Heute vor 33 Jahren fand auf Giesings Höhen ein Fußballfest statt, an das sich alle Zeitzeugen von damals ausnahmslos noch erinnern. Obwohl es sich um ein ganz ordinäres Zweitligaspieltag der neunten Runde in der Saison 93/94 handelte. Doch lest selbst, was den 25. September 1993 zu so einem besonderen und erinnerungswürdigen Tag macht.
Verpatzer Auftakt und dann nach oben
Im Frühsommer 1993 waren die Löwen nach einem (erneuten) Jahr in der Bayernliga unter Trainer Werner Lorant in die 2. Bundesliga zurückgekehrt. Und sie zählten vor der neuen Spielzeit eher zu den Abstiegskandidaten, als zu den Teams mit ambitionierten Zielen. Der Saisonauftakt in Rostock an einem Dienstag Abend Ende Juli ging mit einer 0:4-Schlappe dann auch gleich gründlich in die Hose. Doch dann rollte das Team um das neue Stürmer-Duo Bernhard Winkler und Peter Pacult das Zweitligafeld von hinten auf. Zwei Unentschieden (gegen Hannover 96 und in Mainz) und fünf Siege (gegen Essen, Tennis Borussia Berlin und Jena sowie bei den Stuttgarter Kickers und in Saarbrücken) später lag 1860 auf Platz zwei der Tabelle. Zwei Punkte hinter dem Bundesliga-Absteiger und Tabellenführer VfL Bochum. Und genau gegen diesen stand für den mittleren Wiesn-Samstag ein echtes Spitzenspiel in Giesing auf dem Programm.
Wildmoser will nicht ins Oly!
Die im Vorfeld der Partie aufkommenden Diskussionen, für dieses Spiel ins Olympiastadion umzuziehen, um der möglichen Kartennachfrage gerecht zu werden, erteilte Präsident Wildmoser eine Absage: “Viele unserer Fans wollen den Umzug nicht.” Angesichts der in den kommenden Jahren folgenden Stadion-Entscheidungen dieses Mannes muten jene Worte aus dem September 1993 fast unglaublich an. Der Verfasser dieser Zeilen – das gebe ich heute unumwunden zu – kritisierte sie damals auch stark. Ich gehörte zu den wahrscheinlich eher Wenigen, die den Knaller gegen Bochum vor 60- oder 70.000 im Olypiastadion erleben wollten. Den Wunsch, für das Spiel tatsächlich ans Oberwiesenfeld zu wechseln, habe ich nach den Ereignissen dieses Nachmittags natürlich durchaus bereut – und nie wieder verspürt…
Premiere von “Stark wie noch nie”
Als würde ein Spitzenspiel während des Oktoberfests als Tabellenzweiter gegen den Ligaprimus, dessen Anhänger bekanntlich freundschaftliche Bande zu den Fußballkunden aus der Seitenstraße pflegen, nicht schon genug Dramturgie bereithalten, wurde ausgerechnet an diesem Tag vor Anpfiff der Partie mit – für damalige Verhältnisse – relativ viel Brimborium ein neuer Fansong im Sechzgerstadion präsentiert. “Stark wie noch nie” von Michael Benker war das Lied, das die folgenden Jahr begleiten und prägen sollte. Am 25.09.93 wurde es erstmals gespielt und – vor allem nach dem Spiel – lautstark vom Stadion gesungen.
Störzi trifft zum 1:0
Aber zunächst waren da die neunzig Minuten gegen das durchaus namhaft besetzte Spitzenteam von der Ruhr zu absolvieren. Auf dem Platz standen für die Gäste namhhafte Akteure wie Darius Wosz oder Uwe Wegmann. Vor denen die Löwen aber keinerlei Respekt zeigten. Von der ersten Minute an, angetrieben durch 30.000 im ausverkauften Sechzgerstadion, zeigte man dem VfL mit einer gesunden Portion Giesinger Härte, wer hier Herr im Hause war. Die ersten Torchancen ließen dagegen auf sich warten. Dies änderte sich dann nach zwanzig Minuten und nach einer halben Stunde fiel das 1:0 durch Armin Störzenhofecker. Der kleine Mittelfeldantreiber hatte aus 22 Metern und halbrechter Position einfach mal abgezogen – und glücklich getroffen. Mit der knappen Führung ging es in die Pause. In der gefühlt durchgehend das neue Stadionlied lief.
