Bevor die dritte Liga am Wochenende wieder startet, blicken wir dieses Mal nicht auf einen der kommenden Gegner, sondern auf unseren Herzensverein aus München. Diese Idee schwirrte schon länger durch die Redaktion und nachdem unter einem der letzten Artikel über die Kontrahenten des TSV ein solcher Artikel angefragt wurde, wird dieses Unterfangen nun in die Tat umgesetzt. Im Folgenden sollen die wichtigsten Informationen rund um den Turn- und Sportverein München von 1860 e.V. zusammengetragen werden, es besteht aber kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Hardcore Fans und Geschichtsnerds unter uns können diesen Artikel wohl eher getrost überspringen, richtet er sich eher an die Löwenfans oder Gäste, welche ihr Basiswissen rund um Münchens große Liebe auf- und ausbauen wollen.

Aktuelles – Die Ausgangssituation

Nach gutem Saisonstart und einem katastrophalen Durchhänger zum Ende der Ära Patrick Glöckner, stehen die Löwen in der Winterpause gut da. Mit 30 Punkten und Platz 8 ist man in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen und nur vier Punkte von der Relegation entfernt. Die Tordifferenz ist bei 29:29 ausgeglichen und sieht die Löwen sowohl im Offensiv- als auch Defensivbereich im gehobenen Ligadurchschnitt. Nach unten steht man aktuell komfortabel mit neun Punkten Puffer auf die Abstiegsränge da.

Insbesondere daheim präsentiert man sich in dieser Spielzeit sehr stark und ist mit 20 Punkten aus 10 Spielen auf Platz drei im Ligavergleich. Auswärts sieht es dagegen um einiges schlechter aus. Aus neun Spielen konnten nur 10 Punkte geholt worden, was Rang 14 bedeutet. Verkehrte Welt im Vergleich zur letzten Saison, in der die Löwen zu Beginn hauptsächlich in der Fremde punkteten.

Trotz der Niederlage im letzten Spiel vor der Weihnachtspause gegen Verl – der ersten Heimniederlage unter Markus Kauczinski – zeigt die Formkurve steil nach oben. Aus den letzten fünf Pflichtspielen wurden 12 Punkte geholt und wichtige Zähler gegen Mannschaften aus den unteren Tabellenregionen erzielt. Nach schwankenden Leistungen zu Beginn läuft es nun rund unter dem neuen Trainer, der mit einem Schnitt um die zwei Punkte aufwarten kann. Wenn man diese Statistik halten kann, ist im Rennen um die vorderen Plätze mit den Löwen zu rechnen.

Kader & Transfers

Viel hat sich getan im Sommer bei den Münchner Löwen. Die erhoffte Kontinuität gab es nicht, dafür aber einige Überraschungen. Die letzte war die Doppelentlassung neben dem Platz, als nicht nur Trainer Patrick Glöckner sondern auch Geschäftsführer Dr. Christian Werner gehen musste. Auf dem Rasen gab es 15 Abgänge und 15 Zugänge, von denen außer eventuell Sigurd Haugen niemand Ablöse kostete.

Abgänge

Einnahmen konnte man auch nur für einen Spieler generieren, nämlich für Lukas Reich (18, RV), der für 500.000€ nach Fürth wechselte. Außerdem verließen die Löwen Julian Guttau (25, OM) in Richtung Aue und Urgestein Marco Hiller (28, TW) gen Eupen in die zweite belgische Liga. Daneben wurde eine ganze Reihe junger Spieler abgegeben, denen man den Durchbruch nicht mehr zutraute. Tim Kloss (21, IV) zählt nun bei der Kölner Viktoria zum Stammpersonal, Raphael Ott (19, OM) tut sich an gleicher Adresse ungleich schwerer. Erion Avdija (21) ist in der Vorstadt unter Sven Bender Stammtorhüter, während Moritz Bangerter (21, ZM) nach seiner Verletzung in Burghausen bei Lars Bender in der erweiterten Stammelf Fuß fassen konnte.

