Nun ist die zweite “4” von Hasan Ismaik etwa 24 Stunden alt und Stück für Stück werden die Konsequenzen seiner Entscheidung sichtbar. Nachdem gestern Abend noch Hauptsponsor “Die Bayerische” die Notbremse zog und per Sonderkündigungsrecht das Sponsoring der TSV 1860 München KGaA einstellte, wird heute bekannt, dass Ismaik eine Insolvenz der KGaA nicht mit allen Mitteln verhindern würde.
Würde Ismaik eine Insovenz der KGaA zulassen?
Nachdem Hasan Ismaik die Frist zur Bereitstellung von 2,7 Mio. € zur Erlangung der Drittligalizenz verstreichen ließ, wird sich beim TSV 1860 Einiges ändern. Die Profifußballer stiegen natürlich erneut zwangsweise in die Regionalliga ab und die KGaA muss sich einen neuen Hauptsponsor suchen. Außerdem steht eine juristische Auseinandersetzung zwischen der KGaA und ihren 60%-igen Inhaber um die Kündigung der Darlehen bevor. Klar ist, dass der KGaA aktuell auch als Regionalligist für die kommende Saison Beträge in Millionenhöhe fehlen werden. Wo das Geld zur Sicherung des Spielbetriebs herkommen soll, ist derzeit natürlich noch unklar. Allerdings drängt die Zeit. Offenbar ist Hasan Ismaik diese Situation bewusst und er scheint bereit, eine Insolvenz der KGaA in Kauf zu nehmen.
Ismaik: “Keine Lösung, Jahr für Jahr neues Geld zur Verfügung zu stellen”
Wie die Süddeutsche Zeitung heute berichtet, liegt die Summe ironischerweise auch im Bereich von 2,7 Mio. €. Wir haben überschlagsmäßig einen Betrag in ähnlicher Höhe errechnet. Wie die SZ weiter berichtet, stellte Ismaik ihr gegenüber klar, dass er keine weiteren Finanzmittel zur Verfügung stellen wolle. „Ich glaube, mittlerweile ist allen klar, dass es keine Lösung sein kann, Jahr für Jahr einfach nur neues Geld zur Verfügung zu stellen,“ zitiert die Zeitung den Jordanier. Damit dürfte er mit den allermeisten Löwenfans endlich mal einer Meinung sein. Warum er aber vor diesem Hintergrund akzeptierte, dass das Budget für die vergangene Saison ohne Gegenfinanzierung noch im Mai 2025 erhöht wurde, führte er nicht aus.
Stattdessen fragt sich Ismaik, was ein Großteil der Löwenfans seit Jahren fordert, nämlich: “wie der Verein ein stabile Zukunft aufbauen will, die nicht jede Saison von Notfallfinanzierungen abhängig ist.” Möglicherweise wäre die alljährliche Erhöhung des Spieleretats kurz vor Saisonbeginn ein Weg gewesen, sich diverse Notfallfinanzierungen und Getöse um Wandlungen von Fremdkapital in Genussscheine zu ersparen. Sportlich hätte man dann natürlich auf kleinerer Flamme kochen müssen. Aber im Endeffekt führten die fast schon traditionellen Budgeterhöhungen auch nicht zum heiß ersehnten Aufstieg in die zweite Liga.
Muss die KGaA nun Insolvenz anmelden?
Viel Zeit, Lösungen zu finden, bleibt allen Beteiligten nicht, wenn man die KGaA noch vor der Insolvenz retten will. Die SZ spricht von einer “landläufigen” dreiwöchigen Frist im komplexen Insolvenzrecht, die KGaA-Geschäftsführer Manfred Paula nun Zeit hat, um eine Insolvenz zu vermeiden oder entsprechend beim Amtsgericht anzumelden. Am 26.05. verkündete Paula, dass er wegen der ausbleibenden Zahlungen von Ismaik in die “Notgeschäftsführung” wechselte. Es bleiben nach der “landläufigen Frist” also noch etwa 1,5 Wochen.
