Es ist nicht immer schön – aber es ist effektiv und funktioniert: das System Kauczinski. Sieben Spiele, fünf Siege, 15 Punkte, im Schnitt 2,14 Zähler pro Partie. Die Löwen haben unter ihrem neuen Coach den Tabellenkeller verlassen und schauen nach oben. Trotz zahlreicher Stolpersteine wie dem Ausfall von fünf Stammspielern, trotz einer herben Abreibung in Regensburg, doch dazu später mehr. “Seit der Niederlage in Regensburg sind wir mit dem Pokal- und dem Freundschaftsspiel danach auf einem guten Weg”, sagte der Löwen-Coach und die Zahlen geben ihm Recht.
Zwischen Rumpelstilzchen und Feierlaune
Kauczinski ist ein aktiver Trainer, er coacht am Spielfeldrand lautstark und gestenreich. Er lässt sich nicht reinreden, er lässt sich nicht beruhigen. Wenn er tobt, dann tobt er. So auch am Samstag beim hart erarbeiteten 3:1-Heimsieg gegen den FC Schweinfurt 05. Direkt nach Schlusspfiff feierte er dann ausgelassen mit seinen Spielern, dann kommt der lockere Kauczinski durch, wie auch meistens bei den Gesprächen mit der Presse. Der Mann scheint mit seinen Spielern zu können und sie mit ihm. Das ist sicher nicht immer einfach bei den Namen im Kader. Es wird zusammen hart gearbeitet, dann darf auch mal gefeiert und Spaß gemacht werden. “Unterm Strich verdient. Ich bin froh dass die Mannschaft stabil ist und so Gas gibt”, lautete sein nüchternes Fazit nach dem Schlusspfiff.
Stolperstein eins: die Ausfälle
Was man nicht erwarten darf ist, dass die Löwen in einer sehr ausgeglichenen 3. Liga jede Woche Zauberfußball liefern. Das lässt der Gegner nicht zu und das lässt auch das Niveau der Spielklasse nicht zu. Gegen das vermeintlich namhafteste Team der Liga aus Giesing ist jeder Gegner noch einmal besonders motiviert. Was diese Lage erfordert, sind Kampf, Einsatz und harte Arbeit – und genau das fordert Kauczinski immer wieder. “Jede Aufgabe ist schwer”, sagte er schon mehrmals. Kein Wunder, schließlich fehlen mit Verlaat, Schifferl, Schröter, Deniz und Pfeifer fünf wichtige Spieler. Dies sind fünf absolute Stammkräfte oder Startelfkandidaten.
Einen Deniz muss man ersetzen können
Tunay Deniz war bis zu seiner Verletzung der beständigste Führungs- und Kreativ-Spieler der Löwen. Diesen so zu ersetzen, wie es die Löwen aktuell tun, ist eine Leistung des Kollektivs und des Trainers. Ein Maier spielte zuletzt sehr stabil. Ein Haugen rennt sich die Seele aus dem Leib und trifft, ein Hobsch geht dahin, wo es weh tut. Kauczinski ist kein Mann, der viel auf Namen gibt. Dies bekommt aktuell (leider) Niederlechner zu spüren, aber auch dessen Chance wird wieder kommen, wie der Löwen-Coach fast schon im Wochentakt beschwört. Betrachtet man die Trainerkarriere von Kauczinski, dann sieht man seine Erfahrung. Seine Ruhe in der Tagesarbeit zahlt sich bis jetzt einfach in Punkten aus.
Stolperstein zwei: unzufriedene Spieler
Klar müssen Spieler wie Niederlechner oder auch einige Kicker aus der U21 auf ihre Chance warten, aber Kauczinski scheint sein Team im Griff zu haben und es scheint wenig bis gar keine Stinkstiefel im Team (mehr) zu geben. Dass dann auch junge Spieler ihre Chance kriegen zeigt, dass sich ein Dulic oder ein Lippmann nach den Ausfällen in der Startelf festgespielt haben. Dass Althaus gegen Schweinfurt sein Profi-Debüt gab, ist kein Zufall. “Samu trainiert seit drei oder vier Wochen sehr gut und hat sich diese Minuten über seine Trainingsleistung verdient”, erklärte Kauczinski dessen Einwechslung.
