In der Rubrik “Stimmen zum Spiel” geben wir nach den Spielen unserer Löwen verschiedensten Protagonisten eine Stimme und schenken ihnen gemeinsam Gehör. Ob Spieler, Trainer, Funktionäre, Fans, sechzger.de-Redakteure, … Es gibt keine Beschränkung, von wem wir eine Meinung zu den letzten hinter uns liegenden neunzig Löwenminuten einholen und an dieser Stelle veröffentlichen. Heute geht es um den knappen 1:0-Sieg der Löwen im Donaustadion Ulm, durch das 1860 nach unglaublichen 105 Tagen Leidenszeit wieder Auswärtspunkte mit nach Giesing nehmen konnte.

Pavel Dotchev (nach seinem zweiten Spiel als Ulmer Trainer in der PK):

Sie müssen sich das so vorstellen: Wir bereiten uns die ganze Woche vor. Dann feuern wir uns an in der Kabine und motivieren uns, und und und. Dann ist das Spiel noch nicht angepfiffen und dann die erste kalte Dusche. Für unsere Situation, für unsere Mannschaft ist das natürlich ein Schlag ins Gesicht und wir haben ein bisschen Zeit gebraucht, uns zu erholen, aber ich denke schon, mit der Spieldauer waren wir immer mutiger. (…) Ich bin mit der Leistung zufrieden, mit dem Ergebnis nicht. Man sieht jetzt auch: Fußball ist die zweitwichtigste Sache im Leben. Wir hatten jetzt diesen Notfall auf der Tribüne gegenüber.

Markus Kauczinski (nach dem Spiel bei MagentaSport):

Es war schon schwer. Es war harte Arbeit, vor allen Dingen in der ersten Halbzeit. Wir haben früh geführt und dann in der ersten Halbzeit viele schwierige Situationen zu bestehen gehabt und bis zum Ende zittern müssen. Zweite Halbzeit war dann besser. Wir haben die Möglichkeit auch das zwei oder drei zu null zu machen. Wir haben’s nicht gemacht und da wird’s dann natürlich nochmal schwer am Ende.

Kevin Volland (Vorlagengeber zum Siegtor – beim BR)

Ich glaub, dass es heut wieder ganz schön eng war, auch hinten raus. Ulm hat immer mehr gedrückt, auch in der ersten Halbzeit. Wir hatten trotzdem, finde ich, so zwei-drei Situationen, wo wir das Spiel auch für uns entscheiden müssen, den Sack zumachen müssen. Von den großen Torchancen hatte jetzt Ulm auch nicht viel, muss man sagen, aber war sehr viel läuferische Arbeit, sehr viel Kampf. Und das brauchst du auswärts, dass man so den Bock umstößt.

Silas (14jähriger Löwenfan – in Ulm zu Gast im Block G):

Was für ein sonderbarer Fußball-Nachmittag! Trotz des frühen Tors wurde – wohl wegen des engen und überfüllten Gästeblocks – die Stimmung auf den Rängen immer geladener. Dass dann noch wegen des Todesfalls auf der Tribüne (korrekterweise) der Support  eingestellt wurde und sich auf dem Platz nicht mehr viel bewegte, machte das ganze Drumherum irgendwie komisch.

Thomas Spiesl (Redakteur sechzger.de – in Ulm auf der Pressetribüne):

Es war alles angerichtet für ein echtes Fest, das dann leider zu einer gemeinsamen Trauerfeier wurde. Es war heute eine sehr merkwürdige Stimmung auf den Rängen. Auf dem Platz ein ausgeglichenenes Spiel und eine konzentriertere Leistung. So hatten die Löwen mittelfristig ein Chancenübergewicht. Insgesamt trotz einer durchschnittlichen Partie drei wichtige Punkte.

Sigurd Haugen (Löwen-Siegtorschütze):

22 seconds? – Yeah, that was fast, so that gave us a good confidence after a very bad away statistics. Very important! We’ve been very good at home this year, but away it was a ‘Katastrophe’. (…) We are trying to hang up in the top.

