Der erst Schritt zur Trendwende ist geschafft und endlich waren wir einmal die Beender eines Laufs und nicht der Aufbaugegner für strauchelnde Klubs. Markus Kauczinski scheint einen Draht zur Mannschaft und auch das nötige Spielglück mitgebracht zu haben. Hoffentlich hat auch das Screening der neuen Dokumentation über den TSV die Spieler nochmal motiviert alles zu geben, wenn morgen das immer brisante Duell in der Quadratestadt angeht. Die Löwen fahren ins Rhein-Neckar-Gebiet und es warten die Barackler, es wartet der SV Waldhof Mannheim 07 e.V.!

Aktuelles – Die Ausgangssituation

Der Blick auf die Tabelle verspricht aktuell ein Duell auf Augenhöhe, nachdem auch die Mannheimer eher durchwachsen in die Saison gestartet sind. Die dortigen Verantwortlichen zogen aber extrem schnell die Reißleine und beurlaubten Trainer Dominik Glawogger nach nur zwei Spieltagen, obwohl man für ihn erst Ablöse an Regensburg bezahlt hatte.  Der neue Mann an der Linie ist der Luxemburger Luc Holtz (56), welcher davor 15 Jahre lang das Nationalteam des Kleinstaats betreut hatte.

Nun steht der Waldhof aktuell auf Platz 10 und einer Bilanz von 5-1-5. Licht und Schatten sind also nah beieinander, was bisher 16 Punkte brachte. Das Torverhältnis ist mit 20:28 leicht positiv. Nach einem Durchhängen Anfang September mit drei Niederlagen in Folge ist man in den letzten Spielen erfolgreicher. Die letzte Partie konnte in Aue mit 2:0 gewonnen werden, davor musste man sich Osnabrück 1:4 geschlagen geben. Sonst gab es einen knappen 3:2 Sieg in Havelse und ein wahnsinnig anmutendes 6:1 zuhause gegen Essen. Es ist also Vorsicht angebracht, denn die Barackler sind in dieser Saison schon für alles gut gewesen und können dich an einem guten Tag auch abschießen.

Kader & Transfers

11 Abgängen und 10 Neuverpflichtungen gab es in Mannheim über den Sommer. Quantitativ gesehen nichts Besonderes, doch im Detail gab es einige interessante Verpflichtungen

Einige Stammspieler haben den Waldhof im Sommer verlassen. Besonders schwer wiegt sicher der Abgang von Kapitän und Vereinsikone Marcel Seegert (31, IV) nach Ulm, der beim dortigen Auswärtsspiel von den Fans mit einem großen Spruchband verabschiedet wurde. Außerdem ging Adrian Fein (26, ZM) nach Regensburg, Martin Kobylanski zu Blau-Weiß Lohne und Andre Becker (28, MS) nach Leihende zurück nach Bielfeld und dann nach Ulm. Spannendere Destinationen gab es für Stammtorhüter Jan-Christoph Bartels (Dunjaska Streda, 1. Liga Slowakei) und Kelvin Arase. Letzterer spielt nun in der zweiten US-Liga bei Phoenix Rising.

Auf der Torhüterposition ersetzte man Bartels mit dem 27-jährigen Thijmen Nijhuis. Der Niederländer kam vom finnischen Topklub HJK Helsinki, war aber zuletzt verletzt. Sonst wurden Spieler aus den Regionalligen verpflichtet, wie z.B. Jascha Brandt (22, LA) von Paderborn II. Als neuer Mittelstürmer kam Masca (25) aus der spanischen dritten Liga von CD Eldense. Ausgebildet wurde der Portugiese in seiner Heimat bei Estoril. Weiters verpflichtete man Adama Diakhaby (29, OM) von ACSM Politehnica Iasi aus dem rumänischen Unterhaus, sowie Diego Michel (27, ZM) vom FC Sochaux aus der französischen Liga 3.

Neuer Kapitän ist ab dieser Saison der bundesligaerfahrene Lukas Klünter (29, RV). Im Mittelfeld räumt Rico Benatelli (33, ZM) mit Routine auf, welche im Sturm durch die alten, aber treffsicheren Herren Felix Lohkemper (30) und Terrence Boyd (34) ins Spiel gebracht wird.

