Chancenwucher und inkonsequentes Abwehrverhalten der Löwen sorgte dafür, dass das Derby gegen die kleinen Roten am Sonntag Nachmittag verloren ging. Die Enttäuschung ist den meisten Protagonisten, die hier in unseren Stimmen zum Spiel zu Wort kommen, deutlich anzumerken.

Thomas Spiesl (Redakteur sechzger.de):

Ein bitterer Sonntag für die Löwen. Dabei hatte der Tag so schön und stimmungsvoll begonnen. Die Fans waren vor dem Spiel gut drauf, die Löwen legten gut los, trafen aber die Kiste nicht und wurden eiskalt bestraft. Den Kampfgeist kann man unserer Mannschaft absolut nicht absprechen, aber am Ende zählen die Tore. München Rot sehr effizient, wir mal wieder nicht. Daher geht das Ergebnis am Schluss in Ordnung, auch weil die Bubis unsere Defensive mehrmals gehörig durcheinander gewirbelt haben. Schade und bitter, aber auch dafür gibts nur drei Punkte – oder wegen Pyro eher sogar weniger. Stimmungstechnisch waren die frühen Gegentore leider auch ein Tiefschlag. Da hatte das Pokalspiel gegen Kiel mehr Power im Sechzgerstadion. Aber Haken dahinter und nach vorne schauen. Bis zum Winter gibts noch 18 Punkte zu holen!

Claus Melchior (Vereinshistoriker mit viel Derby-Erfahrung):

Was soll man sagen? Frust pur. Ich hatte schon vorher kein gutes Gefühl. Unsere Derbybilanz gegen diesen Gegner war ja weder in Liga 3 noch der Regionalliga seit 2017 überragend. Und dazu die Chance, ganz nahe an die Tabellenspitze zu rücken? So was vermasseln wir seit einer halben Ewigkeit regelmäßig, egal in welcher Liga.
So kam’s dann leider auch. Unzureichende Chancenverwertung und immer mal wieder mangelnder Zugriff in der Abwehr ziehen sich ja schon durch die ganze Saison, trotz der insgesamt ordentlichen Ergebnisse. Und heute haben es die Bubis von der Seitenstraße halt gnadenlos ausgenutzt.
Egal, Kopf hoch, weitermachen! Ich habe schon ganz andere Derbyschlappen erlebt. 2017/18 haben wir beide Spiele verloren und sind trotzdem aufgestiegen. Und wenn ich sehe, wie die anderen Vereine so rumeiern, würde ich das auch in dieser Saison nicht ausschließen, da hat sich meine Einschätzung in den letzten Wochen geändert. Wofür es natürlich mehr Stabilität in der Abwehr braucht und mehr Kaltschnäuzigkeit vor der gegnerischen Kiste.
Großes Lob für die Westkurve, nicht nur für den Support generell, sondern auch für die Disziplin, auf das rote Feuerwerk nicht zu reagieren. Wäre nicht schlecht, wenn die Roten sich damit einen Punktabzug verdient hätten. Auf geht’s BFV! Brauchen wir umgekehrt nicht und die Regeln sind ja nun mal so.

Frank Peuker (ehemaliger Löwenspieler):

Wir haben uns leider selbst geschlagen. Es war aus meiner Sicht, heute in der Offensive in dieser Saison unsere beste Leistung. Chancen zur Führung und zum 3:3-Ausgleich wurden aber leider nicht genutzt. Unser Abwehrverhalten war genau das Gegenteil. So einfach und billig, wie wir die Tore kassiert haben, kann man nicht verteidigen. In den letzten 20 Minuten fehlte dann die Durchschlagskraft, da hätte ich mir die ein oder andere Auswechslung gewünscht.

Alper Kaybunar (in der PK nach dem Spiel):

Aus unserer Sicht natürlich ein sehr enttäuschendes Ergebnis. Wir haben uns was anderes vorgenommen. Ich denke, dass wir eigentlich sehr gut ins Spiel starten mit einer Riesenmöglichkeit, um in Führung zu gehen und dann sogar noch eine Möglichkeit hätten. Da muss man sagen, wir betreiben viel Aufwand, um uns Torchancen zu erarbeiten und dann mit einem langen Ball vom Torwart ist die komplette Kette überspielt und wir kassieren halt ganz einfach das das 1:0. Ähnlich auch mit dem 2:0. Wir sind gefühlt mit zwei Torschüssen hinten. Wir haben trotzdem gute Möglichkeiten und schießen eigentlich immer zum richtigen Zeitpunkt. Nach der Halbzeitpause nehmen wir uns natürlich vor, schnell zurückzukommen. Das gelingt uns dann auch gut und dann passiert es – genauso wie in der ersten Halbzeit – dass wir ganz schnell wieder den Treffer kassieren und dann wird’s schwer, ein Spiel zu gewinnen. Wie gesagt, gefühlt jeder Torschuss ein Gegentor und wir verballern einfach zu viele Möglichkeiten. Und dann wird‘s schwer so ein Derby zu gewinnen.

Dante (in der PK nach dem Spiel):

Zum ersten Mal bei diesem Derby habe ich das sehr, sehr genossen – außer meiner Roten Karte. Ich glaube, das war keine gute Aktion von mir. Ich muss mich bei unseren Fans und auch bei unserem Verein entschuldigen. Aber ich glaube auch, dass das beim Fußball dazu gehört. Und ich gratuliere auch trotzdem dem Gegner, weil sie haben einen sehr hohen Druck auf unsere Mannschaft gemacht. Sie haben nie aufgegeben, bis zum Ende gekämpft. Für uns war das das schwierigste Spiel diese Saison. Und deswegen ich bin glücklich und froh, dass wie am Ende dieses Spiel gewonnen haben. Das war nicht einfach, weil der Gegner – trotz dass er verloren hat – hat aus meiner Sicht sehr gut gespielt!

