Einen Tag nach dem 1:1-Unentschieden zum Rückrundenstart gegen Rot-Weiss Essen dürfte die Mehrzahl der Löwen-Fans zufrieden aufgewacht sein. Mit einer starken kämpferischen Vorstellung holten sich die Sechzger trotz elf (!!!) Ausfällen gegen den selbsternannten Aufstiegsaspiranten aus dem Westen der Republik einen verdienten Zähler. Entscheidend dafür waren neben der Moral und dem Willen der Hausherren zwei Faktoren: Die enorme Breite im Kader und die gute Nachwuchsarbeit der Talentschmiede TSV 1860 München.
Treffende Analyse von Coach Kauczinski
In der Löwenrunde am Freitag hatte Coach Markus Kauczinski zwei bemerkenswerte Aussagen gemacht. Zum einen sagte er, dass er sich auf “die Jungen” freut und dass es keinen Sinn mache, irgendwelche Transfers zu tätigen, um kurzfristige Engpässe aufzufangen. O-Ton: “Sonst haben wir wenn wieder alle fit sind sieben Innenverteidiger im Kader und dann beschweren sich alle, warum die Spieler aus dem Nachwuchs keine Chance bekommen”. Wie recht er haben sollte mit der nächsten Aussage, man könne trotz der Ausfälle “immer noch eine gute Mannschaft aufbieten“, zeigte sich schon am Tag danach.
Sogar ein Sieg wäre drin gewesen
Während die meisten Drittligisten angesichts von elf Ausfällen wohl Probleme gehabt hätten überhaupt anzutreten, war den Löwen auf dem Rasen kaum anzumerken, wie viele Umstellungen es gegeben hatte. Mit etwas Glück wäre sogar ein Sieg drin gewesen. Klar, die Chancen waren rar, aber sie waren da. Der Kopfball von Hobsch hätte mit etwas Glück reinfallen können, der Freistoß von Volland schrammte nur knapp über den Kasten und ein möglicher Elfer nach dem Schubser an Volland wäre eine weitere gute Gelegenheit gewesen. Wobei ich auch nach Ansicht der TV-Bilder bei meiner Meinung aus dem Stadion bleiben: Den muss man nicht pfeifen, geben kann man den Strafstoß aber natürlich.
Die Breite im Kader zahlt sich aus
Wie es den Löwen gelungen ist, die Ausfälle von so vielen Leistungsträgern zu kompensieren, ist erklärbar. In solchen Phasen zahlt sich die Kaderplanung aus. Unkenrufe gab es vor der Saison genug, der Kader der Löwen sei viel zu groß. Dass dieser Kader in der aktuellen Form Sinn macht, zeigte das gestrige Spiel, denn die Sechzger sind auf fast jeder Position dreifach besetzt. Und welches andere Team hätte in solchen Situationen sogar noch erfahrene Spieler auf der Bank wie einen Rittmüller, einen Danhof oder einen Wolfram. Klar kostet ein solch breiter Kader auch Geld und Spielzeit für den einen oder anderen Akteur. Dennoch kommen Talente aus dem Nachwuchs, vor allem unter Kauczinski, immer wieder zu ihrer Chance und damit sind wir bereits beim zweiten Grund.
Die Nachwuchsarbeit zahlt sich aus
Wie ein Damjan Dordan gestern unaufgeregt neben einem ohnehin in bärenstarker Form befindlichen Philipp Maier agierte, war beeindruckend. Bei Dordans Profi-Debüt war ihm keine Nervosität anzumerken. Dordan überzeugte mit gutem Stellungsspiel, eroberte frühe Bälle und zeigte mehrmals seine Ballsicherheit. Einem Außenstehenden wäre sicherlich nicht aufgefallen, wer der Debütant auf dem halbgefrorenen Grün war. Hut ab, aber keine Überraschung für Löwen-Fans, die auch die Amateure verfolgen. Denn dort gehört Dordan zu den Leistungsträgern. Er könnte nach Dulic und Lippmann bereits der dritte Kicker aus dem eigenen Nachwuchs werden, dem in dieser Spielzeit der Durchbruch gelingt. Auch Lippmann wurde in der ersten Saisonhälfte ins kalte Wasser geworfen, überzeugt durch Einsatz, Stellungsspiel und unbändigen Willen. Auch wenn die Flanken noch ausbaufähig sind, seine Qualität zeigt, dass er einem gestandenen Zweitliga-Profi wie Rittmüller den Rang abgelaufen hat und inzwischen scheinbar sogar vom Zweitligisten FC Magdeburg umworben wird. Vertrag bitte verlängern, lieber Manfred Paula.
Talentschmiede TSV 1860 München
Und damit ist die Liste der Talente noch längst nicht zu Ende. Ein Klose steht in den Startlöchern, überzeugt in der Bayernliga mit Toren und stand gestern erstmals im Profi-Kader. Zum Einsatz kam er zwar nicht, dass er aber nach dem Profispiel sofort noch zu den Amateuren fuhr und dort im Testspiel gegen Rot-Weiß Weiler sogar noch eine Halbzeit spielte und ein Tor schoss, spricht für den Willen des Youngsters, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Auch ein Fuchs, der gestern auf der Kaderliste stand, hat seine Karriere vor sich und das Zeug dazu, den Sprung zu schaffen. Der TSV 1860 München ist und bleibt also weiterhin die Talentschmiede Nummer eins in der bayrischen Landeshauptstadt und das ist auch gut so.
Faktor Fans in der Festung Grünwalder Stadion
Zudem waren die Fans gestern sofort zur Stelle, standen lautstark hinter ihrem Team und taten das, was Kauczinski in der Pressekonferenz gefordert hatte: Die jungen Spieler aufzufangen und zu unterstützen. Das Grünwalder Stadion wird immer mehr zu einer Festung. Nimmt man das 0:2 gegen ein übermächtiges Team aus Verl aus, so ist es kein Zufall, dass die Löwen schon fast ein halbes Dutzend Punkte in den letzten Spielminuten durch späte Treffer holten. Denken wir an Stuttgart oder Havelse… Es war, wie schon gestern angemerkt, ein Punkt der Moral und eine Leistung der Sechzger, die Lust auf mehr macht. Lust auf kampfstarke Löwen, mit etlichen Eigengewächsen auf dem Feld, für die in der Rückrunde auch weiterhin alles möglich ist.
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Gute „Giesinger Gedanken“ von Thomas Spiesl; wenn man bedenkt welches enorme Potential sich noch bei den Jahrgängen U19, U17, U16 etc. verbirgt, kann man nur hoffen daß Paula & Haber rechtzeitig die entsprechenden Verträge für Leistungsträger à la Husic, Lacic, Curic, Voß und Ibrahimi anbieten, um diese begehrten Spieler nicht an Bundesliga-NLZs zu verlieren…
Ich liebe die Fans, wenn der Verein gebeutelt ist, geben sie nochmal extra Gas. So muss dass sein. Die Jungen haben das extrem cool gemacht, ein Sieg wäre nicht unverdient gewesen. Es war absolut richtig, auf die Jugend zu setzen und keinen Wintertransfer zu tätigen. Leid tut mir nur Samu Althaus, aber der Kerl wird einfach die nächste Chance nutzen und den Anlauf in die Startelf ein wenig verlängern.
Rot Weiß Essen hat aber ehrlicherweise Angsthasen-Fußball gespielt. Und einen Marek Janssen zu vergrätzen und dafür einen farblosen Wintertransfer Danny Schmidt zu bringen – dieses Transfer-ADHS vom Doktor ging für mich nach hinten los.