Löwenpower: –

Vereinsgeschichte

Die Anfänge

Gegründet wurde der Verein am 11. April 1907 im Lokal “Zum Tannenbaum” und fand seine erste Heimat and der Altrheinstraße im sogenannten “Schlammloch”. Ein Jahr später nimmt man den Spielbetrieb in der C-Klasse Neckargau auf. Nach dem Aufstieg in die B-Klasse zieht man auf den “Sandacker” um und steigt 1911 in die A-Klasse auf, die zweithöchste Liga. Vor Beginn des 1. Weltkriegs steigt der SVW 1914 noch in die oberste “Liga-Klasse” auf. Kurz danach wird der Spielbetrieb eingestellt und nur im Notformat aufrechterhalten. Während des Krieges beginnt auch die Rivalität mit dem VfR Mannheim.

1920 tritt man gegeneinander im Entscheidungsspiel um die Meisterschaft in der Odenwaldliga an und siegt unter Mithilfe von drei Toren von Sepp Herberger. in der Folge kann man die Liga wieder halten und spielt in der Süddeutschen Meisterschaft mit. 1925 erfolgt der Umzug auf das heutige Vereinsgelände “bei den Schießständen”. 1930 wird man wieder Meister in der Rheinbezirksliga, was man in den nächsten Jahren wiederholen konnte.

Nach Neuordnung der Ligen wird Waldhof 1934 der Gauliga Baden zugeteilt. Nach dem Gewinn der Gau Meisterschaft unterliegt man Schalke im Finale um die Deutsche Meisterschaft. Dieser Erfolg wiederholt sich erstmal nicht, auf unteren Ebenen bleibt man jedoch erfolgreich. Überregional scheitert man eigentlich immer an Nürnberg oder Schalke.

Nach den Kriegen

Nach dem Krieg werden die Schwarz-Blauen 1947 Vizemeister der neuen Oberliga Süd. In der Folge kann man die Klasse halten und bringt eine Amateurmannschaft an den Start. 1954 steigt man schließlich, nach 40 Jahren im Oberhaus, in die 2. Spielklasse ab. Vier Jahre später steigt man wieder auf, muss aber 1959 direkt als Letzter wieder ins Unterhaus. Der sofortige Wiederaufstieg gelingt aber, diesmal kann man zwei Jahre die Klasse halten. 1963 qualifiziert man sich für die neue Regionalliga Süd, die neue 2. Liga. Aus dieser muss man 1970 in die Amateurliga Nordbaden absteigen.

Nachdem der Aufstieg ’71 knapp scheitert, gelingt er 1972 in der Entscheidungsrunde gegen den FC Singen. Zwei Jahre danach wird man Teil der neuen 2. Bundesliga, damals noch zweigeteilt. 1981 qualifiziert man sich dann auch für die eingleisige Version. Im Jahre 1983 feiert man die Meisterschaft und steigt in die Bundesliga auf. Hier kann man sich fast 10 Jahre halten, muss 1990 aber absteigen.

Anstatt dem angestrebten Wiederaufstieg geht es 1997 sogar in die Regionalliga Süd, man kann zwei Jahre später aber wieder in die 2. Liga zurückkehren. Nach durchaus erfolgreichen Jahren geht es 2003 wieder ins Unterhaus. In diesem Zuge muss Insolvenz angemeldet werden und der SVW findet sich 2003 in der viertklassigen Oberliga wieder.

Nach der Insolvenz

Nach einer Konsolidierungsphase im wirtschaftlichen und sportlichen Bereich qualifiziert man sich 2008 für die neue Regionalliga Süd, ein Jahr später wechselt man in die West-Staffel. 2010 muss man abermals wegen finanzieller Probleme in die Oberliga runter. Aus der fünften Leistungsstufe kann man sich aber schnell wieder verabschieden, 2011 ist man wieder in der Regionalliga. Ab 2016 scheitert man jedes Jahr bis 2018 in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga. 2019 kann man unter Bernhard Trares dann endlich direkt aufsteigen.

