Auch in dieser Saison bei uns: Die “Stimmen zum Spiel”. Wir schenken den verschiedensten Protagonisten rund um unseren Lieblingsverein nach den Spielen Gehör. Hier geht es nun um die erste Partie der Löwen in der Regionalliga Bayern, das am 2. Spieltag in Schweinfurt – nach packendem und mitreissendem Verlauf – mit einem 2:2-Unentschieden endete. Und weil es irgendwie ein ganz besonderer Tag war, haben wir auch bei besonders vielen Protagonisten nachgefragt:

Gernot Mang (Präsident des TSV München von 1860 e.V.

Zunächst einmal bin ich froh, dass die Saison auch für uns endlich begonnen hat.
Mit dem Ergebnis und dem Auftritt unserer Mannschaft bin ich insgesamt zufrieden. Man hat gesehen, dass die Abläufe und die Abstimmung innerhalb des Teams noch nicht perfekt funktionieren. Das ist nach der kurzen Vorbereitungszeit aber völlig normal und wird sich in den kommenden Wochen weiter verbessern.
Gleichzeitig konnte man bereits erkennen, welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt. Zweimal nach einem Rückstand zurückzukommen, spricht für den Charakter und die Moral des Teams.
Jetzt freue ich mich auf unser erstes Heimspiel und hoffe, dass wir gemeinsam mit unseren Fans den nächsten Schritt machen können.

Stefan Kranzberg (sechzger.de-Redakteur, schon wieder vom Bodensee angereist):

Ich habe mich am Freitag ganz spontan entschieden, doch nach Schweinfurt zu fahren. Es ging einfach nicht anders. Ich kam aus der Arbeit und sagte zu meiner Frau: “Claudi, ich MUSS da hin. Das ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung.” Überraschenderweise gab es sofort grünes Licht und auch ein Ticket war schnell organisiert. Vor Ort in Schweinfurt traf ich gleich auf viele bekannte Gesichter und es war eine unbeschreiblich schöne Aufbruchsstimmung zu spüren. Da kamen viele Erinnerungen an Memmingen vor neun Jahren hoch. Auf dem Platz war sicher mehr als ein Unentschieden drin, für die Euphorie war es aber vor allem wichtig, nicht mit einer Niederlage in die Saison zu starten. Ich freu mich jetzt schon riesig auf das erste Heimspiel am Freitag. Endlich wieder Giesing – ohne Hasan!

Alper Kayabunar (Cheftrainer in der PK nach dem Spiel):

Wir hätten heute natürlich gerne gewonnen. Ich habe es jetzt gerade im Kreis auch nochmal gesagt: Wir hatten so ein bisschen das Gefühl, dass da mehr drin war, dass wir mit dem Dreier hätten nach Hause fahren können. Trotzdem muss man sagen: Wir starten natürlich sehr ungünstig ins Spiel, relativ früh das Gegentor in mit der allerersten Aktion, wo man einfach gemerkt hat, dass wir in der Konstellation noch nie zusammengespielt haben. Da hat die Abstimmung gefehlt und wir haben das Tor natürlich sehr einfach kassiert. Wir haben dann die ersten 20 Minuten gebraucht, bis wir ins Spiel gekommen sind. Danach hatten wir wirklich sehr viel Kontrolle, schießen auch das Tor. Dann verdient, glaube ich, in der in der Phase. In der zweiten Halbzeit hat man gemerkt, dass Schweinfurt dann wieder mehr machen wollte, wir gut dagegengehalten haben und dann kassieren wir das 2:1 durch eine Standardsituation, einen Elfmeter, wo der Vitus sogar noch pariert und der Nachschuss dann verwertet wird. Was man sagen muss: Die Moral der Mannschaft war natürlich sehr gut, dass wir dann relativ schnell den Ausgleich geschossen haben. Im Großen und Ganzen können wir mit dem Punkt leben heute. Wir hatten viele Spieler, die heute das erste Mal gespielt haben. Einige Spieler, die das erste Mal Regionalliga gespielt haben. Dementsprechend können wir zufrieden sein und können auf die Leistung heute aufbauen.

