Zwei Themen kamen bei den Löwen im Innen- und Außenverhältnis in den letzten Jahrzehnten immer wieder vor. Einmal wurde – speziell von der Stadt in Person von Dieter Reiter – bemängelt, dass man bei den Löwen keinen verlässlichen Verhandlungspartner fände und die Sechzger nicht mit einer Stimme sprechen würden. Zweitens wurden bei jeglichen Komplikationen zwischen den Gesellschaftern Stimmen laut, die forderten “man müsse ja nur mal vernünftig mit Hasan Ismaik sprechen”. Ein plausibler Grund für diese Probleme und die fehlende “gemeinsame Stimme” könnte sein, dass bei Ismaik nie lang klar ist, mit wem man sprechen muss bzw. welches Gegenüber man zu erwarten hat. Der jordanische Geschäftsmann wechselt nämlich oft seine Anwälte, gerne auch mehrmals im Jahr.
Drei Anwälte in einem Jahr: Ismaiks juristischer Zickzackkurs vom Ultimatum bis zum Zwangsabstieg
Dass Investor Hasan Ismaik im aktuellen Gesellschafterstreit beim TSV 1860 München nun auf den für Schlammschlachten bekannten Ex-Politiker Peter Gauweiler setzt, ist nur der vorläufige Höhepunkt einer juristischen Rotation, die ihres Gleichen sucht. Ein Blick auf die jüngere Vergangenheit zeigt: Die HAM International Limited hat in nur einem einzigen Geschäftsjahr drei verschiedene Rechtsvertreter verschlissen – zwei komplette Kanzleiwechsel inklusive. Mit jedem neuen Gesicht verschärfte sich die Gangart gegenüber dem Stammverein, bis hin zur großen Eskalation und dem Zwangsabstieg.
Akt 1: Dr. Ali Mosfer und der Versuch der „Reisinger-Klausel“
Lange Zeit war Dr. Frank Koch von der renommierten Kanzlei Taylor Wessing aus Hamburg das beständige juristische Gesicht der HAM in Deutschland. Zur neuen Saison endete diese Konstanz jedoch: Dr. Koch wurde abgelöst, das Mandat übernahm stattdessen zunächst Dr. Ali Mosfer. Der ursprünglich in Frankfurt a.M. aktive Anwalt mit arabischen Wurzeln übersiedelte im Jahre 2020 nach Dubai und leitet dort die Rechtsabteilung einer Firma in der Kosmetik- und Parfumbranche.
Unter Mosfer versuchte die Investorenseite früh, den juristischen Druck auf den e.V. zu erhöhen. Im Rahmen des Darlehensvertrags 2025 wollte die HAM die sogenannte “Reisinger-Klausel” bezüglich der Geschäftsführer-Bestellung erneut fest im Vertragswerk implementieren. Die 50+1-Regel wird durch diese Darlehensklausel zwar formal nicht verletzt, jedoch gibt der e.V. damit faktisch sein zentrales Faustpfand auf: Die alleinige Kontrolle über die Geschäftsführungs-GmbH, die den Stammverein überhaupt erst dazu berechtigt, Geschäftsführer eigenständig ein- und abzuberufen.
Sollte der e.V. von diesem Recht gegen den Willen der Investorenseite Gebrauch machen, würden laut Klausel zugesagte Darlehen sofort gekündigt oder bereits gezahlte Summen schlagartig zur Rückzahlung fällig gestellt werden. Ein finanzielles Druckmittel, das den e.V. stark unter Druck setzt und damit seine Autonomie bei Personalentscheidungen torpediert. Dieser Versuch scheiterte jedoch an der Konsequenz des Stammvereins: Der e.V. blieb bei diesem Thema standhaft. Da die Drohkulisse nicht verfing, lenkte die HAM-Seite ein, verzichtete letztlich auf die umstrittene Klausel und stellte das zugesagte Darlehen für 2025 trotzdem bereit. Es sollte das letzte Mal sein, dass die Investorenseite rechtzeitig einlenkte.
Akt 2: Dr. von Rüden und die rechtlich unmögliche DFB-Frist
Im Mai 2026, als sich die Lage rund um die Lizenzierung für die 3. Liga langsam zuspitzte, betrat ein neuer Akteur die weiß-blaue Bühne: Dr. Michael von Rüden, Partner und “Co-Lead M&A Law” bei der Unternehmensberatung Deloitte. Mit seinem Amtsantritt änderte sich die Vorgehensweise der HAM dramatisch. Rechtsanwalt von Rüden schlug vereinsintern sofort eine deutlich robusteren und aggressiveren Ton an.