Christian Jung (sechzger.de Redakteur):

Das Spiel hat mich ein wenig an frühere Bundesliga-Derbys erinnert: Die Löwen mit Chancen-Wucher, die Roten mit eiskalter und kühl kalkulierter Effizienz, ohne irgendwie zu glänzen, was ja ihrem eigenen Selbstbild entsprechen würde. Rudelbildung und Platzverweis für den roten Trainer, Da war einiges drin.
Und wie früher auch regelmäßig, haben die roten Kunden natürlich die peinlichste Aktion des Tages gebracht: Ihr Spruchband, in dem sie uns vorrechnen, wie viele Tage zwischen der KGaA-Insolvenz und der Gründung der neuen Gesellschaft vergangen sind, hat mal wieder bewiesen: Die hängen einem klassischen Konstrukt des modernen Fußballs an, einer Aktiengesellschaft, die zu einem Viertel Audi, adidas und der Allianz gehört und haben offensichtlich nicht verstanden, dass unsere GmbH zu 100% in Händen des Vereins und seiner Mitglieder liegt. Peinlich – aber eben genauso, wie man es von ihnen kennt.

Florian Niederlechner (im Derby ohne Torerfolg):

Wir haben wieder ein gutes Spiel gemacht. Aber die Chancenverwertung – das zieht sich ein bisschen durch die Hinrunde – war nicht gut. Ich hab‘, glaub ich, vier Schüsse. Und die hatten bis zum 4:2 vier oder fünf Schüsse und machen daraus vier Tore. Das ist brutal! Einer wie ich muss in so einem Spiel vorangehen, muss die Chancen machen, dann geht’s ganz anders aus.

Nina (ehemalige Redakteurin bei sechzger.de):

Das Aufgebot am Sonntag hat mir mal wieder gezeigt, dass Sechzig – egal in welcher Liga – immer noch eine große Rolle in der deutschen Fußballlandschaft spielt. Ob bei der Mobilisierung von Fans, den Berichten in den Medien, Bildern und Videos auf Instagram und Co… Man hat die Vorfreude und die Anspannung überall gespürt, selbst bei mir in Berlin. Deswegen war es mir wichtig, für dieses Spiel nach München zu kommen. Ich hatte das Gefühl, dass wir gerade in der ersten Halbzeit eigentlich stark gespielt haben und uns leider nicht belohnen konnten. Die Niederlage ärgert mich daher ziemlich. Gerade der provokante Torjubel von Nachwuchsspielern war im Rahmen dieses Spiels auch unangebracht und hat die hitzige Stimmung nur weiter befeuert. Zum Schluss war die Luft bei den Löwen raus und davon haben die Bayern Amateure (leider) profitiert. Trotzdem kann man sich über den gelungenen Fanmarsch und die Stimmung freuen. Giesing ist einfach ein besonderer Ort und so einen Verein wie Sechzig gibt es kein zweites Mal. Das ist zumindest ein kleiner Trost.

 

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10 Comments
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1860_4ever

Wenn ich mir das 1 : 0 noch mal vor Augen führe, denke ich, das der Tim Binder den Ball kurz mit dem linken Oberarm mit genommen hat um ihn besser zu kontrollieren, bevor er die Flanke zu Heinz schlägt. Aber o.k., das Tor zählt. Was soll’s. Schiri hat’s wahrscheinlich nicht gesehen, ging ja auch sehr schnell.

1860_4ever

Gehe mit Christian Jung einig. Die mit Ihren Spruchbändern. Was “besseres” ist den Roten nicht eingefallen? War teilweise unterirdisch. Tun wir so als hätten wir es nicht gesehen! Aber gut: Effizienz siegt leider über Leidenschaft! Abwehr und Sturm hatten auch nicht ihren besten Tag. Jetzt gilt es, Mund abwischen und weitermachen. Und außerdem sieht man sich pro Saison immer zweimal. Nicht mehr so lieb und nett sein, sondern den Gegnern zeigen wer wir sind: Löwen! Das wird schon.
ELIL

BenTen

Ja da hat der Niederlechner Recht, das mit der Chancenverwertung geht schon die ganze Saison so… Da würde ich ja als Trainer mal einen anderen Stürmer die Chance geben.

gut_gebrUEllt

Wem denn? Calderon?

Dueruemloewe

Da haben wir im Stadion auch darüber diskutiert. Wenn dann bräuchten wir einen anderen Stürmertyp für solche Spiele und den haben wir halt aktuell nicht.

Vom Einsatz her, kann man dem Flo nämlich keinerlei Vorwurf machen. Er hängt halt viel in der Luft und muss zu viele Wege selbst gehen.

Last edited 1 Stunde zuvor by Dueruemloewe
gut_gebrUEllt

Und hat halt auch die Seuche am Fuß (oder Kopf). Immerhin hat er die Chancen, dass seh ich nämlich beim Calderon leider (noch) nicht. In der Vorbereitung hab ich den gefeiert aber dann mal länger beobachtet was der so mit dem Fuß kann. Schwierig….

1860_4ever

So einer wie Kevin Volland würde Sechzig gut tun. Aber leider hat der im Profi-Fussball aufgehört.

BenTen

Der Einsatz ist bei ihm ist 1860%, das auf alle Fälle. Ich würde Calderon echt mal die Chance geben.

Stefan Kranzberg

Sehe ehrlich gesagt sogar den Dollinger von der U21 vor dem Calderon.

Last edited 30 Minuten zuvor by Stefan Kranzberg