Nach der Rückkehr in den Profifußball nimmt man wieder am DFB-Pokal teil, muss aber aufgrund der Pandemie die meiste Zeit ohne Zuschauer spielen. 2021 und 2022 gelingt der Gewinn des Landespokals und man spielt in der Liga im oberen Mittelfeld mit. Die damit geweckten Aufstiegsambitionen konnten aber bisher nicht erfüllt werden, die letzte Saison über befand man sich in akuter Abstiegsgefahr…

Verein

Waldhof Mannheim vereint ca. 2500 Mitglieder auf die Abteilungen Fußball, Handball, Tennis, Rehasport, E-Sports, Schiedsrichter und Privatmannschaften. Letztere sind Freizeitmannschaften, die hier aber im Verein eingegliedert sind und regelmäßig trainieren. Beim Waldhof hat das eine lange Tradition, die zwei Teams wurden 1948 bzw. 1950 gegründet.

In Mannheim ist der Profifußball auch ausgegliedert in die “SV Waldhof Mannheim 07 Spielbetriebs GmbH”, von der 98,82% einer Beteiligungsfirma der Familie Beetz gehören, der e.V. aber trotzdem die Stimmenmehrheit hält. Dies ist nicht weiter problematisch für Familienoberhaupt Bernd Beetz, er ist selbst Präsident des SVW und sein Sohn Aufsichtsratsvorsitzender der GmbH. Beetz war bzw. ist Manager in der Kosmetik und Luxusartikel-Branche und ist in der Branche auch unternehmerisch tätig. Er gilt als Erfinder des Konzepts der “Celebrity-Düfte” als neues Segment im Parfum-Markt. Das Verhältnis zum Investor kann in Mannheim als harmonisch beschrieben werden, die Pläne für ein neues Stadion unter Beetz Finanzierung waren konkret, scheinen aber an Widerstand aus der Mannheimer Stadtpolitik zu scheitern.

Fanszene

Die Mannheimer Fanszene gilt als reisefreudig und chronisch unbeliebt. Die Hauptgruppe der auf der “Otto-Siffling-Tribüne” angesiedelten Ultras sind die “Ultras Mannheim“, welche 1999 gegründet wurden und dieses Jahr 25 Jahre Jubiläum feiern. Diese Gruppe entstand zur Jahrtausendwende durch den Zusammenschluss mehrerer aktiver Fanclubs und ist bis heute federführend in der Kurve. Daneben gibt es noch kleinere Gruppen wie zum Beispiel die “305 Boys”. Vor den Ultras war in Mannheim die Hooligan-Szene sehr präsent. Konstante in diesem Bereich sind die 1985 gegründeten “City-Boys”, die bis heute noch aktiv sind. Der älteste aktive Fanclub ist “The Firm”, der seit der Gründung 1982 bis heute bei den Spielen der Buwe dabei sind. Insgesamt sind beim SVW 92 Fanclubs registriert, darunter auch ein Stammtisch aus München. Ähnlich wie beim TSV gibt es auch eine Faninitiative, die übergeordnet agiert und sich für Traditionserhaltung einsetzt, nämlich “Pro Waldhof”. Dieser Verein ist aber mittlerweile viel stärker im Alltagsgeschäft präsent und arbeitet in seiner offiziellen Funktion als Fandachverband eng mit u.a. der offiziellen Fanbetreuung zusammen.

Fanfreundschaften gibt es einige, die älteste besteht zu Eintracht Braunschweig. Weiters bestehen Kontakte nach Basel und Worms. Besonders von Ultraseite existiert eine starke Bande zu Eintracht Frankfurt und auch den “Supporters” (Supi) von Wormatia Worms. Die größte Feindschaft besteht zum 1. FC Kaiserslautern, unter anderem aus diesem Grund sind auch wir Löwen in der Kurpfalz eher unbeliebt. Auch der KSC und die Kickers Offenbach sind nicht gerade Freunde der Barackler. Leider ist aufgrund des sportlichen Unterschieds die Rivalität zum VfR Mannheim eigentlich nicht mehr existent.

Das Stadion

Waldhof Mannheim trägt seine Spiele im “Carl-Benz-Stadion” in der Mannheimer Oststadt aus. Die Arena gehört der Stadt Mannheim und hat eine Kapazität von 24.302 Plätzen und wurde am 25. Februar 1994 eröffnet. Das von Architekt Folker Fiebriger geplante Stadion besteht aus einem U, welches nach Westen geöffnet ist. Auf der alleinstehenden Günter-Sebert-Tribüne (West) finden die Gästefans ihren Platz. Direkt gegenüber auf der Otto-Siffling-Tribüne befindet sich die Heimkurve, welche ungewöhnlicherweise komplett mit Sitzschalen bestückt ist.