Eine erste bemerkenswerte Duftmarke setzte der neue Rechtsbeistand mit dem Vorschlag, beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Fristverlängerung hinsichtlich der Einreichung der entscheidenden Lizenzunterlagen zu erwirken. Bei den vom DFB zum Ende von Lizenzierungsverfahren gesetzten Fristen handelt es sich aber um unumstößliche Ausschlussfristen – eine Verlängerung ist hier schlichtweg nicht möglich.
Der Grund für dieses Manöver war ohnehin durchschaubar: Die HAM-Seite wollte auf Zeit spielen, um weitreichende strukturelle Eingriffe in der KGaA vorzunehmen. Diese geplanten Änderungen hätten jedoch zwingend der Zustimmung der ordentlichen Mitgliederversammlung des e.V. bedurft. Die Strategie der Investorenseite war es offenbar, den Druck der tickenden Lizenz-Uhr als Hebel zu nutzen, um diese weitreichenden Zugeständnisse zu erzwingen.
Akt 3: Die Darlehenskündigung als künstliche Notlage
Als sich abzeichnete, dass der e.V. (juristisch beraten durch die Wirtschaftskanzlei GÖRG) und die KGaA (vertreten durch die Kanzlei Anchor) auf dieses Spiel auf Zeit nicht eingingen, griff Dr. von Rüden zu einer drastischen Maßnahme: Die bestehenden Darlehensverträge von 2024 und 2025 wurden von der HAM kurzerhand außerordentlich und fristlos gekündigt. Ein Schritt, der von Experten als vollumfänglich unwirksam eingestuft wird.
Die weitreichende Konsequenz dieses Manövers: Die HAM konnte in der Folge schlichtweg die Auszahlung der rettenden Millionen verweigern und nutzte diese Möglichkeit. Dieses künstlich erzeugte finanzielle Vakuum versuchte die Investorenseite als weiteres Druckmittel zu nutzen. Sie wollte den e.V. zur Unterschrift völlig neuer Verträge drängen, die teils absurde Forderungen enthielten – wie beispielsweise weitreichende Verpfändungen von Eintrittskarten.
Akt 4: Ein nächtliches Ultimatum und der Angriff auf 50+1
Der Höhepunkt dieser Erpressungsstrategie ereignete sich in den entscheidenden Stunden vor dem endgültigen Lizenz-Kollaps. Das Vorgehen in der Nacht zum 3. Juni 2026 ist bezeichnend für die kompromisslose Gangart von Dr. von Rüden.
Um 01:12 Uhr nachts wischte der HAM-Anwalt in einer großen E-Mail-Runde – an der neben e.V.-Präsident Gernot Mang auch KGaA-Vertreter und Abdelrahman Ismaik (der zweite Bruder von Hasan Ismaik) beteiligt waren – die letzten Vertragsentwürfe zur Rettung kategorisch vom Tisch. Die Dokumente seien für die HAM “nicht akzeptabel“. Besonders brisant: Von Rüden forderte explizit die sofortige Streichung des rettenden Vorbehalts “soweit verbandsrechtlich zulässig”. Er pochte auf ein “All-in” des e.V. ohne “Schlupflöcher” und knüpfte dies an ein Ultimatum: Bis 10:00 Uhr am selben Morgen müsse ein entsprechender Beschluss des Aufsichtsrats unterschrieben vorliegen.
Die Forderung, den Passus zur verbandsrechtlichen Zulässigkeit zu streichen, lässt tief blicken. Hätte der e.V. dieses Ultimatum blind unterschrieben, hätte er Verträgen zugestimmt, die potenziell gegen die Regularien des DFB verstoßen. Die naheliegende These: Wäre dem TSV 1860 aufgrund dieser illegalen Vertragsklauseln vom DFB die Lizenz entzogen worden, hätte die HAM diesen Präzedenzfall nutzen können, um möglicherweise juristisch gegen die ungeliebte 50+1-Regel des deutschen Fußballs vorzugehen. Der e.V. wäre in dieser Konstellation lediglich der nützliche Idiot für einen Grundsatzprozess der Investorenseite gewesen.
Da der e.V. nicht in diese juristische Falle tappte und das Ultimatum verstreichen ließ, blieb die HAM bei ihrer Zahlungsverweigerung. Die logische und unvermeidliche Konsequenz war der Zwangsabstieg in die Regionalliga.
Akt 5: Von Rüden taucht ab, Gauweiler zündet den Eskalationsturbo
Nachdem die kompromisslosen juristischen Manöver unter der Ägide von Dr. von Rüden in einem sportlichen und wirtschaftlichen Totalschaden geendet hatten, folgte die Beauftragung von Dr. Peter Gauweiler (Kanzlei Gauweiler & Sauter).
