Unser Leser Tobi hat nach den aufwühlenden Ereignissen der vergangenen Tage rund umden TSV 1860 seine Gedanken und Gefühle niedergeschrieben und möchte sie auf diesem Weg mit den sechzger.de Leser*innen teilen. Hier geht es mal nicht analytisch, rational und prosaisch um einen gekündigten Kooperationsvertrag, eine Insolvenz, eine Spielberechtigung für die Regionalliga oder organisatorische Zukunftsfragen, sondern – irgendwie poetisch – um ganz persönliche Emotionen. Und um die Frage, was man darf.
Große Hoffnung noch vor einem Jahr
Darf man?
Das fragt die leise Stimme in meinem Hinterkopf, die mir bei jedem zweiten Gedanken an diesem Abend in mein Ohr flüstert.
Es scheinen sich die Puzzlestücke zu fügen, die negativen Emotionen von gestern umgeschlagen zu sein. Es fühlt sich ganz anders an, als vor circa einem Jahr, als ich mir diese Frage gar nicht mehr gestellt habe. Ich war mir damals so sicher und voller Freude, dass es schlichtweg keine Möglichkeit mehr gab, als hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Ich würde gerne Hoffnung haben.
Aber darf man?
Wandeln zwischen Trauer und Jubel
Unser Verein hat den zweiten Zwangsabstieg innerhalb der letzten neun Jahre hinnehmen müssen.
Wir wandeln seit einer gefühlten Ewigkeit zwischen himmelhochjauchzend und zutiefst betrübt.
Aufstiegsfavorit. Volland und Niederlechner kommen zurück. Ismaik hat verkauft. 4. Platz, aber nächstes Jahr steigen wir ganz sicher auf. Michi Köllner ist der beste Trainer der Welt. Aufstieg mit Biero.
8. Platz trotz Aufstiegskader. Wer zur Hölle ist diese Holding und warum verkündet man sowas ohne, dass alles sicher ist? Wieder nicht aufgestiegen. Michi Köllner will den Papst treffen und muss gehen. Biero wird unter Tränen verabschiedet.
Ich habe mich so oft gefreut, die Welle der Euphorie geritten, nur um kurz darauf wieder auf dem Boden der Tatsachen zu landen.
Ich würde mich gerade so gerne freuen.
Aber darf man?
Ich habe es immer wieder geglaubt. Dass es diesmal anders wird. Dass es uns nicht schon wieder erwischt. Dass die Versprechen ausnahmsweise keine leeren Versprechen sind. Ich würde gerne daran glauben.
Aber darf man?
“Es sollte mich kalt lassen!”
Ich könnte wahrscheinlich noch ewig so weiter machen. Die meisten von euch wahrscheinlich auch. Es ist die Angst, denselben Fehler zum hundertsten Mal zu machen. Zum hundertsten Mal auf die heiße Herdplatte zu greifen und überrascht zu sein, dass man sich wieder die Finger verbrennt. Das Misstrauen gegenüber der Sache, die für uns ein zentraler Lebensinhalt ist.
Diesmal dürfte ich nicht wieder darauf reinfallen. Fool me once, shame on you. Fool me 100 times, what the *** am I still doing here?
Nach allen Maßstäben von Logik und Rationalität sollte es mich kalt lassen.
Es ist nicht wie vor einem Jahr. Es fühlt sich anders an.
Aber trotzdem habe ich ein Grinsen im Gesicht. Trotzdem habe ich Hoffnung. Trotzdem freue ich mich. Trotzdem glaube ich wieder daran, dass alles besser wird.
Weil ich nicht anders kann. Weil es nichts bringt präventiv enttäuscht zu sein. Weil Sechzig nicht nur irgend ein Investment ist. Weil dieser Funke nie erlischt. Und weil er immer wieder zum Feuer mutiert.
Aber darf man?
Ich glaube nicht.
Wir dürfen nicht.
