Am 18. Dezember soll auf einem außerordentlichen DFB-Bundestag eine Lösung für das “Problemkind” Regionalligareform gefunden werden. Das DFB-Präsidium rund um Bernd Neuendorf reicht das Kompassmodell zur Abstimmung ein. Damit schließt sich das DFB-Präsidium der Meinung eines absoluten Großteils der deutschen Fanszenen sowie der Initiative Aufstiegsreform an. Diverse Landesfürsten haben aber natürlich andere Ideen.
Unseriöses Verhalten des BFV
April 2026: Eine DFB-Arbeitsgruppe unterbreitet den Regional- und Landesverbänden zwei Vorschläge zur Regionalligareform. Drei Wochen später entscheidet sich der BFV dazu einen weiteren Vorschlag, das Zwei-Phasen-Modell einzubringen. BFV-Präsident Dr. Christoph Kern meint, “es geht um eine mutige Entscheidung für die Zukunft”, andere sehen darin nicht unberechtigt eine Nebelkerze.
Heute ist vom BFV nichts mehr zum Zwei-Phasen-Modell zu hören, stattdessen schiebt er mit einem erneuten Gegenvorschlag die Verantwortung der Reform ganz einfach ab. Die 3. Liga soll auf 22 Mannschaften aufgestockt werden, mit zukünftig 5 Absteigern. Diese mitsamt ihren Vereinen ist not amused. Bereits im Sommer hatten sie in einem Schreiben die Entscheidungsträger darauf hingewiesen dass sie bereits 2018 mit der Einführung eines vierten Aufstiegsplatzes einen Beitrag geleistet haben, im Gegenzug erhoffte man sich auf Ebene der Regionalligen eine tragfähige Reform.
Die Landesverbände können niemanden außer sich selbst die Schuld geben
Nachdem nun nach ganzen acht Jahren nichts passiert ist, hat das DFB-Präsidium das Thema Aufstiegsreform in diesem Jahr zur Chefsache gemacht. Und wenn man ehrlich ist, sollte man den Landesverbänden schließlich einfach die Entscheidungsmacht über die Reform entziehen. In unzähligen Versuchen ist eine tragfähige Lösung immer an den Partikularinteressen einzelner Verbände gescheitert. Warum also sollte man den Landesfürsten des deutschen Amateurfußballs, die immer wieder bewiesen haben, dass sie sich selbst am nächsten stehen, Macht einräumen?
Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Hier schreibt auch kein Freund des DFB. Aber in der Sache stellt sich sein Präsidium ausnahmsweise auf die Seite eines Großteils der deutschen Fanszenen.
Daseinsberechtigung der Regionalliga Bayern unschlüssig
Die Regionalliga Bayern ist ein Wohlfühlbecken für ambitionslose Amateurvereine. Manch einer nennt es vielleicht Fußballromantik, ich finde es eher absurd, dass es Menschen gibt, die diese Liga erhalten wollen. Die großen Vereine wie Unterhaching, Burghausen, Schweinfurt und Bayreuth sind alle in den Amateurmodus zurückgefahren, die Zweitvertretungen sind ein eigenes Thema und der Rest der Startplätze wird durch Vereine aufgefüllt, bei denen niemand darüber verwundert wäre, wenn sie in der Landesliga spielen.
Als Wehen Wiesbaden-Trainer Jochen Seitz gegenüber MagentaSport in dieselbe Kerbe schlug, ließ es sich der BFV nicht nehmen, und hinterließ auf Instagram einen bemerkenswert unprofessionellen Kommentar. Diesen in Gänze wiederzugeben würde den Rahmen sprengen, interessant ist aber die Bemerkung, dass die Regionalliga Nordost ja letzte Saison genauso viele lizenzbeantragende Vereine wie die Regionalliga Bayern hatte. Faktisch mag das stimmen, außer Acht lässt man aber, dass in Nordost nur Vereine mit Aufstiegschance diesen Antrag gestellt haben. Während im Osten Spannung bis zum letzten Spieltag herrscht, philosophiert man bei uns darüber, dass man ja theoretisch auch als Fünfzehnter in die Aufstiegsrelegation kommen kann, solange kein Verein vor uns in der Tabelle eine Lizenz beantragt hat.