Jan Gernlein (Trainer Schweinfurt nach dem Spiel in der PK):

Ich will vorweg schieben: Alper und ich waren schon mal in dieser Liga, mit anderen Teams in einer anderen Situation, glaube ich. Wir haben damals gemeinsam gegen den Abstieg gekämpft oder um den Klassenerhalt gekämpft. Und ich will einfach sagen: Alper, Respekt, wie du diese Situation mit deiner Ruhe da abmoderierst. Ich glaube, jeder der mal Trainer war – und jetzt bin ich nur in Schweinfurt Trainer – weiß, was da für eine Wucht kommt. Ich glaube, keiner kann das wirklich so einschätzen, was du da einfach Tag für Tag wegsteckst, was von außen auf dich da auf einprallt oder einprasselt. Erstmal Respekt dafür!
Und dann will ich einfach sagen, dass eine Mannschaft, die das erste Spiel 5:1 verliert, die schon überall angezählt wird, wo alles schlecht ist, wo dann auch der Torwart schlecht ist, die Verteidiger alle zu langsam… (…) Und dann kommen wir raus und machen sofort dieses Tor. Dieses Tor hat für unsere Jungs natürlich einen sehr, sehr positiven Effekt gehabt. Wenngleich man dann sieht, dass wir einfach noch nicht so weit sind, dass wir dann sagen: “Okay, wir kommen super in den Zweikampf, können alles wegverteidigen.” Aber ich glaube, dass wir das Spiel gut angenommen haben, dass wir für eine junge Mannschaft schon sehr weit heute auch waren. Auch nachdem wir zweimal diesen Ausgleich schlucken, nicht einzustürzen wie ein Kartenhaus, sondern wir waren in meinen Augen dann trotzdem noch stabil. Hinten raus können beide Teams, glaube ich, das Spiel auch noch gewinnen. Aber in diesem Rahmen, der wirklich auch der Rückkehr der Löwen würdig war, von beiden Fanlagern, dass es ein sehr wichtiger Punkt für uns war.

 Wiggerl (von den Glockenbach-Löwen):

Vor ein paar Wochen war ich richtig angefressen und fertig. Als ein Spezi dann spontan vorgeschlagen hat, nach Schweinfurt zu fahren, war ich aber gleich wieder mit dabei. Es ist unglaublich, was der e.V. in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt hat. Wenn man dann schon auf dem Weg zum Bahnsteig all die bekannten Gesichter auf Auswärtsfahrt trifft, geht einem gleich das Herz auf. Wir sind (leider) mit der Bahn gefahren und mehr möchte dazu nicht sagen.
Das Spiel war aus meiner Sicht dann gut und ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Zweimal unglücklich in Rückstand geraten und zurück gekommen. Den Kopfballtreffer fand ich einfach nur geil. Die Mannschaft braucht noch Zeit, um sich einzuspielen. Ich geh‘ ohne die Erwartung an einen sofortigen Aufstieg in die Saison und wünsche mir einfach eine stetige und stabile Entwicklung. Man hat gesehen, dass die Mannschaft Potential hat. Jetzt gilt es hart zu arbeiten. Freiheit für Sechzig!

 Sascha (organisatorisch engagiertes Mitglied der sechzger.de-Redaktion):

Anfang der Woche, mit den namhaften Verpflichtungen habe ich mich wieder mal beim Träumen erwischt. Vor meinen Augen sah ich Spiele mit vielen Tore und eine euphorische Stimmung unter den Fans, die uns am Ende den Aufstieg bringt. Dann versuchte ich mich wieder zu bremsen und mir die letzte Saison vor Augen zu rufen. Hilft nichts: Also recht spontan noch ein Ticket für Scheinfurt gekauft und eine tolle Auswärtsfahrt gehabt. Auch die unterirdische Nichtleistung der Bahn ändert daran nichts. Im Vergleich zum letzten Spiel in Schweinfurt von vor drei Monaten fand ich unser Spiel, bis auf die ersten Minuten, ansehnlich. Die Schweinfurter hatten bei ihren Toren Glück. Unsere Treffer waren meiner Meinung nach rausgespielt. Die richtige Einstellung und der Kampf waren auf jeden Fall zu sehen. Es läuft noch nicht alles rund, aber ich vertraue da auf mehr Training. Wenn wir es schaffen bis zur Winterpause einigermaßen an der Tabellenspitze dran zu bleiben, können wir nach der langen Winterpause bestimmt noch mal angreifen (woher kommt immer diese Euphorie?). Am Schluss möchte ich dem ganze e.V.-Team noch meinen tiefen Respekt aussprechen. So wenig Zeit, so viel geschafft und so viel richtig gemacht!

Kai Eilts (vom Osnabrück-Podcast Ostkurvenchor. Verfolgt die Löwen in diesem Sommer intensiv): 

Das war er also, Spieltag 1. Der Beginn der Saison und der Beginn von etwas ganz Neuem. Kein anderer Verein – abseits meines Herzensvereins – hat mich diese Sommerpause so beschäftigt wie die Löwen….und wow! Dieser Aufbruch und diese Euphorie haben sogar in Niedersachsen angesteckt – ein Regionalligaspiel im BR zu verfolgen hatte ich Anfang Mai auch nicht auf meiner Bingokarte. Frühes Gegentor, erneuter Rückstand nach einem Elfmeter, dessen Berechtigung wohl nur der Schiedsrichter gesehen hat – spricht alles nicht für einen optimalen Start in die Saison. Doch ich habe in Spiel 1 nach HI eine Löwen-Elf gesehen, die sich auch von Rückschlägen nicht umwerfen lässt, die kämpft, beißt und vor allem mithält. Der Auftritt macht Lust auf mehr und so halte ich es mit Dennis Dressel: „Die Saison ist lang, da kann sich viel entwickeln“. Die Daumen in Osnabrück sind gedrückt, auf gehts Sechzig!

