Die Abendzeitung berichtet exklusiv über ein multinationales Investorenkonsortium, das sich über den Erwerb von Assets aus der KGaA-Insolvenzmasse in die neu gegründete Spielbetriebs-GmbH des TSV 1860 München einkaufen möchte. Präsident Gernot Mang bestätigt zwar erste, unverbindliche Kontakte – doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich: Eine reale Gefahr für den eingeschlagenen Weg der Löwen besteht nicht. Im Endeffekt handelt es sich also eher um eine “Nichtmeldung” als um eine Meldung.

Die Zusammenfassung: Was die AZ berichtet

Laut dem Bericht der Abendzeitung hat ein namentlich nicht genanntes, multinationales Konsortium “mit ausgewiesener Fußballkompetenz” Interesse an einem Einstieg beim TSV 1860 bekundet. Der Plan der Investoren gruppe: Sie will ein Paket aus der Insolvenzmasse der KGaA schnüren (Markenrechte, Strukturen am Vereinsgelände, evtl. die Merchandising GmbH von Hasan Ismaik). Mit diesen “Assets” als Hebel möchte sie sich anschließend in die neue Fußball-Firma der Löwen einkaufen.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Max Liebig und Vereinspräsident Gernot Mang stehen bzw. standen mit der Gruppierung in Kontakt. Mang spricht in der AZ von einem “ersten, unverbindlichen Austausch”.

Liest man den Artikel, könnte man meinen, das nächste Investorendrama stehe bereits vor der Tür. Analysiert man jedoch die rechtlichen und strukturellen Gegebenheiten, entpuppt sich der Vorstoß dieses Konsortiums als wenig erfolgversprechend.

Eher Nichtmeldung als Meldung

Hier sind die Gründe, warum die Meldung eher in die Kategorie “Nichtmeldung” fällt:

Wie Präsident Gernot Mang in der AZ selbst treffend zitiert wird, sind “solche Gespräche im Rahmen eines vorläufigen Insolvenzverfahrens ein ganz normaler Prozess.” Ein Insolvenzverwalter ist rechtlich dazu verpflichtet, sich Angebote und Konzepte anzuhören, um die Insolvenzmasse bestmöglich zu verwerten. Dass solche Gespräche mit potenziellen “Glücksrittern” geführt werden müssen, ist reine Formsache und hat keinen Einfluss auf den vom Verein eingeschlagenen Weg.

Wenn von Strukturen oder Werten am Vereinsgelände die Rede ist, handelt es sich bei den greifbaren Assets aus der KGaA-Insolvenzmasse letztendlich vor allem um das Inventar der Geschäftsstelle. Nichts, womit man den Stammverein unter Druck setzen könnte.

Der zentrale Denkfehler des Konsortiums liegt bei den Markenrechten. Wie wir bereits – basierend auf einem Bericht der Süddeutschen Zeitung – dargelegt haben, kann der Insolvenzverwalter der KGaA die Markenrechte nicht an Dritte veräußern, um Einnahmen zu generieren.

Prioritätsrechte auf KGaA beschränkt

Der Grund hierfür ist im ursprünglichen Ausgliederungsplan aus dem Jahr 2002 (unter Karl-Heinz Wildmoser) zu finden. Darin ist klar geregelt, dass der Stammverein (e.V.) als übertragender Rechtsträger die “Prioritätsrechte” an Vereinsnamen und Bezeichnungen besitzt. Diese Rechte wurden vertraglich ausdrücklich nur gegenüber der KGaA eingeschränkt, nicht aber gegenüber Dritten. Jedem externen Interessenten kann und wird dieser Umstand juristisch vorgehalten werden.

Das Konsortium spielt laut AZ mit dem Gedanken, die Merchandising GmbH (die Hasan Ismaik gehört) zu übernehmen. Selbst wenn dies gelänge: Diese GmbH hat mit dem TSV 1860 München, wie er jetzt neu aufgestellt wird, nichts mehr zu tun. Ohne die entsprechenden Rechte ist dieses Unternehmen faktisch zu einer reinen Modeboutique degradiert worden, die künftig keine offiziellen Spieltrikots der neuen Spielbetriebs-GmbH mehr verkaufen wird.

