Die Saison in der dritten Liga ist gerade erst vorbei und schon vorher überschlugen sich in den Kommentarspalten, Chatgruppen und anderen Foren die Forderungen nach Trainerentlassungen, neuen Spielern und rigorosen Umstellungen. Wüsste man nicht über die Vergangenheit Bescheid und hätte keine Tabelle zur Hand, müsste man meinen die Löwen wären am letzten Spieltag knapp dem Abstieg entronnen und die aktuellen Verantwortlichen hätten die Gründe dafür selbst herbeigeführt, da sie in langen Amtszeiten die strukturellen Bedingungen mitbestimmt hätten.

Frust und die goldene Ananas

Auch ich war und bin zum Teil noch immer frustriert über viele Auftritte der Mannschaft, die vermeintliche Perspektivlosigkeit in den letzten Wochen im Kampf um die goldene Ananas. Wenn man dann aber einen Schritt zurücktritt und das Saisonergebnis nüchtern betrachtet, kann man sich diesen Frust nicht mehr ganz erklären. Oder vielleicht nur unter den Maßstäben der Löwenlogik. Denn immerhin sind wir noch immer beim TSV 1860 und da gibt es bekanntlich nur höchste Höhen, tiefste Tiefen und wenig dazwischen.

Eigentlich sind wir wieder mal selbst Schuld und haben uns die vergangene Spielzeit hauptsächlich mit einer überzogenen Erwartungshaltung selbst ruiniert. Für die Mannschaft sollte das egal sein, aber für unsere Gemütsverfassung ist der selbst gesteckte Referenzrahmen maßgeblich für die danach gefühlten Realitäten. Wie auch die damaligen sportlichen Verantwortlichen haben wir zu viel Hoffnung in große Namen gesetzt, die faktischen Realitäten der dritten Liga ausgeblendet und sind ins Träumen geraten. Alles ok – bei uns Fans – aber jetzt müssen wir uns mal wieder mit den Fakten beschäftigen.

Leichter Aufwärtstrend an der Grünwalder Straße

Und diese bescheinigen den Löwen einen klaren Aufwärtstrend in den letzten drei Jahren. Nach dem Absturz der mit dem Ende der Ära Köllner einherging und auf Platz 15 mündete, hat man sich kontinuierlich nach oben gearbeitet. Nach Platz elf in der Folgesaison steht nun endlich wieder ein einstelliger Tabellenplatz zu Buche. Dieser wurde trotz massiver Verletzungsproblematik, der ständigen Unruhe im Verein und einem sehr eindimensional zusammengestellten Kader erreicht. Ein Trainer, der ganz ohne eigenen Staff und quasi ohne Vorbereitungszeit neu zum Team stößt, kann da auch keine Wunder vollbringen.

In der mittleren Frist gibt es außerdem durchaus Hoffnungsschimmer, die einen weiteren Aufwärtstrend möglich machen können. Es wurden in der zweiten Saisonhälfte sehr viele junge Spieler eingebaut die ihre Qualität und Profitauglichkeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben. Profis, die sich aus meiner Sicht nicht genug mit dem Verein identifiziert haben und eher sportliches Mittelmaß darstellten, wurden abgegeben. Außerdem wurde von der sportlichen Leitung eine klare Marschrichtung für die Zukunft vorgegeben.

Vertrauen als Schlüssel zum Erfolg?

Nun ist es an uns, die Verantwortlichen ruhig arbeiten zu lassen. Gut Ding will Weile haben und diese müssen wir als Umfeld des Vereins endlich zulassen. Vor zwei Jahren noch mitten drin im Abstiegskampf und jetzt ist uns Platz 8 schon wieder nicht gut genug. Manfred Paula versteht den Verein und die Jugendarbeit im Löwen-NLZ wie kein Zweiter und Markus Kauczinski weiß wie man in Liga 2 aufsteigt.