Sollte eine Insolvenz der KGaA unvermeidlich sein, wäre es aus sportlicher Sicht ratsam, diese vor dem 30.06. anzumelden. Denn der BFV erklärte, dass diese dann noch vor der Saison 26/27 stattfinden würde. Damit würde sie aus Verbandssicht noch in die Saison 25/26 fallen und könnte nächste Saison nicht bestraft werden. Zahlreiche Löwenfans sehen wohl auch eine möglichst schnelle Insolvenz der KGaA als beste Lösung an. In diversen großen Gruppen in den sozialen Medien werden Aufrufe geteilt, seine Jahreskarte zu kündigen und die Finanznot der KGaA somit noch zu erhöhen.
Ismaiks Motive liegen mal wieder im Dunkeln
Wegen der ausbleibenden Zahlungen prüft die KGaA bereits rechtliche Schritte und auch Schadenersatzforderungen des zweiten Anteilseigners der KGaA (dem TSV 1860 München e.V.) sind durchaus denkbar. Denn durch die Nicht-Bereitstellung der notwendigen Finanzmittel verstieß Ismaik gegen den Kooperationsvertrag. Durch den Zwangsabstieg sind nun wertvolle Spieler wie Sigurd Haugen oder Sean Dulic ablösefrei, wodurch der KGaA und ihren Besitzern erhebliche Werte verloren gehen.
Vor diesem Hintergrund muss man sich nun erneut fragen, welche Motive Hasan Ismaik zur gestrigen Entscheidung getrieben haben. Verfügt er vielleicht schlicht und einfach nicht mehr über die geforderten Finanzmittel? Ebenso ist absolut nicht nachvollziehbar, wieso Ismaik seine Anteile in den letzten Monaten nicht verkauft hat. Dem Vernehmen nach lagen ihm mehrere Angebote in Höhe 20 Mio. € und mehr für seine 60% an der KGaA vor. Im Falle einer Insolvenz dürfte er leer ausgehen. Falls ihm vorher noch ein Verkauf seiner Anteile gelingen sollte, wird sicher niemand mehr Beträge in der genannten Höhe auf den Tisch legen. Damit bleibt mal wieder nur die Erkenntnis, dass man Ismaik und seine Entscheidungen mit rationalen Gedankengängen einfach nicht nachvollziehen kann.









Er wird gar nicht allein über den Verkauf der Anteile entscheiden können. Das investierte Kapital gehört ihm vielleicht gar nicht.
Die gesamten 15 Jahre sind rational nicht zu erklären.
Exakt, hierzu auch ein schöner Kommentar von der SZ. Auch relativ stabil in deren Berichterstattung:
Kommentar zum Zwangsabstieg des TSV 1860 München in die Regionalliga – Sport – SZ.de
Mal ein Gedanke, den ich bisher noch nirgends gelesen habe – vielleicht ist er ja auch komplett daneben, aber ich werfe ihn einfach mal in die Runde: Ist eigentlich jemand schon auf die Idee gekommen, dass hinter dem geplanten Verkauf im letzten Jahr in Wahrheit Ismaik selbst gesteckt haben könnte?
Die Logik dahinter wäre eigentlich ziemlich elegant. 1860 hat ein Vorkaufsrecht. Das heißt, wer Ismaiks Anteile wirklich übernehmen will, muss erst einmal ein Angebot auf den Tisch legen, das den Verein zwingt, zu reagieren oder selbst zu handeln. Genau hier wird es interessant: Wenn man als Verkäufer einen Preis durchsetzen möchte, den der Markt eigentlich nicht hergibt, dann ist das Vorkaufsrecht der perfekte Hebel. Man präsentiert einen Käufer, der angeblich bereit ist, deutlich mehr zu zahlen als jeder realistische Investor – die berühmte „Schweizer Familienholding” lässt grüßen – und zwingt damit den Verein in die Situation, entweder selbst jemanden aus dem Hut zu zaubern, der diese Summe stemmt, oder zähneknirschend zuzusehen, wie die Anteile zu genau diesem Preis weggehen.
