Der Ausbau des Grünwalder Stadions bekommt neuen Schwung – und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter zeigt sich so zuversichtlich wie lange nicht. Im „Stadtgespräch” bei münchen.tv (mit Marion Gehlert) sprach Reiter von einem sehr konstruktiven Austausch mit dem TSV 1860 München und skizzierte einen Fahrplan, der bis 2026 zu einem Stadtratsbeschluss führen soll. Zentral sind dabei drei Punkte: die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines Ausbaus auf 25.000 Plätze, eine bauliche Lösung beim Lärmschutz – und eine neue Ausgangslage, weil der FC Bayern mit seiner zweiten Mannschaft perspektivisch nicht mehr auf das Grünwalder angewiesen ist.

Reiter: konstruktive Gespräche, belastbare Prüfung – und Ziel 2026

Reiter ordnete die Gespräche mit den Löwen ausdrücklich positiv ein. Sinngemäß sagt er: Die Gespräche liefen konstruktiv, die Überlegungen seien seriös, und die Chance sei aktuell besonders groß, weil das Stadion praktisch exklusiv von 1860 genutzt werde.

Auch die Zielgröße nannte Reiter wirtschaftlich plausibel: Ein Stadion mit rund 25.000 Plätzen könne – bei vernünftiger Ausgestaltung – ein tragfähiges Geschäftsmodell für den TSV 1860 München sein.

Damit die Debatte nicht politisch „im Kreis” läuft, soll bis Mitte des Jahres eine gemeinsam entwickelte Studie vorliegen, die die Optionen und Rahmenbedingungen belastbar bewertet. Reiters politischer Wunschhorizont ist klar: 2026 soll das Thema so weit sein, dass der Stadtrat eine finale Entscheidung treffen kann.

Überdachung als Schlüssel beim Lärmschutz

Beim häufigsten Einwand – dem Lärmschutz – verwies Reiter auf einen konkreten Hebel: Eine Überdachung könne helfen, die Lärmthematik entscheidend zu entschärfen und damit eine wichtige Hürde in Richtung Ausbau zu nehmen. Aus seiner Sicht sind das „vernünftige Ideen”, die jetzt strukturiert geprüft werden.

Erbpachtmodell: 1860 übernimmt – Stadt spart Instandsetzung

Entscheidend ist das Modell, das nun schon länger im Raum steht: Der TSV 1860 München würde das Grünwalder Stadion in Erbpacht übernehmen und wäre damit wirtschaftlich wie strukturell „Herr des Hauses”. Im Ergebnis ginge die Verantwortung für Betrieb und Instandsetzung von der Stadt auf den Verein über. Genau darin liegt aus Sicht der Stadt ein finanzieller Hebel: Wenn die Stadt das Stadion nicht mehr selbst instandsetzen muss, spart sie erhebliche Mittel im zweistelligen Millionenbereich.

Reiter deutete entsprechend an, dass man dann einen Mechanismus finden müsse, wie 1860 für diese Übernahme und die damit verbundenen Aufgaben einen finanziellen Ausgleich erhält. Der Grundgedanke: Die Stadt profitiert durch wegfallende Instandsetzungskosten – und kann diesen Vorteil zumindest teilweise in Form einer Unterstützung an den TSV zurückspiegeln.

Bayern II nicht mehr im Grünwalder: neue Lage durch Stadionkauf in Unterhaching

Reiter betonte, dass die Konstellation derzeit selten günstig sei, weil das Grünwalder aktuell nicht von weiteren Vereinen „beansprucht” werde. Genau das mache einen Ausbau überhaupt erst realistisch: Wenn die Stadt das Stadion parallel dauerhaft für mehrere Nutzer vorhalten müsste, würden sich Prioritäten, Terminpläne und Anforderungen deutlich verkomplizieren.

Zur zweiten Mannschaft des FC Bayern kommt hinzu: Der FC Bayern hat in Unterhaching ein eigenes Stadion realisiert. Damit verfügt der Verein inzwischen über zwei Stadien, die mindestens drittligatauglich sind. Die Konsequenz: Bayern II ist nicht mehr auf eine Nutzung des Grünwalder Stadions angewiesen – ein Punkt, der den Weg für eine klare, auf 1860 zugeschnittene Perspektive zusätzlich erleichtert.