Stolperstein drei: Rückschläge
Rückschläge gehören auch dazu – gerade nach einem Trainerwechsel. Konstanz kann man nicht in zwei oder drei Wochen in eine Mannschaft zaubern. Neben vier Heimsiegen stehen zwei Auswärtspleiten (1:3 in Mannheim und 0:4 in Regensburg), sowie ein Sieg in der Fremde (1:0 in Ulm) zu Buche. Das 1:3 in Mannheim war streckenweise in Ordnung, das 0:4 in Regensburg ein Offenbarungseid. Doch daran können und müssen Mannschaften vom Kaliber von Sechzig wachsen. Und unter Kauczinski scheinen es die Löwen auch zu tun.
Stolperstein vier: Schiedsrichter-Fehlentscheidungen
Die nahezu wöchentlichen und oft haarsträubenden Fehlentscheidungen der Schiedsrichter in der 3. Liga gehören leider inzwischen ebenfalls zum Tagesbild. Solche Fehler können Aufstiege kosten, sie können zu Trainerentlassungen führen und sie entscheiden immer wieder Spiele. Der nicht gegebene Hand-Elfmeter gegen Schweinfurt ist da nur ein Beispiel, auch wenn er sich letztlich nicht groß ausgewirkt hat. Passieren darf so etwas trotzdem nicht und vor allem nicht in dieser Häufigkeit. Vor allem gegen die Löwen, die inzwischen mal wieder die meist-benachteiligte Mannschaft der Liga sind und zwar mit Abstand. Kauczinski schimpft im Spiel, er poltert, er regt sich auf, aber dann ist es auch wieder gut und es wird ruhig weitergearbeitet.
Stolperstein fünf: die Erwartungshaltung
Ganz bewusst nimmt der Löwen-Trainer die Fragen zu den Ambitionen in Richtung 2. Bundesliga bzw. zum Abstand zu den ersten Drei einfach nicht an, auch wenn sie in jeder Löwenrunde mehrfach gestellt werden. “Wir schauen von Woche zu Woche”, hört man da immer wieder. Was eine Floskel zu sein scheint, zeigt sich aber in seiner Umsetzung im ruhigen Tagesgeschäft. Undankbar für die Presse, aber es scheint zu funktionieren. Kauczinski ist einer, der sich nicht reinreden lässt, der sein Ding durchzieht – siehe auch Winter-Trainingslager in der Türkei. Er wollte es und er hat es bekommen. Bisher hat sich der Trainerwechsel gelohnt und das ist in der 3. Liga eher eine Seltenheit.
Ruhe bewahren und Punkte sammeln
Die Löwen nähern sich dem vorderen Tabellendrittel an. Die Siege in Ulm und gegen Schweinfurt waren sicher nicht schön, aber erinnert sich jemand noch daran, wie man gegen Havelse gewonnen hat? Am Ende zählen die Punkte und die holt Kauczinski, sein System funktioniert und man kann nur hoffen, dass das so bleibt. Die Mannschaft scheint jedenfalls deutlich an Stabilität gewonnen zu haben und jetzt auch einen Chef-Anweiser zu haben, der in Sachen Zusammenarbeit und Teamgeist die richtigen Stellschrauben gefunden hat. Zwei Mal müssen die Sechzger noch ran, dann ist es wirklich an der Zeit für eine Halbzeitbilanz – hoffentlich mit weiteren vier bis sechs Punkten gegen Ingolstadt und Verl im Gepäck.
Natürlich nur eine Momentaufnahme
Mir ist klar, dass dies nur eine Momentaufnahme ist, dass mir dieser Text schon in wenigen Monaten um die Ohren fliegen kann. Auch ich kenne Kauczinski nur von den Pressekonferenzen. Was für mich auffällig ist? Das sind seine Ruhe, seine Umgänglichkeit, wie er mit den Spielern spricht…
Und ganz wichtig: Wie er mit dem teilweise fast schon toxischen Medien-Umfeld umgeht. Während so manches Medium schon fast die nächste Pleite herbeisehnt, um auf alles und jeden kräftig draufhauen zu können, bleibt Kauczinski ruhig und macht sein Ding. Denn unter anderem daran sind seine Vorgänger nach einigen Monaten zerbrochen. Kauczinski kennt das mit seiner Erfahrung (beispielsweise als Trainer in Dresden) – zumindest im Ansatz. Und er weiß damit umzugehen, provokante Fragen auch einfach mal wegzulächeln. Hoffentlich bleibt auch das so und hoffentlich funktioniert das System Kauczinski weiterhin, das wäre die Konstanz, die die Löwen auch im nächsten Jahr brauchen.
