Es geht um nichts, die Löwen spielen einen grausamen Schmarrn zam und in den Kommentarspalten von Blogs, Foren, sozialen Medien und auch hier greift nach der Pyroaktion in Schweinfurt wieder die Polemik um sich. Warum auch nicht, man hat ja wieder einen neuen Aufhänger gefunden, um sich den Frust von der geschundenen Löwenseele zu tippen. Könnte mir eigentlich auch egal sein, aber irgendwer muss ja was schreiben. Und ganz ehrlich: Über das Spiel bedarf es nun wirklich keine Worte.

Was? sechzger.de feiert heimlich Pyroaktionen?

Ein beliebtes Thema neben dem Vorwurf, uns wäre es “unangenehm” darüber zu schreiben. Dass Redaktionsmitglieder eines ehrenamtlichen Fanportals an einem Sonntag eventuell auch etwas Besseres zu tun haben, als sich sofort an einen Artikel zu setzen, ist anscheinend völlig abwegig. Vor allem, da wir auch nicht mehr darüber zu berichten haben als das, was öffentlich bekannt ist.

Zum ersten Vorwurf: Ich spreche hier für mich, nicht für meine Redaktionskollegen, aber ja, ich feiere Pyroaktionen. Sie sind für mich ein nicht wegzudenkendes Stilmittel einer lebendigen Fankultur und ich empfinde die Strafenkultur des DFB als skandalös. Wer mit mir darüber diskutieren will, darf mich persönlich ansprechen, aber jede weitere Diskussion in Kommentarspalten macht keinen Sinn. Die Meinungen sind verfestigt und die Talking Points immer dieselben.

Im Grunde ist es das selbe Dilemma wie bei Diskussionen um andere Subkulturen: Wenn dein Gegenüber kein Verständnis für die Subkultur hat, erübrigt sich jede Diskussion darüber. Erst recht, wenn die Ultrà-Kultur hier teilweise als Dienstleistung und nicht als Bewegung angesehen wird.

Wenn ich dann auch noch Kommentare lese, in denen sich darüber ausgelassen wird, dass unsere “Schwachmaten”-Ultras während dem Spiel “beleidigt nach Hause gehen” muss ich doch etwas schmunzeln. Es ist nicht lange her, als unter den Giesinger Gedanken nach dem 0:4 gegen Verl zu Hause ein riesiger Shitstorm vom Zaun gebrochen wurde. Grund: Fans, die vor dem Abpfiff gegangen sind, wurden kritisiert. Ich spare mir hier jeden weiteren Kommentar dazu.

Wie umgehen mit solchen Spielen?

Genug über Pyro, ein anderes Thema liegt mir auch am Herzen: Lasst euch nicht zu sehr vom Sportlichen herunterziehen. Ich hatte Spaß bei dieser Auswärtsfahrt! Vielleicht liegt das auch daran, dass ich vom Spiel weniger als die Hälfte aktiv verfolgt habe. Dafür lass ich mich gerne kritisieren und das muss auch nicht jeder verstehen. Aber gleichzeitig kann ich es auch nur jeder und jedem ans Herz legen. Eure Laune wird es euch danken.

Es geht um nichts, die Mannschaft nimmt es – wie zu erwarten – nicht mehr ernst, also warum sollten wir. Vermutlich ist es nicht schlecht, wenn es einige trotzdem tun. Aber mich sehe ich da nicht.


Die Giesinger Gedanken erscheinen regelmäßig als Kommentar und sind die persönliche Meinung eines Mitglieds unserer Redaktion oder eines Gastautors. Sie spiegeln nicht grundsätzlich die Meinung der gesamten Redaktion wider.

4 4 votes
Artikelbewertung
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
6 Comments
Newest
Oldest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
Lexi

Mal abgesehen von der Pyro-Thematik: Ich verstehe nicht, warum die Ultras hier derzeit so stark wegen der (angeblich) schlechten Stimmung im Stadion kritisiert werden.

Ohne organisierten Support gibt es keine gute Stimmung – gebt ihr mir da recht?

Der organisierte Support kommt von den Ultras. Das bedeutet doch: Denjenigen, denen es zu leise ist, sollten sich einfach dem organisierten Fansupport anschließen. Dann würde die Stimmung doch automatisch besser werden.

Oder boykottiert ihr das etwa wegen ein paar Pyro-Aktionen?

Ich verstehe generell die teils vergiftete Stimmung unter unseren Fans nicht. Wir belegen meistens Platz 1 bei den Auswärtsfahrern der 3. Liga und unser Stadion ist immer ausverkauft! Die Ultras zaubern in ihrer Freizeit immer wieder tolle Choreos und organisieren Spendenaktionen für Bedürftige (beispielsweise der Flohmarkt oder die jährlichen Adventskalenderaktionen). Und wenn die Stehhalle beim Support mitmacht, dann schepperts in halb München richtig.
Darauf sollte man doch geschlossen stolz sein!

Last edited 1 Stunde zuvor by Lexi
Siggi

Schaff doch einfach den Kommentarbereich ab, dann bleibt deine heilige Meinung unangetastet.

Kraiburger

Puh, der Kommentar ist jetzt aber auch nicht so einfach zu akzeptieren.

Indem man sich hinstellt und sagt, “Das ist halt Subkultur, davon versteht ihr nix also diskutier i ned .. ” ist man argumentativ nicht weit vom gegenteiligen “ja aber, es kost halt Geld … !” entfernt.

Im Feld dazwischen gäbe es soviele starke bis schwache Argumente, die man anführen kann. Sei es von den willkürlichen Strafen eines gerichtsunabhängigen Verbands, über die These “dass gute Fans nunmal teuer sind!” bis hin zu “Um das Verbot zu locker, müssen wir beweisen, dass Pyro ungefährlich ist!”.

Richtig, all das wurde schon tausendmal diskutiert. Genauso wie die Stadiondiskussion, der Investorenstreit und das Tempolimit. Viele Argumente werden auf taube Ohren stoßen. Aber wie in diesen Kommentar angedeutet, einfach die Diskussion einzustellen ist meines Erachtens auch nicht zielführend.

Was ich in der Thematik immer nicht verstehe ist das Argument “Es schaut halt geil aus, aber ich bin dagegen weil es Geld kostet!”. Wäre derjenige denn für Pyrotechnik, wenn es kein Geld kosten würde? Weshalb ist der Empfänger der Kritik dann derjenige, der Pyrotechnik genauso geil findet, und nicht derjenige, der die willkürlichen Strafen verteilt?

Stefan Kranzberg

Zu Letzterem folgt heute noch ein Artikel.