Wir müssen.











Wir können und müssen optimistisch nach vorne blicken, aber dabei auch immer realistisch bleiben.
Wir werden jetzt im Prinzip ein neu gegründeter Regionalligist sein, welcher mittelfristig den Aufstieg anstrebt. Wir müssen lernen, wie wir positiv wirtschaften können. Ein Kader darf nur noch so viel kosten, wie man auch in der Saison mindestens einnimmt.
Dafür sind wir kein Investorenverein mehr. Wir haben eine Chance auf einen echten Neuanfang. Das galt die letzten 15 Jahre als eine absolut unmögliche Utopie.
Wenn wir jetzt Geduld beweisen und aus den vergangenen Fehlern lernen, dann können wir absolut mit Hoffnung in die Zukunft blicken.
Viva la Revolution
Der Verein ist voran gegangen, mit klaren Blick nach vorn- und wir schaffen die unumkehrbaren Tatsachen in der öffentlichen Wahrnehmung. Und alles ergibt die neue Realität. Dieser kann sich diesmal der „falsch verstandene Onkel aus dem Morgenland“ nicht verweigern. Er hat bisher einigermaßen still gehalten und hoffentlich über einen gesichtswahrenden Exit nachgedacht. Es ist jetzt seine letzte große Chance halbwegs da rauszukommen, indem er seinem „ach so geliebten Verein“ dem Neustart keine großen Steine in den Weg legt, und sich „gütig“ zeigt. So könnte er auch in seiner Welt sein „Ansehen „ wahren“
Von mir aus seis ihm gegönnt und dann aber auf nimmer Wiedersehen
Deine positive Stimmung möchte ich ja teilen.
Aber ich fürchte, dass “gedemütigte” Personen aus diesem Kulturkreis auf “Rache” sinnen.
Und seine Mitstreiter sollen sich doch bitte a paar Hoibe aufmacha und nächste Saison über die Schiedsrichter- Fehlentscheidungen aufregen
Natürlich muss man überzeugt sein, dass alle gut oder zumindest besser wird.
Sonst könnten wir unter der Enttäuschung gar nicht so leiden, wie wir es als masochistische Löwenfans brauchen 😉
Wir dürfen und müssen auch hoffnungsvoll sein!
Die Gedanken, die mich aber umtreiben ist, dass viele, aufgrund der berechtigten Euphorie, nicht ganz sehen wo wir uns befinden.
Das werden die wohl härtesten Jahre als 60 Fan, wir bräuchten gerade eine eigene Taskforce für die U19 und U21, eine für den kommenden Rechtsstreit, eine für die Rahmenbedingungen (Stadion) und eine, die wohl wichtigste, für die kommende Mannschaft.
Ich bekomme das ungute Gefühl nicht raus, dass irgendwas auf der Strecke bleiben wird. Ganz einfach aus der fehlenden Struktur im e.V heraus, gar nicht als Vorwurf gemeint, aber einfach Fakt.
Das Best-Case Szenario wäre wohl eine durchschnittliche 4.Liga Mannschaft bestehend aus der letzjährigen Bayernligamannschaft und ein paar Extra-Spieler. Ein baldiger Aufstieg in Liga 3 ist in weiter Ferne, das sollte jedem bewusst sein!
Mit dem Rücken an der Wand, doch immer wieder obenauf!
Ich kann die Euphorie auch nicht ganz teilen.
Der aktuellste vorliegende Jahresabschluss des TSV München von 1860 e.V. betrifft das Geschäftsjahr 2023/2024, welcher auf der Mitgliederversammlung im Juli 2025 präsentiert wurde.
Das Geschäftsjahr 2023/2024 schloss mit einem Minus von rund 900.000 Euro ab.
Es steht zu befürchten, dass das Gj. 2024/2025 auch nicht viel besser ausschaut.
