Zum Rückrundenauftakt gegen Rot-Weiss Essen gab es eine besondere Einlaufaktion. An den Händen der Spieler liefen Großeltern und Enkelkinder mit auf das Spielfeld vor dem Anpfiff der Partie. Löwenfan Kersten Beyer hat einen Bericht über die Aktion verfasst, den er sechzger.de freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Einlaufaktion mit Großeltern und Enkelkindern gegen RWE

Seit dem Auftaktspiel gegen Rot-Weiss Essen Mitte Januar sind bereits einige Wochen vergangen. Für Löwenfan Manfred Foos, der dem TSV 1860 München bereits viele Jahrzehnte die Treue schwört, bleibt dieser Spieltag aber noch länger in freudiger Erinnerung. Dank einer Aktion von Hauptsponsor die Bayerische durfte er gemeinsam mit seinem Enkelkind die Spieler vor dem Anpfiff im Rahmen einer Einlaufaktion auf den Platz des Sechzgerstadions begleiten. Kersten Beyer, der als freier Journalist in der Pfalz tätig ist, hat über das Erlebnis einen Artikel verfasst, der bei sechzger.de im Folgenden veröffentlicht wird.

Foos: “absoluter Höhepunkt” als Löwenfan bei Einlaufaktion

Dass ich das noch erleben darf. Ich bin seit über sechs Jahrzehnten Fan der Löwen, das war der absolute Höhepunkt“, sagte ein sichtlich gerührter Manfred Foos nach dem Spiel 1860 München – Rot-Weiss Essen (1:1) am vergangenen Samstag (Anm. d. Red.: Der Text erschien bereits in der Zeitung Rheinpfalz) im ausverkauften Stadion an der Grünwalder Straße. Der Minfelder hatte riesiges Losglück. Die Bayerische Versicherung als Hauptsponsor hatte vor Weihnachten unter dem Motto “Tradition trifft Zukunft” elf Kinder eingeladen, gemeinsam mit ihren Großeltern an der Hand der Profis ins Stadion einzulaufen. Im Schlepptau hatte er seinen achtjährigen Enkelsohn Jakob Foos, der bei den F-Junioren des SV Landau West auf Torejagd geht. Ein Freund hatte die Bewerbung abgeschickt. Überbracht wurde die frohe Nachricht an Weihnachten von Jakobs Papa Simon Foos, langjähriger Kapitän und Abwehrchef von Germania Winden.

Obwohl die Sechzger seit vielen Jahren in der dritten Liga zuhause sind, hat der Deutsche Meister von 1966 immer noch eine riesige Strahlkraft. Die Heimspiele sind stets ausverkauft, Eintrittskarten sind eine begehrte Rarität. Freitags ging es bereits los. Weil Jakob ein sehr guter Schüler ist, durfte er die Schule zwei Stunden früher verlassen. Er meinte: “Ich bin schon sehr aufgeregt. Aber das geht vorbei, wenn ich erst mal im Stadion bin.” Um 12.15 Uhr war Treffpunkt im gut ein Kilometer entfernten Trainingszentrum, die Abteilung der “Junglöwen” um Stephanie Wagner hatte alles bestens organisiert. Die Kleinen bekamen einen kompletten Trikotsatz, den sie natürlich anschließend behalten durften. Auf dem Weg zum Mannschaftsbus nahmen sich die Spieler und Trainer Markus Kauczinski viel Zeit für gemeinsame Fotos und beantworteten Fragen. Besonders gefragt war Ex-Nationalspieler Kevin Volland, der verletzte Kapitän Jasper Verlaat blieb extra lange.

Kurz vor 14 Uhr war es dann soweit, die Fans beider Traditionsvereine machten einen Höllenlärm. Dass die beiden Südpfälzer den Essener Spielern Rios Alonso und Ramien Safi zugelost wurden, tat der guten Stimmung keinerlei Abbruch. “Ich nehme Dich aber nicht an der Hand“, sagte ein lachender Manfred Foos zu Alonso. Zuvor hatte er Essens Kapitän Michael Schultz begrüßt. Der Innenverteidiger stammt aus Landau, Vater Stefan Schultz ist Leiter des Sportausschusses bei Viktoria Herxheim. Nach der Begrüßung durch den Stadionsprecher ging es auf die Sitzplätze auf der Haupttribüne, wo Familie Foos eine packende Schlussphase mit dem Ausgleichstreffer der Löwen in der Nachspielzeit erlebten.

Neuer Freundeskreis “Teuflische Löwen”

Manfred Foos entdeckte seine Liebe zu den Sechzgern als Jugendlicher, sein Idol war Rudi Brunnenmeier. Die Tore des genialen Stürmers trugen entscheidend zur sportlichen Blütezeit mit DFB-Pokalsieg 1964 und Deutscher Meisterschaft 1966 bei. Die Mitspieler im Heimatverein SV Minfeld nannten Foos deshalb “Brunne”, der 78-Jährige beschreibt lachend den legendären Paradiesvogel Brunnemeier: “Er kam an jedem Gegenspieler vorbei, aber an keiner Kneipe.” Nach dem Abstieg aus der Bundesliga 1978 wurde Foos Mitglied, wollte damit ein Zeichen setzen.

Im Sport und in der Lokalpolitik hatte er stets ein Herz für alle, denen es gerade nicht so gut ging. Er war fünfzehn Jahre Ortsbürgermeister seiner Heimatgemeinde Minfeld, saß für die Freien Wähler im Kreistag und Verbandsgemeinderat. Doch seine Löwen hat er nie aus den Augen verloren, unterstützte sie bei vielen Spielen in den Stadien der Republik. Vor wichtigen Spielen hisst er an seinem Anwesen im Minfelder “Leisengarten” die riesige blau-weiße Fahne. Begleitet wurde er an diesem Wochenende von vier “Teuflischen Löwen”. Foos hatte mit einem Dutzend weiteren Fans im vergangenen Oktober in Schweigen-Rechtenbach diesen Freundeskreis geründet, um der jahrzehntelangen Freundschaft der Anhänger des TSV 1860 und des 1.FC Kaiserslautern wieder neues Leben in der Südpfalz einzuhauchen.

Aus Dankbarkeit für das Erlebnis ihres ältesten Mitglieds luden die “Teuflischen Löwen” Marlene Wever zu einem Wochenende mit Dampfnudelessen in die Südpfalz ein. Sie ist bei die Bayerische Führungskraft im Sportmarketing, war zuvor bei Werder Bremen tätig. Marlene Wever meinte: “Ich bin wirklich sehr glücklich und stolz, dass wir vielen Menschen so viel Freude bereiten durften.” Gegen 21 Uhr kam der Tross wieder wohlbehalten von der bayerischen Landeshauptstadt zurück. Ein völlig erschöpfter, aber glücklicher Jakob Foos sagte: “Ich werde diesen Tag in meinem ganzen Leben nicht vergessen.

Löwenfan Manfred Foos mit Enkelkind am Spielfeldrand Grünwalder Stadion bei der Partie TSV 1860 München - Rot-Weiss Essen

Fotos: Kersten Beyer und Simon Foos

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