Politische Flanke: Grüne mahnen beim Candidplatz „erst klären, dann bauen” an

Parallel zur Stadionfrage wird rund ums Grünwalder auch über den Candidplatz diskutiert. Die Grünen/Rosa Liste/Volt fordern in einer Pressemitteilung, dass am Candidplatz – bevor Wohnungsbaupläne weiter vorangetrieben werden – Nutzungskonflikte gelöst werden. Der Platz sei nicht nur ein Aufenthalts- und Bolzplatz, sondern an Spieltagen auch Fantreff. Gerade wenn das Stadion perspektivisch wachsen soll, dürften die Fans „nicht vergessen” werden.

Die Fraktion beantragte deshalb im Planungsausschuss eine Vertagung. Der Tenor: Wohnungsbau am Candidplatz sei grundsätzlich vorstellbar (etwa Azubi- und Studierendenwohnen), aber nur, wenn Sport- und Spielflächen erhalten bleiben und vor allem die Betroffenen – insbesondere Vertreterinnen und Vertreter der Sechzger-Fans – frühzeitig einbezogen werden. Zudem solle das gegenüberliegende Projekt „Candidtor” in Höhe und Volumen besser ins Viertel passen und auch kulturelle Nutzungen zu bezahlbaren Mieten ermöglichen.

Fazit: Selten so viel Rückenwind – jetzt zählen Studie, Modell und Mehrheiten

Reiters Aussagen lassen sich in drei Sätze übersetzen: Die Gespräche laufen gut, die Chance ist real, und 2026 soll entschieden werden. Der Ausbau auf 25.000 Plätze wird dabei als wirtschaftlich grundsätzlich tragfähig gesehen, der Lärmschutz soll baulich lösbar sein, und das Erbpachtmodell könnte die Finanzierung politisch erleichtern, weil die Stadt Instandsetzungskosten spart und daraus Unterstützung ableiten kann. Hinzu kommt: Bayern II ist durch die eigenen Stadionoptionen nicht mehr auf das Grünwalder angewiesen – und damit ist das Zeitfenster, von dem Reiter spricht, tatsächlich eines, das sich nicht beliebig oft öffnet.

Titelbild: CR-Fotos

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United Sixties

Bin der Stadiondiskussion leid. Hätte man 2001 die Schwabl-Pläne umgesetzt oder spätestens 2010 die tolle Machbarkeitsstudie realisiert hätten wir längst unser vollüberdachtes NEUES SECHZGER und zig Millionen am Müllberg gespart ( vlt. auch diesen Investor).
Es ist dringend darauf zu achten, dass uns die Stadt nicht ausschmiert und letztlich ins sanierte Oly dauerhaft drängt. Das neue Präsidium und die Arbeitsgruppe müssen uns Mitglieder in den Umbauplänen und der Umsetzbarkeit/ Finanzierungsfrage mitnehmen und informieren, nicht der Herr OB vor der Kommunalwahl am 8. März, welche ja völlig andere Stadtratsbesetzung bringen wird.

Benjisson

Reiter wiederholt sich im Schönreden. Immer wieder das Gleiche mit anderen Worten.

_Flin_

Unabhängig davon, dass das Wahlkampfaussagen sind, finde ich das doch endlich mal eine rundweg positive Aussage aus Richtung Reiters.

25.000 Zuschauer im vollüberdachten Schmuckstück wäre doch ein Traum!

Aymen1860

Ich bin skeptisch. Demnächst sind Kommunalwahlen, da wird immer viel versprochen und selten etwas davon auch gehalten. Und dann die Kosten von vielleicht 100 Millionen, wir sind doch jetzt schon überschuldet ….

randpositions_loewe

Ich bleibe dabei.
Für den OB das beste was ihm passieren kann. In der Darstellung ein großer Löwenfreund und gleichzeitig reguliert er die Kosten für die LHS. Das ganze ohne irgend etwas belastbares gesagt zu haben.
Für den TSV ein vergiftetes Angebot, welches uns im schlimmsten Fall zurück ins Oly bringt. Nicht umsonst spricht er diese Option auch an.