Wer nun aber dachte, dass der neue Rechtsbeistand Peter Gauweiler die Scherben dieses Anwalts-Karussells zusammenkehren würde, irrt gewaltig. Der Ex-Politiker ist nicht angetreten, um aufzuräumen – er zündet vielmehr den juristischen Eskalationsturbo. Wie die Abendzeitung (AZ) berichtet, fährt die HAM-Seite unter Gauweiler nun eine “zweigleisige Strategie“. Zum einen wurde der fristlosen Kündigung des Kooperationsvertrags durch den e.V. umgehend offiziell widersprochen.
Zum anderen – und hier zeigt sich eine frappierende Parallele zu seinen Vorgängern – scheitert offenbar auch Gauweiler an der Auslegung des einfachen Verbandsrechts. Laut AZ-Informationen hat die Investorenseite den DFB und BFV darüber informiert, gegen eine Nichterteilung der Drittliga-Lizenz juristisch vorgehen zu wollen. Die absurde Begründung: Plötzlich sei man bereit, die benötigten Millionen nach Fristablauf nachträglich doch noch bereitzustellen.
Ein Vorhaben, das in seiner juristischen Realitätsferne den vorherigen Manövern in nichts nachsteht: Verbandsfristen im Lizenzierungsverfahren sind unumstößliche Ausschlussfristen. Sie sind weder dehnbar noch verhandelbar – auch nicht durch die Klagedrohungen einer prominenten Münchner Kanzlei. Eine mutwillig verstrichene Frist lässt sich nicht einfach mit nachträglich ins Schaufenster gestellten Millionen heilen.
Die Löwen-Fans dürfen sich also anschnallen: Soweit man der AZ-Berichterstattung glauben darf, hat mit Peter Gauweiler jener Anwalt das Mandat übernommen, der die von der HAM selbst verursachte Eskalationsspirale gnadenlos und offenbar völlig losgelöst von den Realitäten des Verbandsrechts weiterdrehen wird.
Viele Köche verderben den Brei
In dieser Gemengelage sollen die Vertreter des e.V. also offen und vertrauensvoll mit dem anderen Gesellschafter zusammenarbeiten? Selbst für langjährige Beobachter der Löwen ist das wirtschaftliche und juristische Konstrukt, in dem der Profifußball beim TSV 1860 eingebettet war, schwer zu verstehen. Wenn nun immer neue Akteure auftreten, die keine Ahnung von der Materie, aber viel Selbstvertrauen und starke Meinungen mitbringen, sind Verzögerungen und Ineffizienzen im Geschäftsbetrieb die kleinsten Probleme, welche höchstwahrscheinlich auftreten werden. In den meisten Fällen führt so etwas zu – speziell, wenn diese Akteure noch mit viel Macht ausgestattet sind – zu größeren Problemen. Bei 1860 hat es zur Katastrophe geführt. Oder vielleicht zur größten Chance seit Jahrzehnten….











Nur zur Erinnerung: Dr. Gauweiler hat als Innenpolitiker damals gefordert HIV-Infizierte Personen in Lagern einzusperren, was durch das Bundesseuchengesetz nicht gedeckt gewesen wäre, ganz zu schweigen von grundgesetzlich garantierten Menschenrechten. Es ging daraufhin das Gerücht um, sein wirklicher Name sei “Dr. Gauleiter”. Liebe Löwinnen und Löwen: Standhaft gegen Hasan und seinen zweifelhaften Anhang und für die Freiheit allgemein und damit für unseren geliebten TSV. ELIL
https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/repression-gegen-schwule-szene-kvr-will-gauweilers-zeit-aufarbeiten-art-829816 – passt hierzu auch ganz gut.
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Bin tatsächlich erleichtert über den eingeschlagenen juristischen Kurs Ismaiks…
Ich konnte mir zuerst nicht vorstellen, dass er durch die Nichtzahlung sein ganzes Investment einfach so in den Sand setzen würde. Im Sinne, der wird schon irgendwas gegen den e.V. in der Hand haben, so naiv kannst du ja sonst nicht sein.
Anscheinend werde ich gerade eines Besseren belehrt. Sein Ganzes vorgehen seit dem 03. Juni wirkt wie jemand, der a) immer noch nicht das deutsche Verbandsrecht versteht und b) seinen Riesenfehler bemerkt hat und nun verzweifelt versucht ihn rückgängig zu machen. Ich gehe daher davon aus, dass die HAM-Seite nicht wusste, was sie durch die Nichtzahlung ausgelöst hat, und blicke dementsprechend optimistisch auf die juristische Ausgangslage für den e.V.
