…und ein bezeichnender Reflex in der Ismaik-Debatte

Ein Aspekt, der in der aktuellen Debatte um die „Kausa Müller“ (oder Mueller) gerne unter den Tisch fällt: Der TSV 1860 hat mit dem Verwaltungsrat zwar eine Kontrollinstanz im e.V. – faktisch kann diese aber kaum reagieren, wenn ein Präsidium Entscheidungen am VR vorbei trifft und durchsetzt. Genau hier liegt ein strukturelles Problem: Die Kontrolle ist immer nur so gut wie die Handlungsoptionen, die man dem Kontrollgremium im Ernstfall tatsächlich einräumt. Wenn man über Dysfunktionalität spricht, muss man daher weniger über „Schuldige“ diskutieren, als darüber, ob das Aufsichtsgremium überhaupt die Mittel hat, ein Präsidium zu bremsen, das Fakten schafft.

Investorennaher Blogger setzt Narrative in die Welt

Passend dazu schrieb am Freitag dieser Woche ein investoren­naher Blogger: „Wer es vielleicht vergessen hat: Der Verwaltungsrat schlägt beim TSV 1860 laut Satzung den Präsidenten vor – und hätte dieses Gremium das Präsidium Reisinger im Fall Müller nicht zurückpfeifen können? Es passt zu diesem turbulenten Verein, dass längst nicht mehr darüber gesprochen wird, wer am 60-Prozent-Gesellschafter Ismaik vorbei fragwürdige Personalentscheidungen zulasten des Klubs getroffen hat – stattdessen zeigt man mit dem Finger auf den Mann, der den Verein seit 14 Jahren finanziell über Wasser hält. Das ist jedenfalls auch eine Kunst…“

Frage muss anders formuliert werden

Die erste Frage („zurückpfeifen können?“) zeigt bereits das weit verbreitete Missverständnis: Der Verwaltungsrat kann das Präsidium faktisch nicht einfach stoppen, wenn dieses am Gremium vorbei agiert – und genau deshalb wäre die richtige Schlussfolgerung nicht ‚Warum hat der VR nicht eingegriffen?‘, sondern: ‚Warum hat man ihm in der Satzung keine wirksamen Eingriffsmöglichkeiten gegeben?‘

Der rhetorische Shortcut

Noch bezeichnender ist aber der zweite Teil des obigen Zitats zur Ismaik-Frage: Der Verweis darauf, Ismaik halte den Verein seit 14 Jahren „finanziell über Wasser“, ist ein rhetorischer Shortcut, der jede Verantwortungsdebatte vorzeitig abwürgen soll. Natürlich ist es eine Tatsache, dass Ismaik über lange Zeiträume Geld bereitgestellt hat – aber daraus folgt nicht automatisch, dass seine Seite aus jeder Verantwortung herausfällt oder dass Kritik an Einfluss, Mechanik und Druckmitteln per se illegitim wäre. Wer jede Diskussion mit „er zahlt“ beendet, macht es sich am Ende so einfach wie möglich: Finanzierung wird zur Generalabsolution – und genau das verhindert, dass man die tatsächlichen Verantwortungswege in einem Konflikt wie dem aktuellen Müller-Verfahren sauber aufdröselt und für Klarheit sorgen kann.


Die Giesinger Gedanken erscheinen regelmäßig als Kommentar und sind die persönliche Meinung eines Mitglieds unserer Redaktion oder eines Gastautors. Sie spiegeln nicht grundsätzlich die Meinung der gesamten Redaktion wider.

