Immer wieder haben wir unsere langjährige Leserin Sabine angesprochen, ob sie sich denn nicht vorstellen könne, für sechzger.de zu schreiben. Beim legendären Fanzine TorRaub sammelte sie bereits Redaktionserfahrung, die sie mit ihrer neuen, unregelmäßig erscheinenden Kolumne “Poppular Demand” bei sechzger.de einbringen wird. Übrigens: Es handelt sich dabei keineswegs um einen Tippfehler! Angelehnt an den Hip Hop-Track Popular Demand von Clipse, Cam’ron und Pharrell Williams hat Sabine diesen Namen bewusst gewählt. In ihrem ersten Beitrag bezieht sie sich auf ein Großturnier, das derzeit in Mexiko, Kanada und den USA stattfindet – und schlägt doch den Bogen zum TSV 1860. Viel Spaß beim Lesen!
Poppular Demand: Ein Name genügt!
Es ist WM-Zeit.
Früher hätte ich längst Panini-Bilder gesammelt. Ich hätte seit Wochen das Kicker-Sonderheft studiert und könnte vermutlich auswendig aufzählen, welcher Ersatzspieler der DR Kongo oder Usbekistans in der zweiten belgischen Liga sein Geld verdient.
Heute ist das anders.
Diese WM findet unter der Regie eines FIFA-Präsidenten statt, der Friedenspreise verteilt, während der Fußball immer weiter den Bezug zur Realität verliert. Sie findet in einem Land statt, das sich einst als Symbol der Freiheit verstand und heute vieles von dieser Idee mit Füßen tritt.
Vielleicht bin ich dem modernen Fußball einfach müde geworden.
Und dann taucht plötzlich ein Name auf: Sebastian Berhalter. Am Samstag für die USA eingewechselt.
Ein Name genügt, und meine Gedanken sind sofort wieder dort, wo sie derzeit ständig sind: bei meinem Herzensverein 1860 München.
Sohn von Ex-Löwe Gregg Berhalter
Sebastian ist der Sohn von Gregg Berhalter. US-Nationalspieler, später Nationaltrainer, bei 1860 aussortiert. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Uwe Wolf sortierte ihn aus. Die Ansprüche bei uns waren schon immer hoch.
Und plötzlich bin ich wieder mittendrin in diesen Geschichten, die nur der Fußball schreiben kann. Ein Name führt zum nächsten. Von der WM nach München. Von den USA nach Giesing. Von Gregg zu Sebastian. Ironischerweise spielte Gregg Berhalter auch für Energie Cottbus. Ausgerechnet Cottbus.
Der Verein ist in dieser Saison in die 2. Bundesliga aufgestiegen, während mein TSV 1860 München Achter wurde – ein Ergebnis, das sich für viele Löwen eher wie eine Enttäuschung angefühlt hat.
Ungewissheit in Giesing
In einer Woche ist Mitgliederversammlung. Vor ein paar Monaten dachten wir noch, das könnte dieses Jahr eine ruhige werden. Die Nachrichten überschlagen sich. Und irgendwo dazwischen ist mein Verein, bei dem seit Jahren alles drunter und drüber geht, als wäre auch er nur ein Spielzeug in den Händen von Menschen, die nicht verstehen, dass Fußball kein Spielzeug ist.
Ich weiß nicht, ob ich mein Geld für drei Dauerkarten zurückbekomme, und ich weiß nicht, in welcher Liga wir nächste Saison spielen werden. Aber ich weiß, was dieser Verein für mich ist: die Menschen. Die, die mit mir hoffen, sich ärgern, diskutieren und trotzdem immer wieder hingehen.
Manchmal weiß ich nicht einmal, ob ich dem modernen Fußball überhaupt noch etwas abgewinnen kann. Und trotzdem lässt er mich nicht los. Niemals.
Vielleicht liebe ich nicht den modernen Fußball. Vielleicht liebe ich die Menschen. Denn sie schreiben diese Geschichten, die mich nicht loslassen.











Schöner Text. Könnte ich fast 1:1 unterschreiben.
Mit der Sabine verbinde ich auch noch eine besondere Erinnerung an ein großes Turnier:
Grillen mit ihr und ihrem Mann am Föhringer See. Die nahende Europameisterschaft (2000?) stand an. Und eine Vision: Belgien wird Europameister.
Also am Heimweg mit nem Fuchs zum legendären Salzburger Grill (RIP). Und dem legendären Schorsch (RIP) in die Hand gedrückt, der damals die ganzen Wetten zu Quoten vom Wettbüro selber gehalten hat.
Ein lustiger Nachmittag. Eine schöne Erinnerung. Aus der Zeit, als der Fußball noch halbwegs normal war.
Super Auftakt, freue mich riesig.
Ja, es ist WM-Zeit und die „0“ steht. Die WM geht mir komplett am A…. vorbei. Schon alleine wenn ich den Reklamierarm im Tor weiß, bekomme ich aufstoßende Völlegefühle. Selbst bei einer Finalteilnahme wird die „0“ nicht fallen. Und außerdem gibt es wichtigeres zu regeln..
Freiheit für Sechzig!
Jetzt schon Fan! Unbedingt mehr davon!