Wohin Vertrauen in die handelnden Personen führen kann, sieht man z.B. in Cottbus. Ich war live dabei, als in Unterhaching der fix eingeplante Aufstieg vergeigt wurde, und trotzdem hat man an Claus-Dieter Wollitz festgehalten. Mittlerweile haben die Lausitzer uns überholt und treten in der kommenden Saison im Unterhaus an.


Die Giesinger Gedanken erscheinen regelmäßig als Kommentar und sind die persönliche Meinung eines Mitglieds unserer Redaktion oder eines Gastautors. Sie spiegeln nicht grundsätzlich die Meinung der gesamten Redaktion wider.

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Claus

Der Frust ist eigentlich nicht so schwer zu erklären: Wenn man mitten in der Saison Trainer + Sportdirektor entlässt, dann erwarte ich, dass die neue Besetzung bessere Resultate (oder zumindest bessere Enwicklungen und Perspektiven) liefert als die alte.

Nichts davon kann ich in unserem Fall erkennen, auch nicht bei nüchterner Betrachtung mit ein wenig Abstand.

Dennis M.

“Manfred Paula versteht den Verein und die Jugendarbeit im Löwen-NLZ wie kein Zweiter und Markus Kauczinski weiß wie man in Liga 2 aufsteigt.”

: an welchen Parametern machst du fest, dass Manfred Paula den Verein wie kein Zweiter versteht? Was sind da die Argumente bzw Anhaltspunkte? Mit den Punkten der Jugendarbeit und Kauczinski kann ich mitgehen.

Linksblau

Wenn ich ehrlich bin, dachte ich schon, dass Kevin und Flo zusammen mindestens 25 Tore machen, um Abwehr und Tor hab ich mir keine Sorgen gemacht und das Mittelfeld schien mit den Zugängen nicht mehr nur Solide zu sein.

Man vergisst nur gerne, dass die anderen auch Fußball spielen können und die Leistungsdichte in der 3. Liga sehr eng ist.

Dass eine Mannschaft locker durchmaschiert ist die große Ausnahme und bei uns ist die Spanne zwischen Himmelhoch und zu Tode betrübt besonders dicht.

Ich wünsche mir einfach Kontinuität insbesondere beim Trainer, denn nur, wenn der nicht ständig in Frage gestellt wird, hat er auch die Autorität “schwierigere” Spieler zu lenken.

Urloewe

War mir beim Lesen nicht sicher: Satire oder ernst gemeint?

Einige Grundgedanken sind schon richtig. Bei den Löwen ist es besonders schwer Kontinuität reinzubringen. Und die Erwartungshaltung ist einfach generell viel zu hoch. Bin auch überzeugt, dass vielen Spielern der Druck bei 60 zu hoch ist.

Andererseits: Gut Ding will Weile haben. Und Platz 8 nach Platz 15 und 11 als Erfolg zu preisen, ist schon wirklich ein rechter Schmarrn. Für alle Vereine von Liga 3 gibt es keine kontinuierliche Entwicklung. So gesehen ist die Wahrscheinlichkeit eines Aufstiegs genauso wahrscheinlich wie die eines Abstieges. Aktuell sind wir letzterem näher. Aber man muss jetzt abwarten, wie der Kader am Anfang der Saison sein wird.

Bin eigentlich auch dafür einen klaren Weg einzuschlagen und wenn irgendwie diesen auch, wenn’s nicht läuft, weiterzugehen. Hätten wir mit Dr. Werner und Glöckner weitergemacht, wo würden wir dann heute stehen?

Und wenn wir jetzt mit Kauczinski und vielen jungen Spielern in die Saison gehen und mit 3 Niederlagen starten, würde ich mir wünschen, dass wir Fans hinter Trainer und Team stehen. Aber ob das ein realistischer Wunsch ist?