Mitgliederversammlung hat das letzte Wort

Selbst wenn man das hypothetische Szenario weiterspinnt, dass sich ein Konsortium mit scheinbar erpressten Werten in die neue GmbH einkaufen möchte, scheitert dies höchstwahrscheinlich an den demokratischen Grundfesten des Vereins. Ein Anteilsverkauf an der neuen Fußball-Firma erfordert eine Dreiviertel-Mehrheit der Mitglieder. Ein Konsortium, das mit erpresserischen Methoden agiert, würde von der Mitgliederversammlung vermutlich abgelehnt werden.

Der TSV 1860 hat sich von der Abhängigkeit einzelner Großgeldgeber verabschiedet. Das Investorenmodell der Vergangenheit ist Geschichte, der Fokus liegt auf einer stabilen, selbstbestimmten Zukunft. Auch wenn Insolvenzverwalter und Präsidium sich solche Angebote von außen anhören müssen: Die Gefahr, dass sich ein neues Konsortium gegen den Willen des Vereins einkauft, ist dank der geschaffenen Strukturen, der 75-Prozent-Hürde und der klaren Rechtslage bei den Markenrechten extrem gering.

5 4 votes
Artikelbewertung
Vorheriger ArtikelNeues Format & neuer TikTok-Auftritt: Die Stimme der Löwen!
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
6 Comments
Newest
Oldest Most Voted
JBCT

Na ja, wichtig wäre es aus meiner Sicht schon, eine Einigung bzgl. der Markenrechte mit dem Insolvenzverwalter zu treffen. Ggf. auch mit entsprechender Geldleistung. Rein theoretisch könnten sich irgendwelche Geldsäcke mit Hassan über die Genussrechte einigen und dann die HAM Aktien zu irgendeinem Fixpreis übernehmen. Die Markenrechte blieben dann bei der fortgeführten KGaA. Auch wenn es kaufmännisch kaum Sinn macht.

Loewe60

” die scheinbar erpressten Werte” gehörten einmal dem e.V., bzw den 60ern… sie wurden wegen Geldmangel, drohender Insolvenz verscherbelt… Ismai/HAM hat diese nicht ” gestohlen” und den Löwen insgesamt Kaufpreis, Darlehen usw ca 80 000.000,– € ( 80 Mio.€ ) für den Spielbetrieb der Löwen gezahlt..

Kraiburger

Kannst du erläutern, wie du auf diese 80 Millionen Euro kommst?

Jaja, ich weiß er erwähnt die Zahl immer wieder gerne. Er hat aber auch schon einmal 60 Millionen und auch mal 100 Millionen Euro genannt. Ich denke er sagt, und leider auch “schreibt” – viel wenn der Tag lang ist.

Diese Zahl von 80 Millionen Euro wird aber ungefragt immer wieder vorgebracht. Es wäre doch auch schön, wenn es mal eine Möglichkeit gäbe, diese Zahl auch irgendwie einzuordnen in:

  • Gelder, die er aufgewendet hat um den insolventen Bumms 2011 überhaupt zu kaufen
  • Gelder, die er ohne Rückfrage und eigenständig rausgeworfen hat um Spieler zu kaufen, die wir gar nicht brauchten, und die durch sein aktives Zutun 2017 ablösenfrei wieder weg gingen
  • hochverzinste Darlehen, deren Zinsen die Schuldenspirale noch weiter runter drückten
  • Die paar kröten für die Markenrechte und unseren Merchendise

Mich würds wirklich mal interessieren! Vor 2 Jahren hab ich Hasan persönlich gefragt, da kam leider keine Antwort.

Kraiburger

Und zweite Frage: Wo würdest du denn die originären Markenrechte lieber sehen? Bei Hasan oder bei Sechzig?

_Flin_

“Wir wollen bei Euch einsteigen, denn wir haben die Marken!”
“Das ist schön. Wir auch.”

“Außerdem haben wir Computer, Möbel und Daten! Dazu Bälle!”
“Das ist schön.”

“Und dann haben wir noch die Merchandise! 50 Paletten Trikots, Mietverträge in Spitzenlagen, und dazu noch ne tolle Website Domäne!”
“Gut, was sagt denn der Geschäftsführer dazu?”.
“Der ist weg.”
“Hmmm… komisch… Ok, wir machen folgendes: Ihr kriegts a Brezn und a Weißbier, und wir nehmen euch die alten Möbel, Computer und Bälle ab, dann spart Ihr Euch die Entsorgung, wie wärs?”

Allgaeuloewe

Vielen Dank für die sehr informative Einordnung dieser Nachricht.