Fans von traditionellem Fußball aufgepasst! Ein Kleinod der deutschen Stadionlandschaft droht von der Bildfläche zu verschwinden. Beim fränkischen Kreisligisten ASV Fürth ist der Fortbestand der Tribüne in Gefahr. Und zwar nicht irgendeiner Tribüne, sondern der ältesten noch im Spielbetrieb befindlichen Holztribüne Deutschlands. Eigentlich wollten die Verantwortlichen die Zukunftstauglichkeit des Bauwerks sichern und eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach errichten. Bei den Vorarbeiten kamen jedoch gravierende bauliche Mängel ans Tageslicht, die eine umfassende Sanierung unabdingbar machen.
Finanzielle Belastung für Amateurverein zu groß
Die dafür notwendigen 150.000€ kann der Amateurverein nicht alleine stemmen. Deshalb hat der ASV eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Der Vorstand beschreibt sein Anliegen folgendermaßen:
“Erbaut im Jahre 1914. Sie hat Stürme überstanden, Regen getragen, Generationen von ASVlern jubeln und leiden sehen. Sie ist die älteste englische Holztribüne Deutschlands – ein Denkmal unserer Fußballkultur, ein Stück Fürther Geschichte, ein Herz aus Holz, das seit über 100 Jahren schlägt.

Doch jetzt ist dieses Herz in Gefahr. Bei den geplanten Renovierungsarbeiten – eigentlich ein Zukunftsprojekt, die Installation einer Photovoltaikanlage – kam der Schock: Die Balken der Dachkonstruktion sind schwer beschädigt. Wind, Wetter und ein Jahrhundert voller Geschichten haben ihre Spuren hinterlassen. Die Diagnose: Sanierungs-Mehrkosten von rund 150.000 Euro. Für einen ehrenamtlich getragenen Verein wie den ASV Fürth ist das nicht nur eine schlechte Nachricht – es ist eine Hiobsbotschaft… Eine Katastrophe… Aber wir ASVler kennen nur eine Richtung: Vorwärts! Wir geben niemals auf! Wir kämpfen für das, was uns ausmacht… Für unsere Gemeinschaft… Für unsere Tradition… Für unsere Tribüne!”
Jeder Betrag hilft
Spenden könnt ihr hier auf der Plattform betterplace.org, aktuell fehlt leider noch viel auf die angestrebten 99.000€. Wer die Tribüne einmal selbst erleben will, kann natürlich auch den ASV Fürth besuchen. Die nächste Gelegenheit ohne Kollision mit den Löwen dürfte die Partie gegen den SV Türkspor Reichelsdorf am Sonntag, den 22.11. sein. Danach klappt es erst wieder nach der Winterpause im März 2027.
Geld in die Kassen spülen würde wahrscheinlich auch ein Spiel gegen die Löwen. In München gab es das schon einmal. Der Vorgängerverein des ASV, der VfR Fürth, hatte schon einmal die Ehre im Grünwalder Stadion aufzulaufen. Bei Fürth Wiki heißt es dazu:
“Zur Spielzeit 1925/26 stieg der Verein in die Bezirksliga Bayern auf, eine von damals fünf erstklassigen Fußballligen des süddeutschen Fußball-Verbandes. Höhepunkt der damaligen Fußballsaison war die Eröffnung des städtischen Stadions an der Grünwalder Straße in München am 10. Oktober 1926 mit dem Spiel TSV 1860 München gegen den VfR Fürth. VfR Fürth gewann das Spiel 4 : 2 und verhagelte den Löwen damit das erste Spiel im neuen Heim-Stadion.”
Das ist jedoch nicht ganz korrekt. Es handelte sich um ein Spiel nach dem ersten großen Umbau des Sechzgerstadions. Die Freundes des Sechzgerstadion schreiben dazu:
“1925-26: Abriss der Tribünen und Neubau einer überdachten Sitztribüne für 1.600 Besucher und der legendären Stehhalle mit 25.000 Plätzen in Stahlbetonbauweise, womit das Gesamtfassungsvermögen auf ca. 35.000 Besucher steigt. Das Sechzger ist damit die größte Arena Süddeutschlands. Die Form der Haupttribüne (an der Volckmerstraße) ist im wesentlichen heute noch erhalten.” Die offizielle Benennung in “Städtisches Stadion an der Grünwalder Straße” erfolgte erst 1945.











Ist nicht die Tribüne im Stadion Hoheluft die älteste Holztribüne Deutschlands?
Und in Zittau steht ein Prunkstück aus Holz von 18hundert-schiessmichtot. Wird auch noch genutzt.
Ist wahrscheinlich so wie mit den Bratwurstküchen. Da gibt es auch mehrere „Älteste der Welt.“
Sie schreiben ja auch von der ältesten englischen Holztribüne, was auch immer das genau heißen soll. Für den guten Zweck habe ich mich für die “reißerischere” Überschrift entschieden.
Zum Thema Hoheluft heißt es beim DFB: “Der Sportplatz Hoheluft, die traditionelle Spielstätte, ist der ganze Stolz der Blau-Gelben. Nach ersten Schritten auf dem Heiligengeistfeld, St. Paulis Heimat, spielt die Victoria seit 1907 dort. Seit dem 15. Oktober 1911 steht oder stand, ganz wie man will, dort die älteste Sitztribüne Norddeutschlands. Zwei Wochen später saßen dort erstmals Menschen, um ein Länderspiel zu sehen – es endete 1:3 gegen Schweden. Die Tribüne bot 1000 Zuschauern Platz, brannte aber 1921 ab.
Schon ein Jahr später war eine neue errichtet, in die 1947 das Klubheim integriert wurde. Der Zahn der Zeit nagte an dem Bauwerk, dessen Erhalt aber nie in Frage stand für die Victoria. Schließlich hatten hier sogar fünf Länderspiele stattgefunden. Von 1978 bis 1985 gab es größere Renovierungsarbeiten. Es waren nicht die letzten, auch künftig wird an der Tribüne gearbeitet werden. Denn so kann Victoria auch weiterhin damit werben, die “älteste überdachte Tribüne Norddeutschlands” zu besitzen. So steht es auf der Homepage des Hoheluft-Stadions.”
Im Fall Zittau ist die erste Tribüne wohl für den Radsport entstanden, für das restliche Stadion wird 1915 als Baujahr angegeben (also jünger).
Ich denke die Fürther können also einen Punkt machen, dass sie die älteste haben. Aber wie schon gesagt, ist es bei diesen Sachen ja nie so einfach…