Carl-Benz-Stadion Mannheim von Oben

Das Carl-Benz-Stadion von Oben

Vor dem heutigen Bau stand seit 1926/27 an gleicher Stelle das “Stadion Mannheim” bzw. das alte “Rhein-Neckar-Stadion“. Nutzer war hauptsächlich der VfR Mannheim, welcher 1971 in das neue “Rhein-Neckar-Stadion” direkt neben dem alten Bau umzog, da ein reines Fußballstadion attraktiver erschien. In der Folge wurde dann von einem Umbau des alten Stadions Abstand genommen und die neue Arena errichtet. Der Waldhof trug seine Heimspiel früher am Alsenweg aus, wo sich heute noch immer die Geschäftsstelle und das NLZ befindet. Heute heißt das Stadion “Seppl-Herberger-Stadion am Alsenweg” und dient als Spielort für die Zweitvertretung der Barackler.

Im Carl-Benz-Stadion dürfen pro Jahr immer nur 27 Veranstaltungen stattfinden, um die Anwohner zu schützen. Deshalb kann das Stadion auch immer nur von einem Verein genutzt werden. Etwaige Europacup-Partien wären von dieser Beschränkung ausgenommen. Im allgemeinen gilt die Regelung, dass die Nutzungsberechtigung immer beim hochklassigsten Mannheimer Verein genutzt werden darf.

In den Saisonen 2008/09 und 2019/20 wurden umfassende Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen. Erstere waren nötig, da die TSG Hoffenheim die Bundesliga Hinrunde 2008 in Mannheim austrug. So wurden das Stadion mit u.a einer neuen Videowand für die Bundesliga ertüchtigt. Im zweiten Zeitraum wurden z.B. das Flutlicht und die Rasenheizung erneuert. Trotzdem ist das Stadion schon etwas in die Jahre gekommen und es wird immer wieder über einen Neubau und damit verbundenen Umzug des Waldhof nachgedacht. Mäzen Bernd Beetz hatte seine Bereitschaft signalisiert einen solchen Neubau zu finanzieren, was aber von der Stadt Mannheim abgelehnt wurde. Aktuell sieht es eher nach einem Verbleib aus. Eine Sanierung des Carl-Benz-Stadions ist für eine weitere Nutzung im Profifußball aber unumgänglich, da besonders die Stromversorgung bei Heimspielen mittlerweile an ihre Grenzen kommt. Zur weiteren Sanierung der Elektrik bzw. des Flutlichts wurden schon Pläne gefasst und die Beleuchtung im Sommer für mehrere Millionen auf Zweitligatauglichkeit (1 200 Lux) aufgewertet.

Trivia – Unnützes Wissen

  • Aus Werbegründen heiß der Verein nach der bekannten Chips-Firma kurzzeitig “Chio Mannheim”
  • Viele weiter Infos gibt es im WikiWaldhof, einer Online-Enzyklopädie zum Verein
  • In Mannheim wurde nicht nur das Auto erfunden, sondern auch das Zweirad, der elektrische Aufzug, die Sicherung, der Lanz Bulldog und Normen zur Erfassung von Wetterdaten, die bis heute relevant sind.
  • Sollte der VfR Mannheim wieder erstarken, wäre dies vermutlich das Derby mit der kürzesten Distanz zwischen den Stadien in mindestens Deutschland.
  • 1946 gewann der SVW die erste “interzonale Meisterschaft” im Feldhandball als Vertreter der US-Zone

Der 12. Spieltag im Überblick

Freitag 19:00 Uhr SV Wehen Wiesbaden – Aachener TSV Alemannia
Samstag 14:00 Uhr FC Ingolstadt 04 – 1. FC Saarbrücken
14:00 Uhr FC Energie Cottbus – TSV Havelse 1912
14:00 Uhr SSV Jahn Regensburg – VfB Stuttgart 1893 II
14:00 Uhr SV Waldhof Mannheim 07 – TSV 1860 München 
14:00 Uhr SC Verl 1924 – SSV Ulm 1846 Fußball
16:30 Uhr 1. FC Schweinfurt 05 – VfL 1899 Osnabrück 
Sonntag 13:30 Uhr TSG 1899 Hoffenheim II – FC Erzgebirge Aue
16:30 Uhr FC Viktoria Köln 1904 – FC Hansa Rostock
19:30 Uhr MSV 02 Duisburg – Rot-Weiss Essen

 

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