Zugänge

Auf dem Papier wurden die Abgänge mehr als adäquat ersetzt. Den Reigen der Neuverpflichtungen eröffnete mit Rückkehrer Kevin Volland (33, OM) von Union Berlin ein richtiger Kracher. Darauf folgte mit Florian Niederlechner (35, MS) von der Hertha ein weiterer Rückkehrer. Mit Thomas Dähne (32) ersetzte ein bundesligaerfahrener Bayer von Holstein Kiel den Publikumsliebling Hiller. Im Sturm holte man aus Rostock über Aarhus aus Dänemark den norwegischen Stürmer Sigurd Haugen (28), der seine Qualität mit bereits sieben Toren unter Beweis stellte.

Außerdem wurden aus der U19 fünf weitere Spieler hochgezogen, von denen sich mit Clemens Lippmann (19, AV) bereits ein Youngster in der Startelf festsetzen konnte. Daneben finden sich im breiten, aber vom Verletzungspech gebeutelten Kader noch Leistungsträger wie Sean Dulic (20, IV), der etatmäßige Kapitän Jesper Verlast (29, IV) oder Mittelstürmer Patrick Hobsch (31, MS), der den Verein im Sommer fast verlassen hätte.

Vereinsgeschichte

Auch die Geschichte der Münchner Löwen beginnt turbulent, muss der Verein doch zweimal gegründet werden. Die Erstgründung erfolgte am 15. Juli 1848 in der Buttler’schen Brauerei zum bayerischen Löwen, als man den Münchner Turnverein (MTV) aus der Taufe hob. Im Zuge der Niederschlagung der März-Revolution wurden aber viele Turnvereine wieder verboten, so auch der MTV am 06. Juli 1850.

Am 17. Mai 1860 wagte man dann die Neugründung. Um das noch bestehende Verbot zu umgehen, nannte man sich zuerst Verein zur körperlichen Ausbildung. Ab 1862 kehrte man wieder zum ursprünglichen Namen zurück, der dann 1866 in Turnverein München geändert wurde. Der Klub wuchs beständig und war 1900 mit über 1700 Mitgliedern der größte Turnverein Münchens. Aus den meist bürgerlichen Mitgliedern entstanden mit der Zeit andere Sparten (u.a. Sängerkreis, Hauskapelle, Schwimmen, und Fechten). Turnen blieb aber bis zur Gründung der Spielriege (in Anlehnung an die Riegen beim Turnen) im Jahre 1899 die einzige Abteilung.

Der erste Turnplatz befand sich an der Müllerstraße in der Isarvorstadt, ehe man eine Halle inklusive Schwimmbad in der Jahnstraße unterhielt. Diese Halle musste dem Straßenbau weichen, weshalb man 1890 ein eigenes Gelände an der Auenstraße bezog. In der 1899 gegründeten Spielriege wurde zu Beginn nicht nur Fußball gespielt, dieser nahm aber bald die Hauptrolle ein.

Ab 1900

Ihr erstes Spiel trugen die Fußballer, welche bald rechts der Isar beim Schyrenbad trainierten, am 7. Juli 1902 gegen den 1. Münchner FC von 1896 aus und verloren 2:4. Neben der Aufnahme vieler weiterer Sportarten in den Verein, erfolgte im Jahre 1911 eine der prägendsten Veränderungen. Der Löwe löste das Turnerkreuz als Wappen ab und ist bis heute geblieben. Im gleichen Jahr zog man an den heutigen Standort des GWS, nachdem man zuvor noch auf einer Wiese am Alpenplatz gekickt hatte.

