Am Dienstag, 21. Juli, um 18:30 Uhr steigt das erste Pflichtspiel des TSV 1860 München nach dem großen Knall. In der ersten Runde des Toto-Pokals sind die Löwen beim Kreisklassisten SV Eintracht Berglern zu Gast. Wir haben im Vorfeld der Partie mit
Berglern-Spielertrainer Michael Faltlhauser gesprochen, der selbst bekennender Löwen-Fan ist. Der 34-Jährige, der kommende Woche in den Lehrgang für die B-Lizenz startet, spricht über den Abstieg mit seinem Club und den Zwangsabstieg der Sechzger. In einem Punkt ist er sich, bezogen auf beide Clubs, sicher: “Liebe kennt keine Liga!”
Den Löwen legte der Ur-Opa in die Wiege
Servus Michael, danke dass Du Dir Zeit für ein Interview mit uns nimmst. Magst Du Dich mal kurz vorstellen bitte? Was machst Du, wenn Du nicht gerade Trainer von Eintracht Berglern bist und wie ist Deine Verbindung zum TSV 1860?
“Servus Thomas, ich bin 34 Jahre, wohne in Eitting und gehe neben dem Spielertrainer-Dasein meinem Job als Projektkoordinator Bau nach. Die Verbindung zu 1860 ist immens, diese hat mir meine Uropa in die Wiege gelegt. Eine Verbundenheit der Eittinger Sechzger-Ikonen Albert Gröber und Stefan Lex besteht natürlich auch.”
War für Euch von vorne herein klar, dass ihr Euch die Löwen als Gegner aussucht, wenn ihr die Gelegenheit dazu bekommt?
“Ich habe eine WhatsApp-Abstimmung erstellt, welchen Gegner wie auswählen sollen, wenn wir das erste Los bekommen. Das Ergebnis war deutlich. Sechzig vor allen anderen Clubs, da herrschte Einstimmigkeit.”
Was waren Deine ersten Gedanken, als ihr als erster Club wählen durftet und klar war, dass ihr gegen 1860 spielen werdet? Geht damit auch eine Art „Kindheitstraum“ in Erfüllung?
“Ja, es ist ein Kindheitstraum und ich wurde sehr emotional, nachdem unser Kapitän Sebastian Herrmann die Rede in Bad Kötzting hielt. Aber nicht nur für mich, sondern für alle Vereinsmitglieder, wird dies ein unvergesslicher Tag werden.”
Faltlhauser: “Liebe kennt keine Liga!”
Ihr seid in der letzten Saison aus der Kreisliga abgestiegen, jetzt wartet ein Pflichtspiel gegen 1860. Muss man sich da morgens erstmal zwicken, um das alles zu realisieren? Das ist ja doch ein großer Kontrast…
“Na klar ist der Kontrast groß. Im Vergleich zu unseren sonstigen Gegner hat Sechzig eine wahnsinnige Stahlkraft. Sechzig ist einfach Kult. Der Abstieg ist nicht das große Thema bei uns, weil wir zusammen geblieben sind. Als Motto nehmen wir: Liebe kennt keine Liga. Das ist bei Sechzig ja ähnlich.”
Wie bereitet ihr Euch auf das Spiel vor? Beobachtet ihr zum Beispiel die Löwen am Sonntag in Aindling?
“Wir haben die Zügel im Training angezogen und jeder ist richtig heiß auf das Event. Aber nicht nur das Training, sondern auch Arbeitseinsätze gehören für uns Spieler dazu. Von Gegner-Beobachtungen halte ich nichts, wir fokussieren uns auf unsere Spielprinzipien.”
Schwingt auch ein klein wenig Wehmut mit, dass nach dem Zwangsabstieg des TSV 1860 im Vergleich zum Vorjahr keine ganz großen Stars dabei sein werden?
“Für die Situation bei Sechzig können wir nichts. Am Dienstag spielen wir gegen die erste Mannschaft eines Kultvereins schlechthin und das ist Ehre genug.”
Hohe Sicherheitsauflagen führen zu hohem Eintrittspreis
Wie läuft die Organisation bisher? Der Aufwand ist ja doch relativ groß und der Vorlauf kurz. Seid ihr angerichtet, auf was dürfen sich die Löwenfans alles freuen und gibt es eine Zuschauerobergrenze?
“In Berglern halten alle zusammen. Das macht uns aus und die Orga für ein großes Fußballfest läuft auf Hochtouren. Auch wenn wir nur ähnlich viele Zuschauer haben werden (1700 ist die festgelegte maximale Zuschauerzahl) wie in unserem Relegations-Spiel vor fünf Wochen. Dort wurden keine Taschenkontrollen durchgeführt und sonstige Auflagen vorgegeben. Das hat auch funktioniert. Der Fußballfan an sich ist kein Verbrecher. 55 Securities find ich maßlos überzogen.”
Der Eintrittspreis ist mit knapp 20€ im Vergleich zu den letzten Jahren relativ sportlich. Liegt das an den Ausgaben für Sicherheitskräfte usw.?
“Wie bereits erläutert, mussten wir aus Kostengründen dementsprechend handeln und bitten um Verständnis. Der Aufwand ist nicht ohne für so einen kleinen Dorfverein. Leider haben wir durch die hohen Auflagen des BFV und deren vorgegebenen Sicherheitskonzept erhebliche Kosten, die durch die Teilung des Eintritts nicht getragen werden. Hinzu kommt, dass die Zuschauerzahl durch BFV und Polizei auf 1.700 begrenzt wurde. Wir teilen den Eintritt mit 1860 und der BFV bekommt durch den Sozialeuro auch noch seinen Anteil. Dennoch war es uns wichtig, dass wir dem Motto “Keinen Zwanni für einen Steher” treu bleiben konnten.”
Berglern-Coach: “Das ist kein Freundschaftsspiel”
Was erwartest Du sportlich von Deiner Mannschaft auf dem Platz und auf was müssen sich die Löwen am Dienstag einstellen?
“Der Berglerner Kessel wird brennen. Es ist kein Freundschaftsspiel. Auch wenn ich ein Sechzger bin, werden wir alles abrufen, um die höherklassige Mannschaft so lange es geht zu ärgern. Die Sechzger-Spieler dürfen sich auf unsere Gästekabinen freuen, die demnächst komplett saniert werden…”
Was habt ihr Euch als Team vorgenommen für die neue Saison? Habt ihr Neuzugänge und ist die Rückkehr in die Kreisliga das große Ziel?
“Die Entwicklung der eigenen Spieler steht im Vordergrund, wir spielen nur mit Berglernern. A-Jugendliche sind zum Kader dazugestoßen und sonst ist die Mannschaft zusammen geblieben. Der Charakter des Teams ist stark und wir können jeden schlagen. Alles andere wird sich zeigen.”
“Der Zwangsabstieg der Löwen ist eine Chance!”
Wie hast Du den Zwangsabstieg der Löwen verfolgt und wie ist Deine aktuelle Stimmungslage in Bezug auf 1860?
“Für mich ist der Zwangsabstieg eine Chance. Ehrlich gesagt war ich noch nie Sympathisant von unserem Investor, dessen Namen ich nicht mehr erwähnen möchte. Die Sechzger Szene lebt und man merkt eine gewisse Euphorie. Bin mir sicher, dass es bald wieder aufwärts gehen wird. Werde immer zu meinem Verein stehen, egal was kommt!”
Vielen Dank für das Gespräch.