Danke, lieber Hasi, für dieses unverhoffte Geschenk! Niemals hätte ich geglaubt, dass wir nochmal die Chance auf einen Neuanfang ohne Investor bekommen würden.
“Sein Ganzes vorgehen seit dem 03. Juni wirkt wie jemand, der a) immer noch nicht das deutsche Verbandsrecht versteht und b) seinen Riesenfehler bemerkt hat und nun verzweifelt versucht ihn rückgängig zu machen. Ich gehe daher davon aus, dass die HAM-Seite nicht wusste, was sie durch die Nichtzahlung ausgelöst hat, und blicke dementsprechend optimistisch auf die juristische Ausgangslage für den e.V.” Genau so sehe ich das auch. Das ist jetzt das hoffentlich letzte Aufbäumen. Aber vor dem Schlussakt kann es nochmal richtig hässlich werden.
Interessant. Wenn ich lese, dass dieser von Rüden bei Deloitt für Mergers & Acquisitions (Fusionen und Übernahmen) zuständig ist, dann kann ich mir ungefähr ausmalen, was diese Leute HAM versprochen haben. Tausend Dank an jeden Vereinsvertreter, der sich hier für den TSV gerade gemacht hat!
Es bleibt ihnen nichts anderes übrig als die volle Konfrontation. Dass allerdings dabei vollkommen absurde Forderungen wie „3. Liga Verbleib“ gestellt werden, ist nur noch zum Kopfschütteln. Wünsche und bin auch sehr zuversichtlich, dass der e.V. auch gegen diesen Kläger zu 100% Recht behält.
Freiheit für Sechzig!
Naja, Kamikaze und Harakiri … ich habe nun den dritten Zwangsabstieg miterlebt. Der jetzige wird am schwierigsten, weil man auch noch gegen einen (aktuellen!) Mitgesellschafter kämpfen muss, falls es nicht doch noch ein Miteinander gibt. Aktueller Mitgesellschafter deshalb, weil die KGaA im Moment noch lebt. Hauptproblem dürfte sein, dass Hasan Ismaik diese auch am Leben erhalten kann und dass die Spieler der Ersten, der Zwoaten und sogar auch der U19 vertraglich an die KGaA gebunden sind und damit dem eV aktuell nicht zur Verfügung stehen.
Bei mir auch der dritte. Den ersten hab ich noch nicht so richtig gecheckt, der war aber folgenschwer, mit 10 Jahren Bayernliga. Der zweite war auch richtig schlimm, weil wir seitdem nicht mehr auf gleiches Niveau gekommen sind.
Diesen empfinde ich bisher als Erleichterung. Endlich kann was vorwärts gehen, und endlich hauen wir den Ismaik zum Teufel. Endlich sind wir die Schulden los. Endlich sind wir die KGaA los. Endlich kann der Umbau des ganzen Konstrukts, der jetzt ein Jahrzehnt lang in jeglicher Form immer wieder an Ismaik gescheitert ist (Kapitalerhöhung, Schuldenschnitt, Servicevertrag, Turnhalle, Konsolidierungskurs, neue Partner etc. etc.) vorangetrieben werden.
Dieser Lizenzentzug und die Kündigung des Koop-Vertrags ist kein Drama, sondern eine Befreiung!
1982 war halt erst 16 (!) Jahre nach dem größten Triumpf der Vereinsgeschichte. Ein bodenloser Absturz… Und da war doch auch völlig unklar, ob sich die Fans nicht abwenden würden – wie vorher schon im Oly teilweise geschehen. War halt (vor allem medial) noch eine komplett andere Zeit.
Ich würde mich aber nicht festlegen wollen, welcher der drei Zwangsabstiege von den Folgen am schwierigsten zu bewerkstelligen war. Sicher jeder auf seine Weise schwierig, oder?
Der Hasi hat schon immer ein Talent gehabt, sich mit falschen Partnern zu umgeben.
Dass da jetzt der Gauweiler die Lizenz holen soll, ist einfach nur lächerlich. Bei was liegt da die Erfolgschance, bei 5%? Das ist eine interne Verbandsstreitigkeit, mehr als mit den Schultern zucken werden die Gerichte da nicht. Also geht das dann vor das verbandsinterne Schiedsgericht, und die werden den Ismaik so auslachen mit seinen Forderungen, die ja genau gegen diese Verbandsvorgaben verstoßen.
Wolkenkukucksheim, voll und ganz, und das seit 15 Jahren. Endlich ist der weiter.