Vorstopper

Sehe ich genauso. Habe es auch schon wiederholt geschrieben, die Stadt München ist dieses Stadion los und wir können schauen, was wir daraus machen. Da müsste es schon Garantien geben seitens Stadt, KVR, Polizei etc, damit ein geregelter Spielbetrieb möglich ist. Auch was Parkplätze und Shuttlebusse betrifft ist man auf die Stadt angewiesen
So easy wie der OB hier daher redet, ist es natürlich nicht.

matthiasem

Da hast du natürlich recht, aber es ist auch das Beste, was uns passieren könnte.
Klar muss man jetzt irgendwo das Geld auftreiben, aber das müsste man sowieso – es sei denn die Stadt baut komplett für uns aus und das hätte sie erstens nie gemacht, zweitens wäre es dann nie NUR für uns gewesen und wir hätten Abstriche machen müssen bei dem, wie wir das Stadion gern hätten und drittens hätten die Roten dann immer noch die Möglichkeit dort zu spielen.

Robert von Giesing

Da schau her, der OB bekommt 2 Monate vor der Kommunalwahl die Erleuchtung ein Stadiondach würde das Lärmproblem lösen…
Na dann wissen wir alle wo das Kreuz gesetzt werden muss damit die Erleuchtung auch realisiert wird…ohne Worte

Posicelli

Wenn Du dein Kreuz wo anders setzt geht es sicher schneller mit der Realisierung des Stadion Umbaus.

Robert von Giesing

Wahrscheinlich

Vorstopper

Das müsstest du eigentlich als Ironie kennzeichnen, so als Sozi😉.
Auch, wenn ich wahrlich kein Anhänger des doppelt roten Reiters bin, bei veränderten Mehrheitsverhältnissen im Rathaus, was ziemlich sicher passieren wird, geht auch nix schneller. Und der Oberbürgermeister bleibt uns wohl erhalten.

Posicelli

Wer das nicht als Ironie erkennen kann, dem ist nicht zu helfen. Ich bin auch kein Fan von Reiter , aber schau dir mal die Alternativen an!
Und über solche Projekte entscheidet der OB nicht alleine. Das könnte nur Trump.

Vorstopper

Nachdem ich gerade gelesen habe, dass der Krause für eine Bierpreisbremse auf der Wiesn ist, wähle ich halt den. 🍻

Posicelli

Das ist auf jedenfall ein Argument. 😉

Claus

Heißer Tipp an die Verantwortlichen bei 1860: Unbedingt vor dem 8. März eine möglichst genaue, möglichst verbindliche Absichtserklärung mit der Stadt bzw. OB Reiter abschließen…

Denn an dem Tag ist die Kommunalwahl. Und danach wird sich der OB wieder sechs Jahre schlafen legen und es wird nicht das geringste voran gehen – außer man kann die Stadt auf eine klare Vereinbarung festnageln…

Vino60

Das klingt ja alles sehr sehr gut auf den ersten Blick. Allerdings haben wir bei der Erbpachtlösung natürlich die große Frage wer das zahlen soll?
Mir kommt es ein bisschen so vor als spekuliert der Reiter ganz klar damit, dass wir das ohnehin nicht finanziert bekommen und schiebt somit das ganze Thema auf uns ab.
Es müsste bei der Finanzierung wohl eine Lösung sein bei der sich Fans, die Stadt und ein sehr solventer Investor zusammen tun und das ganze stemmen. Trotzdem scheint mir das schon noch sehr unrealistisch.
Angenommen:
die Stadt beteiligt sich mit 50% der ohnehin anstehenden Sanierungskosten von 40 mio. -> 20 mio.
Dauerkartenbesitzer beteiligen im Schnitt mit je 1860 Euro -> 20 mio.

Das sind jetzt schon sehr sehr optimistische Annahmen und trotzdem bräuchten wir wohl Geldgeber, die wohl noch über 60 mio ins stadion stecken… weshalb sollte das jemand machen? Für Namensrechte?

Naja, träumen darf erlaubt sein! Ich würde mir nichts sehnlicher wünschen, dass der Traum tatsächlich irgendwann in Erfüllung geht!

Claus

Ein Genossenschaftsmodell zur Stadion-Finanzierung à la St.Pauli könnte bei 1860 auch funktionieren. Oder?

Vino60

Grundsätzlich ja, bei St. Pauli kamen glaub ich knapp 30 Mio. zusammen. Selbst wenn ähnlich viel zusammenkommt, haben wir nicht mal ein Drittel von dem was das ganze kosten wird…
Also denke ohne externe Geldgeber wird das ganze nicht funktionieren.

Roloe

Auf alle Fälle sollten auch Bund und Land eingebunden werden. Projekte anderer Städte und Vereine wurden und werden von dieser Seite ja schließlich auch gefördert.

