Mindestens 330€ darf man als Vollzahler*in nächste Saison blechen – und gleich mal das Doppelte, sobald man sitzen möchte, ohne einen völlig unnötigen Zaun vor dem Gesicht zu haben. Das entspricht im Vergleich zu den Dauerkartenpreisen in dieser Saison einer Preisteigerung von 8,2% für Steher und 5,2% für Sitzer.
Die erste Version dieser Giesinger Gedanken war noch deutlich bissiger formuliert. Bei manchen Themen konnte ich mich in der Zwischenzeit etwas beruhigen und zumindest teilweise Verständnis entwickeln, bei anderen trifft das eher weniger zu.
Selbst bei gutem Fußball ist dieser Preis nicht hinnehmbar
In einigen Kommentaren heißt es sinngemäß: “Für so einen schlechten Fußball soll ich so viel zahlen?”. Dem möchte ich entgegenhalten, dass man für keinen noch so guten Fußball so viel zahlen sollte, geschweige denn muss. Für Bundesliga-Fußball zahlte man in der Saison 25/26 durchschnittlich 214€ für eine Stehplatzdauerkarte. Fans der Borussia aus Dortmund mussten dabei mit 260€ am tiefsten in die Tasche greifen – satte 45€ weniger als Fans der Löwen in der Saison 25/26 zahlen mussten. In der 2. Bundesliga lag der Durchschnittspreis für eine Stehplatzdauerkarte vergangene Saison bei 230€.
Während also andere Vereine ihre Preise fanfreundlich niedrig halten oder nur leicht erhöhen, gibt es beim TSV 1860 München wohl eine andere Philosophie, wie man mit seinen treuen – und zahlenden – Fans umgeht. Seit der Rückkehr in das Grünwalder Stadion hat sich beispielsweise der Preis für eine Dauerkarte in der Stehhalle um etwa 110% erhöht. Nun könnte man denken, dafür hätte sich wenigstens infrastrukturell etwas verbessert, aber im Gegenteil: Selbst das inkludierte Nahverkehrsticket wurde in der Saison 24/25 gestrichen.
Um die Preispolitik der Löwen vollends einordnen zu können, muss man aber auch ein Blick auf die strukturellen Unterschiede im deutschen Profifußball werfen. Der wohl größte Faktor ist die TV-Geld-Verteilung: Während Erstligisten in der Saison 25/26 zwischen ca. 25 und 80 Millionen Euro aus den Medienrechten erhielten, bekamen Zweitligisten von der DFL im Schnitt noch etwa 8–12 Millionen Euro – Drittligisten hingegen nur rund 2–3 Millionen Euro aus einem separaten, deutlich kleineren DFB-Topf. Dass Ticketeinnahmen in der 3. Liga deshalb eine deutlich größere Rolle spielen, ist nachvollziehbar. Das rechtfertigt aber meiner Meinung nach nicht diesen eklatanten Preisunterschied – auch im Vergleich zu anderen Drittligisten, die in dieser Saison im Schnitt (uns herausgerechnet) rund 220 € für eine Stehplatzdauerkarte verlangten.
Sozialverträgliche Preisgestaltung? Fehlanzeige!
Hier beginnt dann übrigens der Teil, bei dem ich mich eher weniger beruhigen konnte: Schwerbehinderte bekommen eine “moderate” Preiserhöhung von bis zu 30% zu spüren. Dafür fehlen mir ehrlich gesagt einfach nur die Worte. Den Gedankengang, ausgerechnet hier preislich so hart anzuziehen, soll mir mal bitte jemand erklären. Denkt man, das würde nicht so auffallen, weil es den Großteil nicht betrifft?
Ähnlich wenig Verständnis habe ich für die Entscheidung, Schülern, Studierenden, Azubis, usw. eine – wie ich finde – Alibi-Ermäßigung vorzusetzen. Ganze 15€ Ersparnis wird ihnen auf den Stehplätzen zugestanden. Sorry, aber das ist doch eine Farce! Das ist weder fair noch sonderlich hilfreich, um kommende Fangenerationen an den Verein zu binden.
Das Image des Arbeitervereins, des Vereins der kleinen Leute, trifft halt höchstens noch auf die Fans zu. Die KGaA tut jedenfalls ihr Bestes, genau dieses Klientel durch ihre Preispolitik auszusperren.
60 Jahre Deutscher Meister – Glückwunsch Braunschweig!
Wer sich nun über die Dauerkartenpreise noch nicht genug aufgeregt hat – wie ich zum Beispiel –, kann sich zusätzlich über die Vermarktung der neuen Dauerkarten ärgern. In der laut KGaA “Jubiläumssaison” wurden zwar 1966/67 auch Löwen Deutscher Meister, nur leider irgendwelche aus Braunschweig. Naja, kann ja mal passieren – München oder Braunschweig, Hauptsache Löwen, wird man sich wohl gedacht haben.
Ach, und bitte nicht wundern: Den Radi hat es durch den (mutmaßlichen) Einsatz von KI beim Design der Dauerkarte etwas entstellt. Ein schönes Andenken und echte Wertschätzung für die Legenden unseres Vereins.
