Nach dem ersten und dem zweiten Teil unserer Serie zu 1860 und Olympia, in welchen die Sportarten Badminton bis Rugby vorgestellt wurden, folgt hier und heute nun der dritte Streich. Neben der Vorstellung weiterer olympischer Sportarten bei den Löwen – von Segeln bis Volleyball werden wir dann zu einer Art Erfolgfans und beschäftigen uns noch ein wenig mit Olympiasiegern, die der TSV 1860 hervorgebracht hat. Sechzig ist eben viel mehr, als nur Fußball.

Ein nochmaliger Dank für die Inspiration und die Vorarbeit an dieser Artikelserie geht an Stefan Markt und Claus Melchior von der Abteilung Vereinsgeschichte!

Segeln – auf dem Starnberger See

Auch beim Segeln sind die Löwen aktiv. Die Sportart gehört zur Wassersportabteilung, die auf eine lange Geschichte zurückblickt. Die heutige Wassersportabteilung geht auf die 1922 gegründete Faltbootabteilung zurück. Das eigene Bootshaus an der Floßlände wurde 1927 von Mitgliedern in Eigenregie errichtet und steht noch heute. Beim Segeln reicht das Angebot heute ausdrücklich vom Einsteiger bis zum Regattasegler. Zur Flotte gehören unter anderem eine Dyas, ein Hobie Kat 16, ein 470er und mehrere Laser. Gesegelt wird auf dem Starnberger See. Die Mitgliederzahl der gesamten Wassersportabteilung lag zuletzt bei rund 140. Eine separate aktuelle Zahl für die Segelsparte wird nicht ausgewiesen.
Die olympischen Segelwettbewerbe würden im Fall eines Zuschlags der Spiele für die Stadt München – wie schon 1972 – hoch im Norden, nämlich in Kiel stattfinden.

Tennis – sechs Sandplätze an der Grünwalder Straße

Tennis hat bei 1860 – vielleicht etwas überraschend – ebenfalls eine relativ junge Geschichte. Die Aufnahme einer Tennisabteilung wurde im November 1972 beschlossen, gegründet wurde sie im Februar 1973 mit zunächst 30 Mitgliedern. Innerhalb weniger Monate entstand an der Grünwalder Straße eine eigene Anlage. Sieben Plätze wurden 1973 eröffnet, ein Jahr später folgte das Klubhaus. Heute stehen noch sechs Sandplätze zur Verfügung.

Sportlich reicht das Angebot vom Anfänger bis zum Mannschaftsspieler. Die Löwen treten mit ihren Mannschaften in den bayerischen Ligen an. In den vergangenen Jahren gab es unter anderem Erfolge in der Bayernliga und den Aufstieg eines Damen-30-Teams in die Landesliga.
Eine aktuelle Gesamtmitgliederzahl veröffentlicht die Tennisabteilung auf ihrer Seite nicht. Fest steht allerdings: Der Zulauf ist so groß, dass neue Mitglieder derzeit nur im Rahmen der normalen Fluktuation aufgenommen werden können.

Nicht zur Tennisabteilung, sondern – aus organisatorischen Gründen – zum Radsport, gehört die Sparte Padle, die erst seit rund vier Monaten bei 1860 existiert. Padle ist ein aus Mexiko stammendes, vom Tennis abgeleitetes Rückschlagspiel, das sich vor allem in Südamerika, aber auch in Spanien, Frankreich und Italien großer Beliebtheit erfreut. Nachdem bei den nächsten Spielen in Los Angeles erstmals Squash ins olympische Programm aufgenommen wird, wäre eine Aufnahme von Padel in der ferneren Zukunft sicher auch denkbar. Allerdings erfüllt diese Sportart aktuell noch nicht alle Voraussetzungen des IOC für eine olympische Disziplin.

Tischtennis – „nur zum Spaß, aber mit Ernst“

Auch Tischtennis gibt es beim TSV 1860. Die Idee dafür geht zurück ins Jahr 2011, als fünf Familienväter bei einem Fest ihrer Kinder feststellten, dass sie früher selbst begeistert Tischtennis gespielt hatten. Zunächst wurde im Freien gespielt, im Winter suchten sich die Löwen eine Halle. Daraus entstand dann die Tischtennissparte. Heute sind rund 25 Spielerinnen und Spieler aktiv. Es gibt freies Spiel ebenso wie Trainingseinheiten mit Trainer. Einen klassischen Ligabetrieb gibt es aber nicht. Die offizielle Vereinsseite bringt es deshalb schön auf den Punkt: “Es wird nur zum Spaß gespielt – das aber mit Ernst”.

Triathlon – drei Sportarten in einer!

