Im AZ-Interview von Felix Müller mit Verena Dietl und Gernot Mang geht es um weit mehr als Zahlen und Baufragen. Es geht um die Zukunft des Grünwalder Stadions als Heimat von Sechzig – also um die Frage, wie ein Umbau gelingen kann, ohne dass das Sechzger am Ende wie ein beliebiger Neubau wirkt. Bevor im AZ-Interview über Machbarkeitsstudie, Erbpacht und Finanzierung gesprochen wird, fällt ein Satz, der den Kern der Debatte besser trifft als jede Zahl: “Schau, wie herrlich der Himmel über der Kurve ausschaut.” Genau darin steckt die Idee, die Gernot Mang und Verena Dietl transportieren: Das Grünwalder soll nicht durch eine beliebige Arena ersetzt werden, sondern als Stadion mit Charakter in Giesing erhalten und weiterentwickelt werden.
Charakter erhalten statt “Baumarkt”-Neubau
Mang macht im Gespräch sehr klar, worum es ihm beim Umbau geht: “Ein Stadion hat einen Charakter. Und dieses Stadion hier darf seinen Charakter niemals verlieren.” Daraus leitet er den zentralen Anspruch ab, dass man die Architektur so weit wie möglich erhalten müsse. Was konkret bestehen bleiben kann und was angepasst werden muss, soll die Machbarkeitsstudie zeigen.
Damit sendet er eine Botschaft, die viele Löwen-Fans hören wollen: Es geht ausdrücklich nicht um einen austauschbaren Neubau, sondern um ein modernisiertes Sechzger, das als Sechzger erkennbar bleibt.
Mang sieht breite politische Rückendeckung – kein Wahlkampfgetöse
Auf die im Löwen-Umfeld verbreitete Sorge, man könne kurz vor der Wahl wieder nur warme Worte hören, reagiert Mang deutlich. Sein Eindruck sei das genaue Gegenteil: Gespräche mit allen Fraktionen, Unterstützung im Rathaus und auch in den Giesinger Bezirksausschüssen. Er hält das ausdrücklich nicht für ein kurzfristiges Wahlkampfmanöver, sondern für eine tragfähige politische Basis.
Kapazität: Mang spricht von “mindestens 25.000”
In einem für die Debatte zentralen Punkt wird Mang ebenfalls unmissverständlich: Aktuell geht man von mindestens 25.000 Zuschauern aus. Diese Formulierung wiederholt er im Interview ausdrücklich (“Wir sagen, wir wollen mindestens 25.000”).
Finanzierung: Mang „absolut überzeugt“ – und nennt mehrere Wege
Beim größten Knackpunkt, der Finanzierung, zeigt sich Mang auffallend selbstbewusst. Auf die Frage, wie wahrscheinlich es sei, dass 1860 das stemmen könne, sagt er: “Davon bin ich absolut überzeugt.” Gleichzeitig betont er, dass man jetzt zunächst belastbare Zahlen aus der Studie brauche und dann konkret über das Modell spreche. Als grobe Größenordnung nennt er etwa 100 Millionen Euro Gesamtkosten (nicht ausschließlich von Sechzig allein aufzubringen).
Genannte Finanzierungsmöglichkeiten im Interview
Mang nennt ausdrücklich mehrere Bausteine:
- Unterstützung von Stadt und Land
- Vermarktung von Namensrechten
- Genossenschaftsmodell (wie beim FC St. Pauli)
- Bankenfinanzierung
Das klingt klar nach einem Finanzierungsmix statt einer Einzellösung.
Was ist mit dem “St.-Pauli-Modell” gemeint?
Mang verweist explizit auf den FC St. Pauli. Gemeint ist dort die Football Cooperative St. Pauli von 2024 eG, also ein Genossenschaftsmodell, über das viele Unterstützer Kapital einbringen. Laut der offiziellen Genossenschaftsseite hat die Genossenschaft als erstes Projekt die Mehrheit am Millerntor-Stadion erworben, vermietet es an den Verein und organisiert Betrieb/Instandhaltung. Zentrales Prinzip ist die genossenschaftliche Mitbestimmung (eine Person, eine Stimme), also nicht die klassische Investorenlogik.