22/5-Modell bleibt Mangelhaft
Als Gernot Mang am Abend nach dem Derby in der BR-Sendung Blickpunkt Sport zu Gast war, sprach er unter anderem auch zur Regionalligareform: “Ich persönlich präferiere das Modell 22/5: 22 Vereine in der 3. Liga mit fünf Absteigern – und fünf Regionalligen. Das ist das einfachste Modell. Das ist das, was wir bevorzugen.” Ob diese Aussage ein Zugeständnis an den BFV ist, welcher die Löwen nach der Insolvenz unterstützt hat, oder die tatsächliche Position des Präsidiums, bleibt offen.
In beiden Fällen unterstütze ich die Reaktion der aktiven Fanszene, welche beim letzten Heimspiel gegen Buchbach ein Spruchband mit dem Inhalt 22/5-Modell bleibt MANGelhaft – Kompassmodell jetzt! ihren Standpunkt nochmal deutlich machte. Bei all dem “Football for the People” und “Freiheit für Sechzig” dürfen wir nicht vergessen, dass dies nicht nur Slogans eines Neuanfangs sind, sondern gewissermaßen auch eine Maxime, wie sich der Verein zu sport- und vereinspolitischen Themen positioniert.
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Ich sehe die Regionalliga Bayern deutlich weniger kritisch. Ich sehe kein Problem darin, wenn Amateurvereine in der höchsten Amateurliga spielen und gleichzeitig nicht bereit sind in den Profifußball einzusteigen.
Die Situation wird sich auch nicht durch eine Ligareform verändern, maximal verschiebt sie sich eben eine Liga tiefer.
Dem Rest des Artikels kann ich nur uneingeschränkt zustimmen und hoffe, dass diese elendige Diskussion endlich abgeschlossen wird.
Ich bin ja immer noch dafür das man es so macht wie in der KL München.
Zwei RL á 45 Teams mit 34 oder 36 Spielen
Keine Hin-und Rückrunde.
Die beiden Erstplazierten spielen als Bonus noch den Regionalligameister aus und steigen direkt auf
Ich sehe nur bedingt, dass beim Kompassmodell mit höheren Reisekosten zu rechnen wäre: Wenn dabei Ulm in die Südostliga käme und zum Beispiel Aubstadt in eine andere Regionalliga, wäre das für nicht weniger Vereine günstiger.
Darüberhinaus finde ich, dass man auf die Relegation ggf. verzichten könnte: Wer nicht Meister wird, nimmt auch an der Aufstiegsdelegation nicht teilnehmen. Dann hätte man letztes Jahr den Zirkus nicht gehabt, weil Glubb II nicht aufsteigen wollte. Würzburg wäre weiterhin in der Regionalliga und Leipzig wäre als Meister aufgestiegen. Aus die Maus.
Ich bin klar für 22/5, weil es die für Sechzig bessere Alternative ist. Ich hab auch nix gg 21 Heimspiele in Liga 3 , ich freu mich sogar drauf, weil jedes Heimspiel für mich ein Feiertag ist. Da der von mir sehr geschätzte Gernot Mang Präsident unseres Vereins ist, möge er auch unsere Interessen vertreten, da vertraue ich ihm voll!
Volle Zustimmung.
22/5 ist eine bessere Option als der Status Quo, aber das war’s auch schon.
Mir ist der Auftritt des BFV extrem peinlich. Wenn von den besten 5 Mannschaften der RLB regelmäßig 3-4 nicht aufsteigen wollen, dann ist das für mich Beweis genug, dass die RLB keine Daseinsberechtigung hat. Leider, ich mag die Liga eigentlich.
Ich frage mich auch, warum Mang sich so kritiklos hinter 22/5 stellt. Ja, für uns wäre es deutlich leichter in die drittel Liga aufzusteigen. Aber erstens gehe ich davon aus, dass das Kapitel Regionalliga bis 2028/29, wenn die Reform frühestens kommt, schon abgeschlossen ist. Und dann würden wir in in einer Liga spielen, aus der fast ein Viertel jedes Jahr absteigt! Das kann nicht im Interesse von Sechzig sein.
Wieviele aus dem Norden wollen aufsteigen?
Ich denke unser Präsident muss nicht unbedingt objektiv handeln. Oder besser, soll es nicht.
Für uns wären aktuell längere Reisewege von 300 bis über 400 km nötig. Auch eine Steigerung der Attraktivität kann ich aus unserer Sicht bei SGV Freiberg, TSG Balingen oder Bahlinger SC nicht erkennen.