Auch in dieser Zeit sah man sich im Gegensatz zu heute noch als bürgerlicher Musterverein, der die besser gestellten der Gesellschaft vereinte. Viele Vereinsmitglieder wurden im ersten Weltkrieg zum Militär eingezogen, sodass das Vereinsleben bis Kriegsende heruntergefahren wurde und erst 1919 wieder vollumfänglich aufgenommen wurde.

Nach dem Krieg wuchsen die Mitgliederzahlen kontinuierlich weiter und im Jahre 1919 fanden schließlich auch die anderen Sportarten im Vereinsnamen Erwähnung. Von nun an firmierte man als Turn- und Sportverein München von 1860. Im Zuge der “reinlichen Scheidung” von Turnerbewegung und anderen Sportlern wurde der Klub in zwei Teile getrennt, welche durch einen gemeinsamen Verwaltungsrat verbunden waren: den SV München von 1860 und den Turnverein München von 1860.

In der Weimarer Republik konnte man in vielen Sportarten wie Leichtathletik, Turnen und Stemmen große Erfolge verbuchen. Auch die Fußballer verbuchten in diesen Jahren zum ersten Mal überregionale Erfolge und erreichten zwischen 1927 und ’33 zweimal das Semi- und einmal das Finale um die deutsche Meisterschaft. Im Zuge der sich zuspitzenden wirtschaftlichen Lage kamen Verein und Mitglieder vor Beginn der Nazizeit das erste Mal in finanzielle Nöte.

NS-Zeit und 2. Weltkrieg

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der Turnverein gleichgeschaltet: NS-nahe Funktionäre übernahmen die Spitzenämter, das Führerprinzip wurde eingeführt und 1934 der Turn- und Sportverein München von 1860 wieder gegründet. Mit der Einheitssatzung von 1935 wurde auch der “Arierparagraph” umgesetzt und jüdische Mitglieder ausgeschlossen. Der Verein stand bis 1945 unter der Leitung von NSDAP- und SA-Funktionären. 1937 rettete die Stadt durch den Kauf des Stadions den Verein vor dem finanziellen Ruin.

Sportlich erzielte der Verein bis 1939 große Erfolge in Leichtathletik, Gewichtheben und Turnen, darunter olympisches Gold 1936. Während des Krieges kam der Sportbetrieb weitgehend zum Erliegen, einzig der Fußball lief weiter und die Löwen gewannen 1942 den Tschammer-Pokal. Luftangriffe zerstörten ab 1943 Stadion und Vereinsanlagen, bei Kriegsende 1945 lagen diese weitgehend in Trümmern.

Nach dem Krieg

Nach Kriegsende wurde das Grünwalder Stadion rasch notdürftig instandgesetzt, sodass bereits 1945 wieder Ligaspiele stattfanden. Ein Zuschauerrekord von über 58.000 Besuchern wurde 1948 gegen Nürnberg erreicht. Parallel baute der Verein mit Mitgliederspenden das Vereinsheim an der Auenstraße wieder auf.

Prägende Figur der Nachkriegszeit war Präsident Adalbert Wetzel, der den Verein auch finanziell stark unterstützte. Sportlich dominierten vor allem Leichtathleten, Turner und Faustballer mit zahlreichen deutschen Meisterschaften sowie internationalen Erfolgen. Die Fußballer taten sich schwer und stiegen mehrfach ab, stabilisierten sich aber Ende der 1950er Jahre. Neue Abteilungen wie die Kegelabteilung entstanden und 1960 feierte der Verein sein 100-jähriges Bestehen u.a. mit einem Spiel gegen den FC Santos um Pelé.

Die goldenen Jahre der Ballsportarten

Die 1960er Jahre waren die erfolgreichste Phase der Fußballer des TSV 1860. Mit Trainer Max Merkel gelang 1963 der Bundesligaaufstieg und 1964 der DFB-Pokalsieg. 1965 erreichte man das Finale im Europapokal der Pokalsieger und 1966 die Deutsche Meisterschaft. Danach folgte ein sportlicher Niedergang bis zum Abstieg 1970. In den 1970er Jahren pendelte der Verein zwischen erster und zweiter Liga. 1982 entzog der DFB wegen finanzieller Probleme in der 2. Liga die Profilizenz, was den Absturz in die drittklassige Bayernliga bedeutete.

