Untertags bekam ich schon Fotos und Videos von der Anreise geschickt – Bilder, die richtig Lust gemacht hätten, selbst im Stadion zu sein. Dazu der erste richtige Hauch Frühling. Perfekte Voraussetzungen also für einen Fußballabend – und einen Gedanken an Chelsea 2012…
Ein Hauch von Chelsea 2012
Ich selbst habe das Spiel allerdings vor dem Fernseher verfolgt. Weil ich noch mit meiner Tochter essen war, kam ich ein paar Minuten zu spät zur Übertragung – und habe damit leider auch die offenbar sehenswerte Choreo samt Pyroshow zum Anpfiff verpasst. Zum Glück war Instagram ziemlich schnell mit Videos und Fotos davon überflutet.
Zum Spiel selbst gibt es eigentlich nicht soviel zu sagen: Schön ist das alles nicht. Aber diese Mannschaft kämpft. Und das kann man ihr wirklich nicht absprechen. Dem Kader fehlt es sichtbar an Schnelligkeit und Kreativität. Dafür haben wir mit Markus Kauczinski einen Trainer, der aus den vorhandenen Möglichkeiten ziemlich konsequent das Maximum herauszuholen versucht. Und mit Volland unseren Drogba.
Das Ganze erinnert mich nämlich ein wenig an Chelsea in der Champions League-Saison 2011/2012: nicht schön, oft tief stehend, viel Kampf – und immer wieder mit dem nötigen Quäntchen Glück. Am Ende stand damals der Titel im Finale gegen die Roten. Eine Mannschaft, die mir allein deshalb auf ewig sympathisch bleiben wird.
Einsatz und Disziplin als Schlüssel zum Erfolg
Ganz so weit sind wir mit dem TSV 1860 München noch nicht. Aber das Prinzip ist ähnlich: Wenn spielerisch wenig geht, dann musst du eben über Einsatz, Disziplin und gelegentlich auch über Fehler des Gegners kommen. Gestern waren wir Nutznießer eines kapitalen Patzers in der Hintermannschaft von der Viktoria aus Köln.
Vor der Rückrunde waren die kritischen Stimmen durchaus laut – nicht nur in der Münchner Medienlandschaft. Die ausbleibenden Transferaktivitäten wurden vielerorts skeptisch gesehen. Stand jetzt hat sich das Vertrauen von Markus Kauczinski und Geschäftsführer Manfred Paula in die vorhandene Mannschaft jedoch mehr als ausgezahlt. Platz zwei in der Rückrundentabelle spricht eine ziemlich deutliche Sprache.
Faßmann mit starkem Startelfdebüt
Dazu kommt: Der Kader wirkt derzeit erstaunlich breit. Trotz vier Auswechslungen blieben mit Jesper Verlaat und Florian Niederlechner zwei durchaus prominente Namen weiterhin auf der Bank. Gleichzeitig hat Eigengewächs Lasse Faßmann bei seinem Startelf-Debüt gezeigt, dass er mehr als nur eine Ergänzung sein kann – sondern ein ernsthafter Anwärter für weitere Einsätze von Beginn an.
Spannend wird nun sein, wie sich die Situation entwickelt, wenn sich die Rollen womöglich wieder ändern – wenn wir plötzlich nicht mehr der Jäger sind, sondern selbst zum Gejagten werden.
Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Heimspiel gegen SV Wehen Wiesbaden.
Rassismus darf nicht relativiert werden
Einen Wunsch hätte ich noch an den Stadion-DJ: Bitte spielt vor dem Spiel wieder “Viva España”. Und verzichtet dabei auf die Version von Roland Hefter. Wer die Verwendung des N-Wortes durch Dieter Reiter verteidigt und Kritiker dafür auch noch beschimpft, hat die Werte vom TSV 1860 schlicht nicht verstanden.
Passend dazu ein Gedanke aus einem lesenswerten Beitrag von Wilson Thomas Pearce (Teamleiter TSV 1860 bei Infront): Wer versucht, jemanden vom Vorwurf des Rassismus freizusprechen, obwohl eine rassistische Aussage gefallen ist, argumentiert oft ähnlich schief wie in einem bekannten Zitat von Gerhard Polt: “Vo Zuaschlogn keine Rede. Der Adi hat dem Zwetschgenmanderl lediglich an Maßkrug leicht an Schädl aufgsetzt.”
Oder anders gesagt: Rassismus ist – wie Sexismus und jede andere Form der Herabwürdigung – nichts, was man mit ein paar nachträglichen Erklärungen einfach wieder einfangen kann. Am besten lebt man so, dass man gar nicht erst in die Nähe solcher Debatten kommt.
Die Giesinger Gedanken erscheinen regelmäßig als Kommentar und sind die persönliche Meinung eines Mitglieds unserer Redaktion oder eines Gastautors. Sie spiegeln nicht grundsätzlich die Meinung der gesamten Redaktion wider.