Rein sportlich würde eine zweigeteilte Dritte den meisten Sinn ergeben. Dagegen spricht natürlich das finanzielle…
Aber hoffentlich interessiert uns das ganze bald nicht mehr als Betroffene
Es ist schön zu sehen, wie facettenreich und vielfältig die Meinungen auf dieser Plattform sind. Anderswo wird ja gerne so getan, als wären hier ausschließlich die Lemminge der Vereinsbosse unterwegs. Das ist mitnichten der Fall! An dieser Debattenkultur könnten sich andere durchaus ein Beispiel nehmen.
In der Sache selbst tendiere ich zu der Meinung, dass die 3. Liga ohnehin schon ein finanzielles Grab für viele Vereine ist. Warum sollte man also noch mehr Mannschaften diesem Risiko aussetzen? Beziehungsweise wer ist überhaupt bereit dazu? Eine Aufstockung auf 22 Teams halte ich deshalb nicht für sinnvoll.
Allerdings darf man auch nicht übersehen, dass eine vergrößerte Regionalliga nach dem Kompassmodell ihre eigenen Probleme mit sich bringt. Längere Anfahrtswege und damit höhere Reisekosten, die sich nicht jeder Verein ohne Weiteres leisten kann, sowie der mögliche Wegfall traditionsreicher Derbys sind durchaus gewichtige Argumente.
Letztlich besteht die Gefahr, dass man das Problem nicht wirklich löst, sondern lediglich von der 3. in die 4. Liga verlagert. Wirklich helfen würde da aus meiner Sicht nur eine gerechtere Verteilung der Einnahmen im deutschen Fußball. Mit anderen Worten: ein echter Solidartopf, aus dem deutlich mehr Gelder in die 3. und 4. Liga fließen. Denn solange die finanziellen Rahmenbedingungen nichtverbessert werden, diskutieren wir letztlich nur darüber, auf welcher Ebene die Vereine die Zeche zahlen müssen.
Beim kompassmodel würde es für jeden Regionalligaligisten 40000 € fix geben. Das würde die Reisekosten etwas abmildern. Aktuell bekommt man gar nix.
Genau, das ist ein Fixum und nicht explizit für Reisen, sondern soll alles abdecken.Und jetzt bist du gefragt: Für wie viele Auswärtsfahrten reicht das bei den künftig deutlich längeren Strecken? Bei 4.000 Euro pro Fahrt wäre nach zehn Fahrten Schluss, alle anderen Kosten noch gar nicht eingerechnet.
Respekt Herr Kleemann,
Völlig unverständlich wie man ein 22/5 Modell wie es Mang befürwortet ernsthaft in Betracht ziehen kann. Eine Mammut Liga mit noch mehr Spielen und noch mehr Kosten. Das wäre der super Gau für die 3.liga und noch mehr Vereine aus der Regionalliga würden dankend abwinken.
Gleichwohl ich – mit viel Bauchschmerzen – auch für das Kompassmodell bin, weil ich insbesondere fünf Absteiger aus der 3. Liga für (sportlich) wenig sinnvoll halte: Mehr Spiele bedeuten auch mehr Einnahmen. Diese sollten die Kosten für die zwei zusätzlichen Reisen – zumindest bei den Vereinen mit ein paar Zuschauern – deutlich übersteigen.
4 Regionalligen würden halt zumindest bei den Reisekosten und längeren Wegen Mehrkosten für 4.ligisten bedeuten, ob das dann für einige zu stemmen ist?
Hat alles seine Vor und Nachteile.
Um hier ganz offen zu sein, mir ist es mittlerweile völlig egal welches dieser beiden Modelle kommt. Hauptsache es wird endlich mal eine Entscheidung getroffen und die jeweiligen Meister der 4. Liga (Regionalliga) steigen direkt auf.
Beide Modelle haben sicherlich auch ihre Nachteile, aber wie lange soll das “Rumgeeiere” noch so weitergehen.
P.S.. Ich wäre auch für eine Abschaffung jeglicher Relegation, halte diese für sportlich sehr fragwürdig und dient nur zur Geldbeschaffung.
Die Aufsteigsspiele zweischen den Regionalliga-Meistern dienen nicht zur Geldbeschaffung. Die gibt es, um den Geburtsfehler der letzten RL-Reform zu beheben.
Auf- und Abstieg zwischen einer eingleisigen und einer fünfgleisigen Liga – das hätte es nie geben dürfen.