Funktioniert hätte der Plan auf zwei Wegen. Entweder 1860 hätte über das Vorkaufsrecht jemanden präsentiert, der bereit ist, die geforderte Summe zu zahlen – dann hätte Ismaik seinen Wunschpreis. Oder der Verein passt und der „Käufer” übernimmt zum überhöhten Preis – wobei sich dann eben die Frage stellt, ob es diesen Käufer in dieser Form überhaupt je gab.
Was aus meiner Sicht für diese Theorie spricht: Diese ominöse Holding, über die nie wirklich etwas Belastbares an die Öffentlichkeit gekommen ist. Kein Gesicht, keine konkreten Strukturen, nichts Greifbares. Und am Ende? Ist alles im Sand verlaufen. Genau das, was passieren würde, wenn ein Bluff irgendwann auffliegt oder schlicht niemand mitspielt.
Und vielleicht ist genau das auch der Punkt, an dem Ismaik selbst die Hoffnung verloren hat. Wenn man merkt, dass selbst mit diesem Manöver niemand bereit ist, den eigenen Wunschpreis zu zahlen – weder ein vermeintlicher Drittkäufer noch jemand aus dem Umfeld des Vereins – dann weiß man eigentlich: Diese Summe wird man nie bekommen. Und ab dem Moment hat man als Verkäufer ein echtes Problem – nämlich die eigene Preisvorstellung mit der Realität in Einklang zu bringen.
Ist nur eine These. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Sinn ergibt sie für mich.
Wenn man – wie ich – nicht der Meinung ist, dass Ismaik ein U-Boot der Roten ist, dann gibt es für mich nur eine Erklärung für sein Handeln: Gekränkte Menschen kränken Menschen…
Das mag sein bzw. eine Rolle spielen. Ich persönlich glaube, dass HI einfach nicht kapieren will, dass er trotz 60% Anteilen nicht das alleinige Sagen hat. Er versucht immer wieder, finanzielle Notsituationen anzubahnen um sie dann unter immensem Zeitdruck dazu zu nutzen, seinen Alleinherrscheranspruch gegen die eV-Seite durchzusetzen. Mit aller Macht und mit allen Tricks. Aber er unterschätzt die eV-Verantwortlichen, die Mitglieder und den neuen GF. Die lassen sich nicht mehr über den Tisch ziehen (hoffe ich).
Das ist schon pathologisch, wie der Typ handelt.
https://www.kicker.de/ismaik-wird-1860-muenchen-nicht-vor-der-insolvenz-bewahren-1225263/artikel
Ist zwar lang aber richtig gut geschrieben…
https://www.business-punk.com/business/1860-muenchen-zwangsabstieg-2026-lizenzentzug/5/
Ja! Bitte unbedingt lesen! Aber bitte von vorne anfangen (nicht erst ab Seite 5).
https://www.business-punk.com/business/1860-muenchen-zwangsabstieg-2026-lizenzentzug/
Danke für den link.
Leider mies recherchiert bzw. Sehr unpräzise Ki.
60 war nie eine AG. Es gab nie einen Trainer namens Markus Steck. Robert Reisinger ist kein Maschinenbauunternehmer, KC Bay war beim vermeintlichen Verkauf letztes Jahr nicht für die HAM beim Notar. Das Konsortium Hitzlsberger/Reyek wollte nicht 22-24 kaufen, sondern jetzt. Und, und, und.
Dennoch im Prinzip lesenswert und einiges interssantes.
Insolvenz anmelden und jetzt komplett von vorne beginnen. Da braucht es auch keine Regionalliga. Ab in die Bayernliga.
Aber Hauptsache, die Marketing-GmbH schickt heute wieder Werbemails rum.
Das kannst doch auch keinem glaubhaft erklären, der es nicht seit 15 Jahren miterleben muss…