Bochum nach der Pause stärker…
Bochums Coach Jürgen Gelsdorf fand in der Pause wohl die richtigen Worte, denn die Bochumer kamen besser aus der Kabine und setzten 1860 nun unter Druck. Allerdings entschärfte Torwart Rainer Berg im Löwenkasten alle Versuche der Gäste. Quasi aus heiterem Himmel fiel in der 58. Minute das 2:0. Bernhard Winkler verwertet einen Imhof-Freistoß, der fast von der Seitenlinie vor der Stehhalle in den Strafraum vor der Ostkurve segelte, mit dem Kopf und sorgte für Erleichterung und Riesenjubel auf Giesings Höhen!
…und verkürzt auf 1:2
Sechzig wäre nicht Sechzig, wenn nicht auch an diesem Sahnetag ein bisschen Zittern dabei gewesen wäre. Nur zehn Minuten nach dem 2:0 erzielte nämlich Uwe Wegmann durch ein Slapstick-artiges Tor den Anschluss. Kam nun der Favorit und Tabellenführer nochmal auf? Das Zittern dauerte nur gut fünf Minuten. In der 78. Minute nutze erneut Winkler einen riesigen Schnitzer in der Hintermannschaft der Gäste und stellte den alten Zwei-Tore-Abstand wieder her. Stark wie noch nie…
Löwen machen den Deckel drauf
Nun waren die Löwen wie entfesselt und drängten auf eine endgültige Entscheidung. Die gelang in der 85. Minute, als Peter Pacult eine flache Hereingabe des Kollegen Winkler von rechts mit einer frechen Körpertäuschung für den Bochumer Abwehrspieler und das begeisterte Publikum verarbeitete und den Ball ins Tor schob: 4:1! Dann war Schluß. Nach einer nicht enden wollenden Ehrenrunde ging es sowohl für viele Fans, als auch für die siegreiche Mannschaft auf die Wiesn, wo Peter Pacult später am Abend die Kapelle im Löwenbräu-Zelt dirigieren durfte.
Am Saisonende steht der Aufstieg
Übrigens: Mit drei weiteren Toren an diesem Nachmittag hätten die Aufsteiger-Löwen sogar die Tabellenführung von den Bochumern übernommen. Das wäre dann aber vielleicht ein bisschen zu viel des Guten gewesen. Am Saisonende belegte Sechzig – nach dem berühmten 1:0-Sieg beim SV Meppen – sensationell den dritten Platz (hinter Bochum und Bayer Uerdingen) und hatte – die Relegation gab es damals vorrübergehend nicht – als erster Verein im deutschen Profifußball den Durchmarsch aus der Drittklassigkeit in die Bundesliga geschafft! Der Rest ist Geschichte.
Den absolut sehenswerten Spielbericht dieses Spiels gegen Bochum von SAT.1 ran findet Ihr hier auf Youtube.











Ich war bei dem Spiel in der Ostkurve, wg Überfüllung der Westkurve. Auch ich träumte zuvor von einem vollen Oly. Ich fand die Zeit im Oly nicht schlecht, 13 + 4 (4xOly) hätte ich ideal gefunden. Würde ich auch heute ab Liga 2 favorisieren (die Zuschauerzahlen haben sich geändert) … halt bis zum etwaigen Baubeginn des Sechzgers, während der Bauphase wird eh nur Oly gehen, danach nur noch Sechzger … dies wäre der Traum.
Oly war schon cool, wenn es richt voll war, wie in den Derbys. Aber passt heute gar nicht mehr, finde ich. Zugig, weit weg vom Spielgeschehen, ewiger Fußmarsch… Grauenhaft!!!
Für mich eines der größten Spiele, wenn nicht sogar das Größte. Kann mich noch an den Stadionsprecher (meine es war der Stefan S.) erinnern, der uns so ne Stunde vor dem Anstoß die West aufforderte noch mehr zusammenzurücken , da noch so viele Fans draußen stehen. Am Ende waren wir zu zweit oder dritt auf einer Stufe gestanden. Die Hände konnten nur nach oben, gut dass es zu dieser Zeit noch kein Handy gab💪🏼😂
Ja, das war schon der Schneider.
Das “Experiment” mit dem furchrbaren (roten) Ralf Exel war ja nur ein oder zwei Spiele, glaub ich.