Roland Hefters so vehementer wie unbeholfener Verteidigungsversuch für seinen Gitarrenfreund ist sicher gut gemeint. Nur ist gut gemeint halt meist die kleine Schwester von schlecht gemacht. Apropos schlecht gemacht: Die “Viva España”-Version von LustfingeR/Roland Hefter ist leider eine wahnsinnig uncoole Nummer. Das lässt sich nicht beschönigen. Wie Reiters Geschwätz halt auch. Niemand unterstellt dem Oberbürgermeister, er wäre ein Rassist. Das ist er auch nicht, aber dummerweise redet er in unkonzentrierten Momenten wie einer. In diesem Fall wäre statt Rechtfertigungsgeschwurbel mehr Selbstreflexion angezeigt. Wenn Fans Melodien von Popsongs, Schlagern oder Musicals umdichten, um damit Spieler oder ein Stadion zu feiern, dann ist das lustig und ein Teil der Fankultur. LustfingeR/Roland Hefters Versuch, das musikalisch zu professionalisieren, ist jedoch urfad. Seltsam, dass sie das als Profimusiker nicht selbst erkennen. Gerade weil LustfingeR in grauer Vergangenheit durchaus schon musikalische Perlen geliefert haben.
Um genau das geht es ja: ich unterstelle weder Reiter, noch Hefter Rassisten zu sein. Reiter hat ein rassistisches Wort verwendet. Er hat sich danach entschuldigt.
Hefter wiederum hat alle angegriffen, die Reiter kritisiert haben. Und den Sachverhalt der Debatte intellektuell auch nicht begriffen.
Und ja: das Lied ist schrecklich. Ich finde es sehr dreist, sich dieses Lied anzueignen. Es ist berechnend und noch dazu schlecht gemacht.
Wieder keine überzeugende Leistung aber gewonnen und drei Punkte, super.
Aber das beste war die Pyro Show oder wie ich es sagen würde: Der giftige Rauch. Es kostet zwar wieder Geld, Geld das wir nicht haben. Scheiß drauf, wenn es doch so schön qualmt. Es war fast so schön wie die Waldbrände in Portugal, letztes Jahr.
Also da geht noch mehr.
Einmal benebel, immer benebelt!
Ich war bei diesem unsäglichen “Finale Dahoam” aus München geflüchtet und war in Brüssel. Ich wollte nicht in meiner Stadt sein, wenn die Roten dort die CL gewinnen würden. Ich habe auch bewusst das Spiel in keinem Pub oder Kneipe angeschaut, sondern habe mich in einem Lokal ohne Fernseher aufgehalten. Als ich am nächsten Morgen im Hotel beim Frühstück von anderen deutschen Hotelgäste erfahren habe, dass die “Rotärsche” im ES gegen Chelsea verlorenen hatten, habe ich mich sackrisch gefreut….
Immer nett ein Schwank aus einem Löwenleben zu hören 😃
Pyroshow? Ich nenne es Pyrodummheit.
Vielleicht kann mir mal jemand erklären, warum Menschen, die sich Ultra nennen, also sich als “in höchstem Maße, oder über”
Anderen sehen, und für sich in Anspruch nehmen, der Verein zu sein, die erste Mannschaft dieses Vereins immer wieder finanziell schädigen.
Und wenn sie damit die erste Mannschaft des Vereins nicht schädigen würden, dann wärs geil, oder?
Nein, wäre es auch dann nicht.
Ich glaube du wolltest es einfach so interpretieren. Ich gönn dir den Spaß.
Du hast den finanziellen Schaden als Argument gebracht, nicht ich.
Wenn es nur darum geht, den finanziellen Schaden abzuwenden, dann musst du dich an den Verband wenden. Dieser verteilt die Strafen nämlich willkürlich.
Also Pyro wäre doch viel geiler, wenn es diese bescheuerten Strafen nicht gäbe. Das wolltest du doch sagen, oder?
Auto fahren, ohne Rote Ampeln, wäre auch geiler! 😉
Ich wüsste nicht, dass sich irgendwer so vehement dem kreuzungsfreien Straßenausbau verweigern würde, wie der DFB sich gegen Konzepten zum verantwortungsvollen Umgang mit Pyrotechnik verweigert.
Dass du gegen Pyrotechnik bist, weil du ja auch an Ampel anhalten musst, ist übrigens ein sehr schwaches Argument.
Ich wollte nur darauf hinweisen dass es Regeln gibt, ob man die gut findet oder nicht, ist eine andere Frage.
Und wenn Du mir mit Argumenten kommst, okay, ich kenne kein einziges Argument das für Pyro im Stadion spricht aber jede Menge dagegen.
Es ist halt nur eine Ordnungswidrigkeit. War am Sonntag bei Hajduk Split- Dinamo Zagreb. Da war das in Köln ein Tischfeuerwerk dagegen.
Pyro im Stadion schaut halt top aus. Was gar nicht geht, sind die Böller.