Parallel war der TSV 1860 auch in anderen Sportarten erfolgreich: Basketball und Volleyball gehörten zu den Gründungsmitgliedern ihrer Bundesligen, wobei vor allem die Volleyballer zahlreiche Meisterschaften und Pokalsiege feierten. Zudem entstanden neue Abteilungen wie Tanzsport, Karate, Tennis und Wassersport. Überschattet wurden diese sportlichen Entwicklungen jedoch von anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten.

Ab den 80ern und die Ära Wildmoser

Nach dem Lizenzentzug 1982 war der TSV 1860 erstmals drittklassig und kämpfte jahrelang mit finanziellen sowie personellen Umbrüchen. Erst unter Karl-Heinz Wildmoser und Trainer Werner Lorant gelang ab 1992 der sportliche Neuanfang mit dem historischen Durchmarsch von der Bayernliga in die Bundesliga. Dort hielten sich die Löwen von 1994 bis 2004, mit dem Höhepunkt 1999/2000 (4. Platz, Derbysiege gegen Bayern) und stark wachsender Mitgliederzahl.

Die Ära Wildmoser war sportlich erfolgreich, aber wirtschaftlich und strukturell umstritten, was die Fanszene bis heute spaltet. Entscheidungen wie der Umzug ins Olympiastadion, der Bau der Allianz Arena und die Ausgliederung des Profifußballs prägten den Verein nachhaltig. 2004 führten Bestechungsvorwürfe zum Rücktritt Wildmosers, kurz darauf folgte der erneute Bundesligaabstieg. Parallel feierten andere Abteilungen Erfolge, insbesondere im Skisport mit Olympiagold und WM-Titel, sowie ein Wiederaufleben des Boxsports.

In die Arena und zurück

Nach dem Ende der Ära Wildmoser und dem Bundesliga-Abstieg geriet der TSV 1860 München (im Fußball) in sportlich und wirtschaftlich schwierige Zeiten. Der Umzug in die Allianz Arena verschärfte die Finanzprobleme, da die Hoffnungen auf die Rückkehr in die Bundesliga nicht erfüllt wurden.

2011 stieg dann Hasan Ismaik ein – ein Kapitel, das gesondert behandelt werden muss (z.B. in der Doku Rise & Fall des BR). 2017 folgte über die Relegation der Abstieg in die 3. Liga und wegen finanzieller Probleme sogar der Zwangsabstieg in die Regionalliga. 2018 gelang der direkte Wiederaufstieg und man ist bis heute in Liga 3 verblieben. Positiv hervorzuheben ist die starke Nachwuchsarbeit sowie der Aufbau einer Frauenfußball-Sparte.

Abseits des Fußballs feierte der Verein große Erfolge, etwa im Ski Alpin mit Linus Straßer, im Rollsport mit den Munich Rolling Rebels, im Boxen und im Behindertensport. Zudem wurden zahlreiche neue Abteilungen gegründet u.a. Vereinsgeschichte und jüngst Radsport. Im letzten Jahr bestimmte die Posse um den geplatzten Verkauf der Anteile von Hasan Ismaik die Geschichte eines Vereins, dem eine von vielen schwierigen Aufgaben geprägte Zukunft bevorsteht!

Verein

Der TSV München von 1860 e.V. vereint über 27.000 Mitglieder unter den Farben grün und gold – weiß und blau sind “nur” die Farben der Fußballabteilung. Eine Aufzählung der über 50 Sportarten und Angebote erspare ich euch hier, die neusten Zugänge sind die Rugbysparte innerhalb der Fußballabteilung und die mittlerweile zur Abteilung gewachsenen Radsportler.