Christian Eulitz (von den Hauptstadtlöwen im Donaustadion in Block H):

Am meisten in Erinnerung wird mir die Stille während dem Spiel bleiben. Von unserer Seite gab es sonst eigentlich nur eine schöne Aktion, danach haben wir die Spielkontrolle wieder abgegeben. Immerhin mal ein Auswärtssieg, aber nur, weil der Gegner so schwach war.

0 0 votes
Artikelbewertung
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
18 Comments
Newest
Oldest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
Kraiburger

Ich war gestern beim Spiel des LASK gegen Rapid Wien. Gleich zu Spielbeginn gab es 2 Spielunterbrechungen, weil der Rauch der Pyro nicht abgezogen ist. Die ersten 12 Minuten haben dabei also insgesamt 27 Minuten gedauert.

Vorstopper

Was die Stimmung angeht, in Block H war es wohl etwas entspannter, als in G. Was mich zunehmend stört, ist allerdings dieses Chefgehabe von dem Brüllaffen aka Capo. Der hat niemanden vorzuschreiben wann und wie andere Fans ihre Mannschaft anfeuern. Das betrifft sowohl die ersten zwölf Minuten als er extrem wichtigtuerische sich vor Block H stellt und Ruhe einfordert. Der kann mir den Schuh aufblasen! Und was soll das mit dem Notfall? Ja da ist jemand bei einem Fußballspiel in Lebensgefahr und deshalb müssen 17000 andere schweigen? Was ist denn wenn am Tollwood jemand einen Herzinfarkt erleidet, gehen dann alle nach Hause?
Wenn die Ultras ihre Fahnen abhängen wollen, bitte gerne, mir egal.
Aber ich hab keinen Bock mir von denen irgendwas vorschreiben zu lassen.

Aymen1860

Da stimme ich komplett zu.

Im Grünwalder stand ich früher meist im “Stimmungsblock H”.
In letzter Zeit bin ich öfters nach der Pause in Block F1, weil mit die Stimmung dort zu aggressiv war. Ich hab da keinen Bock mich mit anderen zu streiten, weil ich gerade mal nicht mit singe oder mir erlaube mal kurz auf Handy zu schauen.

Jan Schrader

Schade finde ich, dass es überhaupt eine Ansage braucht in den ersten 12 Minuten ruhig zu sein. Die angedachten Maßnahmen im Stadion gehen jeden Stadiongänger (also uns alle!) etwas an. Da sollte man zusammenhalten und ein klares Zeichen setzen – so wie es zuletzt beispielsweise in der Demo in Leipzig toll funktioniert hat.

Und zu deinen Anmerkungen bezüglich des Todesfalls: unglaublich pietätlos. Bin ehrlich gesagt sehr enttäuscht, dass ein etablierter und sehr aktiver Kommentator hier bei sechzger.de sich so äußert…

Vorstopper

Schade finde ich es, dass 0,0 auf meine zugegebenermaßen zugespitzte Meinung eingehst, sondern hier einfach die Argumente der Ultras wiederholst. Letzte Woche gab es diese Aktion, ok, aber damit ist auch wieder gut.
Mir geht es um diesen Alleinvertretungensanspruch der Ultras. Da ich keiner bin, fühle ich mich auch nicht an ihren Kodex gebunden. Ich demoliere auch keine Toiletten, rauche nicht albern im Zug und zahle auch in Memmingen freiwillig Eintritt.
Übrigens bin ich auch gegen Gesichtserkennung und Stadionverbote ohne Beweise, nur wird es die IMK einen feuchten Kehricht interessieren, was die Kurve zu ihren Plänen sagt.
Mich als pietätlos zu bezeichnen, verstehe ich nicht. Der Tod gehört zum Leben, ich habe mich ja nicht darüber amüsiert oder Witze gemacht. Sollte es mich im Stadion erwischen, will ich nicht, dass 15000 Leute von denen mich vielleicht 14900 gar nicht kennen, betreten schweigen.

