Die dritte Ausgabe der unregelmäßig auf sechzger.de erscheinenden Artikelserie Poppular Demand von Sabine erscheint zum Anlass des heutigen Saisonstarts in der Regionalliga Bayern. Und blickt schon mal auf den Heimauftakt für alle Löwenfans in Giesing in zwei Wochen, am Freitag, den 7. August. Ein Text zum Nachdenken.
Die neue Saison beginnt. Für die Löwen dauert das Warten aufs erste Heimspiel noch zwei Wochen. Vor uns liegt eine Tabelle mit 19 Mannschaften. Noch kann niemand erahnen, wie sich unsere Löwen schlagen werden.
Jedes Team startet bei Null. Und jeder bringt Hoffnungen und Träume mit.
Eigentlich ist nur eines sicher: Die Ränge im Sechzger werden wieder voll sein. Die Menschen strömen auf den Giesinger Berg, um Fußball zu schauen, Freunde zu treffen, zu ratschen oder einfach nur zu granteln.
In einem ausverkauften Grünwalder Stadion sind rund 4.000 Menschen von einer psychischen Erkrankung betroffen.
Jeder Vierte.
Ich habe in der vergangenen Saison mehrmals durchgezählt, um mir vor Augen zu führen, wie viele Menschen das eigentlich sind.
Zu zählen habe ich bei mir begonnen.
Dann schweifte mein Blick vor dem Anpfiff über die Ränge. Ich sah in die Gesichter.
Gemeinsam singen wir beim Einlauf der Mannschaften: „Was heute schwer ist, wird morgen gut, denn wir haben den Löwenmut.“
Das ist meine Zeile. Jedes Mal bekomme ich dabei Tränen in den Augen. Nicht nur, weil sie zu unserem Verein gehört, sondern weil sie mich auch an mein eigenes Leben erinnert. An Tage, an denen ich selbst hoffe, dass das Schwere irgendwann leichter wird.
Während ich singe, frage ich mich manchmal, welchen Kampf die Menschen um mich herum gerade führen. Wie viele sich stark geben, obwohl sie es im Moment nicht sind. Wer sich mitten unter Tausenden allein fühlt. Wie viel Mut es manche gekostet hat, heute überhaupt hier zu sein.
Manchmal ist der größte Sieg des Tages ein ganz persönlicher. Dass man es überhaupt bis ins Stadion geschafft hat. Und wie viele heute diese Hürde nicht überwinden konnten, weil ihnen eine Krankheit im Weg steht, die niemand sehen kann.
Mit der neuen Saison kehrt auch die Hoffnung zurück.
Für mich ist das jedes Jahr ein besonderer Moment.
Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben.
Wir werden weiterhin jubeln, schimpfen, hoffen und leiden. Und mitten unter all den Schals, Trikots und Fahnen sitzen Menschen, deren größter Kampf gerade nicht auf dem Rasen stattfindet.
Wir sind 4000.
Wenn dich dieser Text berührt oder du dich darin wiederfindest:
Du musst damit nicht allein bleiben!
Sprich mit einem Menschen, dem du vertraust.
Hilfe zu suchen ist ein Zeichen von Mut.
Hier findest du einige Anlaufstellen und Beratungsangebote:
Krisendienst Oberbayern
Münchner Insel – Krisen- & Lebensberatung
Die Arche e.V.
[U25] Mailberatung und Hilfe für Jugendliche mit Suizidgedanken












Danke für den sehr berührenden Artikel. Gerade bei einer psychischen Erkrankung kann einem der Stadionbesuch viel geben, ein sicherer Ort, vertraue Menschen und Abläufe, ein Gefühl von Stärke und Gemeinschaft. Doch ich kenn auch Situationen, in denen ich mich wie in einem Glaskasten gefühlt hab, keine Konzentration fürs Spiel aufbringen konnte und die ausgelassene Stimmung sich unendlich weit weg angefühlt hat. Aber das wird auch wieder besser, behaltet euren Löwenmut!!
Danke, dass du dieses wichtige Thema so offen und ehrlich ansprichst. Er regt zum Nachdenken an und zeigt, dass wir oft nicht wissen, welche Kämpfe die Menschen neben uns gerade austragen. Und für 90 Minuten einfach mal abgelenkt werden.
Danke für diesen Text – just wow.
Als Betroffener möchte Danke für diesen Artikel sagen. Ein Spiel von Sechzig ist für mich oft 90 Minuten Flucht aus Gedankenkarussell und mentaler Erschöpfung und einfach sich selbst und das Leben spüren.
Obwohl 1860 mich sehr oft an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht hat (Beispiel: zwischen “Wir enden in der Bezirksliga…” 😭 und “Kai Bülow – Fußballgott! Wir kaufen einen Brasilianer!”😎 lagen gegen Kiel nur 15 Minuten), ist es Teil von mir und sehr oft ein Trost.
Einer der schönsten Momente meines Lebens war das erste Fußballspiel für meinen Neffen überhaupt gegen Stuttgart 2, als nach dem Ausgleich in letzter Minute das Stadion explodiert ist. Er war vorher neutral und wollte danach unbedingt ein Trikot haben. Danke Sechzig und allen Fans dafür, dass ich die Höhen und Tiefen mitmachen darf. 👍
Sehr mutiger, sehr berührender Text. Danke dafür!
Word! Oder wie die Jugend heutzutage sagt “Rede”!
Sehr wichtiges Thema. Dazu auch gerne hier unterschreiben:
change.org/p/monatelange-wartezeiten-und-jetzt-werden-psychotherapeutische-leistungen-gek%C3%BCrzt
Großartig und mutig. Bravo!
Und ein kleines bisschen wichtig ist da ein Stadion wie das GWS mit dem ganzen drum rum, eine Heimat, ein Wohlfühlort, Identifikation, Zusammengehörigkeitsgefühl. Ein Juwel in der großen Menge der unpersönlichen Fusballarenen in der Pampa.
Sehr guter Artikel, vielen Dank! 👍
Nur die Zahl erscheint mir erheblich zu niedrig. Und das hat natürlich nix mit uns Fans zu tun, sondern ist eine allgemeine Betrachtung. Vor Fragen kommen, nein ich bin nicht vom Fach. Aber einer der 4000+++
Die Autorin hat hier “jeder Vierte” angesetzt. Und das sind bei ausverkauftem Sechzger dann etwa 4.000 Personen. Die offiziellen Zahlen schwanken aber sehr stark.
Danke für diese sehr wichtige Message. Das hat mich an diesen sehr gut gemachten Clip von Norwich City erinnert: https://www.youtube.com/watch?v=tX8TgVR33KM
Richtig starker Text, finds schön geschrieben und echt berührend!
Ich erkenne mich selbst in den Artikel und dieser hat mich sehr berührt. Ich war lange nicht mehr im Stadion….Ich möchte nun mit dem Neustart der Löwen auch für mich neu starten mal sehen ich hoffe die Löwengemeinschaft hilft mir wieder zurecht zu kommen.
Auf geht’s, gib dir einen Ruck. Der Verein braucht dich und du brauchst den Verein 💙 🤝 💙
sehr guter Text und immer wieder wichtig darauf aufmerksam zu machen💙
Löwenmut – bleibt stark! Stärke bedeutet auch zu erkennen, dass man Hilfe braucht und diese anzunehmen.🦁