Geführt wird der Verein von einem Präsidium, das aktuell einen Präsidenten und drei Vizepräsidenten umfasst. Als Kontrollgremium fungiert der Verwaltungsrat, der normalerweise neun Mitglieder umfasst. Die Profifußballer sind in die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA ausgegliedert. An der KGaA ist Investor Hasan Ismaik über seine Holding mit 60% beteiligt.

Die Geschäftsführungs-GmbH, welche die Leitung der Geschäfte der KGaA inne hat, ist zu 100% in Besitz des Vereins. Hierüber wird auch die 50+1 Regel eingehalten. Ein wichtiges Gremium ist außerdem der Aufsichtsrat der KGaA, welcher aus sechs Mitgliedern besteht und über das Budget des Profibetriebs entscheidet. Den Vorsitz, der in Patt-Situationen ein doppeltes Stimmrecht besitzt, hat immer eine von Seiten des Investors im Gremium installierte Person inne.

Fanszene

Geschichte

Die Fanszene der Münchner Löwen ist traditionell in der Westkurve des Grünwalder Stadions beheimatet. In den Ausweichquartieren platzierte man sich im Norden der jeweiligen Sportstätten. Die Geschichte des ultranahen Supports beginnt mit der Gründung der Chaoten im Jahre 1996, also Mitte der 90er Jahre in der Nordkurve des Olympiastadions. Ihre Zaunfahne ist seit der Rückkehr ins Grünwalder wieder recht regelmäßig bei Spielen des TSV zu sehen ist, bei Heimspielen meistens oben an der Stehhalle, Block L. Das Zepter übernahm nach der Jahrtausendwende die 2001, u.a. aus ehemaligen Mitgliedern der Chaoten, gegründete Cosa Nostra (CN), welche in der Folge zur Hauptgruppe avancierte. 2008 kamen dann noch die Giasinga Buam (GB) hinzu, die sich als zweite Kraft etablierten.

Nach dem Einstieg Hassan Ismaiks boykottierte die CN erstmal den Support in der Arena und saß daraufhin im Mittelrang: “Es ist mit unserem Verständnis von Fußball und Fandasein schlicht und einfach nicht vereinbar, dieses Konstrukt mit Stimmung und choreographischen Elementen zu bedienen”. Die Führungsrolle ging hierdurch erstmal an die GB über. Die Cosa Nostra beendete Ende 2014 ihren Boykott und man stand wieder gemeinsam in der Nordkurve.

Ein bewegtes letztes Jahrzehnt

Im Juni 2016 entschied die CN aus der Gesamtsituation im Verein Konsequenzen zu ziehen und gab ihre Auflösung bekannt. Als die Buam die Kurve nun wirklich “allein” in die Zukunft führen sollten, passierte die Katastrophe. Ihre Zaunfahne wurde nach einem Testspiel von Mitgliedern der Fanszene aus der Seitenstraße entwendet, was die Auflösung der Giasinga Buam zur Folge hatte. Übrig blieb eine Fanszene mit vielen kleinen Gruppen, wie sie heute auch noch existiert. Ab 2017 versuchte man als Dachverband aller aktiven Gruppen Münchner Löwen (ML) die Arbeit in der Kurve weiterzuführen, doch wie so oft bei Sechzig scheiterte dies nach einigen Jahren an internen Unstimmigkeiten.

Nach dem Ende der ML zu Saisonende 22/23 flaggten alle Gruppen zwischenzeitlich wieder individuell an (plus einer alten Sechzig München-Zaunfahne aus CN-Zeiten), bis zur Saison 24/25 ein großes Westkurve 1860 München Banner enthüllt wurde, hinter dem sich die aktive Fanszene bei Heim- und Auswärtsspielen präsentiert. Bei Heimspielen werden im Block noch die Gruppenfahnen angebracht, während diese bei Auswärtsspielen nicht mehr präsent sind (nur Jugend-Überhänger). Außerdem ist in der Fremde allgemein hauptsächlich vereinsbezogenes Tifomaterial im Einsatz.