Ausgebautes Grünwalder Stadion als Chance
Wieder beruhigen und zurück zu den Gründen der Preispolitik bei den Löwen: Man wird nicht drumherumkommen, die aktuelle Situation rund um das Grünwalder Stadion als zusätzlichen Faktor für die hohen Preise zu betrachten. Nun kann man darauf schimpfen – oder man macht sich Gedanken, was die realistischen(!) Alternativen sind. Wie würde es zum Beispiel im Olympiastadion ausschauen? Würden dort über 11.000 Dauerkarten vor Saisonbeginn verkauft werden? Hätte die KGaA dort dieses Level an Planungssicherheit und finanziellen Mitteln durch Dauerkartenverkäufe? Sicherlich nicht. Und aus Fansicht: Wären die Ticketpreise dort niedriger? Schwer vorstellbar.
Eher bin ich hoffnungsvoll auf ein ausgebautes Grünwalder Stadion, von den Löwen per Erbpacht übernommen. Inklusive neuen Vermarktungsmöglichkeiten und Logen, die helfen die Preise für normalsterbliche Stadionbesucher*innen wieder zu senken. Die Hoffnung auf kreative und fanfreundliche Lösungen in der aktuellen Situation ist aber mittlerweile passé.
Ja mei, huift ja nix
Jetzt habe ich mich hier mehr aufgeregt als ich eigentlich wollte, nur um dann doch wieder eine Dauerkarte zu kaufen. Ziemlich inkonsequent – und ich merke selbst, wie meine Kritik ziemlich verblasst angesichts dessen, dass ich trotzdem wieder ein braver Kunde bin. Ich weiß auch gar nicht, welcher Preis aufgerufen werden müsste, damit ich nicht mehr ins Stadion gehe. Das ist ja die ganze Krux an der Sache. Ich bin Fan, der Verein ist ein großer Teil meines Lebens und Heimspieltage sind ein Anker in meiner Woche. Wie sehr kann man also eine solche emotionale Bindung ausreizen? Ich hoffe, ich erfahre es nicht.
Die Giesinger Gedanken erscheinen regelmäßig als Kommentar und sind die persönliche Meinung eines Mitglieds unserer Redaktion oder eines Gastautors. Sie spiegeln nicht grundsätzlich die Meinung der gesamten Redaktion wider.











Wie schon Marx in seinem großen deutschen Roman schrieb..: fuck reality….
Solange man teure Pyrotechnik ins Stadion schleppen kann, braucht man sich nicht über diese moderate Preiserhöhung beschweren.
Ich kann Deinem Kommentar (fast) nur zustimmen.. auch wenn ich die Preissteigerung um 25 € (in meinem Fall x2) auf die Anzahl der Spiele gesehen einigermaßen ok finde..
Problematisch ist halt, dass wir schon immer zu teuer/sehr teuer waren und dann ist es eben fast klar, dass es nur so weitergeht..
Viel wichtiger fände ich, dass die KGaA sich hierzu einfach mal erklären würde… Warum wir Jahr für Jahr finanziell nicht (ansatzweise) über die Runden kommen und die Preise derart hoch sind/erhöht werden müssen..
Ich sag mal so, die Spieler verdienen nicht alle 150.000€… die Ärztin keine halbe Million, der GF keine Viertelmillion..
Und zum Design der Dauerkarte, ich möchte keine Grundsatzdiskussion beginnen, aber wie ist das bei uns gleich nochmal mit dem Marketing und PR, wie sind die Stellen in der Geschäftsstelle besetzt? Ach lassen wir das..
Und zu den Vermarktungsmöglichkeiten..
Wäre mal schön zu erfahren, wieviel Provision Infront kassiert… Sponsorenakquise, VIP-Betreuung,… ist das günstiger (als 3. Ligist), wenn es ein Dritter macht?
Es ist eine Frage von Angebot und Nachfrage und ich glaube kaum dass jemand wegen 25€ keine Dauerkarte mehr nimmt. Der Vergleich zur 1. und 2. Liga hinkt auch, weil es dort weniger Heimspiele sind. Und wenn sich jemand wegen 25 Euro pro Jahr aufregt dann einfach 5 Bier pro Jahr weniger im Stadion trinken, schon hat man es wieder herin. Das einzige was mich auch ärgert sind die Leistungen auf dem Rasen und dafür auch noch mehr zahlen, aber dafür sind wir im schönsten Stadion der Welt 😄
Wäre es nicht schön wenn sich der Fußball nicht an BWL Floskeln orientiert?
Da man in der 1. und 2. Liga zusätzlich zum sehenswerteren Fußball und moderneren Stadien (nicht dass das ein Faktor für mich wäre) sich meist zusätzlich ein Vorverkaufsrecht für den DFB-Pokal und vereinzelt Europäische Wettbewerbe kauft, sehe ich den Vergleich nicht hinken. Unsere Dauerkartenpreise würden bei einem Aufstieg ja sicherlich auch nicht sinken.