Wenn die Löwen heute Abend im Totopokal beim Tabellenfünften der Regionalliga Bayern antreten, dann erwarten viele – nicht nur der mitreisenden – Löwenfans eine Wiedergutmachung nach der Liga-Schmach von Regensburg am Sonntag Abend. Aber kann die bittere 0:4-Pleite und Nicht-Leistung so leicht wieder gut gemacht werden? “Nein!” findet unser Redakteur Christian Jung. Aber einen Charaktertest können Volland & Co. in Aubstadt bestehen. Und eine ebenfalls ganz bittere Pleite von vor gut dreieinhalb Jahren, die viele noch sehr präsent haben, zumindest ein wenig aus dem Löwen-Gedächtnis verdrängen.

Volksfeststimmung in Aubstadt – vorher

Der Ausflug im März 2022 war – im sportlichen Ergebnis – so richtig bitter. Fast vier Stunden Autofahrt bis an die nordbayerische-thüringische Landesgrenze, deutlich über 300 Kilometer tief in die fränkische Provinz. Für ein Totopokalspiel gegen einen Regionalligisten… Freilich herrschte dort Volksfeststimmung und ein erster recht warmer und heiterer Frühlingstag tat dem Gemüt richtig gut. Freunde des Landespokalwettbewerbs kamen voll auf ihre Kosten. Vor dem Spiel. Den sportlichen Vergleich mit den Gastgebern sollte der ambitionierte Drittligist aus München (damals auf Platz sechs mit Tuchfühlung zu den Aufstiegsrängen) dann bitte nicht spannend gestalten, sondern möglichst klar und frühzeitig entscheiden. Um ins Finale einzuziehen und dann rund eineinhalb Monate später die Quali für den DFB-Pokal – ganz unabhängig von der Abschlussplatzierung in der Liga – zu fixieren. Und ein Titelgewinn für die Löwen (wie zwei Jahre zuvor leider vor Corona-bedingt leeren Rängen) wäre ja auch mal wieder was zum Feiern gewesen. Wäre…

Bitteres Aus im Pokal im März 2022

Denn die Löwen wären nicht die Löwen, wenn sie ihre zahlreich und unter großem Einsatz angereiste Anhängerschar nicht wieder mal komplett enttäuscht hätten. Lustloses Gekicke vom Start weg, der logische Rückstand in der 69. Minute, den Marcel Bär zwar fünf Minuten später noch ausgleichen konnte. Aber im anschließenden Elfmeterschießen zeigten die Schützen auf Gästeseite, dass sie keinerlei Interesse an einer möglichen Verlängerung der Saison um eine Woche hatten. Das bayerische Landespokalfinale war – am “Finaltag der Amateure” – für Samstag den 21. Mai angesetzt, das letzte Ligaspiel gegen Borussia Dortmund II stand am 14. Mai auf dem Programm. Da wollte das Team wahrscheinlich schon auf Malle oder sonstwo weilen. Die Enttäuschung über dieses Aus kann in einem Atemzug mit den frühen Pokal-Niederlagen in den folgenden Jahren (ich kann und will es Euch nicht ersparen: im Herbst ’22 in Illertissen, im Herbst ’23 in Pipinsried, im Herbst ’24 gegen Haching) genannt werden.

Löwenfans wollen Einsatz sehen!

Und wo wir schon bei Enttäuschungen sind. Auch aktuell verarbeitet die Löwengemeinde gerade eine sportliche Enttäuschung. Mit einem saft- und lustlosen 0:4 in Regensburg verabschiedete sich das Team vom neuen Löwendompteur Markus Kauczinski, der angesichts der Leistung selbst fassungslos war, für zwei Wochen aus dem Ligabetrieb in die Länderspielpause. Kommt da das Pokalspiel in Aubstadt nicht gerade recht? Da kann die Mannschaft ja direkt Wiedergutmachung betreiben, oder? Nun, so einfach ist es leider nicht. Die Nicht-Leistung gegen den Jahn war zu erschreckend, als dass nach einem Sieg heute Abend wieder alles im Reinen wäre. Da gehört erstmal kämpferische Kontinuität dazu. In mehreren Spielen hintereinander wohlgemerkt. Für den typischen Anhänger von Münchens Großer Liebe ist gar nicht unbedingt das Ergebnis entscheidend, das nach dem Spiel auf der Anzeigetafel steht. Sondern der Einsatz. Nach bedingungslosem Kampf darf ein Spiel verloren gehen, wir sind nicht in der erfolgsverwöhnten Seitenstraße! Aber dieser Kampf und erkennbarer Siegeswille muss eben deutlich sichtbar werden. Anders, als das in Regensburg der Fall war.

Schwierige Bedingungen annehmen!

In Aubstadt steht also keinesfalls die vollständige Wiedergutmachung und Versöhnung mit der Anhängerschaft auf dem Programm, sondern viel mehr ein Charaktertest. Schaffen es die “Löwen 2025”, auf tiefem Geläuf auf einem durchaus ländlich anmutenden Fußballplatz in der fränkischen Provinz vor 3.000 Zuschauern, die in großer Mehrheit die Superstars aus der Landeshauptstadt stolpern sehen wollen, um dann zu feixen, diese körperliche und emotionale Herausforderung anzunehmen und das unterklassige Team in die Schranken zu weisen? Dann ist zumindest ein erster, sehr kleiner Schritt auf dem Weg in Richtung Wiedergutmachung gelungen. Wiedergutmachung – nicht für die Pleite in Regensburg, aber zumindest mal für die Schmach vom März 2022. Bei der keiner der aktuellen Spieler bereits im Löwenkader stand. So seltsam ist manchmal der Fußball.

Auf geht’s Löwen! Zeigt die Krallen – und Charakter!

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Titelbild: Elfmeterschießen anno 2022 in Aubstadt. Kläglich vergaben die Löwen die Chance auf den Einzug ins Pokalfinale.

 

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Apollo

Im Grunde sind wir nicht weiter als vor 12 Monaten. Oder vor 24 Monaten.

Es scheint überhaupt keine Rolle zu spielen, welche Protagonisten aufm Feld, an der Seitenlinie oder im Büro der 114 hocken.

Bei den Löwen würden sogar Haaland und Salah innerhalb von wenigen Monaten auf unteres Regionalliga Niveau eindampfen.

_Flin_

Das ist bei uns wie bei einer schlechten Fernsehserie. Jede Folge ist irgendwie gleich, nur in Details ist es anders. Und nichts geht so wirklich vorwärts.

United Sixties

Wiedergutmachung geht nur mit Liga-Siegen gegen Ulm und Ingoldorf.
Aubstadt MUSS bezwungen werden.

dldjs1860

Irgendwie beschleicht mich heute so ein Gefühl, dass Volland & Co. das heute nicht ganz ernst nehmen werden…

Hoffentlich liege ich falsch.

Vorstopper

Boah, des hätte es jetzt nicht gebraucht, die ganzen Peinlichkeiten noch einmal aufzulisten. Gegen Haching war ja besonders grausam.

BruckLoewe

Fehlt noch das 0:1 gg Türkgücü (Vollath im Tor und TW-Trainer M.Hofmann als jubelndes Rumpelstilzchen vor der Löwenbank.

Apollo

Pflaume Hofmann jubelt vor der Löwen Bank?

Vorstopper

Ja dieser Haubentaucher, der auch was von Fadenkreuz auf der Anti Ismaik Fahne blubbert.