Beim Triathlon wird es interessant, denn eigentlich steckt hier ja ein ganzer olympischer Dreikampf drin: Schwimmen, Radfahren und Laufen. Der TSV 1860 bietet Triathlon als eigene Sportart an und ermöglicht seinen Mitgliedern unter anderem die Beantragung eines Startpasses bei der Deutschen Triathlon Union. Ein eigenes Schwimmtraining kann aktuell allerdings nicht angeboten werden. Radfahren und Laufen können über die entsprechenden Löwenangebote abgedeckt werden. Damit ist Triathlon bei 1860 etwas anders organisiert als klassische Abteilungen. Wer für die Löwen an den Start gehen möchte, setzt sein Training aus den vorhandenen Angeboten zusammen. Ein schönes Beispiel dafür ist Sebastian Paulik, der 2024 für 1860 beim Nürnberger Triathlon an den Start ging.

Unser derzeitiger Präsident Gernot Mang war in der Vergangenheit bekanntermaßen ebenfalls Triathlet. Wir wissen jedoch nicht, ob das Ende seiner Aktivitäten in dieser wirklich fordernden Sportart mit der durch das 2025 übernommene Amt stark eingeschränkten zur Verfügung stehenden Trainingszeit zu tun hat.

Turnen & Rhythmische Sportgymnastik – eine Geschichte, die älter ist als der TSV

Jetzt kommen wir zum historischen Kern unsere Vereins.
Turnen gehört zu den Gründungswurzeln der Löwen. Bereits 1848 wurde der Münchner Turnverein gegründet. Nach dessen Verbot erfolgte 1860 die Neugründung. Schon früh entwickelte sich das Turnen zur zentralen sportlichen Betätigung im Verein. In den 1920er Jahren wurde daraus zunehmend Wettkampf- und Leistungssport.
Der größte olympische Erfolg gelang Innozenz Stangl, der bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin Gold im Mannschafts-Mehrkampf gewann. Damit gehört er – neben Josef Straßberger, auf den wir gleich unten noch zu sprechen kommen – zu den ganz großen Olympiasiegern der Löwen.
Heute steht beim klassischen Turnen vor allem das Kinder- und Eltern-Kind-Turnen im Mittelpunkt.
Dazu kommt die Rhythmische Sportgymnastik (RSG). Sie verbindet gymnastische und tänzerische Elemente mit Musik und verschiedenen Handgeräten – Seil, Reifen, Ball, Keule und Band. Bei 1860 wird sie als Wettkampf- und Leistungssport betrieben. Die RSG hat aktuell sogar wieder eine Bundeskader-Athletin in ihren Reihen.

Rhythmische Sportgymnastik TSV 1860

Volleyball

Volleyball gehört zu den großen, heute allerdings etwas in Vergessenheit geratenen Erfolgsgeschichten des TSV 1860. Die Abteilung wurde 1968 gegründet und stieg innerhalb weniger Jahre in die deutsche Spitze auf. 1974 gehörten die Löwen zu den Gründungsmitgliedern der Volleyball-Bundesliga. Insgesamt wurde 1860 viermal Deutscher Meister (1973, 1975, 1978 und 1980) und gewann fünfmal den DVV-Pokal. Damit gehörten die Löwen in den 1970er Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Volleyballvereinen. Eine prägende Figur dieser Zeit war Stelian Moculescu, der von 1977 bis 1980 als Spielertrainer bei 1860 tätig war, nachdem er 1972 bei den olympischen Spielen in München mit Rumänien Fünfter geworden war.

1989 wechselte die Mannschaft des TSV 1860 geschlossen zum TSV Milbertshofen.
Der Name 1860 kehrte 2021 durch die Kooperation mit dem TSV Unterhaching zumindest vorübergehend wieder in die Bundesliga zurück. Heute wird Volleyball beim TSV 1860 nicht mehr als Bundesliga-Leistungssport betrieben – die vier Meisterschaften und fünf Pokalsiege bleiben aber Teil der großen Sportgeschichte der Löwen. Die Kooperation mit dem TSV Unterhaching wurde im Sommer 2026 beendet.

Volleyball Bundesliga TSV Haching München
Die Volleyballer des TSV Haching München traten in der Saison 21/22 in der 1. Bundesliga an.

Und dann ist da noch Josef Straßberger…

Wer sich mit Olympia bei den Löwen beschäftigt, der kommt an Josef Straßberger nicht vorbei.
Der 1894 in Kolbermoor geborene Gewichtheber startete für den TSV 1860 und dominierte über Jahre hinweg die deutsche Schwergewichtsklasse. 1928 reiste er zu den Olympischen Spielen nach Amsterdam und gewann dort Gold. Damit wurde Straßberger zum ersten Olympiasieger der Löwengeschichte. Vier Jahre später trat er in Los Angeles erneut an und holte Bronze.
Straßberger war allerdings nicht der einzige erfolgreiche Gewichtheber der Löwen. Hans Wölpert gewann – im Federgewicht – 1928 Bronze, 1932 Silber und wurde 1933 Weltmeister.

Und noch eine kuriose Verbindung gibt es: Josef Straßberger war von 1929 bis 1945 sogar Wirt des Vereinsheims des TSV 1860 in der Auenstraße. Nach dem Zweiten Weltkrieg leitete er dann die Sportschule Grünwald. Im Olympischen Dorf in München erinnert bis heute eine nach ihm benannte Straße an den ersten Olympiasieger der Löwen. Die bewegte und bewegende Lebensgeschichte Straßbergers, die unter anderem zwei Weltkriege umfasste, hat sein Enkel Andreas Lechner in dem sehr lesenswerten im Jahr 2019 veröffentlichten Roman “Heimatgold” niedergeschrieben.