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ich kann den Schmarrn mit den “schlechten” Spielen so langsam nimmer ab !! in Ulm haben wir keine(!!) Chance zugelassen, SW hatte ein paar Distanzschüsse und den Stocherer an den Pfosten!? ja was erwarten denn diese Fans von Spielen in der 3. Liga?? die Mannschaft kämpft, der Teamgeist passt und der Trainer sorgt für ein ruhiges Arbeitsklima….was hätten wir vor 6Wo. für diese Situation gegeben….aber nein, wir spielen nicht “schön” genug !!! aufwachen Leute, das ist 3.(!!!) Liga und nicht PS; und wenn wir ,was ich hoffe; in der Winterpause wieder mehr Personal an Bord bekommen, der coach Zeit mit der Mannschaft hat und am letzten Pass arbeiten kann….dann wird die Rückrunde noch richtig knackig für ´60
Ja, ich wünsch mir auch Spiele, in dennen wir die Gegner nach Strich und Faden zerlegen und mit fünf oder sechs Toren Unterschied aus den Stadien schießen. So was wirds in der 3. Liga aber eher selten geben. Deshalb bin ich mit den derzeitigen Leistungen durchaus einverstanden. Vor allem zeigt sich immer mehr eine “Mannschaft”, in der die Spieler zusammenhalten und kämpfen und rennen.
Das gesamte Gefüge hat sich deutlich stabilisiert, was auch mit Punkten belohnt wird – und das ist immer noch das, woraufs ankommt.
Und wenn wir womöglich ohne ein einziges schönes Spiel aufsteigen sollten, wärs mir auch recht.
Niemand erwartet Wunder Dinge von der Mannschaft, trotzdem darf man die Leistung kritisieren. Wir haben die letzten 4 Spieltage gegen den 14ten, 16ten und 18ten und Tabellenletzten gespielt. Ulm hatte vor unserm Spiel 6 Niederlagen und ein unentschieden, Saarbrücken 7 Spiele hintereinander nicht gewonnen und schweinfurt 14v16 Spielen verloren. Da kann man schon erwarten wenn man in Ulm nach 1 min in Führung geht das man eine gewisse Dominanz entwickelt und sich Chancen erarbeitet. Schweinfurt wäre mit den Pfosten Treffer verdient in Führung gegangen und hat durch 2 Eigentore verloren. Ich sehe die Dinge realistisch, Punkte passen, man wirkt ein wenig stabiler aber dennoch gibt es keine Entwicklung wenn es um die Spieleröffnung, Tempo und als Folge Torchancen geht. Das sollte man kritisieren dürfen, auch wenn der Trainer mit seiner Art bisher positiv ankommt.
Teile deine Meinung nicht. Ich bin froh darüber, dass die Punkte mit genommen wurden, wie ist mir eigentlich egal. Ulm hat am Wochenende gewonnen, zum Glück nicht eins davor, die zwei Eigentore gegen Schweinfurt waren erzwungen und Pfosten ist halt kein Tor, zusätzlich wurde uns ein klarer Elfmeter verweigert und gegen die Schnüdel hatten andere Mannschaften auch Probleme. Wir haben solche Spiele auch gerne mal verloren und gewonnen wurde auch zweimal gegen den jeweils aktuellen Tabellenführer. Ich hatte nach der Euphorie in der Vorbereitung und dem guten Start eigentlich Schlimmeres erwartet, habe ich hier ja auch oft genug kundgetan, so dass ich jetzt eher positiv überrascht bin, wie die Mannschaft langsam richtigen Drittliga Fußball spielt. Der Kader ist nunmehr wie er ist und der Trainer hat ja auch klar kommuniziert, selbiger ist auf Dreierkette ausgerichtet und er deshalb keine Änderungen im System vornehmen will. Sollten noch vier Punkte vor der Winterpause eingefahren werden, bin ich positiv eingestellt für die Rückrunde. Nix für ungut, aber mich nervt das dauernde Gemotze, verlieren wir, herrscht Weltuntergangsstimmung, gewinnen wir, ist es auch nicht recht, weil es nicht schön anzuschauen war. Mit einem herzlichen
Einmal Löwe, immer Löwe 🦁
du schreibst es genau so wies sein muss…”richtigen Drittligafußball” ! DAS ist die Basis für das nächste Level, nämlich zusehends auch technische Verbesserungen und “schönem” Kick;
was viele etwas übersehen anhand der Tabellenplätze…Ulm ist einer der Absteiger und SB hat wohl am meisten Geld in die Hand genommen vor der Saison…und die Schnüdel haben zuletzt gegen die hochtalentierten Hoffis gewonnen
…..aber wurscht, wir haben nicht alles zu Klump geschossen und einfach “nur” gewonnen, da sollte man doch mit Kritik nicht sparen!!
uns fehlt bei sehr vielen sehr gut angesetzten Umschaltmomenten einfach noch der letzte Pass, und da bau ich auf die Winterpause und den Trainer, das wäre für mich der Schlüssel für ein “neues Level”
Jaaaa, die Erwartungshaltung ist bei vielen Löwenfans in der 1. oder 2. Liga stehen geblieben. Die haben das seit 2017 immer noch nicht verarbeitet mit Liga 4 bzw. 3.