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United Sixties

Völlig klar bleibt, dass es ohne verlässliche Investoren, Sponsoren und Partner nicht mehr funktioniert im Profizirkus mitzuhalten. Zielsetzung eines jeden Klubs bleibt unterschiedlich wie seine Tradition und wir als Münchener Löwen( Fans) wollen doch mehrheitlich wieder weiter oben mitmischen/mitspielen. Das Instrument Kontrolle im gewählten Verwaltungsrat des Vereins ist auch in der Satzung von 2012 durchaus geregelt und zeigt sich insbesondere in einer gut überlegten Nominierung für ein zu bestätigendes Präsidium. Hier gab es aus den Erfahrungen seit 2013 nun eine vierköpfige Führungscrew, die in enger Zusammenarbeit und Unterstützung mit dem VR in neuer Sachlage mit HAM Ziele vorgibt und umsetzen möchte..Stadionumbau in Giesing, Servicevertrag NLZ, Sportdirektor und GF-Bestellung sowie Hallenplanung am TG. Sie sind erst 9 Monate im Amt und doch schon weit in ihren Planungen…gemessen werden auch Sie am Erfolg und Fakten bis zur MV im Juni und danach.
Ich habe aktuell ein gutes Gefühl unabhängig vom Wahlausgang kommenden Sonntag und neuer Stadtratsbesetzung und wünsche uns allen sowie den eifrigen Löwen im Ehrenamt maximalen Erfolg und …
die unweigerlich notwendigen, verlässlichen Partner, Sponsoren und/oder Investoren für einen erfolgreicheren, modernen TSV MÜNCHEN v. 1860.
WIR ALLE SIND DER VEREIN!

1860ZELL

Bei einem Blogger wird gerade wieder einmal für die Abschaffung von 50 +1 Werbung gemacht.

Für alle die der gleichen Meinung sind darf an 2016/17 erinnert werden. Ismaik operierte mit Allmacht wegen der Untätigkeit von Cassalette. Das Resultat: Doppelabstieg, 22 Mio. Verlust und die KGaA stand vor der Insolvenz. Hat er sich jemals dieser Verantwortung gestellt?

Investoren sind auch nur eine Scheinlösung.

Buckliger Verwandter

Ein ebenso bezeichnender Reflex:
HI hat Schuld!
Woran? Egal! HI hat Schuld.

MalikShabazz

Wo steht das?

Joerg

Der Punkt “er hält den Verein über Wasser” sagen wir mal ja macht er, aber eben nichts weiter, keine Invests keine Perspektiven nichts, einfach zu wenig hält

coeurdelion

jajaja….er hält uns da über Wasser und bindet uns gleichzeitig immense Schulden in Form von GS ans Bein !! und die Legende, ER gibt uns Geld, macht mich real aggro…..mir ist nicht bekannt, dass er uns auch nur einenCent geschenkt hat, wie es echte Gönner so machen….nene, der ist einfach ein ganz gewöhlicher Geldverleiher, sonst nix

LeuLoeweLion

Soweit so gut zum Sachverhalt. Mir Blickrichtung organisatorische Entwicklung ist die Frage 

„ Warum hat man ihm(dem VR) in der Satzung keine wirksamen Eingriffsmöglichkeiten gegeben?‘“

so nicht hilfreich. 

Denn das warum sucht nach Gründen und nicht nach Lösungen. 

Die Frage ist: Was braucht es, um den VR zu befähigen eine Sicherungsaufgabe für das Präsidium zu übernehmen? 

Eine andere Frage dazu wäre welche der aktuellen Interessengruppen wollen das und mit welcher Motivation? 

 

MalikShabazz

Das ist ja einfach die Schlussfolgerung dessen. Und ja, man muss dem VR wirksame Eingriffsmöglichkeiten hierfür geben.

Es ist einfach nur eine Schwachstelle in der Satzung, die man beheben sollte.

harie

Stimmt aber halt so ned.

E.V. Satzung 11.3.1. Danach hat der VR sehr wohl Zugriff auf Vorgänge und deren Behanldung zwischen den Gremien und Organen.Ist im, für GF Entlassungen zuständigen, Beirat immer ein VR Mitglied und damit sehr wohl auch eine entsprechende Information des VR.Also, wenn für eine fristlose Entlassung des GF 50+1 gezogen werden soll, dann obliegt es nach 11.3.1 der e.V. Satzung dem VR, in der GO des Präsidiums eine entsprechende Regelung(Informationspflicht oder Zustimmungsvorbehalt) zu verankern. Tut er das nicht, so gibts da im Nachhinein auch nix zu meckern.

Abgesehn davon werden die VR ja vor und bei Wahlen nicht müde, ständig davon zu schwadronieren, dass man nur für den e.V. zuständig wäre.

Vierlleicht sollte man sich jetzt mal für irgendwas entscheiden. Immer das gleiche Gschiss beim TSV. Alle wollen ständig überall mitschnabeln und wenns schief geht ist Keiner zuständig und verantwortlich schon gar ned. Da weiß man dann sofort die richtigen Paragraphen in der Satzung um sich getrost aus der Affäre zu ziehen.

Last edited 1 Monat zuvor by harie