United Sixties

Deiner Zusammenfassung als Perspektivverschiebung kann man soweit folgen und auch das Thema Geduld wieder einmal in den Vordergrund setzen. Einzig bleibt bedeutend die klare Zielsetzung des Vereins/kgaA mit der wirtschaftlich alternativlosen wie notwendigen Rückkehr in die 2. Liga.
Wir als Kunden der KgaA als brave Dauerkartenkäufer dürfen einfach mehr verlangen als immer höhere DK-Preise und mittelmäßigen Drittligafussball.
Mehr eigene Talente einzubauen sollte ohnehin verpflichtend sein und dazu aber auch zuvor mehrjährige Verträge diesen Jungprofis abzuverlangen.
Weniger Söldner und mehr Identifikation wie einst 1990-1995 mit den drei Aufstiegen. Die sofortige Kapazitätserhöhung auf wenigstens 17 500 und der Zäune-Wegbau an der Stehhalle muss jetzt auch mal fixiert werden und dazu haben die aktuell gewählten im VR bereits 9 Jahre Zeit zu verhandeln ( mit Beatrix Zurek Draht zu Verena Dietl und Stadt). Es braucht Ergebnisse und bis zur MV erwarten wir doch alle endlich mal Fakten statt Ankündigungen und zeitliche Verschiebungen.
Dabei wünsche ich uns allen viel Glück und Hartnäckigkeit, denn ewig werden nicht alle Fans weiter ins Stadion strömen.

Loewe2004

Nun ist es an uns, die Verantwortlichen ruhig arbeiten zu lassen. Gut Ding will Weile haben und diese müssen wir als Umfeld des Vereins endlich zulassen. Vor zwei Jahren noch mitten drin im Abstiegskampf und jetzt ist uns Platz 8 schon wieder nicht gut genug.

Hast Du schon mal nachgerechnet, wie lange wir schon in der 3. Liga verkümmern?
Kannst Du Dich an die glorreichen Zeiten überhaupt erinnern?
Irgendwann reicht es mit diesen platten Sprüchen, wenn man sieht wieviel Geld in den vergangenen Jahrzehnten versenkt wurde und was der sportliche Erfolg war!
Wer will sich mit diesem Kader, der anfangs der Saison zu den Topfavoriten gezählt wurde, mit einem 8. Platz zufrieden geben – ich kenne in meiner sportlichen Umgebung Niemanden der solche idiotischen Thesen verträgt.
Ich weiß selbst aus jahrzehntelanger eigener Erfahrung als Verantwortlicher, dass man im Sport nichts erzwingen kann. Es steht aber einem Löwen nicht an, sich kampflos mit dem Mittelmaß zufrieden zu geben.

Loewe2004

Oh mei – so kann man das auch sehen:

Eigentlich sind wir wieder mal selbst Schuld und haben uns die vergangene Spielzeit hauptsächlich mit einer überzogenen Erwartungshaltung selbst ruiniert.

Jetzt sollen die Fans an dieser grottenschlechten Saison mit schuld sein?

Am Platz standen Profis der Dritten Liga, die schon einen Anspruch haben müssten, um die Aufstiegsplätze mitzuspielen. Das sieht auch Kevin so, der davon spricht, dass die Mannschaft es verkackt hat. Und dazu gehört auch der Trainer bzw. das Trainerteam. Seit der Verpflichtung von K. kann man durchwegs keine spielerische Verbesserung oder eine vernüftige Taktik erkennen. Die anfänglichen Siege waren zum überwiegenden Teil auf Glück und Unvermögen des Gegners zurück zu führen. Und was die letzten 10 Spiele betrifft, bedarf es keines weiteren Kommentares.

Wenn wir weiterhin in dieser Selbstzufriedenheit verweilen, werden wir auch bei einer möglichen Olympiade in München und dem Ausbau des Sechzgers in 10 und mehr Jahren höchstens noch in der Dritten Liga spielen.

Es braucht dringend einen Neuanfang mit einem jungen Trainer, der den Löwen in der Brust trägt und mit den verbliebenen “gestandenen” Profis sowie einem frischen jungen Kader voll angreift. Mit seiner Verbindung zum NLZ ist Paula schon prädestiniert hier die richtigen Fäden zu ziehen.

