Immer wieder finden sich quer über ganz Deutschland verteilt Fans des TSV 1860 München zusammen und gründen Fanclubs oder vergleichbare Vereinigungen. Vor kurzem passierte genau das in der Pfalz. Teuflische Löwen nennt sich ein Freundeskreis, der am vergangenen Wochenende das erste Mal gemeinsam ein Spiel der Löwen besuchte. Darüber berichtet in einem Gastbeitrag Kersten Beyer für sechzger.de.

Teuflische Löwen mit erstem gemeinsamen Besuch gegen Stuttgart II

Einige Autonummernschilder (SÜW, GER, SP) auf der Wiese vor der WirmachenDruck-Arena in Großaspach verdeutlichten: Der TSV 1860 München hat in der Pfalz nach wie vor zahlreiche Anhänger. Für acht Männer und Frauen der “Teuflischen Löwen” war es die erste gemeinsame Auswärtsfahrt seit der Gründung im vergangenen Oktober in Schweigen-Rechtenbach am Deutschen Weintor an der deutsch-französischen Grenze. Die gleiche Anzahl war zuletzt in Giesing beim Heimspiel gegen Rot-Weiss Essen.

Der 59-jährige Vorsitzende Ernst Achim Harsch ist seit Kindesbeinen Löwenfan, gehörte viele Jahre dem Fanclub “Wasgau-Löwen” im westpfälzischen Busenberg an. Er sagt: “Wir sind mit dem Bus zu ganz vielen Heimspielen gefahren, waren oft auswärts dabei. Der Verein existiert noch, aber die jetzigen Mitglieder haben ganz andere Schwerpunkte als Fußball. Wir wollten den Löwen wieder ein Gesicht in der Region geben.” Auf der Homepage der “Wasgau-Löwen” findet man tatsächlich Angebote zu Fahrten an den Gardasee oder nach Kroatien, aber keinen aktuellen Bezug zum Fußball.

Die Strahlkraft des TSV 1860 ist immer noch groß im äußersten Südwesten. Elf Fußballverrückte waren bei der Gründung dabei, die Zahl hat sich mittlerweile verdoppelt. Die Struktur ist sehr heterogen, doch eins vereint sie alle: Die lange Verbundenheit zu den Löwen. “Alterspräsident” Manfred Foos ist 78 und seit 48 Jahren Vereinsmitglied des TSV 1860. Sein Idol war Rudi Brunnenmeier, deshalb nannten ihn seine Freunde “Brunne”. Er hat alle Höhen und Tiefen der letzten Jahrzehnte im Stadion oder am Bildschirm miterlebt, vor Spielen hisst er die riesige Vereinsfahne vor seinem Anwesen. Als “absoluten Höhepunkt meines Fanlebens” bezeichnet er das Heimspiel gegen RWE. “Brunne” hatte sich beim Hauptsponsor die Bayerische beworben und hatte Glück. Er durfte seinen Enkel Jakob als Einlaufopa aufs Feld führen.

Jung und alt im Freundeskreis vereint

Das jüngste Mitglied heißt Oliver Frey und war zugleich treibende Kraft. Der 23-jährige aktive Bezirksliga-Schiedsrichter hat seit vielen Jahren eine Dauerkarte beim 1.FC Kaiserslautern. Er meint lachend: “Mein Vater hat mir schon als kleines Kind beigebracht: Als Pfälzer ist man Anhänger des FCK und der Münchner Löwen.” Vater Christian Frey und weitere Mitglieder gehören zu den Fans, die in den 1990er und 2000er Jahren die intensive und leidenschaftliche Verbindung der Anhänger beider Vereine mitgeprägt hat. Sie erlebten gegenseitige Unterstützung in den Stadien, emotionale Kuttenweihen und lautstarke Siegesfeiern in Himmelblau-Chilirot auf dem Gelände des Olympiaparks. Das hohe Standing bei den Fans von Spielern wie Bernhard Winkler oder Thomas Riedl trug auch viel zu dieser Freundschaft bei.

Die jüngere Generation lebt diese Verbindung nur noch vereinzelt, Kontakte zu Anhängern anderer Vereinen wurden geknüpft. Oliver Frey sagt: “Wir akzeptieren diese Entwicklung natürlich. Doch bei vielen älteren FCK-Anhängern bestehen seit Jahrzehnten enge Freundschaften nach München, die teilweise von den Kindern weitergelebt werden. Diese Bande wollen wir pflegen und nicht aussterben lassen.” Bei zahlreichen Besuchen im Grünwalder Stadion suchte er im Stadion und in den Kneipen das Gespräch mit unterschiedlichen Löwenfans. Er fasst das Ergebnis zusammen.