Dennis Dressel (Kapitän und Rückkehrer mit seinem ersten Löwenspiel seit 14. Mai 2022):

Ich hab’s auch vor dem Spiel schon gesagt: Das ist heut schon ein bisschen ‘Wundertüte’, weil man nicht weiß, wo man steht. Aber ich glaub, man hat heute schon ein paar gute Ansätze gesehen. Die Saison ist lang, da kann sich jetzt viel entwickeln. Wir müssen und entwickeln und dann wird man sehen, wo man am Ende rauskommt. (…) Es hätte bessere Starts geben können. War natürlich sehr unglücklich, wenn du so nicht nur in Spiel startest, sondern in die Saison. Aber es zeigt schon auch die Moral der Mannschaft, wie wir uns nach den Gegentoren jedesmal wieder zurück gekämpft haben. Und das stimmt mich schon zuversichtlich für die nächsten Wochen.

 Walter (väterlicher Freund der Redaktion):

“Freiheit für Sechzig” am Trikot! Der Spieltag beginnt wunderbar.
Das Spiel dann allerdings nicht. Nach 15 sehr unsortierten Minuten, in denen wir nicht ins Spiel finden, liegen wir 1:0 zurück, werden dann etwas stärker und kommen dann vor allem über unsere jetzt endlich physischere Spielweise besser zu Geltung, erzielen in der 33. Minute den Ausgleich durch Michael Eberwein und dominieren danach das Spiel eigentlich bis zum Schluss.
Leider passiert uns zwischenzeitlich ein „Kann man, aber muss man nicht geben“ – Elfmeter mit etwas unglücklichem Verhalten beim Nachschuss. Gott sei Dank der Ausgleich durch unseren neuen Goalgetter (?) Arian Ortivero Calderon, der sofort nach seiner Einwechslung trifft.
Insgesamt ein ordentliches Spiel unserer (sehr) neu zusammengestellten Elf, mit einigem Verbesserungspotenzial, wobei mir besonders die jungen Spieler sehr gefallen haben.

Sabine (Gastautorin bei sechzger.de mit der Rubrik Poppular Demand):

Unter den Linden des sommerlich warmen Schweinfurts bescherte uns der Start in die Regionalligasaison 2026/27 ein ebenso unterhaltsames wie verdientes 2:2.
Natürlich wird vielen vor allem der umjubelte Ausgleich durch den neuen Publikumsliebling Ortivero Calderón in Erinnerung bleiben. Doch der eigentliche Traumstart hatte für mich andere Gründe.
Sechzig trat erstmals ohne Investor in Freiheit auf: mit neuem Trikot, neuem Sponsor und dem phänomenalem Schriftzug „Football for the People“ auf dem Rücken.
Getrübt wurde die unbeschwerte Atmosphäre lediglich durch den aus meiner Sicht völlig überzogenen Polizeieinsatz gegen die Schweinfurter Fans, die ihr erstes Heimspiel mit einer Pyroshow eröffneten.
Freiheit für Sechzig. Freiheit für den Fußball.

Christian Jung (sechzger.de Redakteur):

Die „Festwochen der Emotionen“ gehen weiter. Das erste Ligaspiel nach über 25 Jahren ohne KGaA – und dann noch an diesem einzigartigen Standort. Mit so vielen netten und gastfreundlichen Einheimischen. Mehr geht nicht! Im Spiel sah ich uns eigentlich – nachdem der Schock über das frühe Gegentor verdaut war und auch die nächste Großchance der Schnüdel nicht reinging – von den Spielanteilen her klar auf der Siegerstraße. Dann der nächste Rückschlag durch einen zumindest zweifelhaften Elfmeter, der erst im Nachschuss reingeht. Aber die Löwen 26/27 stecken auch sowas weg und schlagen direkt zurück. Am Ende bin ich froh, dass das 3:2 für Schweinfurt zurecht nicht zählte und dass wir diesen Punkt auf den – mal wieder von Zugproblemen und massiven Verspätungen geprägten und dennoch fröhlichen -Heimweg nehmen konnten. Ganz kleiner Wehrmutstropfen an einem ansonsten rundum gelungenen historischen Tag: Weil ich den Kollegen Thomas beim Tickern unterstützte, wurden mir die vielen möglichen Begegnungen im Gästeblock zum Saisonauftakt verwehrt. Das wird aber nachgeholt. Am Freitag in Giesing!

 

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