K. kann sich dann mehr um seine Karlsruher Umgebung widmen – es sei ihm vergönnt.

GoerlitzerLoewe

Danke dir Peter für diesen toll geschriebenen Artikel. Dem kann ich zu 100% zustimmen. Ja unsere Erwartungshaltung ist eben immer “we go to the top”. Wenn man den Abstand sieht zwischen Platz 3 und uns, sind das punktemäßig nicht gerade Welten. Und es ist auch klar, als es um nichts mehr ging, hat man das der Mannschaft angesehen. Es waren gerade die wichtigen Spiele (Heimspiel gegen Essen, auswärts in Osnabrück und Cottbus), die wir nicht an uns reißen konnten. Weder spielerisch, noch kämpferisch noch moralisch. Das muss besser werden. Und die Taktik des Trainers bezüglich hohe weite Bälle und Haugen erläuft sie sich, ist dem Spielermaterial zu schulden und war für mich fast alternativlos (Danhof und Rittmüller sind eben keine Flankengötter und Pfeiffer für mich ein Totalausfall). Natürlich durchschaut das schnell jeder Gegner. Hätten wir nur 2-3 Schiedsrichterfehlentscheidungen in der Hinrunde weniger gehabt, wären wir bis zum Schluss mit oben dran gewesen. 21 sind dann eben doch zu viel (letzte Saison waren es 19). Die jungen Spieler einbinden, gespickt mit alten erfahrenen Hasen und wir werden eine Entwicklung sehen.

Jetzt liegt mein Augenmerk auf den Nebenschauplätzen wie Turnhalle und Stadion. Ich hoffe da sehr auf die nächsten Schritte. Ruhe wirst du in München bei unserem Verein nie haben. Dafür ist der Boulevard und gewisse Personen in ihrer Blase zu sehr darauf bedacht konsequent negativ über den Verein zu berichten.

steve84

Ich verstehe den Ansatz des Artikels und natürlich stimmt es, dass wir tabellarisch besser dastehen als in den letzten Jahren. Aber trotzdem kann und darf der Anspruch bei 1860 München nicht sein, sich am Ende mit Platz 8 zufriedenzugeben – vor allem nicht nach den Erwartungen und der Euphorie vor der Saison.
Gerade auch auf sechzger.de wurde zu Saisonbeginn völlig zurecht davon gesprochen, dass mit diesem Kader deutlich mehr möglich sein müsste und nur noch über das Datum spekuliert wann wir aufsteigen…
Deshalb finde ich es schwierig, jetzt einfach zur Tagesordnung überzugehen und die Saison im Nachhinein schönzureden. Natürlich war nicht alles schlecht, aber die Entwicklung gerade in den letzten zehn Spielen war doch eher besorgniserregend. Da hat vieles nach Stillstand statt nach Aufbruch ausgesehen. Und genau das ist für viele Fans der entscheidende Punkt.
Dass man am Ende ein paar Plätze besser dasteht als letztes Jahr, hilft nur bedingt weiter, wenn gleichzeitig über Wochen kaum Entwicklung erkennbar war. Vertrauen ist wichtig, aber genauso wichtig ist es, kritisch anzusprechen, dass sich sportlich und strukturell trotzdem etwas ändern muss, wenn man wirklich irgendwann wieder oben angreifen will. Es bleibt für mich eigentlich nur die Hoffnung das HI endlich abgelöst wird.

Niederbayernloewe

Der Tabellenplatz ist für mich gar nicht entscheidend.
Es wäre schön mal wieder so etwas wie Fussball zu sehen und kein Gemauere, Gestolpere und hoch und weit Gebolze.

Man bekommt es ja die ganze Saison nicht wenigstens zwei mal im Spiel hin eine Ballstafette von mehr als 4 Spielern zu haben.

Da frag ich mich – unabhängig vom Tabellenplatz – worauf man sich da nächste Saison freuen soll bzw. wieso man mit der jetzigen zufrieden sein soll.

Zufrieden kann man sein, dass man mit dem gehacke nicht abgestiegen ist. 😂

Sechzglinger

Sehr gut geschrieben, sehe ich überwiegend genauso.
Die Erwartungshaltung auf ein gesundes, realistisches Maß herunterzuschrauben ist die schwerste Aufgabe für mich…