Ein aktueller Bericht der Süddeutschen Zeitung liefert erschreckende Einblicke in die chaotischen Monate vor dem Zwangsabstieg des TSV 1860 München. Die Recherche beleuchtet detailliert, wie massiv die Investorenseite um Hasan Ismaik und seinen Vertreter Biel Ballester Relat hinter den Kulissen in das operative Geschäft der KGaA eingegriffen haben soll – und dabei offenbar die Grenzen der 50+1-Regel systematisch austestete bzw. nachweislich überschritt.

Biel Ballester Relat – der Schatten-Geschäftsführer

Im Zentrum der Berichterstattung steht Biel Ballester Relat, der laut SZ de facto als der Geschäftsführung übergeordneter Aufpasser agierte. Bereits im Dezember 2025 habe Ismaiks damaliger Anwalt Ali Mosfer gefordert, dass keine Zahlungen ohne Relats Unterschrift ausgeführt werden dürften. Dies hätte die gesetzlich verbriefte Autorität des KGaA-Geschäftsführers Manfred Paula massiv beschnitten.

Der e.V. wehrte sich gegen diese Eingriffe: In einem Schreiben vom Februar 2026 habe e.V.-Anwalt Guido Kambli unmissverständlich “fortgesetzte Kompetenzüberschreitungen und Rechtsverstöße” angeprangert. Demnach hätten Relats Handlungen weitreichende Folgen gehabt:

  • Es seien ohne Rechtsgrund fällige Rechnungen zurückgehalten worden.
  • Relat hätte eigenmächtig einen neuen Freigabeprozess für Zahlungen implementiert.
  • Mitarbeiter der KGaA seien unabgestimmt zur Vorlage von Konzepten aufgefordert worden, was personelle Ressourcen band. Dies deckt sich mit sechzger.de Informationen, wonach Mitarbeiter nach seiner Inamtsetzung zum Rapport beim neuen Statthalter der HAM antreten mussten.
  • Es hätte unabgestimmte Ansagen an den Vermarkter Infront gegeben, auf Erlöse zu verzichten und Sponsoringerträge um 400.000 Euro zu steigern, da andernfalls die Insolvenz drohe.

Um Manfred Paula vor diesem Druck zu schützen, nutzte das e.V.-Präsidium schließlich sein Weisungsrecht aus der 50+1-Regel und wies den Geschäftsführer an, nur noch Anordnungen des Präsidiums auszuführen.

Angriff auf die Fankultur: Logen statt Stehplätze?

Besonders brisant und bezeichnend für das fehlende Gespür der Investorenseite für den Verein ist eine Passage zur Stadionfrage. Laut SZ-Informationen habe Relat unabgestimmt Kontakt zur Landeshauptstadt München gesucht, um über Vermarktungspotenziale im Grünwalder Stadion zu verhandeln.

In einer internen E-Mail hätte Relat gar die Frage aufgeworfen, wie sich die Ticketeinnahmen entwickeln würden, wenn man “die Stehplätze vollständig entfernen und zusätzliche Sitzplätze schaffen sowie mindestens 10 VIP-Logen einrichten würden”. Ein derartiger Vorstoß in der Westkurve dokumentiert eindrücklich, wie weit die strategischen Gedankenspiele von HAM von der Realität und der Fankultur an der Grünwalder Straße entfernt waren.

Schuldenabbau auf Kosten des Stammvereins

Zum Schluss des Artikels zeichnet die SZ ein entlarvendes Bild der finalen finanzpolitischen Manöver. Um den geplanten Verkauf von Ismaiks Anteilen für neue Investoren attraktiver zu machen, hätte Relat auf einen sogenannten Debt Equity Swap gedrängt.

Der Plan: Ismaiks Darlehen sollten in weitere KGaA-Anteile umgewandelt werden. Dies hätte bedeutet, dass Ismaik seine eigenen Kredite eliminiert und den Verkaufswert gesteigert hätte – allerdings einseitig auf Kosten des Stammvereins, dessen Anteile an der KGaA dadurch weiter verwässert worden wäre. Eine dafür zwingend notwendige außerordentliche Mitgliederversammlung habe der e.V. jedoch nie zugesichert.

Nachdem dieses Vorhaben blockiert wurde, teilte Aufsichtsrat Shohidul Choudhury am 27. April 2026 per E-Mail mit, dass mangels ernsthafter Angebote der Verkaufsprozess gestoppt sei. HAM wolle sein Engagement im Klub fortsetzen. Ein Versprechen, das bekanntlich nur wenige Wochen später im “Schwarzen Mittwoch”, verweigerten Darlehen und dem Verlust der Drittliga-Lizenz endete.

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12 Comments
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Vasco

Ich glaube zum Schluss war der Hasan dann wirklich skrupellos das geht nicht – allerdings in der Ehre verletzt und jahrelang beleidigt vielleicht ein wenig verständlich aber natürlich so geht das nicht
Süddeutsche schreibt auch oft nur die Hälfte

Benedikt Niedergünzl

Dann solltest du mal die SZ Artikel des letzten Jahrzehntes durchlesen. Das Agieren von HAM in den letzten zwölf Monaten war die Regel und ist nicht die Ausnahme.

AlexLionSince91

Welche andere Hälfte wurde denn deiner Meinung nach weggelassen? Und falls du antwortest, kannst du dafür Belege erbringen, so wie die SZ?

Dennis M.

Bin ich froh, dass wir endlich was Neues aufbauen können und die Ära Ismaik der Vergangenheit angehört. Ich hoffe wirklich, dass wir eine gute Zukunft haben jetzt.

Benson

Wo findet der Hasan nur immer diese Vögel?

chiela 60

Das wirft kein gutes Licht auf HI😎 Bin echt froh dass wir jetzt die Freiheit genießen können 🦁

Weiss-Blau66

Danke, dass ihr zu dem Artikel Stellung genommen habt.
Ich habe im Freundeskreis in den vergangenen Jahren oft den Umgang der e.V. gegen HAM kritisiert. Dazu stehe ich auch noch heute. Allerdings hat mir HAM mit dem 3. Juni endgültig “das Kraut ausgeschüttet “.
Wenn sich das bewahrheitet, was in dem Artikel steht, dann umsomehr. Hasan hat nicht verstanden, in was er investiert hat und auch sein Umgang war mehr als fragwürdig. Auch zu dieser Aussage stehe ich.
Ich hoffe auf eine freie und finanziell sorgenfreie Zukunft für unsere Löwen.
Einmal ohne Hasan – immer ohne Hasan. 😉

ThomasZander

Wie war denn der „Umgang“ es eV mit Hasan? Außer dass man sich permanent gegen solche Unverschämtheiten zur Wehr setzen musste …

whiteandblue60

Dieser hervorragend recherchierte Beitrag sollte all jenen eine Offenbarung sein, die noch immer der Meinung sind, der Stammverein sei das Problem der aktuellen Situation.

Stephan Tempel

Stelle immer wieder fest, dass sich das SZ Plus Abo lohnt.

Und wie froh ich bin, dass HI (bald) Geschichte ist.

Freiheit für Sechzig!

Benedikt Niedergünzl

Absolut! Das SZ-Abo lohnt sich definitiv. Wirklich gute und tiefgründige Recherche ist nur dann möglich, wenn man den Journalismus auch durch Abonnements unterstützt. Ohne diese finanzielle Basis würde sich der aufwendige investigative Journalismus für die Redaktionen sonst nie auszahlen.