Benjisson

Die zahlen aber wahrscheinlich nicht für eine KgaA.

Roloe

Müsste man mal schauen, wie zum Beispiel das Nürnberger Stadion mitfinanziert wird oder das Freiburger mitfinanziert wurde.

randpositions_loewe

Kapitalgesellschaften haben ja ziemlich alle Vereine für Ihre Profiabteilungen. Aber wenn ich mich richtig erinnere, ging es z.B. bei den Corona Hilfen darum, dass wir einen Mehrheitsgesellschafter aus einer Steueroase haben. Also nada Unterstützung. Ob das für solche öffentliche Fördermittel auch relevant ist, weiß ich allerdings nicht.

1860ZELL

Die Frage ist berechtigt, ob die TSV KGaA Fördermittel für einen Stadionumbau erhielte wegen des Gesellschafters aus einer Steueroase. Ein Ablehnungsgrund dürfte aber auch die Bilanzsituation der KGaA sein, denn das Profifußball-Unternehmen ist bilanziell überschuldet und weist permanent Verluste aus und ist somit nicht kreditwürdig.

Man könnte auf die Idee kommen, das Stadion durch den e.V. in Pacht zu übernehmen. Das wäre nach mE der größte Fehler, den der Verein begehen könnte. Immer dann, wenn es der KGaA finanziell schlecht ginge, müsste der e.V. die Pachtzahlungen stunden oder übernehmen. Es ist daran zu erinnern, dass die KGaA dem e.V. seit 2017 NLZ-Zahlungen von rd. 800 TEUR schuldet.

_Flin_

Der große Unterschied ist, dass man mit der Erbpachtlösung so vorgehen kann, wie das z.b. 2008/2009 Union Berlin gemacht hat. Das bedeutet, dass man z.b. Leistungen von Vereinsmitgliedern oder Fans ohne Zahlung erbringen lassen kann.

So hat es Union geschafft, die erste Bauphase 2008/2009 für 2.5 Mio Euro zu planen, was die Überdachung und Sanierung der Tribünen beinhaltete, dazu einen neuen Rasen. Auch damals schon ein absurd niedriger Betrag. Wie hoch die tatsächlichen Kosten waren, ist allerdings nicht bekannt. Wahrscheinlich wesentlich höher, da man statt 3 Monate 13 Monate benötigte.

Edit: Alleine die 140.000 Arbeitsstunden, die damals von 2.000 freiwilligen Helfern geleistet wurden, würden heutzutage mindestens 7 Mio € kosten. Dazu wurden Sponsoren eingebunden.

Insofern: Wer soll das bezahlen? Na wir! Und ausnahmsweise hätt ich da gar nix dagegen.

Last edited 1 Tag zuvor by _Flin_
randpositions_loewe

Super Ansatz. Das wäre tatsächlich mal in eine realistische Richtung gedacht. Danke dafür. Inwieweit unser Gesellschafter, die Stadt, das Bauamt, die Polizei und sonstige da mitspielen, müssten wir halt noch rausfinden. Ärgerlich sind diese unqualifizierten Wasserstandsmeldungen vom Reiter, nachdem weder Stadionkommission noch Machbarkeitsstudie bis jetzt Ergebnisse vorweisen können, noch überhaupt mit der Arbeit begonnen haben.

Kraiburger

Aus irgendeinem Grund bin ich ein klein wenig zuversichtlich, dass Reiter uns nicht ein drittes mal enttäuscht. Vor allem der Punkt, dass Reiter klar definiert, dass man auf keinen Zuspruch irgendeiner anderen Mieter mehr angewiesen ist, stimmt mich durchaus fröhlich.

Wenngleich mir absolut klar ist, dass selbst bei erfolgreicher Machbarkeitsstudie und positivem Stadtratsbeschluss die Finanzierung längst noch nicht geklärt ist.

Thomas Enn

Ich hoffe auch, dass das mehr als Wahlkampfgetöse ist. 25.000 mit schließbarem Dach und einer einzigen Mannschaft klingen doch gut.

Ich hoffe, dass 1860 die Finanzierung seriös hinbringt und bin auch bereit, mich im Rahmen meiner Möglichkeiten durch Crowd-Funding, Fananleihe oder was auch immer zu beteiligen. Außerdem verspreche ich, einen Sponsorennamen vor “Grünwalder Stadion” oder “Sechzgerstadion” zu akzeptieren.