2022/2023 hatte der e.V. noch Rücklagen in Fondsdepots bei der Stadtsparkasse München. Diese Mittel mussten wohl zum Ausgleich des Defizits 2023/24 verwendet werden.
Will sagen, der e.V. hat auch kein Geld mehr und das vor den immensen aktuellen Herausforderungen.
Manche beim G. spekulieren schon mit einer Insolvenz des e.V.
Kann das wirklich sein?
Man muss die Situation nicht zwangsläufig negativ sehen. Erstens gibt es dafür derzeit keinen wirklichen Grund. Und zweitens bringt Schwarzseherei ja keinen strategischen Vorteil. Wer vorher schon schwarzsieht, verbessert nichts.
Warum also nicht optimistisch sein? Die Regionalliga Bayern ist sportlich sicherlich nicht die stärkste der fünf Regionalligen. Abgesehen von Vereinen wie Schweinfurt oder Unterhaching – die beide ebenfalls nicht im Geld schwimmen – sowie den zweiten Mannschaften von Nürnberg und Bayern gibt es nur wenige Klubs mit vergleichbaren Möglichkeiten. Natürlich kann man gegen Buchbach, Vilzing oder andere Mannschaften verlieren und vielleicht auch einmal hinter ihnen landen. Aber auf lange Sicht bringt ein Verein wie der TSV 1860 München eine Wucht mit, die viele Konkurrenten schlicht nicht haben. Manche spielen vor wenigen Hundert Zuschauern auf einem Sportplatz, während bei uns vermutlich auch künftig die meisten Heimspiele ausverkauft sein werden.
Hinzu kommt, dass sich durch den Abgang von Hasan Ismaik neue Perspektiven eröffnen. Viele Sponsoren hatten in den vergangenen Jahren wenig Interesse, sich stärker zu engagieren. Das könnte sich nun ändern. Auch für junge Spieler bleibt 1860 ein attraktiver Anlaufpunkt. Wer sich in der zweiten oder dritten Liga nicht durchsetzt, findet hier eine Bühne, um sich weiterzuentwickeln und wieder auf sich aufmerksam zu machen.
Dazu kommen stabile Zuschauereinnahmen, ein klarerer Kurs und eine stärkere lokale Verankerung. Vielleicht wird es irgendwann sogar wieder möglich sein, die Vermarktung der eigenen Fanartikel vollständig selbst zu steuern. Auch die Mitgliederzahlen dürften weiter steigen. All das setzt Kräfte frei, die bislang gebunden waren.
Ob das automatisch zum direkten Durchmarsch führt, ist eine andere Frage. Niemand sollte blauäugig sein. Aber die derzeitige Schwarzmalerei basiert auf einer Mannschaft, die noch gar nicht vollständig zusammengestellt ist, und auf wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die sich gerade grundlegend verändern könnten. Zudem kommt eine Mannschaft aus der Bayernliga, die gerade Meister geworden ist. Warum sollte sie nicht auch in der Regionalliga bestehen können? Und vielleicht schließen sich sogar noch Spieler wie Niederlechner, Volland, Maier, Dähne oder andere erfahrene Kräfte an, die Lust auf das Projekt haben und nicht ausschließlich aufs Geld schauen (müssen), sondern lieber in der Heimat bleiben.
Natürlich gibt es keine Garantien. Aber allein der Wegfall alter Blockaden kann auf vielen Ebenen neue Energie freisetzen. Deshalb darf man die Zukunft durchaus realistisch, aber auch mit einer gewissen Zuversicht betrachten. Denn eines ist sicher: Pessimismus macht die Situation nicht besser.
Frei nach einem großen bayerischen Poeten.
Für Geld da kann man vieles kaufen, aber keine Löwen die dem Scheich nachlaufen.
Fred Fesl ist genauso unsterblich wie unsere Löwen 💙🦁
Aber darf man?
Wir können gar nicht anders! 🙏🦁🔥🤍💙