Für Giesing heißt das nicht automatisch “1:1 kopieren”, aber es zeigt ein mögliches Prinzip: stadionbezogene Finanzierung mit starker Fan- und Mitgliederbindung, statt allein auf klassische Kreditgeber zu setzen.
Dietl über den Charme des Standorts – und warum das ein echtes Stadtstadion ist
Verena Dietl beschreibt den Reiz des Grünwalders sehr konkret: Gemeinschaftsgefühl in der Kurve, Verbundenheit mit Giesing, das Umfeld mit Kneipen und Wegen vor/nach dem Spiel. Genau das mache den Ort besonders – und sei zugleich ein Vorteil für den Stadtteil, weil auch die lokale Wirtschaft davon profitiere.
Mang ergänzt diese Linie mit dem Blick auf das gesamte Spieltagserlebnis rund um Grünspitz/Bamboleo und nennt das Sechzger einen Ort mit “ganz besonderem Charme” – ein Familienfest, an dem man “richtig Fußball” lebt.
Verbesserungen im Bestand: Gespräche laufen
Für viele Fans besonders relevant ist der Teil zu kurzfristigen Verbesserungen im Bestand. Damit gemeint ist wahrscheinlich eine höhere Kapazität in der Westkurve, der Abbau des Zauns vor der Stehhalle und eine Anpassung der Zäune, die in der Kurve die Blöcke trennt.
Dietl sagt dazu, dass man im Gespräch sei, zugleich aber immer wieder neue Anforderungen dazukämen und alles abgesichert werden müsse. Heißt: Das Thema ist auf dem Tisch, aber eben nicht kurzfristig per Handschlag erledigt.
Warum das Sechzger hier voll ist – und anderswo eben nicht
Eines der stärksten gemeinsamen Argumente von Mang und Dietl: Das Stadion funktioniert nicht nur wegen der Kapazität, sondern wegen Ort und Identität.
- Dietl sagt ausdrücklich, dass die gute Auslastung auch sehr viel mit dem Standort zu tun habe – viele würden eben nicht zu Löwen-Spielen “auf die grüne Wiese” fahren.
- Mang setzt noch einen drauf: “Die DNA von Sechzig ist Giesing”; eine Alternativdebatte stelle sich aus seiner Sicht nicht mehr.
Was das Grünwalder trägt, ist nicht nur Fußball, sondern die Kombination aus Verein, Viertel, Wegen, Ritualen und Atmosphäre. Genau das lässt sich nicht einfach an einen anderen Standort verpflanzen.
Klare Ansage an die Fans: Keine Umlage über Ticketpreise
Ein Punkt, der vielen Löwen-Anhängern besonders wichtig sein dürfte: Mang betont im Interview klar, dass der Umbau nicht auf dem Rücken der Fans finanziert werden soll. Wörtlich sagt er sinngemäß, Ziel sei, den Umbau nicht über die Kosten der Fans auszutragen.
Das ist eine bemerkenswert deutliche Festlegung – gerade in einer Zeit, in der Stadionprojekte oft sehr schnell bei Ticketpreisen landen.













Klingt alles ganz prima. Nur leider liegt halt noch nichts vor, über das man überhaupt mal diskutieren könnte. Und auch die Finanzierungsmöglichkeiten werden nicht realistischer wenn man sie unermüdlich gleich wiederholt.
Unterstützung von Land und Stadt ist keineswegs gesichert. Reiter ist schon zurück gerudert. Mit Söder wurde noch nicht mal gesprochen.
Namensrechte bringen für 2.Ligisten in der Regel unter 1 Million im Jahr. Auf 10 Jahre verkauft wahrscheinlich 7-9 Millionen.
St.Pauli hat sensationell gut verkauft. Schalke hat mit dem gleichen Modell nur ca. 7 Millionen eingenommen. Und das bei 200Millionen Mitgliedern
Bleibt die Bankenlösung mit entsprechenden Zinsen.