Trotz den dreckigen Siegen in letzter Zeit, sehe ich den Löwen wieder gerne zu! Jetzt Ingos weghauen und mindestens 1 Punkt gegen Verl, dass passt die Hinrunde für mich und es ist noch alles drin.
P.S. Die Mannschaft kann ihren Fußball auch ganz gut selbst einschätzen, siehe Rittmüller Interview bei Magenta. Auch das gibt mir Hoffnung.
es sind nur statistische momentaufnahmen, die sprechen aber für sich:
— wir sind erster in der formtabelle (die letzten 5 spiele zählen hier)
— ebenso führt sechzig die fairplaytabelle der dritten liga an – im positiven sinne
— die löwen wurden am meisten durch die schiedsrichter benachteiligt
— die fans der löwen stellen die meisten auswärtsfahrer
Punkt 1 und 3 gehe ich mit. Von Fairness und Zuschaueranzahl kann man sich nichts kaufen, aufsteigen bzw erfolgreich Fußball spielen.
Man kann sich vielleicht nichts davon kaufen. Aber nicht alles was wichtig ist, kann man kaufen. Ich möchte kein Fan eines Vereins ohne eine Kultur des Fairplays sein, oder ein zweites Hoffenheim, wo du tatsächlich auswärts keine Fankultur hast. Aber offensichtlich ist das ja vielen vollkommen egal.
Wenn ich hier so lese und auch schreibe bin ich eigentlich bei dir….. aber wenn ich im Stadion bin sage ich mir oft ‘warum langt “der” net a mal hin, mag Unfair sein, dem Erfolg aber helfen’ , obwohl ich nachher auch sagen würde Fairplay ist ein Merkmal für Sechzig
Wichtig ist und bleibt, ob dieses Löwenteam für den Trainer und uns Fans bereit bleibt bis an jede Schmerzgrenze zu gehen. Mit vollen Einsatz und Kampfeswillen kann es mit einer besseren Rückrunde durchaus noch für Platz 2-3 reichen, vorausgesetzt man erzwingt auch das nötige Spielglück und verbessert endlich Flanken- und Passqualität. Volland braucht noch deutlich mehr Bälle und auch die Aussenverteidiger können genau wie unsere 6er auch mal Tore beitragen. Bin sehr optimistisch, da man bereits alle vorderen bezwingen konnte ( Essen Remis, Osnabrück, Cotzbus, Duisburg) . Woche für Woche den Löwensieg erkämpfen und wir werden im Mai gemeinsam endlich etwas Besonderes feiern dürfen.
Das System Kauczinski funktioniert von den Resultaten her, das Spiel ist aber nicht besser geworden, hinten etwas stabiler, im Mittelfeld mehr Fragezeichen als Spiel und Vorne einfach mehr Fortüne, das 3:1 gegen die sehr biederen Schnüdel eher erstolpert denn erspielt.
wenn es so weiter geht…. habe ich natürlich total Unrecht und alles wird gut….. hoffentlich
Die Resultate stimmen, jedoch erinnert die aktuelle Phase an den saisonstart wo wir die Ersten 5 spiele ungeschlagen waren, aber die eher schlechten Spiele der Mannschaft durch Tore in der Nachspielzeit und Spielglück kaschiert wurde . Im Moment kaschieren die Ergebnisse die immer noch zum Teil schlechten spiele wie gegen Ulm und schweinfurt. Ich denke das grundlegende Problem bleibt das System mit dreierkette, wo jegliche Kreativität und Tempo aus dem Mittelfeld genommen wurde und durch 4 defensiv denkende Spieler( maier, Jako, Lipp,Ritt) ersetzt wurde. Bin gespannt ob man das im Winter korrigiert und nochmal auf dem transfermarkt aktiv wird oder hofft das sich die Mannschaft auch ohne Neuzugänge weiterentwickelt.
Da muß ich dir vollumfänglich recht geben