Die bedingungslose Identifikation mit einem Traditionsverein und das Flair des Stadions mit den alten Flutlichtmasten und den Wellenbrechern haben mich als erklärten Gegner von zu viel Kommerz einfach fasziniert. Ganz viele finden es zudem schade, dass diese Verbindung etwas eingeschlafen ist.

Ex-Profi Michael Sommer leitete Gründungsversammlung

Er fährt so oft wie möglich die insgesamt 650 km von der Pfalz an die Isar, sein Auto ist immer voll. Jetzt steht das Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim II auf der Agenda, zehn “Teuflische Löwen” unterstützen die Kauczinski-Truppe im Kraichgau. Dabei ist auch Ex-FCK-Profi Michael Sommer, Pokalsieger von 1990. Er leitete die Gründungsversammlung und ist gleich eingetreten (“ich finde das einfach richtig geil, was die Jungs auf die Beine gestellt haben“). Für viel Motivation sorgte im Vorfeld die gemeinsame Videobotschaft von Vizepräsident Christian Dierl und dem Fanbeauftragten Jamie Jesse mit Retro-Fanfreundschaftsschal, Christian Poschet meldete sich extra aus Mallorca.

Mitglied ist auch Christian Liginger, der “Local Hero” des südpfälzischen Amateurfußballs. Der 38-jährige geniale Mittelfeldregisseur ist Spielertrainer des FC Bienwald Kandel. Mit 27 Toren sicherte er sich die Torjägerkanone der Landesliga und führte seine Farben zum Aufstieg in die Verbandsliga. Dort hat “Ligi” schon wieder 12 Treffer erzielt, seine “Löwen” stehen als Aufsteiger auf dem dritten Platz. Kandels Fußballer werden tatsächlich überall so genannt, weil sie das gleiche Wappentier wie die Sechzger haben. Liginger sagt: “Ich hatte nur ganz wenige Vereine in meiner Laufbahn. Identifikation hatte bei mir immer oberste Priorität, genau das wird von den Fans des TSV 1860 und des 1.FC Kaiserslautern mit ganz viel Herzblut gelebt.” Die Aktivitäten der “Teufischen Löwen” sind vielfältig: Nach dem Neujahrsempfang ist ein Grillfest und eine gemeinsame, mehrtägige Fahrt aller Mitglieder zu einem Heimspiel der Löwen im Frühjahr in der Planung.

Text und Foto: Kersten Beyer

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Rudi aus der Suedpfalz

Sehr schöner Beitrag:-) Die enorme Strahlkraft der Münchner Löwen im Südwesten kann ich nur bestätigen. Ich finde es klasse, dass die Freundschaft von Fans beider Traditionsvereine mit den Teuflischen Löwen wieder aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist.

60gerDeife

Sehr geile Aktion. Leider wird die Freundschaft von unseren Ultras immer weniger gelebt. Find ich extrem schade.
Ich bin mindestens 1x pro Jahr auf’m Betze. Bin bisher immer extrem herzlich empfangen worden.

Gibt’s denn schon irgendwelche Kontaktmöglichkeiten zu dem Fanclub?

60+FCK

Pfaelzer Radi

Ich komme ebenfalls aus Rheinland-Pfalz. In unserem Landeswappen ist nicht umsonst der Löwe beinhaltet. Es gibt viele Pfälzer, welche die Löwen im Herzen tragen. Die Tradition wird Teufel und Löwen immer verbinden. Möge das Grünwalder und der Betzenberg noch sehr lange für Fussballkultur und Fanfreundschaft stehen. 

Lexi

Wäre echt schrade wenn die Freundschaft endet… 🥁

Thranduiel

Also ich feiere als gebürtiger Lautrer,diese Freundschaft auch immernoch.Ich bin allerdings auch damit aufgewachsen ( Jahrgang 1972). beeinflusst durch Opa vor allem .Und ich sag auch meiner Tochter ,das die ” Löwen” unsere Freunde sind.Auf ein Wiedersehen,bald in Liga 2.👹🦁🤝

Kraiburger

Beim Pokalfinale des 1. FC Kaiserslautern gegen Leverkusen 2024 waren locker über 50 Löwen vor Ort um den FCK zu unterstützen. War ein richtig geiler Tag mit einer unfassbaren Stimmung, wenn leider auch mit einem unglücklichen Ausgang.