Aktive Fanszene

Die aktive Fanszene steht bei Heimspielen in den Blöcken G und H. In Block G stehen die Gruppen Panzerknacker (PK), Münchner Freiheit (MF), Boazn Sport (BSP), Drunkarts (DKS) und Freitag. In Block H sind aktuell die Blue Blood Fanatics (BBF) und Comitiva 90 (CTA) beheimatet. Bis zur letzten Saison standen dort auch noch Sechzig im Allgäu (SiA), deren Fahnen aber mittlerweile nicht mehr zu sehen sind. Eine Führungsrolle innerhalb der Szene nehmen augenscheinlich, neben Einzelpersonen, die Gruppen PK und BBF ein, die bei Heim- und Auswärtsspielen den Großteil der Vorsänger stellen. Als gruppenübergreifende Jugendgruppe fungiert Münchens Jugend mit dem blauen Pumuckl als Symbol.

Mit dem Mein Verein für alle Zeit Kollektiv gibt es auch einen Förderkreis, bei dem Mitglieder mit einem Jahresbeitrag die Kurvenarbeit unterstützen können. Außerdem können Mitglieder an vom Kollektiv organisierten Auswärtsfahrten teilnehmen und erhalten Zugang zu exklusiven Merch-Artikeln. Anmeldungen hierzu können beim Fantreff vorgenommen werden, den die Westkurve gemeinsam mit dem Fanprojekt an Spieltagen vor Anpfiff am Candidplatz veranstalten. Karitatives Engagement gibt es auch immer wieder, meist situativ bedingt, mit dem Adventskalenderverkauf vor Weihnachten hat sich aber mittlerweile auch eine traditionelle Aktion etabliert.

Als öffentliches Organ der Szene fungiert das Stadionheft Da Brunnenmiller (Kofferwort aus Brunnenmeier und Miller), das von einer Redaktion bestehend aus aktiven und ehemaligen Szenemitgliedern sowie szenenahen Fans produziert wird und zu jedem Heimspiel erscheint. In seinem Umfang und der Druckqualität sucht er als Spieltagspublikation in Deutschland seines gleichen. Abseits davon gibt es aber (leider) keine Fanzines bzw. Jahresrückblicke der Gruppen, wie man es aus vielen anderen Fanszenen kennt. Kurvenfotos und weitere Infos gibt es außerdem auf der alten Website der ML: muenchnerloewen.de.

Freund…

Freundschaften gibt es in der Fangemeinde auf verschiedenen Ebenen. Die große Freundschaft außerhalb der Ultraszene ist die zu den Fans des 1. FC Kaiserslautern, insbesondere bei Auswärtsspielen im Westen sind immer viele Lauterer mit Trikots oder Schals im Gästeblock vertreten. Früher wurde diese Verbindung auch ganz offiziell auf Ultraebene gelebt, die Giasinga Buam waren mit der Generation Luzifer, einer der führenden Gruppen am Betzenberg, befreundet. Diese Verbindung wird heute noch von der CTA aufrechterhalten, jedoch nicht mehr so offen im Stadion gelebt.

Die einzige “offiziell” mit Gäste-Überhänger gelebte Freundschaft ist die zu den Ingrifati vom AC Perugia (aktuell Serie C). Diese entstand ab Mitte der 2000er aus Einzelkontakten reisefreudiger Löwenfans, wurde auf Ultraebene dann von Münchner Freiheit übernommen und wird heute hauptsächlich von MF und PK aufrechterhalten.

