Seit Anfang Dezember bietet der offizielle Fanshop des TSV 1860 München, also die “TSV 1860 Merchandising GmbH”, verschiedene Retroprodukte in Kooperation mit dem Hersteller COPA an. Diese Produkte (zwei Trikots & zwei Jacken) sind detailgetreue Nachbildungen von alten Kleidungsstücken, welche Löwenmannschaften in der Vergangenheit getragen haben. Auch enthalten sind auf zwei Produkten die damaligen Brustsponsoren der Löwen: Doppeldusch und Hacker-Pschorr. Schaut gut aus und findet auch reichlich Absatz. So weit, so gut, möchte man meinen. Was bei anderen Vereinen normal ist, sorgt bei den Löwen anscheinend für mächtig Wirbel.

Erwägt Sponsor die Bayerische Schadenersatzforderungen?

Nun hört man von der Grünwalder Straße 114, dass der aktuelle Hauptsponsor über die neuen Merchandising-Artikel alles andere als erfreut sein soll. Jedenfalls das Traditionstrikot mit dem Brustaufdruck Doppeldusch soll dabei Stein des Anstoßes sein. Dem Vernehmen nach wurde die Bayerische bereits bei der Profifußball-KGaA vorstellig, fordert die Einstellung des Trikotverkaufs und stellt Schadensersatzansprüche in den Raum.

Hintergrund: Einzig die KGaA ist Vertragspartner des Hauptsponsors. Es ist naheliegend, dass vertraglich einzig der Brustaufdruck die Bayerische auf vom Fanshop vertriebenen Trikots stehen darf und Abweichungen vorab wohl seitens des Hauptsponsors zugestimmt werden müsste.

Mangelhafte Kommunikation zwischen Merchandising-GmbH und Profifußball-KGaA

Ein großes Problem in diesem Sachverhalt scheint die mangelhafte Kommunikation seitens des Fanshops zu sein. Der geplante Release der Retro-Artikel soll nicht mit der Fußballfirma abgesprochen gewesen sein. Mehr noch: Es ist zu hören, dass die KGaA proaktiv vor dem Vertrieb gewarnt haben soll, deren Bedenken seien aber seitens der Merchandising GmbH ignoriert worden.

Ähnliche Schwierigkeiten soll es auch schon im Zuge der T-Shirt Aktion nach dem Rassismus-Vorfall gegen Cottbus gegeben haben.

Einziger Verlierer: die KGaA

Insgesamt muten diese Vorgänge doch reichlich seltsam an. Artikel ähnlicher Art, ebenfalls von COPA produziert, sind bei vielen anderen Vereinen im Angebot. Probleme aufgrund von historischen Sponsoren sind von dort bisher nicht an die Öffentlichkeit gedrungen.

Vor dem gegebenen Hintergrund erscheint es jedenfalls juristisch nicht ganz abwegig, wenn die Bayerische gegen die Traditionstrikots vorgeht. Schließlich zahlt der Versicherer aus Neuperlach eine stattliche Summe unter anderem für die Sichtbarkeit auf den 1860-Trikots.

Zu beachten ist aber auch: Bei dem Brustaufdruck Doppeldusch geht es um eine längst nicht mehr existente Marke. Wie es sich mit dem anderen Print verhält, ist wiederum ein komplexerer Fall, da Hacker-Pschorr aktuell noch immer ein großer Sponsor des TSV 1860 ist. Hinweise auf ein Vorgehen auch gegen diese Produkte liegen uns bislang nicht vor. Das mag womöglich auch daran liegen, dass Hacker-Pschorr in der Retro-Kollektion auf keinem Trikot erscheint.

Natürlich sind die genauen Vertragsbedingungen zwischen die Bayerische und dem TSV 1860 nicht bekannt, sodass eine abschließende Bewertung nicht möglich ist. Schade ist aber, dass die KGaA, welche sich tatsächlich nichts zu Schulden kommen ließ, Opfer der erneuten Unruhe ist.

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Posicelli

Beinahe wäre es langweilig geworden bei 1860!

Eurasburger1860

Interessant ist in dem Zusammenhang die vertragliche Gestaltung.
Wenn in den Verträgen der Bayrischen mit der KGaA die Vermarktung über die Merch nicht geregelt, sondern nur die KGaA benannt ist, würde ich mich wundern, wenn es für die Merch unangenehm werden würde, da diese (vermutlich) nur Lizenznehmerin ist, (vermutlich) aber keine Exklusivität vereinbart wurde?

Unabhängig von rechtlich möglich oder nicht, ist es aus meiner Sicht unerlässlich über solche Themen mit einem wichtigen Partner im Vorfeld zu sprechen, vor allem wenn man sogar aus dem Umfeld darauf hingewiesen wird.

Schade eigentlich, denn diese “Retrosachen” sind weitestgehend gelungen, zumindest lösen sie im Gegensatz zu sonst keine Fremdscham aus.

Bruck Loewe

Mich würde ja interessieren wieviel die davon und auch von den aktuellen Trikots produziert haben,das Größen ab XL schon seit längeren azsverkauft sind.Mehr als 10.000 oder 15.000 eher nicht

Robert von Giesing

Ja so ist das bei Sechzig, wäre ja langweilig wenn nicht

Esperanza

Vielleicht wird in einigen Jahrzehnten das “die Bayerische”-Trikot ebenfalls zu einer Retrovariante. Dann freuen sich die gleichen Herrschaften.

Roloe

Da heißt’s ja jetzt schnell sein, wenn man noch eines haben möchte…

Und wie schön, dass sich doch wirklich immer wieder was zum Streiten findet.

Kraiburger

Wie hätte Erich März reagiert?

MalikShabazz

seh hier keinen großen Fehler bei der Bayerischen. wenn man liest, dass die Merch trotz vorheriger Warnung das einfach rausbringt, und die Rechtslage nicht abklären, ist der einzig Schuldige Pusnava.

Eurasburger1860

Glaube nicht, dass der Pusnava das rausbringt, ohne sich da abzusichern, sonst s.o.

MalikShabazz

meines Wissens schon. Ob er kapiert hat, was die Folgen sein könnten, ist jetzt die andere Frage. Hasan wie immer aber ein Händchen bei der Personalwahl.

Bruck Loewe

Warum überrascht mich das jetz nicht?Und jetzt hat die Versicherung ein Grund den Vertrag nicht zu verlängern,der Gräfer wird wieder ein SocialMedia-Post raushauen in Richtung Verein und der Falschparker und die Olchinger Stammtischgruppe hat wieder was zu sticheln

Stefan Kranzberg

Aber gegen wen wollen sie denn da sticheln? Der Verein war da ja gar nicht involviert.

Bruck Loewe

Die drehen sich des scho so hin und geben VR oder sonst einem die Schuld.