rafati schreibt:
Dordan geht an der Seitenlinie mit dem Fuß voraus gegen Nadjombe in den Zweikampf und trifft ihn an der Fußspitze. Das ist ein rücksichtsloser Einsatz und kein brutales Spiel. Das Trefferbild reicht somit lediglich für eine gelbe Karte, sodass diese eine richtige Entscheidung ist. Wäre das Trefferbild über dem Knöchel, wäre die Kartenfarbe anders ausgefallen.
Rafati: Festival der Schiedsrichter-Fehler
Schon allein die Tatsache, dass Rafati aus diesem Spiel sechs Szenen bewerten muss zeigt, dass die Schiedsrichter leider wieder einmal nicht ihren besten Tag erwischt hatten. Es war vor allem in den letzten 15 Minuten ein Festival der Schiedsrichter-Fehler. Dafür vergibt der Kicker sogar die Schulnote 6,0. Ungenügend, durchgefallen könnte man also sagen.
Mit 15 krassen Fehlentscheidungen gegen sich führen die Löwen die Tabelle als meist-benachteiligte Mannschaft der 3. Liga also weiterhin unangefochten an.
Dennoch, und das sei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich betont, die Schiedsrichter waren nicht schuld daran, dass es für die Löwen nur zu einem Punkt reichte.