Jan Schrader

Ich bin der Meinung, dass man es für die gute Sache in zwei Spielen durchaus schaffen kann still zu sein. Insbesondere da du die möglichen Änderungen (in Teilen) ebenfalls kritisch siehst. Warum sich also nicht als Teil des großen Ganzen sehen sondern sich bevormundet fühlen? Warum sich abkapseln anstatt die Löwenfans (ausnahmsweise) als Einheit wirken zu lassen? Es wäre erst gut, wenn die Proteste auch Wirkung zeigen würden. Das konnte man in Ulm allerdings nicht beurteilen, da die Konferenz ja jetzt dann erst beginnt. Entsprechend gab es erneut die Aktion und das finde ich völlig legitim.

In Ordnung, dass du das für dich nicht wollen würdest – aber das leitet doch nicht ab, wie es anderen Personen gehen würde. Die zahlreichen, positiven Reaktionen aus Ulm zeigen, dass es eine tolle Geste voller Respekt war, den Support einzustellen.

Arm aber Sechzig

Der Ausgangspost hinterfragt, wer denn bestimmt, was das Kollektiv will. Im Endeffekt kritisiert er, dass einzelne nach einem Führerprinzip bestimmen, was die Masse will. Da ist die eigentliche Kernaussage Ob das dann so zutrifft oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.

Jan Schrader

Wenn ich den angesprochenen Ausgangspost sehe, finde ich es gut, dass es Einzelne gibt, die die Marschrichtung vorgeben. Meiner Meinung nach kann eine Kurve nur so funktionieren.

Vorstopper

Ich kann mich noch erinnern, als die Kurve sehr gut funktionierte ohne das Vorschriften gemacht wurden, von Einzelnen. Bin nicht so der Fan vom Führerprinzip und damit nicht allein!

Vorstopper

Ja, das habe ich sehr wohl anders wahrgenommen. Gehe seit Mitte der der siebziger Jahre, damals mit meinem Vater, seit den achtziger dann alleine ins Stadion. Das mit dem Vorsänger kam doch erst mit der CN und so wie ich mich erinnere, war das nicht vor der Jahrtausendwende. Vor der Zeit wurde definitiv niemand im Block, sei es im GWS oder in der Nordkurve gewesen, angewiesen wie man sich zu verhalten hat. Natürlich gab es Leute in der Kurve oder auswärts im Zug mit denen man sich besser nicht angelegt hat, aber das war nicht auf den Support bezogen. Weiter oben hat ja ein User geschrieben, er hat den Block gewechselt weil er keine Lust mehr auf die Bevormundung hat. Kann ich gut nachvollziehen. Mir geht es um diesen Alleinvertretungsanspruch die wahren Fans zu sein, die können machen was sie wollen, von mir aus auch nach einem 0:4 was von einem Tag im Mai singen, aber ich sicher nicht. Und die verklausulierte Aufforderung von Jan doch wegen der guten Sache Bitteschön die Klappe zu halten, ist im Prinzip das gleiche.

60ger_news

Wie man überhaupt auf die Idee kommt, solch eine Nachricht zu verfassen, macht mich sprachlos. Wenn einem die Stimmung und die Kultur rund um die Fanszenen wichtig sind, dann kann man schon mal 12 Minuten Solidarität zeigen. Davon geht die Welt nicht unter. Und was den medizinischen Notfall betrifft: Wie kann man so herzlos sein? Da ist ein Menschenleben in Gefahr und dir fällt nichts anderes ein, als dich zu beschweren, nur weil man, während jemand um sein Leben kämpft, nicht feuchtfröhlich rumgröllen soll? Das hat was mit Empathie zu tun. Als ich davon im Block gehört habe, waren meine Gedanken bei der Person und dass sie es schafft, und nicht, dass ich jetzt nicht mehr supporten kann. Wahnsinn…

Dennis M.

Da bin ich anderer Meinung als du. Wenn jemand um sein Leben kämpft, dann ist der Fußball reinste Nebensache, wenn überhaupt. Ich finde, dann hat der Fußball keinen Stellenwert mehr. Es gibt wichtigere Dinge im Leben, als den Fußball. Ich bin ja prinzipiell bei dir, dass jeder entscheiden darf, wie er seine Mannschaft anfeuert. Bei einem medizinischen Notfall sollte man aber schon ruhig sein finde ich – das gehört dem Anstand.