Falls das alles klappen würde, bin ich vollkommen begeistert. Nur wird seit Monaten über ungelegte Eier gequatscht, ohne substanziellen Fortschritt. Das nervt. Einfach mal die Klappe halten, und die entsprechenden Ergebnisse abwarten, und dann an die Öffentlichkeit treten.
ps. Lieber Präse, schön dass das Stadion nicht über die Eintrittsgelder finanziert werden soll. Dir ist aber schon klar, dass wir bereits jetzt mit die höchsten Eintrittspreise in den ersten drei Ligen aufweisen. Was will man da noch realistisch drauf schlagen?
Reiter ist nicht zurückgerudert. Er hat gesagt, das, was sich die Stadt spart, soll an Unterstützung zu Sechzig fließen. Bei Robert hieß es immer, er kommuniziert zu wenig. Jetzt passt es auch wieder nicht.
Wenn man schon Pauli als Referenz bei der Finanzierung hernimmt sollte man vielleicht auch mit deren Präsidenten sich austauschen warum er meint, dass deren aktuelles 30,000 Zuschauer Stadion wirtschaftlich für Profifussball nicht ausreichend ist und sie es auf 40-50k ausbauen möchten, aber sechzig denkt das 25,000 rentabel ist…. Zeit wird es das die machbarkeitsstudie zeitnah Tendenzen veröffentlicht bevor man bitter enttäuscht wird. Absolute Transparenz bei der Wirtschaftlichkeit ist notwendig.
„ Wenn wir im Profifußball wirtschaftlich mitmachen wollen, müssen wir gemeinschaftlich an die Idee des Ausbaus denken“.
https://www.transfermarkt.de/gottlich-mischung-aus-freiburg-amp-st-pauli-wurde-bundesliga-wettbewerb-sehr-guttun/view/news/475318
Wiedereinmal dieses Märchen von einem wirtschaftlicheren Stadion weil es größer ist. Da fragt man sich wie sich Vereine wie Heidenheim, Elversberg oder Verl im Profifussball halten können. Die Ausbaupläne bei St. Pauli liegen vor, da sie eine sehr hohe Nachfrage haben und derzeit bei einer Auslastung von 99,9 % liegen. Außerdem haben sie beinahe 60.000 Mitglieder.
verl Heidenheim und elversberg als Argumente zu nehmen orientiert sich an der dünnen Argumentation unseres Präsidenten einen Umbau auf 25k Zuschauer zu rechtfertigen, da wir ja auch Spiele mit 7k Zuschauern in der AA hatten..
Pauli hatte in 2022 ca 30k Mitglieder und hat seitdem um den Aufstieg gespielt und hat seine mitgliedszahlen auch dank sportlichen Erfolges in den letzten 5 Jahren fast verdoppelt. Man stelle sich vor sie hätten damals 30k Mitglieder als Argument genommen , um ein Stadion mit 25k ohne weitere Ausbau Option zu rechtfertigen. Das ist was ich kritisiere, dass man so tut als wäre 25k wirtschaftlich eine super Lösung und mehr Zuschauer benötigt man ja eigentlich nicht. Man lässt jeglichen sportlichen Erfolg und ein damit verbundenes Wachstum aussen vor. Jeder Zuschauer mehr zählt in unserer Situation. Ein Stadion mit hohen Stehplatz Anteil ohne Möglichkeit auf weiteren Ausbau bei sportlichen Wachstum wird uns langfristig nicht weiterbringen sondern nur die Diskussion verschieben. Deswegen kann man nur hoffen das die machbarkeitsstudie in Richtung 30+x geht.
Es ist wie immer wenn ich solche Diskussionen führe. Wer sagt das im Jahre x eine Erweiterung ausgeschlossen ist? Wie du ja richtig anmerkst hat z.B St. Pauli auch kein Stadion von 50.000 gleich am Anfang gehabt aber kontinuierlich daraufhin gearbeitet. Wir wollen ja gleich wieder Step 5 machen bevor wir Step 1 gegangen sind.