Die Ereignisse an der Grünwalder Straße überschlagen sich weiter. Nachdem wir heute Vormittag bereits die vielen Baustellen analysiert haben, die der e.V. nun für den Regionalliga-Start abarbeiten muss, liefert ein aktueller Bericht der Süddeutschen Zeitung neue Einblicke. Während die Löwenfans der taumelnden KGaA offenbar endgültig den finanziellen Stecker ziehen, lassen die neuesten Äußerungen von Hasan Ismaik aufhorchen – denn sie klingen weniger nach einem erbitterten Kampf als vielmehr nach einem resignierten Abschied.

Wie von uns heute Vormittag bereits beleuchtet, liegt das Spielrecht für die Regionalliga Bayern beim e.V. – die aktuelle Spielbetriebsgesellschaft (KGaA) hat damit faktisch ihren Zweck verloren. Nach Informationen der SZ-Journalisten Markus Schäflein und Philipp Schneider steht die Gesellschaft nun unmittelbar vor dem endgültigen Kollaps.

Pflichtschuldige Gegenwehr statt Kampfansage

Gegenüber der SZ hat sich Hasan Ismaik nun erstmals konkret zur fristlosen Kündigung des Kooperationsvertrags geäußert. Wer eine feurige Kriegserklärung erwartet hatte, sieht sich bei genauerem Hinsehen wohl getäuscht. Zwar ließ der Jordanier verlauten:

Wir unsererseits werden diesen Schritt sorgfältig und unter rechtlichen Gesichtspunkten prüfen und dabei alle unsere vertraglichen Rechte wahren.

Liest man jedoch zwischen den Zeilen, klingt das weniger nach einem Investor, der die Klingen kreuzen will, sondern vielmehr nach der pflichtschuldigen Ankündigung von Gegenwehr. Dass Ismaik eigentlich schon “Servus” sagt und sich mit dem Ende der Zusammenarbeit abgefunden hat, zeigt sein darauffolgender Satz. Es stimme ihn traurig, dass „eine fünfzehnjährige Reise zu Ende gegangen ist, ohne dass es uns allen gelungen ist, das Maß an Vertrauen und Zusammenarbeit aufzubauen, das der Verein gebraucht hätte, um voranzukommen.“

Wirtschaftliche Logik: Warum Ismaik keinen Cent mehr investieren wird

Dass Ismaik die KGaA nicht mehr retten will, ist zudem eine rein rationale Entscheidung. Denn hier kommt die bittere juristische Realität für den Investor ins Spiel: Seine millionenschweren Gesellschafterdarlehen, mit denen er die KGaA über Jahre gestützt hat, sind im Falle einer Insolvenz gesetzlich nachrangig.

Das bedeutet: Sollte noch irgendeine verwertbare Insolvenzmasse vorhanden sein, werden daraus zuerst alle anderen Gläubiger bedient – vom Dauerkarten-Käufer über Sponsoren bis hin zu den Angestellten der Geschäftsstelle. Erst wenn alle diese Forderungen zu 100 Prozent beglichen wären (was utopisch ist), würde Ismaik überhaupt einen Cent sehen. Da die KGaA ohnehin ihren eigentlichen Geschäftszweck – den Profispielbetrieb – verloren hat, wäre jeder weitere Euro von HAM sprichwörtlich in den Gulli geworfen. Eine schnelle, schmerzhafte Abwicklung oder Insolvenz der Alt-Gesellschaft ist damit der einzig logische Schritt.

Fans schaffen Fakten: Massenhafte Rückgabe von Dauerkarten

Während Ismaik wehmütige Töne anschlägt, sorgen die Löwen-Fans auf der wirtschaftlichen Ebene für vollendete Tatsachen. Wie die SZ berichtet, geben die Anhänger derzeit scharenweise und hochgradig organisiert ihre bereits erworbenen Drittliga-Dauerkarten für die Saison 2026/27 zurück. Beziehungsweise fordern sie die bereits bezahlten Euro für die Saisonkarten von der KGaA. Dafür kursiert in den Fan-Netzwerken bereits ein formelles Musterschreiben, mit dem die Käufer aufgrund „der aktuellen Entwicklungen und des Entzugs der Drittliga-Lizenz“ den Rücktritt vom Kauf erklären und die Erstattung des Kaufpreises fordern.

Baustelle Ticketing & Finanzen: Der absolute Super-GAU für die KGaA

Diese organisierten Rückforderungen dürften für die alte KGaA nun endgültig den Todesstoß bedeuten. Wir hatten bereits darauf hingewiesen, dass das Ticketing komplett neu aufgerollt werden muss und auf die Mitarbeiter der Geschäftsstelle massive Mehrarbeit zukommt. Die massenhaften Ticket-Stornierungen verschärfen diese Liquiditätskrise nun dramatisch. Zusammen mit der Sonderkündigung von Hauptsponsor „Die Bayerische“ und den nötigen Rückstellungen für den anstehenden Gerichtsprozess gegen den freigestellten Ex-Geschäftsführer Oliver Mueller ist der finanzielle Druck auf die KGaA laut SZ schlicht nicht mehr tragbar.
Der Weg in die Insolvenz ist unausweichlich.

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Josef D.

Auch wenn vielleicht die Vereinsführung Fehler gemacht hat (der Kader war schon recht groß), so war es doch Ismaik, der ganz persönlich und absichtlich die Löwen in die Regionalliga geschickt hat, indem er gerade zu diesem bestimmten Zeitpunkt Ende Mail Darlehensverträge gekündigt hat. Dass er dann von einem “traurigen Tag” gejammert hat, als der Abstieg perfekt war, ist sowas von scheinheilig, da fehlen einem ja die Worte! Jetzt ist nur die Frage, ob er tatsächlich noch juristische Winkelzüge versucht – und wenn ja, ob er dann einen willfährigen Richter findet. Jedenfalls hat er ganz bewusst dem Verein geschadet und daher ist ein wirklich guter Grund gegeben, ihm zu kündigen, und es ist auch gut, dass der jetzt weg ist, auch wenn der Weg für die Löwen nicht leicht ist.

Ich finde es übrigens gar nicht gut, dass viele Leute jetzt ihre Dauerkarten zurückgeben wollen. 8000 Dauerkartenbesitzer, die die Löwen in der Regionalliga unterstützen, das ist doch schon mal eine Hausnummer!

Didi

was würde ich nur ohne euch machen? Ihr informiert auf hohem Niveau, wie gut dass es euch gibt. VIELEN DANK!!!!

Last edited 29 Minuten zuvor by Didi
Lukas186016

Kann jemand erklären was passiert wenn die KgaA Insolvenz geht also mit Trainingsgelände, Stadion etc

Drew60

Das Gelände gehört der Stadt aber wir haben es in Erbpacht.