Seit der Zeit der Cosa Nostra gibt es freundschaftliche Kontakte zur Banda di Amici (BDA) nach Nürnberg, heute werden diese von den Panzerknackern, aber auch Jugend, BSP, DKS und Freitag weitergetragen. Besonders eng ist außerdem die etwas jüngere Freundschaft zwischen BBF und der Kaos Bagage Nürnberg (KBN). Weiters existieren noch Einzelkontakte zu Rapid Wien, hier stehen die PK mit den Green Lions in positiver Verbindung. Viele Szene(nahe)-Personen verstehen sich außerdem gut mit der Sektion Auswärtsfahrt (SAF) und haben lose Kontakte in den Rest des Block West.

Die Hooligantruppe der Löwen unterhält eine langfristige Verbindung zu Gleichgesinnten um den Verein Metalist Charkiw aus der Ukraine, aber auch Beziehungen zu den Hooligans von Aachen und Bielefeld. Sonst gibt es noch lose Kontakte von CTA und DKS zu den Castaways (CA) vom HSV und aus CN-Zeiten sind einzelne Verbindungen nach Neapel übriggeblieben.

…und Feind

Feindschaften gibt es natürlich zum roten Stadtrivalen und all seinen Freunden, wobei hier insbesondere Bochum, Carl-Zeiss Jena, aber auch St. Pauli zu nennen sind. Sonst beruht die Abneigung zum Waldhof aus Mannheim auf Gegenseitigkeit, die Freundschaft zum FCK ist da natürlich nicht förderlich. Die sonstigen (süd-)bayerischen Lokalrivalen (FCA, FCI, Haching, Jahn, Wacker) werden nicht wirklich ernstgenommen.

Fanclubs und Initiativen

Des Weiteren existieren in der “erweiterten Fanszene” einige Faninitiativen wie die Löwenfans gegen Rechts (LfgR), Pro1860 (Pro), Freunde des Sechzgerstadions (FdS) oder Sechzig im Sechzger (SiS). Überdurchschnittlich viele Anhänger sind auch in klassischen Fanclubs organisiert, von denen beim Verein weit über 200 registriert sind. Der erste noch aktive Fanclub, der 1. TSV 1860 Fanclub Frauenbiburg e.V., wurde 1965 gegründet.

Diese tragen auch maßgeblich zur kreativen Stickerkultur bei Sechzig München bei, die in ihrer Vielfalt im In- und Ausland ihresgleichen sucht. Wo in anderen Kurven die Ultraszene quasi ein Monopol auf die Aufkleberproduktion hat, produzieren bei den Löwen auch sehr viele Fanklubs und Einzelpersonen Sticker, die oft selbstironische und lustige Motive tragen. Besonders tun sich hier Fanclubs wie die Sexikaner, die Cabrio Löwen oder Sektion Besen hervor.

Stadion

Die Löwen spielen aktuell wieder in ihrer traditionellen Heimat am Giesinger Berg, zwischen Grünwalder Straße und Candidplatz. Das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße, im Volksmund auch Sechzgerstadion genannt, war aber nicht immer in Händen der Kommune.

Im Jahre 1911 wurde das Gelände von 1860-Vizepräsident Wilhelm Hilber gepachtet und eine Holztribüne aufgestellt. Getauft wird der Sportplatz auf den Namen TV 1860-Stadion. Der spätere Präsident Heinrich Zisch soll hier auch schon maßgeblich beteiligt gewesen sein. 1922 erwirbt der Verein das Grundstück für 700.000 Reichsmark und nimmt in der Folge Neubauten der Tribünen vor. So entstehen eine kleinere Haupttribüne und die erste Stehhalle für 25.000 Besucher. Das größte Stadion Süddeutschlands hatte damit eine Kapazität von ca. 35.000 Plätzen.

1927 wird das Stadion nach dem früheren 1860-Präsidenten Heinrich Zisch (seit 1924 Vorsitzender des SV 1860, ab 1929 parallel dazu auch des TV 1860) benannt, an den heute der Weg vom Ende der Wirtstraße über die Stadionbrücke bis zur Ecke Harlachinger/Volckmerstr. hinter der Westkurve erinnert.