Bzgl den 12 Minuten Schweigen kann man die Ultras ja schon verstehen? Ich möchte auch keine personalisierten Tickets haben und bin da eigentlich derselben Meinung.

Ich bin ja auch nicht immer der Meinung der Ultras – bei weitem nicht – bei einem Todesfall ists doch aber schon verständlich? Ich finde das wenig empathisch.

1860ZELL

Wird nicht häufig die “1860-Familie” beschworen? Ist es dann nicht angemessen, wenn ein Familienmitglied mit dem Tod ringt, das Gegröle einzustellen?

MaxlWastl

Wie kommst du darauf das dein persönliches Bedürfnis über dem des Kollektivs oder der Not einer anderen Einzelperson steht?

Eurasburger1860

Man kann über alles und jedes Thema diskutieren und unterschiedlicher Meinung sein, was wir ja eigentlich gar nicht so oft sind, aber hier:

Und was soll das mit dem Notfall? Ja da ist jemand bei einem Fußballspiel in Lebensgefahr und deshalb müssen 17000 andere schweigen? Was ist denn wenn am Tollwood jemand einen Herzinfarkt erleidet, gehen dann alle nach Hause?”

Liegst Du aus meiner Sicht komplett daneben!
Ich finde es in der heutigen Zeit bemerkenswert, dass so viele Menschen in so einer Situation so sensibel und menschlich reagieren.
Das ist eher eine Situation, die mich stolz macht auf meinen Verein und seine Fans!

Zu den Capos: Für die Stimmung in der Kurve mittlerweile unersetzlich aus meiner Sicht. Früher war alles besser? Von der Stimmung her sicher nicht und auch das Benehmen der “Führungsfiguren” vergangener Tage habe ich eher als “rabiater” in Erinnerung als es heute der Fall ist.

Ich würde mir eine klare Struktur in der Kurve wünschen und schmeiße einfach mal den Vorschalg in den Raum eine Lautsprecheranlage zu installieren, die die gesamte Kurve erreicht, idealerweise auch noch die Stehhalle.
Wäre für die Stimmung sicher kein Nachteil.

Vorstopper

Lautsprecher? Soll da ein bisschen Nordkorea Feeling verbreitet werden? Manchmal fasse ich nicht, auf was für Ideen die Leute kommen 🙈

FXGiesinger

Ich bin bei Dir, dass ich nicht alles gut finde, was der/die Capo/s grad machen – das geht mit der Art und Weise los, einzelne Leute zu beschimpfen (wobei Dein Tonfall grade auch nicht Kommunikations- oder Verhandlungsbereitschaft transportiert) und hört mit der Liedauswahl vor allem im GWS auf.

Aber:
Die 12 Minuten sind aus meiner Sicht nicht verhandelbar und ich finde es sogar ganz witzig, dann ab Minuten 12 die Sau rauszulassen. Und dann kann ich auch in feiner Vorfreude mal ein paar Minuten still sein. Natürlich davon ausgehend, dass noch mindestens 78 Minuten zum Austoben bleiben 😉

Was das richtige Verhalten ist, wenn ein Mensch – offensichtlich völlig unerwartet – bei einem Fußballspiel verstirbt, was vermutlich auch einige ihm/ihr Nahestehende schockiert und entsetzt, weiß ich nicht. Aber ganz ehrlich – wenn 16.800 andere die Schnauze halten, dann wird es der Rest halt auch irgendwie hinkriegen, wenn man ihnen sagt, sie sollen ruhig sein. Seid froh, wenn Euer Auto/Bus vollständig nach Hause fahren konnte.

Wenn Du keinen Bock hast, Dir von irgendjemand irgendwas vorschreiben zu lassen, dann bist Du in einem Kollektiv nicht gut aufgehoben. Wenn Du eine Fankurve mit einer offenen, kommerziellen Veranstaltung vergleichst, dann wird´s eh schwierig.

Grüße