Olympische Medaillen: Die Löwen waren schon früh dabei

In unserer Vereinsgeschichte finden wir bislang acht durch Athleten des TSV 1860 gewonnenen Medaillen. Begonnen hat das Ganze mit den Gewichthebern und es endet – vorerst – bei den Winterspielen.

Josef Straßberger: Gold 1928, Bronze 1932 im Gewichtheben
Hans Wölpert: Bronze 1928, Silber 1932 im Gewichtheben
Rosa Kellner: Bronze 1928 in der Leichtathletik mit der 4×100-m-Staffel
Innozenz Stangl: Gold 1936 im Turnen
Marina Kiehl: Gold 1988 in der Alpinen Ski-Abfahrt (Winterspiele)
Linus Straßer: Silber 2022 im alpinen Mannschaftswettbewerb (Winterspiele)

Olympische Teilnehmer*innen des TSV 1860

“Dabei sein ist alles!” Diesem (olympischen) Gedanken folgend, listen wir an dieser Stelle zum Abschluss unserer dreiteiligen Serie alle Olympiateilnehmer*innen auf, die für den TSV 1860 in der Vergangenheit an den Start gegangen sind. Die Liste reicht von den frühen Leichtathleten über Boxer, Gewichtheber und Turner bis zu den Skirennfahrer*inen.

Sportler/in

Olympische Spiele

Sportart / Disziplin

Otto Bäurle 1912 Stockholm Leichtathletik – Dreisprung, Fünfkampf
Hermann von Bönninghausen 1912 Stockholm Leichtathletik – 110 m Hürden
Erwin Kern 1912 Stockholm Leichtathletik – 100 m, 4×100 m
Emil Ketterer 1912 Stockholm Leichtathletik – 100 m
Josef Waitzer 1912 Stockholm Leichtathletik – Diskus, Speer, Fünfkampf, Kugelstoßen, Zehnkampf
Rosa Kellner 1928 Amsterdam Leichtathletik – 4×100 m
Josef Hornauer 1928 Amsterdam Fußball
Josef Straßberger 1928 Amsterdam, 1932 Los Angeles Gewichtheben – Schwergewicht
Hans Wölpert 1928 Amsterdam, 1932 Los Angeles Gewichtheben – Federgewicht
Wilhelm Heyn 1936 Berlin Leichtathletik – 3.000 m Hindernis
Innozenz Stangl 1936 Berlin Turnen
Hubert Egger 1952 Oslo Skilanglauf
Heinrich Bierling 1952 Oslo Ski alpin – Slalom
Heinz Schattner 1952 Helsinki Gewichtheben – Schwergewicht
Josef Schuster 1952 Helsinki Gewichtheben – Bantamgewicht
Almut Brömmel 1956 Melbourne, 1960 Rom Leichtathletik – Speerwurf, Diskuswurf
Kreszentia Kopp 1956 Melbourne, 1960 Rom, 1964 Tokio Leichtathletik – 80 m Hürden
Walter Konrad 1956 Melbourne Leichtathletik – 10.000 m
Erika Strößenreuther 1960 Rom Leichtathletik – Speerwurf
Dieter Urbach 1960 Rom Leichtathletik – Kugelstoßen
Martha Pensberger 1960 Rom, 1964 Tokio Leichtathletik – 4×100 m
Martin Jellinghaus 1968 Mexiko-Stadt, 1972 München Leichtathletik – 200 m, 400 m, 4×400 m
Inge Schell 1968 Mexiko-Stadt Leichtathletik – 80 m Hürden
Rainer Schubert 1968 Mexiko-Stadt, 1972 München Leichtathletik – 400 m Hürden
Ingomar Sieghart 1968 Mexiko-Stadt, 1972 München Leichtathletik – Hochsprung
Helga Matschkur 1968 Mexiko-Stadt Turnen
Karen Mack 1972 München Leichtathletik – Fünfkampf
Josef „Sepp“ Schwarz 1972 München Leichtathletik – Weitsprung
Klaus-Dieter Buschle 1972 München Volleyball
Bernard Endrich 1972 München Volleyball
Anton „Toni“ Rimrod 1972 München Volleyball
Wolfgang Simon 1972 München Volleyball
Hans-Dieter Seelmann 1972 München Fußball – nicht eingesetzt
Edeltraud Schubert 1976 Montreal Turnen
Marina Kiehl 1984 Sarajevo, 1988 Calgary Ski alpin
Linus Straßer 2018 Pyeongchang, 2022 Peking, 2026 Mailand-Cortina Ski alpin
Celia Funkler 2018 Pyeongchang Skicross – nicht angetreten
Magomed Schachidov 2024 Paris Boxen – Halbmittelgewicht

 

0 0 votes
Artikelbewertung
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Newest
Oldest Most Voted