Zehn Jahre später sind die Löwen das erste Mal in großer Geldnot und müssen das Stadion für 357.560 Reichsmark an die Stadt München verkaufen. Daraufhin erfolgten eine Generalsanierung und eine Umbenennung in Städtischer Sportplatz an der Grünwalder Straße. 1941 wird das Stadion in Hanns-Braun-Kampfbahn umbenannt und während des Krieges von zwei Fliegerangriffen getroffen.

Nach dem 2. Weltkrieg

Nach Kriegsende wird der Spielbetrieb 1945 wieder aufgenommen und das Stadion erhält seinen heutigen Namen. Der Wiederaufbau dauert aber weiterhin an und wird erst 1951 fertiggestellt. Nachdem die beiden Längstribünen nach ihren alten Vorbildern aus 1925 wiedererrichtet waren, wurden bis 1959 die beiden Kurven gebaut und eine Fluchtlichtanlage errichtet.

Nach mehreren gröberen Schäden an den Tribünen wird die Stelle 1978/79 abgerissen und die heute noch bestehende Sitzplatztribüne errichtet. Ab Beginn der 1990er Jahre wurden dann die Gitterzäune in der Westkurve eingezogen und das Stadion sonst sich selbst überlassen. Nach großem Protest der Löwenfans bekannte sich die Stadt 2009 zum Erhalt der Sportstätte und es folgte 2012/13 die Modernisierung der Haupttribüne. Außerdem wurde die Ostkurve abgerissen und durch die heutigen Gästebereiche P/Q, sowie den Polizeiturm am Eck zur Stehhalle ersetzt. Bis 2012 war im GWS übrigens baurechtlich noch eine Kapazität von 30 100 Zusehenden genehmigt.

In Folge einer Teilsperrung der Westkurve (J+F) waren im Anschluss nur noch 10.000, später dann 12.500 Zuseher*innen zugelassen. Im Zuge des Abstiegs wurde dann der Bedarf nach mehr Platz drängend. Zur Rückkehr in die dritte Liga wurde nach Sanierungsarbeiten wieder die gesamte Westkurve freigegeben und von der Stadt München eine Kapazität von 15 000 festgelegt. Der Großteil sind weiterhin Stehplätze unter freiem Himmel.

Trivia – Unnützes Wissen

  • Das GWS ist das älteste Stadion in München.
  • Im 19. Jhdt. unterhielt der TSV eine eigene Freiwillige Feuerwehr.
  • Als erster Verein Münchens bot man ab 1888 das Turnen auch für Frauen ab 16 an, Mädchenturnen sogar ab 1862.
  • Die Schlagballmannschaft holte von 1923 bis 1929 siebenmal in Folge den deutschen Meistertitel.
  • 1860-Leichtathletin Zenta Gastl lief 1956 einen Weltrekord über 80 Meter Hürden.
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MaxlWastl

Danke Peter!

D.Pest

Aber hallo, wenn das kein Grund ist, sich mal wieder zu melden. Habe der Einfachheit halber meinen alten Nick aus Löwenfreun.de bzw. Löwenforum wieder raus gekramt.

Congratulation für die sehr gelungene App!

Ich lese hier schon sehr lange mit und dachte mir oft, wie würde eine Gegnervorstellung Sechzig beschreiben. 
Kompliment, sehr gelungen.

Zu Pauli muss man auch sagen, dass wir „Alten“ schon auch geniale Abstürze (speziell 90er) mit denen hatten. 
Die aktuelle Kungelei mit den Müllbergkindern ist natürlich absolut widerlich.

Also nochmals Glückwunsch zur gelungenen App..hat mich  dazu gebracht, doch mal wieder – ab und zu  – meinen Senf beizusteuern.

Grüße D.Pest

Lexi

Geil! Letztens erst drum gebeten, danke Peter! 😁🙏